Geografische Lage des Banats

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Das Banat ist eine Region in Südosteuropa, die bis zum Ersten Weltkrieg Teil Österreich-Ungarns war. Für die meisten Historiker geht der Name Banat auf die mittelalterliche ungarische Grenzmark zurück, an deren Spitze ein "Banus", ein Markgraf, stand. Diese historische Landschaft im südlichen Pannonischen Becken zwischen der Marosch, der Theiss, der Donau und den Westkarpaten wurde 1920 infolge des Friedensvertrags von Trianon dreigeteilt. Etwa zwei Drittel wurden Rumänien zugesprochen. Das Banat hat annähernd die Größe Belgiens (28500 km?). Es wird im Süden durch die Donau vom Balkan getrennt und durch den Rückenschutz der teils über 2000 m hohen Karpaten scharf nach Osten hin abgeschirmt. Mitten durch das Banat fließt die Temesch. Sie hat der Metropole des Banats, Temeschburg bzw. Temeswar, ihren Namen gegeben. Das fruchtbare, größtenteils mit Schwarzerde bedeckte Tiefland, ist bestens für den Ackerbau geeignet.

Das Banater Land umschließt vier Landschaftszonen: 
-die breiten Flußniederungen, mit ihrer mannigfaltigen Pflanzen- und Tierwelt   
-die weite Ebene mit der fruchtbaren Schwarzerde, das Herzstück des Banats   
-das Hügelland mit den ausgedehnten Weinbergen und Obstgärten   
-das wald- und wildreiche Banater Bergland mit seinen wohlbekannten Heilquellen und seinem Reichtum an Erzen   und  Steinkohle   
Die "Banater Schwaben" 
 
Der Begriff "Banater Schwaben" ist laut Brockhaus "die Bezeichnung für die im Banat lebenden Deutschen". Sie sind Nachkommen der zwischen 1722-1787 angesiedelten Deutschen, die im Wesentlichen aus dem Westen und Südwesten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation kamen. Die Banater Schwaben werden zu Unrecht "Schwaben" genannt. Das Herkunftsgebiet der Ansiedler erstreckt sich über ganz Süd- und Mitteldeutschland. Unsere Vorfahren kamen aus Bayern und aus Schwaben, aus der Pfalz und aus Thüringen, aus dem Rhein - Main - Gebiet und aus dem Saarland, aus dem Elsaß und aus Lothringen, sowie aus Luxemburg.   
Die Banater Schwaben erwiesen sich als mustergültige Landwirte und brachten es zu erheblichem Wohlstand. Im Laufe des 19. Jahrhunderts hat sich das Banat zur Kornkammer Habsburgs entwickelt. Der Bauernstand hatte ein solch großes Ansehen erlangt, daß sich jeder glücklich schätzte, der ihm angehören durfte.  
Nur ein Vierteljahrtausend währte die Geschichte der Banater Schwaben, ausreichend um die Landschaft und den Raum entscheidend zu prägen, um eindrucksvolle zivilisatorische Leistungen zu vollbringen.  
Das Ende der Deutschen im Banat ist zweifellos gekommen, doch die Geschichte des europäischen Banats war und bleibt ihr Werk.  
Kurze Geschichte des Banats  
Die Ansiedlung der Banater Schwaben  
  
  
Das Banat war seit 1552 türkische Provinz. Ende des 17. Jahrhunderts mußte das Osmanische Reich infolge der Türkenkriege die eroberten Gebiete an Habsburg abtreten. Der Wiener Hof betrieb zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine intensive Bevölkerungspolitik dieser, bis dahin weitestgehend entvölkerten Provinz. Die eigentliche Geburtsstunde des Banats ist der 18. Oktober 1716, als Prinz Eugen von Savoyen die Türken bezwang und zugleich in Temeschburg, der Hauptstadt des Banats, einzog. Links im Bild ist ersichtlich wie Ahmed Aga symbolisch den Schlüssel der Festung an Prinz Eugen übergibt (Aquarell von Desider Sinkowich). Bereits 1718 wurde das Banat als kaiserliche Krondomäne der Wiener Reichsregierung direkt unterstellt und erhielt ab sofort den Namen "Temescher Banat" (Banatus Temesiensis). Prinz Eugen verfügte, daß nur deutsch-katholische Bürger angesiedelt werden. Die Neubesiedlung des Banats mit deutschen Einwanderern erfolgte in drei Etappen, den sogenannten Schwabenzügen:
- 1722-1726, der Carolinische, der erste Schwabenzug, unter Kaiser Karl VI.   
- 1763-1772, der Theresianische, der große Schwabenzug, unter Kaiserin Maria Theresia.   
- 1782-1786, der Josefinische, der letzte Schwabenzug, unter Kaiser Josef II. 
Die vorwiegend bäuerliche Bevölkerung erhielt von der österreichischen Regierung zahlreiche Vergünstigungen und erfreute sich besonderer Rechte wie Steuerfreiheit, Befreiung vom Militärdienst und Zuteilung von fruchtbarem Land. In diesem Zeitraum wurden 43000 Siedler in 60 neu gegründeten Ortschaften angesiedelt. Träger dieser Siedlungspolitik waren Grundherren und der Staat. Der Ansiedlungsprozess geschah unter dem ausdrücklichen Versprechen: "Sie werden allein der Krone unterstehn."   
Das Siedlungswerk des Wiener Hofs  
Das Banat wurde als christliches Verteidigungsbollwerk gegen das Osmanische Reich errichtet und muß als Militärgrenze Österreich-Ungarns gesehen werden. Der Banater Abschnitt deutscher Ostsiedlung hat sich über viele Jahrzehnte hingezogen. Die staatlich gelenkte Siedlungspolitik wurde durch private herrschaftliche Siedlungsvorhaben nachhaltig unterstützt. Bauern, Handwerker und Kaufleute, Ritter und Soldaten, Mönche und Priester, bäuerliche Höfe und Siedlungen, Handelshäuser, Werkstätten und Mühlen, Klöster, Kirchen und Wohnsiedlungen waren Voraussetzung und Grundlage der königlichen Machtentfaltung im Temescher Banat.   
Das Banater Siedlungswerk wurde bis ins Detail von der Wiener Hofkammer geplant: die Planung der Dorfanlage und der Hausform, der Ackerparzellen und der Gemeinschaftsbauten wie Kirchen, Pfarrhaus und Schule gehörten dazu. Ein Zug imperialer Weiträumigkeit und gestalterischer Großzügigkeit zeichnete die ländlichen Siedlungen des Banats aus. Die Siedlungen der Banater Schwaben sind in Stadt und Land gleichermaßen vom Barock geprägt, gekennzeichnet durch das barocke Giebelhaus mit dem geschwungenen Rundgiebel und vielen Schmuckelementen. Der Banater Bauernbarock hatte eine hohe Ausstrahlung mit besonderem Nachahmungswert für die anderen Mitbewohner.   
Die breiten Dorfstraßen mit den behäbigen Gehöften, in Schachbrettform angelegt, sind Bestandteil dieses einzigartigen Siedlungswerkes. Die Hausprojekte wurden den Siedlern zur Verfügung gestellt. Dabei hat sich vor allem das fränkische Langhaus als Haustyp fast zum Einheitshaus durchgesetzt.  
Barocke Zeugen schwäbischen Seins sind nicht nur die Giebelhäuser, man begegnet ihnen sowohl bei den kirchlichen Bauten als auch bei den Flur- und Wegkreuzen oder bei der Familiengruft. Nicht zuletzt die Wallfahrtsstationen, die viele Dörfer hatten z.B. in Form eines Kalvarienberges, sind ebenfalls stumme Zeugen schwäbischen Seins aus jener Zeit.  
Der "Ausgleich" innerhalb der Donaumonarchie  
Der im Jahre 1867 geschlossene "Ausgleich" zwischen dem Kaiser und den Madjaren stellte die Monarchie auf völlig neue Grundlagen. Die von Österreich geschaffene Militärgrenze wurde Ungarn unterstellt. In der östlichen Hälfte der Monarchie wurden die Madjaren die alleinigen Herren. Die Madjarisierung wurde in alle Bereiche des öffentlichen Lebens getragen. In den Schulen wurde die deutsche Unterrichtssprache schrittweise durch die Ungarische ersetzt, das Deutsche Theater wurde 1896 geschlossen. Innerhalb der Kirche jedoch hing die Madjarisierung ganz vom Gewissen des jeweiligen Priesters ab und war dementsprechend von Kirche zu Kirche verschieden. Die meisten Priester stammten jedoch aus den eigenen Reihen und verstanden es, die schwierige Lage der damaligen Zeit gut zu meistern. Nachdem Wien seine Beamten zurückgezogen hatte, wurden diese durch den ungarischen Komitatsadel ersetzt. Genau dieser Adel war die treibende Kraft der Madjarisierung. Die Neuordnung schwächte die Stellung der Deutschen im Banat. Waren die Einwanderer bis zu diesem Zeitpunkt nur von einem Ende des Reichs ans andere umgezogen, so waren sie danach in die Rolle einer Minderheit verdrängt. Die sich bis zur Unerträglichkeit steigernde Madjarisierung während der Doppelmonarchie hatte schwere Folgen für die Banater Schwaben.  
Die Dreiteilung des Banats; die Zwischenkriegszeit  
Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) brach Österreich-Ungarn, das im 19. Jahrhundert schon in einer tiefen Krise steckte, vollends zusammen. Infolge des Vertrags von Trianon (1920) wurde das Banat dreigeteilt. Der größte, östliche Teil (zwei Drittel) fiel an Rumänien, der westliche (ein Drittel) an Jugoslawien und der kleinste, nördliche (nur ein paar Dörfer um Szeged) an Ungarn.   
Für die Banater Schwaben in Rumänien hatte dies eine historische Bedeutung: die Befreiung von der zunehmenden Madjarisierung und freie kulturelle Entfaltung. Der rumänische Staat hat durch die Karlsburger Beschlüsse am 30. November 1918 die Vorausetzungen dafür geschaffen: "Jedes Volk wird sich in seiner eigenen Sprache unterrichten, verwalten und richten und zwar durch Angehörige des eigenen Volkes".   
Schon 1919 wurden in den Banater Dörfern deutsche Schulen wiedereröffnet.   
Zu einem euphorischen Geburttagsfest wurde die Zweihundert-Jahr-Feier der Ansiedlung der Deutschen im Banat am 8. September 1923. Fast einhunderttausend Menschen haben sich in Temeswar bei der größten banat-schwäbischen Feier, die jemals stattgefunden hat, zu ihrer Geschichte und ihrer Herkunft bekannt. Es war die Sternstunde der Banater Schwaben gekommen, die selbstbewußt auf ihre außergewöhnlichen wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen verweisen konnten.   
Es kann und darf nicht geleugnet werden, daß die Banater Schwaben dank der Toleranz des rumänischen Staates ihre nationale Identität wiederfanden.   
In der Zwischenkriegszeit, 1926-1942, unterstützte die deutsche Reichsregierung immer stärker die kulturelle und soziale Entfaltung der Banater Schwaben mit finanziellen Mitteln, unter anderem erhielt die Banatia-Schule große finanzielle Unterstützung aus Berlin.  
Nachdem General Antonescu 1940 mit der Regierungsbildung betraut wurde, kam es zu einem Abkommen zwischen Berlin und Bukarest, aufgrund dessen alle Wehrpflichtigen deutscher Volkszugehörigkeit in die deutsche Armee eingezogen wurden.  
Die Nachkriegszeit unter der kommunistischen Diktatur  
Am 23. August 1944 brach Rumänien das Bündnis mit den Achsenmächten und trat auf die Seite der Allierten. Erst nach dem Frontwechsel Rumäniens und der Machtübernahme seitens der Kommunisten hat sich das Schicksal der Banater Schwaben in Rumänien schlagartig geändert. Es begann im Herbst 1944 mit der Flüchtlingswelle in Richtung Deutschland. Etwa 15000 Menschen konnten vor der herannahenden Roten Armee flüchten. Dem folgten:
- 1945 die Zwangsverschleppung aller arbeitsfähigen Deutschen beiderlei Geschlechts im Alter von 17 bis 45 (Männer) bzw. 18 bis 35 (Frauen) in Arbeitslager nach Rußland. Von 45000 Verschleppten verloren 7000 ihr Leben in den russischen Arbeitslagern . Die Überlebenden wurden 1950 in die Heimat entlassen.   
- 1948 war die Enteignung des gesamten landwirtschaftlichen Eigentums durch die "Kollektivierung" vollzogen. Auch die Verstaatlichung der Industrie- und Handwerksbetriebe wurde 1948 durch die "Nationalisierung" durchgeführt. Der deutschen Bevölkerung war somit ihre Existenz genommen.   
- 1951 als Krönung der kommunistischen Willkürherrschaft in Rumänien folgte die Deportation von etwa 45000 Deutschen aus dem Grenzgebiet zu Jugoslawien in den Baragan. So sollten vermeintliche Gegner des Kommunismus, sogenannte "Klassenfeinde" entfernt werden. Die Deportierten durften ihren Wohnort nur in einem Umkreis von 15 km verlassen und trugen im Personalausweis über dem Lichtbild den Vermerk "D.O." (Domiciliu Obligatoriu), "Zwangsaufenthalt". 
Bei den meisten Banater Schwaben festigte sich nach all diesen Demütigungen die Überzeugung, nur noch Fremde in der Heimat zu sein. Bei vielen reifte schon damals der Entschluß, so bald wie möglich die zur Fremde gewordene und so unsichere Heimat zu verlassen und in das Land der Vorfahren zurückzusiedeln. Möglich wurde dies jedoch für die Meisten von ihnen erst infolge eines Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien im Jahre 1978. Ab diesem Zeitpunkt begann ein gewaltiger Aussiedlungsprozeß, der sich in den 80er Jahren noch verstärkte und auch nach der politischen Wende von 1989 nicht mehr aufzuhalten war. Der Prozeß der Aussiedlung war unumkehrbar geworden. Heute leben schätzungsweise noch etwa 30000 Landsleute im Banat, womit der Banater Abschnitt deutscher Siedlungsgeschichte endgültig der Vergangenheit angehört. Die Banater Schwaben haben jedoch durch ihre wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen dem deutschen Namen im Südosten Europas Ehre und Ansehen eingebracht.  
Späte Rehabilitation  
Im Jahre 1990 wurde ein Dekret erlassen, durch welches die Jahre der Zwangsarbeit und die der Deportation als Dienstjahre zur Berechnung der Rente angerechnet werden, wobei jedes Haft- und Internierungsjahr als ein Jahr und sechs Monate Dienstzeit zählt. Es handelt sich um Zeiten, in denen eine Person:
- nach dem 6. März 1945 aus politischen Gründen in einem Zwangsaufenthalt wohnen mußte;   
- nach dem 23. August 1944 ins Ausland deportiert wurde; 
Am 1. Mai 1997 hat sich der rumänische Außenminister Adrian Severin bei dem deutschen Außenminister Klaus Kinkel für das Unrecht, das der deutschen Bevölkerung während der kommunistischen Diktatur zugefügt worden ist entschuldigt. In dieser Erklärung verurteilte er sowohl das den Deutschen zugefügte Leid in der Nachkriegszeit wie die Verschleppung der Deutschen zur Zwangsarbeit in russische Arbeitslager und die Deportation der Banater Schwaben in die Baragan-Steppe, als auch den entwürdigenden Tauschhandel in den 70er und 80er Jahren, als erhebliche Finanzleistungen bei der Familienzusammenführung der ausreisewilligen Deutschen gefordert wurden, das so genannte "Kopfgeld". Dabei verurteilte er zutiefst diese traumatischen Praktiken und sprach seine Entschuldigung für das Geschehene aus "als eine Geste der moralischen Wiedergutmachung an jenen Bürgern Deutschlands, die früher Bürger unseres Landes waren, deren Schicksal von solchen verdammenswerten Taten bleibend geprägt ist."  
Diese von dem Außenminister abgegebene und schon längst fällige Erklärung wurde von den Betroffenen mit Genugtuung aufgenommen, kann jedoch das Geschehene nicht ungeschehen machen.   
Literaturnachweis:  
"Die Banater Deutschen, ihr Land, ihre Geschichte", von Sepp Schmidt, aus der Schriftenreihe der Landsmannschaft der Banater Schwaben / Arbeitsheft 15, 1990 München   
"Das Banat", von Helmut Schneider, Konrad-Theiss-Verlag, 1986 Stuttgart   
"Nikolaus Engelmann / Die Verteidigung des Bescheidenen / Kirche, Schule und Schrifttum der Banater Schwaben", von Horst Fassel, Herausgeber: Bundesvorstand der Landsmannschaft der Banater Schwaben, 1998 München   
"Die Beweggründe der Deportation / Das Leben im Zwangsaufenthalt in der Baragan-Steppe", von Wilhelm Weber, Eigenverlag Landsmannschaft der Banater Schwaben, 1998 München   
"Der Brockhaus in 24 Bänden / Die Enzyklopädie", 1996   
"Die Banater Schwaben", von Josef Wolf, Herausgeber: Landsmannschaft der Banater Schwaben, 1998 München  
Bildnachweis:  
Lageplan des Banats, Landsmannschaft der Banater Schwaben   
Banater Häuserreihe, Fotosammlung der Familie Welter, Billed   
Banater Kirche, Fotosammlung der HOG Billed   
Die Übergabe der Festungsschlüssel an Prinz Eugen, Foto v. Wilhelm Weber nach einem Gemälde v. Desider Sinkovich   
Banater Dorfschule (Neubeschenowa), Banater Wandkalender, 1998, Landmannschaft der Banater Schwaben   
  
  
Elisabeth Packi - Berlin  
   
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