Ansiedlung der Banater Schwaben

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Das Banat ist ein Landstrich in Südosteuropa, der sich im Dreiländereck Ungarn-Serbien-Rumänien befindet und von der Marosch im Norden, der Theiß im Westen, der Donau im Süden und den westlichen Ausläufern der Süd-Karpaten im Osten begrenzt wird. In der Antike war das Banat Teil des Königreichs Dakien und später nach den Trajan-Kriegen Teil der römischen Provinz Dacia. Während der Awarenzeit im 5. und 6. Jahrhundert siedelten sich Slawen in der Region an. Jahrhunderte später fiel das Banat an das Königreich Ungarn. Die Osmanen eroberten es 1526 und hielten es mehr als 160 Jahre besetzt, als es 1718 an Österreich fiel und bis zum Ersten Weltkrieg Teil Österreich-Ungarns blieb. Am 21. Juni 1919 wurde das Banat dreigeteilt. Gemäß dem Vertrag von Trianon fielen 18.945 km² an Rumänien (die Kreise Temesch, Arad und Karasch-Severin, sowie ein Teil der Kreise Hunedoara und Mehedinti), 9.307 km² an das Königreich Jugoslawien (die Vojvodina und Zentralserbien), und 217 km² verblieben bei Ungarn (Komitat Csongrád).

Das rumänische Banat besteht im Westen aus einem Teil des Pannonischen Flachlandes („die Heide“), im nordöstlichen Teil aus Hügelland („die Hecke“) und im Südosten aus den Karpaten („das Banater Bergland“). Wirtschaftliches und kulturelles Zentrum ist die Großstadt Temeswar/Timisoara. Der serbische Teil besteht fast nur aus Flachland. Mitten durch das Banat fließt die Temesch. Sie hat der Metropole des Banats, Temeswar, ihren Namen gegeben. Für die meisten Historiker geht der Name Banat auf die mittelalterliche ungarische Grenzmark zurück, an deren Spitze ein "Banus", ein Markgraf, stand. 

 

Die Vorfahren der Banater Schwaben sind vor fast 300 Jahren aus verschiedenen Teilen Süddeutschlands in das nach den Türkenkriegen fast entvölkerte Banat ausgewandert. Die Mehrheit der Siedler kam aus Franken, Bayern, Österreich, Elsaß-Lothringen, Luxemburg, aus dem Rheinland und aus der Pfalz. Auch kleinere Gruppen aus Mitteldeutschland sind nachweisbar. Nur ein kleiner Teil stammte aus dem Schwäbischen. Warum sich trotzdem die Benennung "Schwaben" durchsetzen konnte, ist nicht geklärt. Wahrscheinlich ist es dem Umstand zu verdanken, dass die Mehrheit der Auswanderer in der schwäbischen Stadt Ulm registriert und eingeschifft wurde und mit den so genannten „Ulmer Schachteln“ auf der Donau bis Belgrad transportiert wurde, um von dort in die Bestimmungsorte gebracht zu werden. Die Besiedlung des Banats fand in mehreren Etappen statt und war eine großangelegte, systematische und bis ins Detail geplante Aktion der österreichischen Verwaltung. Dörfer, Städte und Straßen wurden auf dem Reißbrett entworfen und widerspiegelten in ihrer Symmetrie die damalige absolutistische Baukultur. Die Ansiedler fanden das Banat als nahezu menschenleere, von Wäldern durchzogene Sumpflandschaft vor. Entscheidend für das Gelingen der Ansiedlung im Banat war die Eindämmung der Sümpfe durch die Kanalisation der Bega. Der gewonnene Ackerboden erwies sich als äußerst fruchtbar und begründete den Wohlstand der Banater Schwaben im 19. Jahrhundert. Der Landstrich galt als Kornkammer Österreich-Ungarns. Die Festung Temeswar wurde zur blühenden Stadt und zum kulturellen Zentrum der Banater Schwaben.



DAS BANAT UNTER TÜRKISCHER BESATZUNG (1526-1717)
Am 29. August 1526 erlitt Ungarn in der Schlacht bei Mohács eine entscheidende Niederlage durch das türkische Heer. König Ludwig I. (1516–1526) fiel im Kampf, und der Sieger, Sultan Suleiman I. (1520–1566), besetzte die Hauptstadt Ofen. Nach der Schlacht konnten die Türken große Teile Ungarns und Kroatiens einnehmen und in das Osmanische Reich eingliedern. Es begann das Vordringen der Osmanen nach Mitteleuropa und mit der Errichtung des Paschaliks Ofen wurde die türkische Herrschaft im gesamten Pannonischen Becken etabliert.
Erst 1683 in der Schlacht am Kahlenberg vor Wien bahnte sich eine Wende an. Der endgültige Sieg über die Türken sollte jedoch erst 1718 erreicht werden. Die Befreiung des Donauraumes von osmanischer Herrschaft erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte von 1683 bis 1718. Wichtige Etappen der Befreiungskriege waren die Eroberung der ungarischen Hauptstadt Ofen (1686), die Befreiung der Festung Temeschburg (1716) und die Besatzung der Festung Belgrad (1717).
Ein ca. 38.000 Mann starkes Heer machte sich im Frühjahr 1684 unter Karl V. von Lothringen auf, um die Stadt Ofen von den Osmanen zu befreien. Die Belagerung wurde nach 109 Tagen aufgegeben, da die Witterung schlecht, die Moral der Truppe katastrophal und die Türken ein Entsatzheer herangeführt hatten. Erst in einem neuen Feldzug gelang es den kaiserlichen Truppen am 2. September 1686, Ofen zu erobern.
1697 erzielten die kaiserlichen Truppen unter dem Oberbefehl von Prinz Eugen von Savoyen an der Theiß einen blutigen Sieg über die Osmanen. Als der Sultan versuchte die Theiß bei Zenta zu überqueren und sich nach Temeswar ins Winterlager zurückzuziehen, erkannte Prinz Eugen die Absicht des Feindes und entschloss sich sofort zum Angriff. Er überraschte die Osmanen am 11. September 1697 während der Flussüberquerung und fügte ihnen eine vernichtende Niederlage zu. Der nach Temeswar fliehende Sultan verlor 25.000 Mann, wohingegen die Verluste der Truppen des Kaisers 28 Offiziere und 401 Soldaten betrugen. Am 26. Januar 1699 wurde der Friedensvertrag von Karlowitz geschlossen. Er ist nach der heutigen Stadt Sremski Karlovci in der Vojvodina benannt, in der von November 1698 bis Januar 1699 der Friedenskongress abgehalten worden war. Nach Ende des Großen Türkenkrieges (1683-1699) musste das Osmanische Reich auf sämtliche Gebiete nördlich der Donau, mit Ausnahme des Banats, zu Gunsten Österreichs verzichten, welches so den Status einer Großmacht erwarb. Lediglich der gebirgige Osten um Lugosch und Karansebesch sowie ein schmaler Streifen im Norden und Westen Lippa, Tschanad, Betschkerek fielen an Ungarn. Siebenbürgen wurde mit Ungarn wiedervereint, Ungarn wurde Österreich bzw. den Habsburgern zuerkannt.
 
Prinz EugenIm Juli 1716 marschierte eine riesige türkische Armee in Richtung Peterwardein (dem heutigen Petrovaradin, ein Ortsteil von Novi Sad/Neusatz in Serbien), deren Stärke mit 200.000 Mann beziffert wird. Prinz Eugen von Savoyen, seit 1703 Präsident des Hofkriegsrates, standen etwa 70.000 Mann zur Verfügung. Durch ein persönlich geführtes Kavalleriemanöver gelang es Prinz Eugen die türkischen Truppen buchstäblich niederzuwalzen.
Nach der siegreichen Schlacht von Peterwardein (1716) wollte Prinz Eugen seinen Sieg gegen die Türken strategisch weiter ausnützen. Also beschloss er den Angriff auf die Festung Temeschburg und somit die Einnahme des Banats, der letzten Region des alten Königreichs Ungarn, welche noch von den Osmanen gehalten wurde. Am 31. August 1716 hatte Prinz Eugen von Savoyen die Festung Temeschburg umzingelt. Die Belagerung dauerte 42 Tage. Die im August begonnene Belagerung endete ziemlich unerwartet, da die Besatzung im Oktober kapitulierte und ihr samt Zivilbevölkerung der freie Abzug nach Belgrad erlaubt wurde. Am 13. Oktober hissten die Türken die weiße Flagge. Am gleichen Tag noch wurde die Kapitulationsurkunde unterzeichnet. Mit der Übergabe von Temeswar endeten mehr als 160 Jahre türkische Oberhoheit über das Banat, welches bis zum Ende des Ersten Weltkriegs habsburgisch blieb. Temeswar wird nach den Türkenkriegen und der Eroberung des Banats durch Österreich zur Festungs- und Garnisonsstadt ausgebaut und bleibt in den folgenden beiden Jahrhunderten unter österreichischer bzw. später österreichisch-ungarischer Herrschaft. Den Namen verdankt die Stadt der Temesch, liegt aber infolge der Flussbegradigungen aus dem 18. Jh. nicht mehr an derselben, sondern an den Begakanal. Vár bedeutet auf Ungarisch Burg oder Festung. Die deutsche Bezeichnung Temeschburg resultiert aus einer in den 1920er Jahren versuchten Eindeutschung durch deutschnationale Kreise, konnte sich allerdings bei der deutschen Bevölkerung vor Ort nie durchsetzen (dennoch ist der Name Temeschburg in der Bundesrepublik Deutschland bis heute offizielle Bezeichnung).
Nach den Erfolgen von 1716 hieß das nächste logische Ziel Belgrad. Die Stadt liegt genau an der Stelle, an der die Save in die Donau mündet. Durch die Flussbiegungen der Save und Donau war die Festung nur von südlicher Richtung aus direkt angreifbar. Der strategische Wert dieser Position ist sowohl als Bollwerk gegen einen Angreifer aus Südosten als auch gegen einen Angreifer aus Nordwesten unschätzbar hoch und war somit für die Habsburger wie für die Osmanen die Schlüsselstellung auf dem Balkan. Am 22. August 1717 hat Prinz Eugen die Festung Belgrad erobert, indem er sie überraschend nicht von Land, sondern mittels einer Pontonbrücke vom Wasser aus angriff. Nach den zahlreichen Niederlagen dieses Krieges war das Osmanische Reich zum Frieden bereit, genauso aber auch der Kaiser, da Konflikte mit Spanien um Sardinien drohten.
Am 21. Juli 1718 wurde in Passarowitz, dem heutigen Požarevac in Serbien, zwischen Karl VI., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Sultan Ahmed III. der Friedensvertrag von Passarowitz geschlossen. Er besiegelte die endgültige Niederlage der Türken. Das Osmanische Reich trat das Banat und die Kleine Walachei (im heutigen Rumänien) sowie Nordserbien mit Belgrad und einen Grenzstreifen in Nordbosnien an Österreich ab.
1718 wurde die Militärgrenze des Habsburgerreiches im Temeswarer Banat geschaffen. Die Militärgrenze („Vojna Krajina“) bildete vom 16. bis zum 19. Jahrhundert das Grenzgebiet des Habsburgerreiches zu dem Osmanischen Reich. Es umfasste die Kroatische Militärgrenze und seit dem 17. und 18. Jahrhundert die Slawonische sowie die Banater Militärgrenze. Einige Historiker sprechen auch vom habsburgischen „Limes“. Die Banater Militärgrenze wurde in Serbische (Illyrische), Deutsche (Volksdeutsche) und Rumänische (Walachische) Abschnitte unterteilt.



 

DAS TEMESWARER BANAT UNTER DEN HABSBURGERN (1718 - 1778)



DIE LANDESADMINISTRATION DES WIENER HOFS
Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden etwa 200.000 Einwanderer aus den verschiedenen deutschen und österreichischen Gebieten in Ungarn angesiedelt. Die habsburgische Südostkolonisation verlief über ein ganzes Jahrhundert weitgehend kontinuierlich. Nach dem Abzug der Türken war das Gebiet der Habsburger auf das Dreifache angestiegen. Zwangsläufig musste nach 1686 eine provisorische Verwaltung, die aus den Militärkommandanten einerseits und den Kameralinspektoren andererseits bestand, eingeführt werden. Als nächste Aufgabe drängten sich Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft auf. Dies war jedoch nur durch Wiederbesiedlung der entvölkerten Landstriche möglich. Zwecks Beschleunigung der Besiedlung des mittleren Donauraumes zog man schon damals in Erwägung den Kolonisten Freijahre von allen Steuern zu gewähren. Besonders förderte man die Ansiedlung katholischer Kolonisten. Wien befürchtete, dass sich die Protestanten mit ihren ungarischen Religionsverwandten, den Aufständischen von Tököly (1678, der Aufstand der Kuruzzen/Kreuzträger, unter Rakoczi II.) und somit auch mit den Türken, verbinden könnten und war sich derer Zuverlässigkeit nicht sicher.
Die ins Leben gerufene Kameraladmimistration versuchte nun das wüste Land entweder an die Eigentümer zurückzugeben, sofern diese auffindbar waren, oder an Pächter auf jeweils drei Jahre zu vergeben. Anfang des 18. Jahrhunderts veranlasste die ungarische Hofkammer, das herrenlose Land an vermögende und angesehene Adelsfamilien zu einem günstigen Preis zu verkaufen oder an verdienstvolle Feldherren der Türkenkriege als Donation abzugeben.
Das Einrichtungswerk des Kardinals Graf Leopold Kollonich (1688)
Die merkantilistischen Wirtschaftsanschauungen des damaligen Zeitalters zogen die Notwendigkeit der Bevölkerungsvermehrung nach sich. Der Kardinal Graf Leopold von Kollonich, Präsident der Kaiserlichen Hofkammer in Wien, wurde vom Kaiser Leopold I. bereits 1688 mit dem Erstellen des so genannten Einrichtungswerks betraut. In 80 Sitzungen, die sich über eine Zeitspanne von 15 Monaten erstreckte, erarbeitete eine siebenköpfige Unterkommission unter der Leitung von Kollonich das Einrichtungswerk des Königreichs Ungarn. Es bestand aus fünf Teilen: dem Justizwesen, dem Kirchenwesen, dem Politikum, dem Militärwesen und der Kamerale. In zwölf Punkten wurden die Vergünstigungen der Zuwanderer dargestellt: die Gewährung von Freijahren von allen Abgaben und Dienstleistungen, die Zusicherung des freien Bürgers (weder schollengebunden noch leibeigen), keine Diskriminierung nach Nationalität und Religion, kostenlose Überlassung von Grund und Boden im Ausmaß von 32 Joch, Begrenzung der Robot nach den Freijahren auf drei Wochentage, Erleichterung für den Eintritt in Zünfte.
Im August 1689 brachte Kollonich Erlässe im Namen des Kaisers heraus, um das Einrichtungswerk zu verwirklichen, der Verkauf der Güter in den neueroberten Gebieten an den Meistbietenden und der Aufruf an Siedler sich in Ungarn niederzulassen. Dies stieß jedoch auf die Ablehnung der ungarischen Stände, so dass das Einrichtungswerk nach seiner Fertigstellung nicht verwirklicht werden konnte. Trotzdem kann das Einrichtungswerk von Kollonich als Meilenstein für die Bevölkerungspolitik des Wiener Hofs im 17./18. Jahrhundert angesehen werden.
Das Einrichtungswerk des Grafen Johann Alexander von Kallaneck (1717)
Die neu eroberten Gebiete waren sowohl dem Hofkriegsrat als auch der Hofkammer unterstellt, waren also sowohl unter Militär- als auch unter Zivilverwaltung. Höchster Befehlshaber der Armee war Graf Mercy und als Kameralinspektor wurde Graf Johann Alexander von Kallaneck eingesetzt. Die Instruktion der Hofkammer vom 7. Oktober 1717 sah eine komplette Bestandaufnahme des Landes vor, das Einführen von Grundbüchern, das Erfassen aller Zoll- und Mautstationen, die Einrichtung des Salzwesens, die Planung der Wasser- und Waldwirtschaft, des Bergwesens, des Bier- und Weinmonopols, der kirchlichen Einrichtungen, des Münzwesens sowie die Sonderstellung der Stadt Temeswar und den Aufbau einer effizienten Verwaltung.
Kallaneck wurde damit betraut unverzüglich nach Temeswar aufzubrechen, den Kontakt zu Graf Mercy aufzunehmen und die Landeskonskription durchzuführen. Doch das Militär widersetzte sich vehement der Durchführung der Konskription, da es befürchtete, dass dabei Unregelmäßigkeiten aufgedeckt werden könnten. Graf Mercy legte im Gegenzug sein eigenes Einrichtungsprojekt vor.


Das Einrichtungsprojekt des Generals Graf Florimund Mercy (1717)

 

Präsident der Landesadministration des Banats (1717-1734)



 
Graf MercyDas Einrichtungsprojekt von Graf Mercy sah die Einteilung des Banats in drei Distrikte mit Sitz in Temeswar, Lippa und Denta vor. Die Distrikte sollten von so genannten Provisoren geleitet werden. Eine Landeskonskription, befürchtete er, würde zu Unruhen in der Bevölkerung führen und schlug deshalb vor, die Daten der Konskription von 1717 als Grundlage für das Erheben von Steuern zu benutzen. Damals wurden 663 Dörfer mit 21.289 Häusern gezählt. Das Einrichtungsprojekt von Graf Mercy beschäftigte sich ausführlich mit dem Salzwesen, dem Bier- und Branntweinmonopol, der Verpachtung der Mühlen, dem Mautwesen, der Wald- und Fischereiwirtschaft, dem Postwesen sowie dem Bergbau. Desgleichen sah das Einrichtungsprojekt des Grafen Mercy die militärische Landessicherung mit Amtssitzen in Temeswar, Lippa und Denta vor und behandelte die Stellung der Stadt Temeswar als Verwaltungssitz des Banats. Die Spannungen zwischen Militär- und Kameralverwaltung waren groß. Die gegensätzlichen Auffassungen betrafen vor allem die Erhebung der Steuern sowie den Widerstand des Militärs gegen das Durchführen der Landeskonskription. Die Eigenmächtigkeiten des Militärs gegenüber der Zivilbevölkerung sowie Unregelmäßigkeiten beim Eintreiben der Steuern waren gang und gebe. Doch Graf Mercy genoss ein hohes Ansehen seitens des Hofkriegsratspräsidenten Prinz Eugen. Dieser setzte beim Kaiser die definitive Bestellung von Mercy zum General im Banat und von Wallis zum Festungskommandanten von Temeswar und Stellvertreter Mercys durch. Prinz Eugen betonte in seinem Vortrag an den Kaiser, dass Verwaltung und Polizeiwesen im Banat wegen dessen exponierter Grenzlage vom Militär kontrolliert werden müssen. Am 15. April 1718 wurde Graf Mercy laut kaiserlichem Dekret zum kommandierenden General im Banat ernannt, so dass der Führungsanspruch des Militärs auch in der Kameralverwaltung erhalten blieb. Graf Mercy als Präsident der Landesadministration wurden seitens des Militärs der Festungskommandant Wallis und Matthias Bartholomäus Hahn vom Kriegskommissariat und von Seiten der Kamerale Kallaneck und Rebentisch zur Seite gestellt. Desgleichen wurde festgelegt, dass die Vorschläge des Einrichtungsprojektes von Graf Mercy nunmehr bindend für die neu errichtete Administration seien.
1734 wurde Graf Mercy zum Kriegseinsatz nach Italien geschickt, wo er im Kampf bei Parma fiel. An seiner Stelle wurde General Johann Andreas Hamilton zum Gouverneur im Banat ernannt. Dieser ließ noch im gleichen Jahr eine ausführliche Landesbeschreibung anfertigen, die den Titel „Chronographia banatus temesiensis“ trägt.



 

DIE ANSIEDLUNG DES BANATS IM 18. JAHRHUNDERT



Während des großen Türkenkriegs (1683-1699) fand eine Dezimierung der Bevölkerung im Banat statt. Die verbliebene Restbevölkerung bestand meistens aus Rumänen und Serben. Es galt eine weitere Abwanderung zu stoppen und die Rückwanderung der Abgewanderten zu fördern. Eine der wichtigsten bevölkerungspolitischen Voraussetzungen war, die richtige Höhe der Besteuerung zu finden, die so ertragreich wie möglich einerseits und noch erträglich für die Untertanen andererseits war. Schon während der Präsidentschaft von Graf Mercy wurden die ersten deutschen Kolonisten im Banat angesiedelt. Graf Mercy gründete in Weißkirchen (im Neratal) eine erste deutsche Neusiedlung mit ausgedienten Kriegsveteranen, Handwerkern und Händlern aus dem Armeetross. In Weißkirchen gab es bereits im Gründungsjahr (1717) 60 aus Lehm gestampfte Häuser.
Für den Festungs- und Straßenbau war es dringend nötig Handwerker ins Land zu bringen. So wurden im Laufe des Jahres 1718 deutsche Handwerker aus Wien nach Lugosch entsandt. Ebenfalls noch vor der bäuerlichen Kolonisation, die 1722 begann, wurden Bergleute ins Banat gebracht. So entstanden die Siedlungen Orawitz, Bogschan, Dognatschka und Galina im Banater Bergland. Im Jahre 1719 ließen sich 150 Beamte der Landesadministration im Banat nieder. All dies belegt, dass die Einwanderung von deutschen Handwerkern, Bergleuten und Beamten noch vor der planmäßigen bäuerlichen Kolonisation von 1722 begonnen hat.
Die Mehrheit der Siedler kam aus Franken, Bayern, Österreich, Elsass-Lothringen, Luxemburg und der Rheinpfalz. Auch kleinere Gruppen aus Mitteldeutschland sind nachweisbar. Nur ein kleiner Teil stammte aus dem Schwäbischen. Warum sich trotzdem die Benennung "Schwaben" durchsetzten konnte, ist nicht geklärt. Wahrscheinlich ist es dem Umstand zu verdanken, dass die Mehrheit der Auswanderer in der schwäbischen Stadt Ulm registriert und eingeschifft wurde und mit „Ulmer Schachteln“ auf der Donau bis Belgrad transportiert wurde, um von dort zu Fuß ihre neue Heimat zu erreichen
Die meisten Siedler stammten aus ländlichem Milieu und waren Zweit- und Drittgeborene aus armen Bauernfamilien, die ohne eigenen Grundbesitz und ohne Kapital in ihrer Heimat wenige Chancen sahen. In der Zeit Maria Theresias bekamen sie eine merkliche finanzielle Unterstützung und langfristige Steuer-Erleichterungen. Letztere fielen für Verheiratete um ein Vielfaches höher aus, weil sonst der Männerüberschuss zu groß gewesen wäre. Auch Handwerker wurden finanziell gefördert, ebenso Lehrer, Ärzte usw. So manche Aussiedler-Gruppe wurde gleich vom Pfarrer begleitet. Als Gegenleistung wurden die Siedler in der Ansiedlungszeit dazu verpflichtet, im Falle einer türkischen Invasion das Land zu verteidigen.
Zwischen den Jahren 1722 und 1788 gab es drei große "Schwabenzüge". Während dem ersten Schwabenzug, dem Karolingischen (1722-1738), wurden im Banat 57 deutsche Dörfer gegründet, es wurden etwa 23 000 Deutschen angesiedelt. Die Theresianische Kolonisation erfolgte zwischen 1763 und 1780. Dann wurden 33 deutsche Dörfer gegründet, mit insgesamt rund 30 000 Bewohnern. Die letzte Kolonisationswelle, die Josephinische Ansiedlung, fand zwischen 1782 und 1788 statt. Als die Ansiedlung der deutschen Kolonisten zu Ende ging, gab es im Banat 105 deutsche Ortschaften, mit insgesamt 75 000 Einwohnern. Im Jahre 1900 war die Anzahl der Deutschen im Banat auf 450 000 gestiegen. Für eine Zeitspanne war Deutsch die Amtssprache im Banat.



 

DIE KAROLINISCHE ANSIEDLUNG (1722-1726)



 
Karl VI. Unter der Regierung von Karl VI. (1685-1740), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1711-1740), erreichte das Habsburgerreich seine größte Ausdehnung. Von 1438 bis 1740 gehörten alle Kaiser des Heiligen Römischen Reiches dem Haus Habsburg an.
Die systematische, planmäßige bäuerliche Kolonisation setzte 1722 ein. Um Ausreisewillige zu gewinnen, wurden Werber eingesetzt. Sie waren auch für den Transport der Kolonisten zuständig. Die Auswanderer erhielten kostenlos fruchtbaren Boden, drei steuerfreie Jahre, einen Reisekostenzuschuss von einem Gulden und 30 Kreuzer für jeden Erwachsenen über 15 Jahre. Die Anwerbungsgebiete erstreckten sich über Lothringen, die Pfalz, Baden, Hessen, Nassau, Worms, Speyer, Straßburg. Die Einschiffung der Ausreisewilligen fand in Ulm, Regensburg oder Donaueschingen statt. Von Wien ging es dann weiter über Belgrad bis Neupalanka und Pantschowa, wo die Kolonisten ausgeschifft und an ihren Bestimmungsort gebracht wurden. Da die Landesherren durch die Auswanderung Steuerausfälle befürchteten, hielten sie hohe Abzugsgelder ein, was viele von einer Abwanderung abschreckte. Kaiser Karl VI. intervenierte persönlich bei diesen Landesherren zwecks einer Erleichterung der Auswanderung in sein Erbkönigreich Ungarn.


Die erste planmäßige Ansiedlung fällt in die Jahre 1722-1726 und ist vorwiegend von militärischen Gesichtspunkten zur Festigung der Grenzen bestimmt. Im Norden wurden die Dörfer Perjamosch, Neu-Arad, Saderlach, Deutsch-St.-Peter, Guttenbrunn, Lippa gegründet. Im Osten entstanden die Bergbauorte Orawitz, Dognatschka, Bogschan. Im Süden wurde Tschakowa, Woiteg, Detta und Denta angesiedelt. Als Verwaltungsorte wurden Karansebesch, Lugosch, Fatschet, Groß-Betschkerek und Pantschowa eingerichtet. Die Verbindung zwischen Temeswar und Lugosch wurde über Rekasch gesichert.

 

Während der letzten Periode der Präsidentschaft von Mercy 1726-1734 fand keine Ansiedlung mehr statt. General Hamilton, der Nachfolger Mercys, gründete 1735 zu Ehren seines Vorgängers Mercydorf, das er mit Italienern aus Südtirol ansiedelte. 1734 veranlasste Hamilton das Erstellen einer ausführlichen Landesbeschreibung unter der Bezeichnung „Coreographia Bannatus Temessiensis“, die als Meisterstück dieser Sparte betrachtet werden kann. Der Hamilton-Bericht umfasst die geographischen und demographischen Verhältnisse des Landes, das Verfassungs- und Verwaltungsrecht, das Finanzwesen, die Situation der Bergwerke, des Handels und des Justizwesens (die Notwendigkeit einer Landmiliz, um gegen das Räuberunwesen wirksam vorgehen zu können). 1736 stellte Hamilton einen Antrag auf Wiederaufnahme der deutschen Kolonisation. Die Ansiedlungsbedingungen waren etwas günstiger geworden. Die steuerfreien Jahre wurden von drei auf fünf erhöht, freier Transport der Kolonisten wurde zugesichert, allerdings mussten die Ansiedler einen Mindestbetrag von 200 Gulden in bar für die Errichtung des Hauses und für die Anschaffung von landwirtschaftlichen Geräten mitbringen.



Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Banat war der Ackerbau. Die rumänischen und serbischen Bauern hatten sich vorwiegend auf den Anbau von Mais festgelegt. Graf Mercy begann den Anbau von Weizen, Gerste, Hafer und Roggen einzuführen. Dafür brachte er Saatgut aus Österreich ins Banat. In der türkischen Zeit wurde der Weinbau stark vernachlässigt. Durch die Beschaffung von edlen Rebsorten versuchte man den Weinbau im Banat wieder empor zu bringen. Ferner wurden durch den Anbau von Maulbeerbäumen die Seidenraupenzucht und deren Verarbeitung in Manufakturen gefördert, ebenso der Hanfanbau, der zum Herstellen von Seilen diente. Die Viehzucht war ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig besonders die Zucht von Hornvieh wegen den ausgedehnten Weideflächen. Zum Einführen besserer Rassen entstanden 1721 in Winga und Modosch zwei Zuchtstationen. Im Banater Bergland war die Ausbeutung der Erzvorkommnisse und deren Verarbeitung der wichtigste Wirtschaftszweig. In Orawitz und Moldowa wurde Kupfer, in Dognatschka Silber und Blei und in Bogschan Eisenerz gewonnen. In Bogschan wurde 1721 der erste Hochofen in Betrieb gesetzt. Für Militär- und Festungsarbeiten war das Handwerk von großer Bedeutung. Dem Handwerk galt die besondere Förderung der kameralen Verwaltung. Handwerker erhielten bei ihrer Niederlassung im Banat eine Abgabenfreiheit von 6 Jahren.

DIE THERESIANISCHE ANSIEDLUNG (1763-1772)
 
Maria Theresia von ÖsterreichErzherzogin Maria Theresia von Österreich (1717-1780), war eine österreichische Fürstin aus dem Hause Habsburg. Als regierende Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen (1740–1780) war sie eine der mächtigsten Herrscherinnen ihrer Zeit. Sie selbst war eine Kaiserin nur im Sinne der Kaisergattin, hatte jedoch zweifellos mehr Macht als ihr Mann, Franz I. Stephan von Lothringen (1708-1765), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation von 1745 bis 1765.
Im Gegensatz zu der Karolinischen Ansiedlung, die weitestgehend von den Landesherren organisiert wurde, ist die Theresianische Ansiedlung das Werk des Österreichischen Hofs. Nach dem Belgrader Frieden (1739), der Österreich große territoriale Verluste abverlangte, war das Banat wieder unmittelbares Grenzland. Der Frieden von Belgrad vom 18. September 1739 stellt den Abschluss des 7. Österreichischen Türkenkriegs dar. Dabei verlor Österreich die meisten seiner Erwerbungen aus dem Frieden von Passarowitz vom 21. Juli 1718 wieder an das Osmanische Reich. Ihm blieb nur das Temeswarer Banat, während die Kleine Walachei sowie Nordserbien mit Belgrad und ein Grenzstreifen in Nordbosnien verloren gingen.
Die banatische Ansiedlung während der Theresianischen Herrschaft kann in zwei Etappen unterteilt werden: die Frühtheresianische Zeit (1746-1752) und die Hochtheresianische Zeit (1763-1772).
Die Frühtheresianische Ansiedlung (1746-1752)
Die Frühtheresianische Ansiedlung (1746-1752) wurde von der Wiener Hofkammer organisiert und war zunächst bestrebt, die Aktivposten der Banater Wirtschaftsbilanz, den Bergbau und die Viehzucht, zu fördern. Bereits 1940 wurde die bergmännische Kolonisation wieder aufgenommen. Die Bergbauorte Dognatschka, Moldowa, Bogschan, Mehadia, Tschiklowa, Karansebesch und Orawitz erhielten Zuwachs aus der Steiermark, Tirol und Siebenbürgen. Desgleichen erhielten 1741 die Orte Tschanad, Guttenbrunn und Werschetz deutsche Siedler. Kudritz wurde neu gegründet. Das völlig zerstörte Rekasch wurde 1740 neu angesiedelt und in Pantschowa die deutsche Bürgermiliz gegründet. Dank dieser Bevölkerungspolitik in den Nachkriegsjahren stiegen die Steuereinnahmen erheblich.
Zur Beschaffung der Auswanderer für die Ansiedlung im Banat wurden Bauernwerber eingesetzt, die die Aufgabe hatten die Begünstigungen bekannt zu machen und den Transport zu organisieren. Nach dem Erbfolgekrieg von 1740-1748, der durch den Frieden von Aachen beendet wurde, hat Österreich den größten Teil Schlesiens an Preußen abtreten müssen.
Der Österreichische Erbfolgekrieg (1740–1748) brach nach der Thronbesteigung Maria Theresias aus, da mehrere deutsche und europäische Fürsten die Pragmatische Sanktion nicht anerkannten, in der Maria Theresias Vater, der römisch-deutsche Kaiser Karl VI., die Thronfolge in weiblicher Linie festgelegt hatte. Am 18. Oktober 1748 hatte der Frieden von Aachen den Österreichischen Erbfolgekrieg beendet, ohne dabei das Konfliktpotential zwischen den Großmächten zu beseitigen. In Österreich wurden nach den Erfahrungen des Krieges wichtige Staats- und Heeresreformen eingeleitet, welche die österreichische Armee qualitativ verbesserten und auf den folgenden Siebenjährigen Krieg (1756-1763) vorbereiteten.
Durch den Territorialverlust (Schlesiens) nach dem Erbfolgekrieg gewann das Banat eine neue Bedeutung als Rohstofflieferant und als Grenzgebiet. So wurden verstärkt Anstrengungen der Besiedlung dieser Region unternommen. 1746 wurde Beschenowa mit Kolonisten aus Trier, dem Saarland und aus Lothringen angesiedelt. Die Besiedlung zwischen der Bega und der Marosch geht stark auf die Werbetätigkeit von privaten Werbern zurück, die meist wegen einer Erbschaft in die Heimat reisen mussten und auf dem Rückweg Gruppen von Auswanderer mitbrachten.


Der Stand der deutschen Siedlungen im Banat war im Frühjahr 1749 folgender: 

 

- im Distrikt Lippa: Guttenbrunn, Lippa und Arad

 

- im Distrikt Tschanad: Perjamosch und Tschanad
- im Distrikt Werschetz: Kudritz und Werschetz 
- im Distrikt Lugosch: die Stadt Lugosch 
- im Distrikt Temeswar: 5 reindeutsche Dörfer Freidorf, Ulmbach, Bruckenau, Saderlach - und Deutsch-St.-Peter und 3 gemischte Ortschaften Jahrmarkt, Mercydorf und Rekasch sowie die Stadt Temeswar (Innere Stadt, Fabrikstadt und Meierhöfe).

 



Die Viehzucht war der wichtigste Wirtschaftszweig im Banater Tiefland. Die gesamte Weidefläche war in Prädien aufgeteilt und wurde an Meistbietende verpachtet. Um neue Siedlungen zu errichten wurden die Pachtverträge bei deren Ablauf nicht mehr verlängert. 1750 wurden die langwierigen Verhandlungen über die Verlängerung der Pachtverträge abgeschlossen. Dabei setzten die Viehzüchter durch, die Laufzeit der neu abgeschlossenen Verträge von 6 auf 10 Jahre zu erhöhen. Dies sollte vor allem zum Erhalt der Prädien als Weideland und zur Sicherung des Viehbestandes dienen. Von einer ackerbaulichen Erschließung des Banats kann erst nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) die Rede sein.
Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um Hegemonie oder Gleichgewicht zwischen den Mächten Europas und zugleich ein Religionskrieg. In ihm entluden sich sowohl die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union innerhalb des Heiligen Römischen Reiches als auch der habsburgisch-französische Gegensatz auf europäischer Ebene. Gemeinsam mit ihren jeweiligen Verbündeten in Deutschland trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus. Die Feldzüge und Schlachten fanden überwiegend auf dem Boden des Reiches statt. Die Kriegshandlungen selbst, aber auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten ganze Landstriche des Reiches. In Süddeutschland etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Alle wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse wurden völlig umgestürzt. Die durch den Krieg betroffenen Territorien und das Reich als Ganzes brauchten mehr als ein Jahrhundert, um sich von den Kriegsfolgen zu erholen. Der Dreißigjährige Krieg endete mit dem Westfälischen Frieden am 24. Oktober 1648.
Hungersnot und Elend führten in einigen Gebieten des Reiches zu Aufruhr. 1750 waren im Hauensteiner Land politische Unruhen ausgebrochen. Die Salpeterer im Hotzenwald (der südliche Schwarzwaldausläufer) wehrten sich gegen die Leibeigenschaft. Immer wieder wurden im Verlauf der Salpeterer Unruhen die so genannten »Rädelsführer« verfolgt und hart bestraft. Sie kamen häufig ins Gefängnis oder wurden gar hingerichtet. 112 Hauensteiner Männer, Frauen und Kinder wurden ins Banat verbannt. Auf sieben Wagen verteilt, wurden sie paarweise zusammengekettet. Vom Gefängnis Waldshut ging die traurige Fahrt bis nach Günzburg, wo sie auf die so genannten «Ulmer Schachteln» verladen wurden und mit diesen die Donau abwärts bis nach Temeswar, dem Ziel ihrer Verbannung gebracht wurden. Die Kosten für den Transport mussten sie selbst bezahlen. Dazu wurden ihre Güter verkauft und vom Erlös wurden die Transportkosten abgezogen. Der Restbetrag wurde den Verbannten erst sehr spät nachgeschickt.
Nach dem Frieden von Passarowitz wurde die Theiß-Marosch-Grenze als Schutzwall gegen die Türken überflüssig. Maria Theresia, die im Erbfolgekrieg (1740-1748) auf die Unterstützung Ungarns angewiesen war, sah sich gezwungen, die Wiedereingliederung des Banats in den ungarischen Staatenverbund zu versprechen. Somit veranlasste sie 1750 die Umsiedlung der Grenzer an der Theiß und Marosch, was jedoch auf großen Widerstand seitens der Grenzer stieß. Zur Beruhigung der aufgebrachten Grenzer wurde 1752 aus deren Reihen die Landmiliz gegründet, die im Südosten des Landes zum Schutz der Donau angesiedelt wurde. Die Einwanderung deutscher Kolonisten kam nach dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 zum Stillstand.
Die Hochtheresianische Ansiedlung (1763-1772)
Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) kämpften mit Preußen und Großbritannien auf der einen Seite und Österreich, Frankreich, Russland auf der anderen Seite alle europäischen Großmächte der Zeit. Viele mittlere und kleine Staaten waren ebenfalls beteiligt. Der Krieg wurde in Mitteleuropa, Nordamerika, Indien, der Karibik sowie auf den Weltmeeren ausgefochten und war damit in gewissem Sinne eigentlich ein Weltkrieg. Für England und Frankreich ging es hierbei um die Herrschaft in Amerika und in Indien. Für die Bevölkerung der beteiligten Staaten in den Kriegsgebieten hatte der Krieg zum Teil katastrophale Auswirkungen. Der Verlust an Soldaten war groß. Auch die Zivilbevölkerung wurde dezimiert und litt sehr stark unter Plünderungen, Zwangsrekrutierungen und Kontributionszahlungen. Am 15. Februar 1763 wurde der Frieden von Hubertusburg zwischen Preußen und seinen Gegnern geschlossen. Somit war der Status Quo vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges wiederhergestellt. Der Besitz Schlesiens wurde Preußen endgültig bestätigt.
Nach dem Hubertusburger Friedensvertrag (1763), der das Ende des Siebenjährigen Krieges bedeutete, wurde die Bevölkerungspolitik im Banat wieder aufgenommen. Bereits 1763 und 1764 wurden deutsche Einwanderer in die schon bestehenden Dörfer gebracht. Die große Theresianische Impopulation war eine planmäßige, systematische Bevölkerungspolitik. Zu diesem Zweck wurde 1766 die Impopulationskommission in Wien gegründet. Gleichzeitig wurde beschlossen bei den Neuansiedlungen keine Rücksicht auf die Prädien zu nehmen. Jedes Dorf sollte einen Lehrer, einen Pfarrer und je zwei Dörfer einen Feldtscher bekommen. Es wurde eine große Werbeaktion in Südwestdeutschland gestartet. Die Ausreisewilligen mussten sich von ihren Grundherren aus der Leibeigenschaft loskaufen. Die Höhe dieser so genannten Manumissionsgebühr war nach Zeitpunkt und Territorialzugehörigkeit verschieden. Wenn jemand unerlaubt auswanderte, wurden sein Vermögen und seine späteren Erbansprüche beschlagnahmt. Die Hauptursachen der Auswanderung waren Elend und Not sowie die Hoffnung auf ein besseres Leben. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), dem Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) und dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) war das Land zerstört und der größte Teil der Bevölkerung verarmt. Die Auswanderer hofften in Ungarn ihr Glück zu finden.
Es wurde ein Werbebrief entworfen, der in Zeitungen veröffentlicht wurde. 1766 wurde Wilhelm Johann von Hildebrand als Administrator ins Banat geschickt. Das Hildebrandsche System basierte auf Neugründungen von Ortschaften. Unter seiner Leitung fanden folgende Neugründungen statt: Beschenowa, Billed, Neudorf, Hatzfeld, Landestreu, Tschatad (Lenauheim), Großjetscha, Grabatz, Bogarosch. Die Theresianische Ansiedlung beruhte auf einem Antizipationssystem, d.h., die Kosten für den Hausbau und die Verpflegung wurden vorgestreckt, das Grundstück wurde damit belastet und die Schuld wurde in den nächsten Jahren abgetragen. 1768 wurde Hildebrand die Leitung der Impopulation entzogen.
Die Neumannsche Ansiedlung führte 1770 zur Gründung folgender Dörfer: Kleinjetscha, Heufeld, Mastort, Marienfeld, Albrechtsflor und 1771 zur Besiedlung des Berksowatals: Buchberg, Neuhof, Altringen, Charlottenburg, Königshof, Blumenthal sowie der Dörfer im Arader Land Segenthau, Wiesenhaid, Kreuzstätten und der Franzosendörfer Sankt-Hubert, Seultour und Charleville.
1772 wurde Hildebrand rehabilitiert und nahm die Ansiedlungstätigkeit wieder auf und gründete Triebswetter, Gottlob und Ostern. Mit seinem Tod endete die Theresianische Impopulation. Die Kosten der Theresianischen Impopulation werden aus 2 Millionen Gulden geschätzt. Während der Theresianischen Zeit wurden im Banat 11.000 Familien mit insgesamt 42.000 Personen angesiedelt. Die Ansiedlung der Deutschen im Banat hat sich entscheidend auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region ausgewirkt.
Die Familien der ersten Einwanderer sind zum Großteil wieder verschwunden. Sie gingen an Krankheit und Not zugrunde oder wanderten wieder ab. Das Banater Schwabenvolk geht aus einem Ausleseprozess größten Ausmaßes auf eine relativ geringe Anzahl besonders lebensfähiger Ahnen hervor.

DIE JOSEPHINISCHE ANSIEDLUNG (1782-1786)
 
Joseph II.Joseph II. Benedikt August Johann Anton Michael Adam (1741-1790), Erzherzog von Österreich aus dem Geschlecht Habsburg-Lothringen war von 1765 bis 1790 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Mitregent in den habsburgischen Erblanden, ab 1780 auch König von Böhmen und Untgarn.
Während der Josephinischen Kolonisation, die von 1784-1787 stattgefunden hat, wurden 10.000 Familien mit insgesamt 45.000 Personen an der mittleren Donau angesiedelt. Die Herkunftsorte der Kolonisten lagen vorwiegend im südwestdeutschen Raum, die Ansiedlungsgebiete waren der Batscher Kameralbezirk, der Temeswarer, der Arader, der Großwardeiner oder Fünfkirchner, der Somborer.
Mit seiner Bevölkerungspolitik verfolgte Joseph II. das Ziel den ungenutzten oder extensiv genutzten Boden für eine höhere Produktion zu erschließen und dies war nur durch Vermehrung der produktiven Landbevölkerung möglich. Keineswegs verfolgte der Kaiser eine Germanisierungspolitik, das Gegenteil war der Fall. So gab der Kaiser strenge Anweisungen den Kolonisten ausschließlich ungenutzten Boden zuzuteilen und darauf zu achten, der ansässigen „raizischen“ und „wallachischen“ Bevölkerung nicht die Grundlage ihrer Existenz zu nehmen. Die Bevölkerungsverdichtung Ungarns war das größte Anliegen Josephs II.
Das Zeitalter der Aufklärung bezeichnet eine Epoche in der geistigen Entwicklung der westlichen Gesellschaft im 17. bis 18. Jahrhundert, die besonders durch das Bestreben geprägt ist, das Denken mit den Mitteln der Vernunft von althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen, Vorurteilen und Ideologien zu befreien und Akzeptanz für neu erlangtes Wissen zu schaffen. Der Fürst wurde nicht mehr als von Gott eingesetzter Herrscher und über jedem Gesetz stehender Souverän verstanden (Gottesgnadentum), sondern als oberster Repräsentant einer vernünftigen Staatsordnung. Joseph war ein Vertreter des aufgeklärten Absolutismus. Mit radikalen Reformen suchte er sein Ziel eines zentralistisch regierten Reichs zu erreichen. Joseph gründete deutsche Ansiedlungen in Galizien, in der Bukowina, in Ungarn und Siebenbürgen, schaffte die Leibeigenschaft der Bauern 1781 ab und betrieb eine merkantilistische Wirtschaftspolitik; er veranlasste auch den Bau von Schulen und Krankenhäusern, die Milderung der Zensur und die Abschaffung der Folter. Durch die Einführung einer allgemeinen Grundsteuer auch für den Adel und seine besonders einschneidenden kirchenpolitischen Reformen erregte er den Widerstand von Adel und Klerus. Aufstände in Ungarn und den österreichischen Niederlanden zwangen ihn am Ende seines Lebens, die meisten seiner Reformen zu widerrufen. Am berühmtesten ist allerdings seine Religionspolitik, die meistens allein gemeint ist, wenn man von Josephinismus spricht. In seinem Toleranzpatent wurde das Glaubensmonopol der Katholischen Kirche gebrochen – Protestanten und Juden durften ihren Glauben ausüben, allerdings nur unter Duldung; der Vorrang der Katholischen Kirche blieb aufrecht. Die Aufklärung brachte u. a. religiöse Toleranz und das Toleranzpatent von 1781, welches ab 1783 auch in Ungarn wirksam wurde. So konnten auch die Protestanten ihren Glauben frei ausüben, was dazu beitrug, dass vermehrt Protestanten unter den Ansiedlern anzutreffen waren.
Bereits im März 1783 verfasste die Ungarische Hofkanzlei ein Dekret, das den Einwanderern Reisegeld und Starthilfe gewährte. Es wurden Kolonisten aus Preußen und aus dem „Reich“ angesiedelt. Im Sommer des gleichen Jahres machte der Kaiser eine elfwöchige Rundreise durch die südlichen ungarischen Provinzen. Die planmäßige Kolonisation begann 1784. Damit die Ansiedlung gut organisiert und ohne Pannen verlaufen könne, richtete der Kaiser eine Kommission zur Organisation der Ansiedlung auf staatlichem Besitz ein. Die Temescher Kameraladministration wurde beauftragt alle leer stehenden Häuser bewohnbar zu machen sowie Vieh und landwirtschaftliche Geräte für die Ansiedler bereitzustellen. Die Kommission legte fest, dass beim Neubau von Siedlungen darauf geachtet werde, dass diese in der Nähe der kaiserlichen Straße angelegt werden und, dass sich Trinkwasser in unmittelbarer Nähe befinde. Die Häuser sollten aus gestampfter Erde sein und aus Küche, Schlafraum, Kammer und Stall bestehen.
Der Ansturm der Ausreisewilligen stieß dermaßen an, dass die Auswanderung teilweise außer Kontrolle geriet. Viele Ausreisewillige reisten auf eigene Faust nach Wien, ohne die nötigen Entlassungspapiere, Reisepässe oder das nötige Vermögen mitzubringen. In einem Erlass von 1784 verfügte der Kaiser die gleichberechtigte Annahme der Kolonisten ohne Pässe oder Vermögen. Gleichzeitig verfügte er eine genaue Musterung dieser Ausreisewilligen, um Bettler und Vagabunden auszuschließen. Zu erwähnen ist auch, dass es hierbei zu Zahlungen von Schmiergeldern für die Erlangung von Reisepässen kam. So kam es zu Anzeigen, die das Zahlen von 40,- Gulden für das Ausstellen des Passes belegen, wobei zwei Drittel des Betrags an den Sekretär der Kanzlei und ein Drittel an den Portier gingen.
Das Jahr 1785 war der Höhepunkt der Josephinischen Ansiedlung, die den Charakter einer Massenwanderung angenommen hatte, was zu erheblichen organisatorischen Problemen führte. Das hatte zur Folge, dass die Ansiedlung Anfang 1786 beschränkt und Ende 1786 ganz eingestellt wurde. Während der gesamten Josephinischen Ansiedlung wurden insgesamt 10.000 Familien mit 45.000 Personen angesiedelt.
Da die Auswanderer ein Mindestvermögen mitbringen mussten, kann extreme Armut als Grund der Auswanderung ausgeschlossen werden. Vielmehr war es die suggestive Kraft der Vergünstigungen, die den Aussiedlern versprochen wurden. Die Aussicht eigenen Grund und Boden zu besitzen oder ein eigenes Haus zu haben, war ein mächtiger Anreiz zum Auswandern. Die Kolonisation Südostungarns war eine staatlich gelenkte Aktion.
Die Auswanderer wurden in Ulm, Regensburg und später in Donauwörth eingeschifft und mit den Ordinari Schiffen nach Wien gebracht, wo sie nach 5-12 Übernachtungen dem Ansiedlungsort (im Batscher, Agramer, Pester, Temescher, Fünfkirchner, Großwardeiner Kameralbezirk) zugewiesen wurden.
Elisabeth Packi

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