Das Bruckenauer Kirchweihfest (erstellt: 30.12.98)

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Nach den drei großen kirchlichen  Festen des Jahres – Weihnachten, Ostern, Pfingsten – war, in jeder deutschen Banater Ortschaft, das Kirchweihfest das wohl größte und bedeutendste Fest für jeden Banater Schwaben, welcher eines dieser schönen Dörfer sein Heimatdorf nennen konnte.  
    Das Kirchweihfest ist zwar ein religiöses Fest, wurde aber im Gegensatz zu allen anderen christlichen Feiertagen auch von dem diktatorischen Kommunistenregime geduldet. Natürlich nicht als ein kirchliches Fest, sondern als eine Art Volksfest, als ein Fest des Dorfes.  In den verschiedenen Ortsdialekten ist das Kirchweihfest die: „Kerwei, Kirwei, Kirwai, Kirmes u.s.w. Diese Bezeichnungen wurden auch von der deutschsprachigen Presse, in ihren Berichten über dieses Traditionsfest, verwendet.  

Nun, bei der Ansiedlung des Banats durch deutschsprachige Volksgruppen, im 18. – 19. Jh., legten Diese den Grundstein vieler Ortschaften, wurden hier seßhaft und nannten sich selbst, oder wurden von Historiker „Banater Schwaben“ genannt.  
Zur Pflege ihrer Kultur hielten unsere Ahnen es wohl als Pflicht, auch die Fortsetzung der Religion zu sichern, und errichteten dadurch Gotteshäuser in ihren neuen Heimatorten. So entstand in jeder Ortschaft ein, für unsere Zeit historischer Bau - die Dorfkirche -. Die Einweihung dieser Kirchen fand in der Regel an einem von den Gläubigen auserwählten christlichen Feiertag statt. Das war (ist und bleibt?) der Tag, an dem jedes Dorf voller Freude jährlich sein schönstes Dorffest – das Kirchweihfest – feiert.  
Um nun zu unserem Heimatort Bruckenau zu kommen; unser Kirchweihfest wird jährlich am Sonntag der „Heiligen Dreifaltigkeit“ gefeiert. Eine, in der Kirche über dem Weihwasserkessel hängende, Urkunde bestätigt, dass das Gotteshaus der Bruckenauer zum Tage der „Heiligen Dreifaltigkeit“ im Jahre 1776 eingeweiht wurde. Die Einwohner unseres Dorfes blieben diesem Fest treu; es wurde, wie in allen deutschen Ortschaften des Banats, zur Tradition, dieses Ereignis mit Stolz jährlich aufs Neue aufleben zu lassen. Somit beging man im Jahr 1976 das 200-jährige Jubiläumskirchweihfest, eines der größten und schönsten Feste im Bruckenau der Nachkriegszeit.  
    Hier soll nun demnächst versucht werden, dem interessierten Leser, den Ablauf des Festes – wenn auch nur anhand eines bescheidenen Arsenals von Fotos – in Wort und Bild darzustellen.  
    Wie bereits erwähnt, wurde das Bruckenauer Kirchweihfest am Sonntag der „Heiligen Dreifaltigkeit“, ein katholischer Feiertag, eine Woche nach Pfingsten, d.h. acht Wochen nach Ostern, gefeiert. Nach kalendaristischen Berechnungen fällt das Fest frühestens auf den 17. Mai und spätestens auf den 20. Juni. Sicherlich wurde nicht nur an diesem einen Tag, dem „Kerweisunntach“, gefeiert. Sehr wohl begannen die Vorbereitungen in den Familien schon mindestens eine Woche früher und wenn man auch noch Jugendliche im Haus hatte, die als „Kerweibuwe“, oder „Kerweimädicher“ dabei waren, dann hatte man bedeutend mehr zu tun, und war auch für die Mithilfe aus der Verwandtschaft oder Nachbarschaft sehr dankbar.  
    Jene Jugendliche, die zwischen 15 und 20 Jahre alt waren, machten in der Regel in „schwowischer Kerweitracht“ bei dem Fest mit. Es waren diejenigen, die der „Kerwei“ ihren Glanz und ihren Sinn für Tradition und Pflege der Kultur unserer Ahnen gaben. Die Organisation des kulturellen Teils übernahmen die ortsansässigen deutschen Lehrkräfte und so wurde unter den Jugendlichen der „Vortänzer“ -  in der Regel aus dem Jahrgang jener Jungs, welche bereits für den Wehrdienst gemustert  waren und kurz vor der Einberufung standen – bestimmt. Der „Vortänzer“ und seine Partnerin waren dann das „Vortänzerpaar“ und trugen, an der Spitze des Kirchweihumzuges den mit bunten Bändern geschmückten „Rosmareinstrauß“. Als zweites folgte das „Nohtänzerpaar“ (zweites Paar) und auch ein „Drittänzerpaar“ wurde ausgemacht. Die zwei letztgenannten Paare trugen jeweils einen bunten Rosenstrauß, wodurch sie sich von den anderen Paaren unterschieden. Ebenso übernahmen die Organisatoren die Verhandlungen mit den Dorfbehörden, damit diese, beim Kirchgang der „Kerweipaare“ unter den Klängen der dorfeigenen Blaskapelle, ein „Auge zudrückten“.  Die örtlichen Behörden sorgten sogar, in Zusammenarbeit mit dem Dorfwirt, dass zu diesem Fest ausnahmsweise genügend Bier in die Konsumgenossenschaft geliefert wurde, damit man seine Gäste auch mit Bier bewirten konnte.  
    Apropos Gäste: Es kamen Verwandte, Freunde und Bekannte aus den Nachbardörfern, aber auch aus entfernten Orten und sogar aus dem Ausland (vorwiegend Deutschland). Bei der Anzahl der Gäste galt die Faustregel: auf jeden Einheimischen entfiel ein Gast. Damit diese Gäste sich auch wohl fühlen konnten  wurde in vielen Familien ein Schwein geschlachtet; Hühner und anderes Geflügel schlachtete man sowieso in jedem Haus; auch Kaninchen- und Lammbraten standen auf der Speisekarte. Für das Wohl der Männerseelen sorgten: Schnaps, Wein und auch Bier, sobald der Gastgeber einen Kasten erwischen konnte.  
Musikalisch begann die „Kerwei“ am frühen Samstagnachmittag, als die „Kerweibuwe“ mit der Blaskapelle vom Vortänzer, durch alle Gassen des Dorfes, loszogen um alle Bruckenauer und Gäste, mit einem Schluck vom „Kerweiwein“, zum Fest einzuladen. Die „Prominenten“ des Dorfes wurden von den drei „Tänzern“ als Ehrengäste eingeladen, wobei der Umzug dann von diesen bewirtet wurde. Zum Abendessen wurden die „Kerweibuwe“ an diesem Tag vom „Vortänzer“ eingeladen, wo auch ergiebig, aber mit „Moos“ getrunken wurde, denn man mußte ja am Sonntag rechtzeitig fit sein.  
    Der Vormittag am „Kerweisunntach“ wurde dem kirchlichen Teil der Veranstaltung gewidmet. Nachdem der „Vortänzer“ und anschließend die „Vortänzerin“ von zu Hause, vom „Kerweizug“ abgeholt wurden, ging es, unter den Klängen der Blasmusik, in die Kirche zur Heiligen Messe. Die bis Anfang der ´90 er Jahre schön gepflegte Kirche erwies sich an diesem Tag viel zu klein. Der Pfarrer lud die Kirchweihpaare anschließend zum Empfang im Pfarrhaus ein, wo die „Vortänzerin“ eine kleine Rede hielt, worauf der Herr Pfarrer mit einer Antwortrede reagierte. Nach einem kurzen, gemütlichen Plausch ging es dann nach Hause zum Mittagessen, wo die Jugendlichen mit ihren Gästen aber nur kurz plaudern konnten, denn schon am frühen Nachmittag stand der Höhepunkt des Festes bevor. Besonders für die „Kerweimädicher“ war es kein besonders gemütliches Festessen, denn 7 – 8 Unterröcke ausziehen und nach dem Mittagessen wieder genau so viele wieder anziehen, einen frischen Überrock dazu, ja das war wahrlich in 1,5 h kaum machbar! Übrigens war Pünktlichkeit, sehr zum Leidwesen der Organisatoren, nie eine Stärke der Bruckenauer. Jedenfalls wurden „Vortänzer“ und „Vortänzerin“ traditionsgemäß vom Kerweizug abgeholt und man begab sich froh gelaunt in die Dorfmitte, zum „Kerweifaß“, wo alle Dorfbewohner und Gäste bereits versammelt waren. Die anwesenden wurden zuerst von der „Vortänzerin“ begrüßt, nachher trug der „Vortänzer“ den traditionellen „Kerweispruch“ in schwäbischer Mundart vor. Zwischendurch ließen die Musiker auch mal das „Kerweistick“ erklingen. Den „Kerweitanz“ um das Faß eröffneten ebenfalls die Tänzerpaare. Die Stimmung unter den Anwesenden erreichte allerdings ihrer Höhepunkt mit dem Auftritt des „Kerweivaters“, der mit seinen humoristischen Einlagen stets bemüht war alle Zuschauer für sich zu gewinnen, was den Herren, die in diese Rolle schlüpften auch stets gelungen ist. Zu den Aufgaben des „Kerweivaters“ gehörte auch, „Hut un Halstuch“ an den Mann zu bringen; der Gewinner wurde durch Losentscheid ermittelt. Nach dessen Extratanz mit der „Vortänzerin“ begab sich der „Kerweizug“, auf Einladung des o.g. Gewinners, zu Diesem nach Hause, wurde dort reichlich bewirtet und marschierte  nachher ins Kulturhaus, wo sich mittlerweile alle Tanzlustigen eingefunden hatten.  
    Nach ein paar Tanzrunden kam ein langer Einsatz für die Musiker – nämlich der „Kerweitanz“. Dieser wurde lange Jahre nur mit der „Vortänzerin“ veranstaltet. Jeder Anwesende konnte eine Walzerrunde mit Dieser drehen, den „Kerweiwein“ verkosten und einen angemessenen Betrag in die „Kerweikasse“ spenden. In den letzten Jahren kamen jedoch alle „Kerweimädicher“ zum Einsatz, was auch mehr Geld in die Kasse brachte.  
    Gleichzeitig mit dem Kirchweihtrubel lief auch für die Kegelfreunde der große Wettbewerb. Es wurde um den „Kerweibock“ gekegelt. Am späten Nachmittag stand dann auch der Gewinner fest, welcher sich nicht die Ehre nehmen ließ, den ganzen „Kerweizug“ und die Kegelgegner zu sich nach Hause einzuladen, wo eine kurze, aber frohe Feier abging. Sehr zum Leidwesen der Kapelle war der Aufenthalt beim o.g. Gastwirt jedoch recht kurz, da noch ein Umzug durch das ganze Dorf noch anstand. So konnten auch die Alten und Kranken, welche an dem Kerweifest nicht teilnehmen konnten, unsere prächtigen Trachtenpaare bewundern.  
    Über den Glanz der Bruckenauer Kerweitracht sollen hier nicht viele, sowieso wenig sagende Wörter verloren werden. Dem Betrachter ist es freigestellt, die beigefügten Bilder selbst zu beurteilen. Fakt ist, dass die Bruckenauer Trachtenpuppen im "Adam Müller Guttenbrunn" Heimatmuseum von einer fachkundigen Jury zu den schönsten Trachtenpaare gekürt wurden.  
    Nach dem ca. 4 km langen Dorfmarsch wurden die Trachten nun abgelegt. Zum Abendbrot waren die Mädchen bei den Burschen eingeladen. Auch dieses Mahl konnte nicht ausgedehnt werden, denn mit Anbruch der Dunkelheit war der Einmarsch in das Kulturheim angesagt und wer zu spät kam, den bestrafte zwar nicht das Leben, aber die Organisatoren, was wieder der Kerweikasse zu Gute kam. Diesmal geschah der Einmarsch aber nicht in Tracht, sondern "herrisch" gekleidet. Die „Buwe“ erschienen im Anzug und die „Mädicher“ in einem modischen, extra für die Kerwei geschneiderten, Kleid. Nach dem Einmarsch tanzten die "Kerweipaare" unter sich, bis nach etwa einer Stunde der von allen Tanzlustigen erwartete Aufruf: "Tanz für Alle" ertönte. Traditionsgemäß erklang etwa bis Mitternacht Blasmusik, gefolgt von der so genannten "Streichmusik", wobei die Stimmung ihren Höhepunkt erreichte.  Von Müdigkeit war wenig zu erkennen und bis in die frühen Morgenstunden herrschte die beste Stimmung. Natürlich war auch jetzt die Kerwei noch lange nicht vorbei, denn am frühen Montagnachmittag ging es mit einem Dorfumzug wieder weiter. Dieser war, da nicht mehr in Tracht, aber leichter zu bewältigen. An diesem Tag wurden die "Nohtänzer-" und "Vortänzerpaare" abgeholt. Es gab also die Gelegenheit, sich in 4 Häusern zu stärken. Auch war der Ablauf nicht mehr so hektisch, denn im Kulturhaus warteten nur noch wenige Gäste auf die Kerweipaare. Deren Angehörige und ein paar ältere Frauen, die wohl dachten, dass die Kapelle ohne ihre Anwesenheit überhaupt nicht spielt, waren jedenfalls dabei. Auch an diesem Tag, wie übrigens bei jeder Gelegenheit, sorgten die Tänzerpaare für Verstärkung in Form von belegten Brötchen und Kuchen. Am Kerweimontag wurde bis Mitternacht in froher Runde durchgetanzt. Als dann vorerst "Feierowed" verkündet wurde, war es für den Großteil der Beteiligten eine Erlösung; trotzdem hätten die Tapfersten noch gerne bis in das Morgengrauen durchgehalten. Sehr wohl, es wurde nur vorerst "Feierowed" geblasen, denn die Kerwei war ja noch nicht begraben, es stand ja noch die "Nohkerwei" bevor.  
Standhafter, als die Kerweipaare der ´70 er Jahren, waren wohl Diejenigen, welche eine Generation voraus den Kerweistrauß getragen hatten. Damals ging das Fest montags noch die ganze Nacht hindurch und erst dienstags nach Mitternacht wurde es vorerst beendet. Nun das war in jener Zeit auch möglich, da die Kirchweihpaare auf ihrem eigenen Hab und Gut tätig waren und nicht nach Temeschburg als Arbeiter, Lehrling oder Schüler pendeln mußten.  
  In der Woche zwischen Kerweih und Nohkerweih findet immer der katholische Feiertag Fronleichnam statt. An diesem Tag wurde bis in die ´50 er Jahre die Fronleichnam- Prozession von der Kirchengemeinschaft veranstaltet. Die Kerweipaare jener Zeit wurden zu diesem Anlaß wieder aktiv indem sie an diesem Umzug teilnahmen.  In den Jahren der Ceausescu Diktatur blieb dieser Umzug den Kerweipaaren "erspart", da diese Veranstaltung nicht mehr genehmigt wurde.  
    In dieser Woche liefen die Vorbereitungen für die "Nohkerwei" auf Hochtouren, obwohl   die Veranstaltung ausschließlich am Sonntag abgehalten wurde. Das Vormittagsprogramm beschränkte sich, nachdem das Vortänzerpaar abgeholt war, im Grunde auf den Besuch der  Heiligen Messe. Am Nachmittag wurden dann alle drei Tänzerpaare von den restlichen Paaren, unter Begleitung der Blaskapelle, abgeholt, wobei man diesmal dem Vortänzer als Letzter die Ehre zukommen ließ; die Nohkerwei war der Tag des Vortänzers; ansonsten war es immer seine Partnerin, die als Letzte abgeholt wurde. Auf diesem langen Marsch durch das gesamte Dorf, welcher sowohl für die Kerweipaare, als auch für die Musiker eine Kraftprobe war, ließ  man sich reichlich Zeit, schließlich wurde man ja von allen Gastgebern reichlich bewirtet. Der Einmarsch ins Kulturheim erfolgte am späten Nachmittag, wobei die Kerweipaare und die - im Vergleich zur Kerwei - wenigen Gäste die Gelegenheit hatten, in dem diesmal nicht überfüllten Saal, in lockerer Atmosphäre das Tanzbein zu schwingen.  
    An diesem Abend waren nun die Kerweibuwe bei ihren Partnerinnen zum Essen eingeladen, nachdem die Tracht für dieses Kerweifest abgelegt wurde. Am späten Abend erfolgte dann der letzte Aufmarsch im Kulturheim. Obwohl nicht mehr gerade frisch, tanzten die Jugendlichen, in froher Runde, die ganze Nacht durch. Natürlich kamen auch alle anderen Tanzwilligen zum Zuge, bis in den Morgenstunden die Kerwei dann "begraben" wurde.  
    Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass diese Schilderung sich auf ein Kirchweihfest in den ´70 er Jahren bezieht. Wie bereits erwähnt war das Jubiläumsfest des Jahres 1976, mit 24 Paaren, eines der Schönsten. Bis Anfang der ´80 er Jahren wurde immer noch ein schönes Kirchweihfest veranstaltet, aber plötzlich gerieten diese wunderbaren Veranstaltungen ins Stocken, nicht zuletzt weil es an Jugendlichen mangelte, aber es ging plötzlich mit der Auswanderung in die B.R.D. zügig voran und alle anderen Interessen wurden in den Hintergrund gestellt.  
    Obwohl in den ´80 er Jahren noch zwei sehr gelungene Männerkerweihen veranstaltet wurden (mit verheirateten Paaren), blieb Thema Nr. 1 das "Deitschland fahre" und die traditionsreichen Feste blieben auf der Strecke.  
Unseren fachkundigen Lesern sollen hier noch einige Fragen beantwortet werden.  
Wieso wurde nichts von einem Kerweibaum erwähnt?  
     Nun, das Bruckenauer Kirchweihfest wurde, wie bereits erwähnt, zwischen der zweiten Mai- und der ersten Junihälfte gefeiert. In unserem Ort herrschte lange Zeit die Tradition des Maibaumsteckens; also stand gerade zum Kirchweihfest ein schmucker Maibaum (auch) in der Dorfmitte vor dem Kulturheim. Die Veranstaltung des Kirchweihtanzes wurde aber sittengemäß am und um das "Faß" gemacht.  
Wieso wurde der Rosmareinstrauß am Kerweihfest nicht versteigert?  
     Ja, dieser Strauß blieb, als ewiges Andenken, im Besitz des Vortänzerpaares. Versteigert wurde ein Rosmareinstrauß am Trachtenball (Schwoweball), in der Regel der erste  Ball des Jahres. Der Ersteigerer des Straußes schenkte ihn einem Trachtenpaar, welches dadurch das Tänzerpaar des "Schwoweballs" wurde.  
All das gehört aber leider der Vergangenheit an...  
Wie, wann und wo wird das Bruckenauer Kerweihfest in der Gegenwart abgehalten?  
     Es gibt sie noch - die Bruckenauer Kerweih. Jeweils in den ungeraden Kalenderjahren treffen sich alle interessierten Bruckenauer am Samstag, vor dem Tag der "Heiligen Dreifaltigkeit", in Nürnberg (hier haben viele Bruckenauer ihre neue Heimat gegründet). In der "Maria-Hauch-Kirche" wird eine gemeinsame Messe gelesen. Jugendliche sind - leider nur in der Kirche - in Tracht mit dabei. Anschließend folgt ein zünftiges Zusammensein in einer Wirtschaft, wo viel geplaudert, getanzt, gegessen und auch getrunken wird. (ehemalige) Bruckenauer Musikanten musizieren wieder mal zusammen.  
     Im Jahre 2001 steht das 225. Kirchweihfest bevor. Vielleicht läßt sich die Vorstandschaft der HOG zu dieser Gelegenheit etwas einfallen. Vielleicht ein Kirchweihfest in der alten Heimat? Wer weiß.... Lassen wir uns überraschen!  
Verfasser: Herwig Hehn 
Bearbeitung: Helmut Schlauch 
Rede der Vortänzerin (im Pfarrhaus) an den Herrn Pfarrer  
Gelobt sie Jesus Christus!  
Hochwürdiger Herr  Pfarrer! 
Nach alter Tradition und Sitte feiern wir auch in diesem Jahr, auf den Tag der Heiligen Dreifaltigkeit, das Jubiläum unserer Kirche. Dieses Fest unserer über 200 Jahre alten Kirche ist das größte Fest des Dorfes.  
 Wir, die diesjährigen Vertreter des Kirchweihfestes, in prachtvoller Tracht, wollen vor Eröffnung der kulturellen Feier Ihnen, Herr Pfarrer, die Ehre bringen, Sie herzlichst einzuladen auf unser Kirchweihfest, da Sie als Oberhaupt der Bruckenauer Glaubensgemeinschaft, ja selbstverständlich der erste Ehrengast auf unserem Fest sein sollten.  
Wir besuchten  voller Andacht die heilige Messe und wurden, bei unserem Einzug, von dem hellen Glockenklang unserer - für uns schönsten - Kirche begleitet.  
Auch in der Ferne werden wir uns immer noch nach dem Klang dieser Glocken sehnen, weil er ja einmalig ist. Die "Glocken der Heimat" erinnern uns immer wieder und überall an die Kirche und an das Kirchweihfest.  
Wir sprechen Ihnen unseren innigsten Dank aus, weil sie als Vorsteher unserer Kirche, voller Hingabe Alles dafür tun, um unsere deutsche Gemeinschaft, durch den Glauben, durch das Wort Gottes und durch die Kirche, eng vereint zu halten.  
Wir wünschen Ihnen, Herr Pfarrer, die beste Gesundheit und viel Schaffenskraft - damit Sie noch viele Jahre im Dienste unserer Kirche, im Dienste Gottes, stehen können. Wir wünschen Ihnen und uns selbst, von ganzem Herzen, dass Sie noch bei vielen Kirchweihfesten  für alle Bruckenauer und Ex- Bruckenauer in unserer Kirche, welche uns stets als trautes Heim der Zuflucht dienen soll, die Heilige Messe vorlesen sollen und die Freude der Kirchweih mit uns und allen Bruckenauer teilen können.  
Es lebe hoch unser Herr Pfarrer! Es gedeihe unsere Kirche! Es erblühe unser heutiges Kirchweihfest!  
Amen. (zurück)  
Verfasser: Herwig Hehn
Kerweihspruch des Vortänzers 
Liewe Bruckenauer, geehrti Gäst von weit und braat  
Ob vun de Heck, oder vun de Haad  
Oder ob Dir aach seid vun am ferne Land  
Mir reiche Eich heit wirklich gern die Hand.  
Un herzlich willkommen sein uns alle Leit  
Weil die Bruckenauer feire ihre Kerwei heit.  
Musich! (Kerweistickl)  
Liewe Gäst, des war a ziehmlich harti Zeit  
A ganzi Woch hot´s Dorf die Kerwei vorbereit.  
For so a Fest brauch mer nit nor gute Wein  
Aach gschlacht sein gewe: ziemlich 50 Schwein  
200 Hingle hun for heit es Messer kriet  
100 Ente hot mr for saftich brote, gebrieht  
Dezu a Haufe Gäns un Pokle, Hase, Schof,  
Ja liewe Leit, do ware Nächte ohne Schlof.  
Musich! (Kerweistickl)  
Die Männer hun täglich in de Keller misse giehn  
For noch dem gute Tropfe in de Fässer zu siehn.  
Besorgt hot mr Bier un Racki un Wein -  
Weil ohne Getränk kann doch ka Kewrwei nit sein.  
Nochmittags gieht a jeder aus mit seine Gäst  
Ins  Zentrum vum Dorf, ans  Faß zum Kerweifest.  
Do stiehn die junge Paare in voller Pracht  
Einmalig is die Bruckenauer Kerweitracht.  
Musich! (Kerweistickl)  
Die junge Paare - heit sein´s echte Schwowe  
Organisatore un die Musich kann mr heit nur lowe.  
Vergesse kann mr jetz´ die Vorbereitungstäch  
Uns´rem Kerweihfest stieht nix mehr im Wech.  
Zum Schluß heb ich den Strauß aus Rosmarein  
Ja schenner kennt der wirklich gar nit sein.  
Drum feire mr jetz unser fest und rufe noch:  
"For die Bruckenauer Kerweih - Dreimol hoch!- (zurück)  
Verfasser: Herwig Hehn 
Schlußwort:  
    Leider mußte dieser Bericht in der Vergangenheitsform geschrieben werden... Wenn die Bruckenauer Kerwei auch, wie schon erwähnt, jedes zweite Jahr in Nürnberg in der einen, oder anderen Form gefeiert wird; ein Fest wie in der alten Heimat wird es (wahrscheinlich) nie werden.  
    Natürlich sind wir (fast) alle dankbar, in der B.R.D. eine wundervolle, zweite Heimat gefunden zu haben, doch gingen mit dieser Aussiedlung auch schöne, für uns Banater Schwaben wertvolle Bräuche und Traditionen für immer verloren. Wir haben hier zwar eine finanzielle Sicherheit und eine menschenwürdige Zukunft gefunden, die Sehnsucht nach den traditionellen Bräuchen kann aber mit "keinem Geld der Welt" abgegolten werden. Besonders die Älteren unter uns erinnern sich wehmütig an die schönen, wenn auch manchmal bescheidenen Feste in der alten Heimat. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, so wie in Bruckenau, wo jeder jeden kannte, wird es nie wieder geben. Doch sind wir uns bewußt - wären wir ach in der alten Heimat geblieben, würden diese Sitten langsam, aber sicher untergehen. Darum finde ich es erstrebenswert, unsere Bräuche und Traditionen für die nachfolgenden Generationen festzuhalten, wobei gerade das Internet, durch seine ständig größer werdende Bekanntheit,  ein dazu passendes Medium ist.  
Verfasser: Helmut Schlauch
Bilder stammen aus dem Buch: "Bruckenau, eine Banater Heckengemeinde an der Bergsau"


  
 

Kurze Geschichten in Bruckenauer Mundart 
Diese Geschichten stammen aus dem Buch: "Bruckenau, eine Banater Heckengemeinde an der Bergsau"  
  
Die Gicklsopp  
    Die Leit aus de umliegende Ortschafte, die Johrmarker, Bentscheker usw. hun uns Bruckenauer immer verspott, weil mer iwer de Kokosch „Gickl“ gsaat hun, statt Supp „Sopp“, un iwer die Aue „Aache“. „Fahr mer uf die Bruckenauer Kerweih,“ hun se gsaat, „dort krien mer Gicklsopp mit Aache“.  
    Unser alter Banpater hot des awer mol an Kerweihsunntach noch de Mess richtich gstellt mit der Sopp. Des Wort kummt vum französische „soupieren“ un do sein mir Bruckenauer dene anre zuvorkumm un hun uns schnell die erschte Buchstawe ghol.  
Lauter Endsticker  
    Sunntachs is meistens Sopp un Fleisch gekocht gewe, mit Pardeis-, Kaper- oder Knowlochsoß un Krumbire. Gerwestrudl mit Makse, Niss oder Lekes gfillt, hot a nit fehle därfe. So war’s aach bei der Margetsweß. Mit aaner Phan Strudel hot se awer nit genuch ghat, weil ihre Bu Strudl, un besonders die Endsticker, arich gern gess hot. Sie is druf kumm, wann mer die Strudl anfach in de Mitt dorchschneit, hot mer lauter Endsticker. So hot ihre Bu nor des „Beste“ esse brauche.  
Zwerch iwer die Gärter  
    Wie des frieher schun uf’m Dorf war, sein die große Buwe oweds fortgang, un manichsmol beim Kumrad in die Weinkammer gerot. Wein war jo in Bruckenau  
genuch.  
    De Hannes un de Josep aus de Saulännergaß ware mol bei so aaner Weinprob in de Roßmillergaß. Wie beim Haamgiehn dem Josep sei Fieß nimi weiter hun wolle, hot de Hannes sei Freind doch nit im Stich losse kenne. Weil de Wech dorch die Gärter kerzer war, hebt er de Josep iwer de Zaun, krawelt noch un schleppt ne weiter. Do war awer glei wiedr a Zaun. De Hannes hebt de Josep driwer, krawelt noch un … des hot sich noch paarmol wiedrhol. De Hannes war schun fuchtich un mied, den schwere Josep so oft iwer de Zaun zu hewe. Er hot aach nit verstann, wu die ville Zein herkumm sein. Es is ’m nix iwrich geblieb, wie uf des Licht zuzugiehn, was mer in der dunkl Nacht vun weitm gsiehn hot.  
    Später hot sich’s rausgstellt, daß se statt gradaus, zwerch iwer die Gärter gewanklt sein un schun beim Filipps-Matze-Johann uf de Schanz ware. Des Licht is awer vum Musikusch uf’m Hunsberch kumm.  
Rawre in de Saulännergaß  
    Im Winter is mer oweds in die Spinnstub gang. Es ware die Nochberschleit aus aam Eck, die zammgang sein. Noch’m Nachtesse war’s Viech versorcht, no hot  
mer die Latern ongfang un is dorch de Schnee, der so scheen geknerscht hot, in die Reih’ gstappt. Die Weiwer hun Woll gspunn, Strimp gstrickt oder Schuh ghäklt. Die Mädicher hun Oweticher, Tischticher oder Kamplsäcklcher genäht. Dezu hun se gepatschte oder gekochte Kukruz gess. De Wein zu verkoste war Männersach. Es is aach hart zugang, wann se vum Kriech verzählt hun un jeder mehr erlebt ghat hot.  
    Aamol war die Reih’ bei de Margetsweß un’m Vettr Niklos. Der hot oft Schawrnack gertieb, so aach an dem Owed. Er is mol nausgang un hot geruf:  
„Rawre! Rawre! Männer kummt, kummt schnell! Die hun unser Worscht un Schunke stehle wolle. Schaut, do leit a Schunke im Gang! Dort laafe se dorch de  
Garte.“ Die Männer hun nix gsiehn, sein awer je noh, dorch de Garte, geger die Darwasch. Nor dem Vettr Hannes is die Sach verdächtich vorkumm. Er holt de Niklos am Schlawitche un beitlt’ne grindlich: „Uns soo d’ron zu krien! – Weh’ dir! Irgendwann kriest’s z’rick! Des is versproch!“  
De Grenadiermarsch 
    Zwaa Männer ware mol im Tachlohn bei bessre Leit Holz schneide. Weil se aach die Kost griet hun, hot die Hausfrau gsaat: „Seid nor recht fleißich! Es gebt Grenadiermarsch zu esse. Des is was Gutes.“ A Esse mit so aam nowle Nome, do muß schun was dehinner sein, hun sich die Männer gfreit un tichtich geärwet. Wie’s Mittach war, hot die Hausfraa geruf. Die Männer schaue in die Schissl un es kummt ne nit zum glaawe. Daß „Krumbir un Kneedle“ aach so haaße kenne, hun se nit gewißt. Hot der Nome etwas mit de gereeste Zwiwle un dem rote Paprika zu tun? … 
Sieße un saure Pardeis  
    Die Schwestre Anna un Evi hun in de Kollektiv geärwet. Wann uf’m Feld drauß’ Mittachspause war, hun se sich uner de Baam gsetzt un de Tanister mit Brot,  
Speck un Pardeis ausgepackt. ’s Anna, de Gabor, hot alles vertaalt, jedi Pardeis dorchgschnitt, je aan Hälft for sich ghal un die aner Hälft de Schwester gewe. Do  
froot die Susiweß: „For was machst du des so? Du kennst doch die Pardeis aach ganzer vertaale.“ „Oh na,“ saat’s Anna „es kennt doch sein, daß die aan Pardeis  
sießer un die aner saurer is, un ich grad die sauer verwisch.“ 
  
  
 

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