Warjasch (Variaș)

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I. Licht und Schatten im Laufe der Zeit  
   

Für Banater ist Warjasch eigentlich keine Ortschaft, die man vorstellen muss. Der Marktflecken ist fast so bekannt wie das weitaus größere Perjamosch, in dessen südlicher Nachbarschaft es sozusagen auf Sichtweite liegt.Warjasch-Kirche Auch   die anderen Heidegemeinden, die schon früh zu größerer Bedeutung kamen, wie Tschanad, Lenauheim, Billed und Lowrin oder es gar zu Stadtrecht brachten wie Großsanktnikolaus und Hatzfeld, können kaum einen größeren Bekanntheitsgrad aufweisen.Warjasch ist keine Neusiedlung des 19. Jahrhunderts. Durch die späte Zusiedlung von Deutschen ( 1786 ) gehört es zu den Dörfern, die unter Joseph dem Zweiten ihre Neugründung erfuhren. Seine heutige Anlage, die immer wieder Neuankömmlinge schon am Bahnhof beeindruckt, verdankt es einer Kameralorder der österreichischen Verwaltung aus dem Jahre 1797. Aus einem Haufendorf wurde ein längliches Viereck mit breiten, geraden Gassen, das auch jeder kommenden Verkehrsentwicklung Raum bot. Die Trennung der Straßen nach Sprache und Religion brachte es mit sich, dass man immer vom deutschen und serbischen Dorf sprach, obwohl die Anlage und die Verwaltung immer einheitlich waren.  
Seit Nikolaus Engelmann, ein verdienstvoller Pädagoge, Schriftsteller und getreuer Chronist des Banates, seiner Heimatgemeinde 1980 die erste umfangreiche Monographie ( "Warjasch. Ein Heimatbuch") schenkte, kann jeder, der mehr über den Ort erfahren will, zu dieser sicheren und ergiebigen Quelle greifen. Zwei weitere Schriften, erschienen 1986 und 1987 erschienen - der Anlass war die Zweihundertjahrfeier der Gemeinde, die in Altdorf bei Landshut abgehalten wurde, sowie ebenfalls im Zeichen dieses Gedenktages stehenede Heimatortstreffen von 1987 in Augsburg - ergänzen sinnvoller Weise das große Heimatbuch. Sowohl Hans Tittenhofer (1986 ) als auch Nikolaus Engelmann  
( 1987 ) haben in den von ihnen herausgegebenen Heften Dokumente und Bildmaterial zusammengetragen, das, angereichert durch zahlreiche Leihgaben vieler Warjascher, den Anstoß zu einer ersten Videokassette gab, deren Kommentar ebenfalls vom Verfasser des Heimatbuches stammt.  
 

Erste Urkunden 
   

Es ist bekannt, dass das Gebiet zwischen Donau, Theiß und Marosch, das im Osten von den Karpaten begrenzt wird, schon sehr früh besiedelt war. Nicht viele aber wissen, dass manche Ortschaften urkundlich belegt sind, lange bevor eine ganze Reihe der Städte Rumäniens in Dokumenten erwähnt wurde. Dazu gehört auch Warjasch. Vor der rumänischen Schreibweise "Varias" gab es bis 1919 natürlich die ungarische "Varjas". Nach der Türkenherrschaft lautete die Bezeichnung auf den Karten "Varias", dann auch "Wariasch" und "Wariosch". Die gebräuchliste deutsche Schreibweise ist "Warjasch", wohl der deutschen Aussprache des Namens folgend. Sie ist aus keiner der dort nachweislich gesprochenen Sprachen mit Sicherheit abzuleiten. Auch Warjasch hat seine "Römerschanzen" und "Kumanenhügel". Aber die relativ geringe Zahl von archäologischen Ausgrabungen im Banat ermöglicht auch heute kaum eine sichere Zuordnung. Dass die Römer im Banat waren, steht fest. Dass vor ihnen Thraker als Daker und Geten da waren, weiß man auch. Doch wer alles in der Völkerwanderungszeit bis zur Gründung des ungarischen Reiches vor etwa einem Jahrtausend dort lebte oder auch nach kurzem Aufenthalt weiter zog, ist nicht so sicher. Gepiden und Awaren hatten es eine Zeit lang in ihrem Besitz; Kumanen und Slawen kamen hinzu, überfielen die Viehzüchter und Ackerbauern. Wieviel von der bodenständigen Bevölkerung übrig blieb, weiß man nicht. Altar-Kirche 
Das Königreich Ungarn hatte in der Festung Temeswar einen der stärksten Vorposten im Südosten seines Reiches, als die Türken eindrangen. Die Bevölkerung im pannonischen Raum war schon damals recht gemischt, als die Türken es in ihren Besitz brachten. Wie aber sah es auf dem Lande aus? Wenige Jahre nach der Rückeroberung des Banats durch die Heere Prinz Eugens ( von Savoyen )  waren in Warjasch nur noch etwa 40 Häuser bewohnt. Viele Serben müssen vor allem zwischen 1737 und 1747 zugezogen sein. 1781 bevor die ersten 50 deutschen Familien angesiedelt wurden , soll der Ort über 3000 Einwohner gezählt haben, wie Johann Heim in seiner vor hundert Jahren verfassten Monographie zu berichten wusste. Wieviele davon Serben und wieviele Rumänen waren, ist unsicher. Es liegt nahe, dass es noch vor der Neuanlage des Dorfes, 1797, bereits weniger Rumänen als Serben waren. Die österreichische Verwaltung nannte die eingesessene Bevölkerung "Nationalisten", um sie von den deutschen Siedlern zu unterscheiden, wobei nie mit Sicherheit auszumachen war, ob es sich um Rumänen oder Serben handelte. Ebenso ungenau war der Begriff "illyrisch". Inwieweit in den Akten des Wiener Hofkammerarchivs mit illyrischer Bevölkerung des Banats Südslawen, d.h. Kroaten, Slowenen und Serben gemeint sind oder ob auch die bodenständige rumänische Bevölkerung mitgemeint ist, kann man schwer sagen.Warjasch-Schule Wenn es um den Nachweis geschichtlicher Existenz geht, beansprucht womöglich jedes der genannten Völker den Begriff für sich. so geschah es, als man Anfang der achtziger Jahre den 200. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung einer Schule in Warjasch feierte. Auf einer Ausgabenliste der österreichischen Verwaltung stand eine Summe für die "illyrische Schule in Warjasch". Der rumänische Schuldirektor und die Behörden setzten "illyrisch" mit rumänisch gleich, während die serbischen Lehrer, auch wenn sie es nicht laut zu äußern wagten, es selbstverständlich für serbisch hielten. Ein Blick in die große Monographie zeigt uns, dass durch die Kameralordnung von 1797, elf Jahre nach der Zusiedlung der ersten 50 deutschen Familien, bei der Verlegung und Neusausmessung des Dorfes ein illyrisches und ein deutsches Dorf entstanden war. Die Trennung erfolgte nach Straßen. Die Verwaltung war aber immer einheitlich. So lebte man nebeneinander und doch auch miteinander. Im Rückblick auf die vergangenen zwei Jahrhunderte kann man diese Entscheidung der Kameralverwaltung nur als sehr weise bezeichnen. Sie sicherte auf die einfachste Art ein fast reibungsloses Zusammenleben. Im "deutsche Dorf" gab es zuerst nur zwei Straßen, die Kirchengasse und die Altgasse, zu denen 1831 noch die Neue Gasse hinzukam. Gleich an die Kirchengasse, in Richtung Bahnhof schloss sich die "Walachschgass" an, dann die serbischen Gassen. Die beiden an der Hauptstraße stehenden Kirchen weisen heute noch auf die verschiedenen Glaubensgemeinschaften hin.  
 

Drei Volksgruppen  
 

Die Unterscheidung zwischen serbischen Gassen und einer rumänischen, wie sie unsere Vorfahren machten, dürfte eigentlich ein Beweis dafür sein, dass mit "illyrisch" sowohl rumänisch als auch serbisch gemeint sein konnte. Es steht auch außer Zweifel, dass die "Walachschgass" früher von Rumänen bewohnt wurde. 1945 lebten in der Mehrzahl der Häuser Deutsche, die ihre Straße meist Mittelgasse nannten. Die übrigen Bewohner galten als Serben, waren es aber nicht immer. Das Haufendorf, wie es in einer Abbildung in der Monographie ( S. 31 ) ist, dürfte vor dem großen Zuzug der Serben ( 1737 bis 1747 ), wahrscheinlich nur von Rumänen bewohnt gewesen sein.   
Die starke Entvölkerung während der Türkenzeit der in der offenen Ebene gelegenen Ortschaften lässt sich leicht erklären. Den Viehzüchtern und Bauern in Alt-Warjasch fehlten die Fluchtmöglichkeiten, wenn die Steuereintreiber des Paschas kamen. Bis zu den Verstecken, die die Auwälder der Marosch und Aranka oder die ausgedehnten Schilfgebiete versumpfter kleiner Wasserläufe boten, war es zu weit. So kann vielleicht das Überleben von Ortschaften mit rumänischer Bevölkerung wie Igris, Pesac, Munar oder Knees erklären, während andererseits über die Heide hin, von Warjasch bis Hatzfeld, das "Prädium", das Ödland, durch Abwanderung der bodenständigen Bevölkerung entstand. Man darf nicht vergessen, dass die türkischen Steuereintreiber sich auf den Koran berufen konnten, der es  ihnen erlaubte, von den "Ungläubigen" das Fünffache von dem zu nehmen, was die gläubigen Türken zu entrichten hatten. Unter diesen Umständen dürfte das Steuereintreiben oft einer vollständigen Ausplünderung sehr nahe gekommen sein. So ist ist es wohl zu erkkären, das 1717, als Graf Mercy die Verwaltung des Banats übernahm , in der jahrhundertealten Siedlung nur noch 40 bewohnte Häuser gezählt wurden. Der starke Zuzug von Serben dürfte die ebenfalls orthodoxen Rumänen bald in die Minderheit abgedrängt haben, so dass 1797 für sie eine Gasse ausreichte , während die Serben drei und die frisch zugezogenen Deutschen zwei beanspruchen konnten. Nach einigen Generationen sprachen die meisten Rumänen serbisch oder nur noch serbisch. Erst der jungen Generration von Deutschen in der Mittelgasse, die nach 1948 die Schule besuchte und durch den russischen Sprachunterricht die kiryllischen Inschriften auf den vermeintlich serbischen Häusern lesen konnte, fiel es auf, dass so manncher Name auf den Hausgiebeln nicht serbisch war. Sie erkannten in Muntjan einen serbisierten Munteanu, in Erdeljan einen leicht verwandelten Ardeleanu, währende Kirschan nur die serbische Schreibweise des rumänischen Crisan war. Es fiel ihnen auch auf, dass der langjährige Lehrer und Direktor der serbischen Schule ebenfalls einen rumänischen Namen trug ( Carpinisan ).  
Bis zum Herbst 1944 hatte das Zusammenleben von Deutschen und Serben kaum Trübungen oder ernsten Zwist gekannt. Ob unter Kameralverwaltung oder als Pächter und Erbpächter der Billeder Grundherrschaft unterstellt, ob beim Anlgegen der Kanäle zur Entsumpfung weiter Teile der Felder ( 1847 ), die örtliche Verwaltung muss immer verstanden haben, die Lasten möglichst gleich zu verteilen. Ereignisse mit dramatischen Folgen, wie die Erschießung von zwölf Serben durch Truppen der ungarischen Revolutionsarmee ( 1848/49 ), waren nicht lokalen Ursprungs. Jahrzehntelang war der gewählte Gemeinderichter abwechselnd mal ein Serbe, mal ein Deutscher. Änderungen gab es  in diesem Rhythmus nur während der Revolution von 1848/49 und während des Zweiten Weltkriegs. Aber selbst dann blieb der zweitwichtigste Mann im Rathaus Serbe. Wajascher Blaskapelle in Hamburg um 1895 
Eine größere wirtschftliche Zusammenarbeit hat es in all den Jahren nicht gegeben. Zwischen 1920 und 1930, als die veränderten Wirtschaftsverhältnisse im neuen Staat Großrumänien, dem der größere Teil des Banats zugeschlagen worden war, Umstellungen erforderten, waren es zumeist nur die Deutschen, die sie konsequent durchführten. Für die intensive Viehzucht stand allen importiertes, hochwertiges Zuchtvieh in den Gemeindestallungen zur Verfügung. Aber kaum eine serbische Wirtschaft beteiligte sich ernsthaft an der durch die Gründung der Genossenschaft schon ab 1929 möglich gewordenen Milchverwertung, noch an der intensiven Schweinemast. Doe großen Exportleistungen vor Kriegsbeginn beruhten zum Großteil auf dem Mastbetrieb der deutschen Wirtschaften.  
Eine Erklärung für die geringen Fortschritte der serbischen landwirtschftlichen Betriebe liegt sicher auch darin, dass die serbische Großfamilie auf dem Dorf, ähnlich der rumänischen, pratriachalisch organisiert blieb. Der Patriarch, der älteste Mann der Familie, hatte das Sagen bis zu seinem Tod. Da der Mensch im Alter meist zu konservativem Verhalten neigt, blieb man bie vielen Neuerungen zurück. Hinzu kam noch der Umstand, dass man im deutschen Dorf viel besser für die immer stärker werdende Mechanisierung gerüstet war: durch viel mehr Handwerksbetriebe und gut ausgebildete Meister.  
   
 

Moderne Landwirtschaft  
 

Die deutschen Wirtschaften hatten vor der Jahrhundertwende, als die durch das ungarische Recht begünstigte Erbteilung möglich war, ihren Besitz sicher ebenso oft aufgesplittet wie die serbischen. Sie hatten aber weitgehend das Abtreten der Wirtschaft an die erwachsnen und verheirateten Kinder beibehalten. Das "In-den-Vorbehalt-Gehen", oder ins Ausgedinge, wie es in manchen Gegenden Deutschlands heißt, war ein gut funktionierendes Rentensystem, das manchmal auch Spannungen und Generationskonflikte mit sich brachte, abe dennoch beachtliche Vorteile für alle aufwies. Dadurch, dass der Altbauer den Hof abtrat, durfte er nicht mehr entscheiden, nur noch mitreden bei Entscheidungen. Die jüngere Generation, oft bereits mit besserer Schulbildung, war allem Neuen gegenüber aufgeschlossener und auch risikofreudiger. Bei der Weiterbildung spielten auch die Vereine, die Fachzeitugen und -zeitschriften keine geringe Rolle. Auch darf der Umstand, dass die einzige gut funktionierende Ackerbauschule ( in Wojteg ) zu den Schulen mit deutscher Unterrrichtssprache gehörte, nicht vernachlässigt werden. Nicht nur die Fachbücher, sondern auch die meisten Maschinen und Geräte stammten aus Deutschland. Wenn auch die Zahl derer, die nach der mittleren Reife die Ackerbauschule besuchten, nicht groß war, so wirkte doch alles, was man gesehen, gehört und gelernt hat, oft doppelt und dreifach weiter. Nicht wenige der Väter von Ackerbauschülern griffen an langen Winterabenden zu den Fachbüchern ihrer Söhne. So kam es, dass bereits Anfang der dreißiger Jahre das wirtschaftliche Schwergewicht eindeutig im deutschen Teil der Gemeinde zu suchen war. Auch im Bevölkerungsanteil hatte die deutsche Seite in den ersten hundert  Jahren nach der Neugründung sehr zugenommen.Wer sich die statistischen Zahlen der Jahrhundertwende ansieht. kann leicht feststellen, dass die größte Bevölkerungszahl des Ortes ( 5179 Einwohner ) fast genau mit dem höchsten Anteil an deutscher Bevölkerung zusammenfällt: 2992, d.h. 57,7%. Die Abwanderung nach Missernten und die erste Auswanderungswelle nach Amerika, die bald darauf einsetzte, veränderten diese Zahlen ein wenig. Nur 1937, nach einigen Jahren mit großem Geburtenüberschuss und einem weiteren Rückgang der serbischen Bevölkerung, betrug der deutsche Anteil 59,48% ( 2598 von insgesamt 4367 Einwohnern). Bei der ersten Volkszählung nach dem Krieg, 1948, war zwar die gesamte Bevölkerung des Ortes nur um etwa 200 Personen angestiegen, aber es fehlten 805 Deutsche. Geflüchtet war niemand, und trotz vollständiger Enteignung und Russlandverschleppung gab es keinen, der sein Deutschtum geleugnet hätte. Es fehlten aber die Toten des 2. Weltkrieges  96 ) und der Verschleppung ( 41 ). Es fehlten die meisten von all denen, die Krieg und Gefangenschaft überlebt hatten. Sie waren wegen der mehr als unsicheren Verhältnisse nicht mehr zurückgekehrt. Es fehlte an Kindern, denn seit Jahren gab es kaum noch Eheschließungen. In der Statitik erscheinen zum ersten Mal Hunderte von Rumänen ( 891 ) und 200 Ungarn. Viele von ihnen gehörten zu den Familien, die das Dorf, d.h. die enteigneten Deutschen, nach 1945 hatten aufnehmen müssen: Flüchtlinge aus Bessarabien und der Nordbukowina ( Rumänen und Ruthenen ), Makedonier, die man zuerst an die Schwarzmeeküste gebracht hatte, usw. Was Zufall war und was politische Berechnung bei den all den Drangsalierungen, die sich für die Deutschen vielerorts daraus ergaben, wird man später vielleicht erfahren, so wie man erst vor kurzem erfahren hat, dass es gleich nach dem Krieg und der Verschleppung Pläne und Namenslisten gab, um Tausende von Familien über das ganze Land zu verstreuen. So waren z.B. 1984 etwa zwanzig Familien aus der Moldau im Dorf eingetroffen, die die Häuser der Aussiedler besetzen sollten, als diese noch nicht einmal ihre Pässe bekommen hatten. Als die Gemeindeverwaltung sie einfach im frisch renovierten Schulinternat unterbringen wollte, wiegerte sich der dafür zuständige deutsche Schuldirektor, diese willkürliche Anordnung zu befolgen. Er verwies auf den nachen Schulbeginn und auf die leeren Kassen, die ein nochmaliges Tünchen nicht zuließen.  Am nächsten Tag wurde er wieder zum Bürgermeister zitiert, wo ihm "ein Genosse in Zivil", der sich als Hauptmann des Sicherheitsdienstes auswies, eröffnete, dass "die Aktion zur Repopulierung des Banats" unter der direkten Schirmherrschaft des Staatspräsidenten stehe und es infolgedessen keine Weigerung geben könne, alles was im Interesse dieser Aktion sei, sofort und kommentarlos zu tun.  
 

Last der Geschichte  
 

Es gab also doch recht eindeutige Pläne. Zu den Warjascher Besonderheiten der Nachkriegszeit gehörte auch das gestörte Verhältnis zum serbischen Dorf. Seit dem September 1944, den Tagen der Verschleppung und der Enteignung, gab es eine Reihe von serbischen Bewohnern, die so tat, als könne man alles, was im Krieg im Namen Deutschlands den Serben angetan worden war, an den Deutschen rächen, mit denen man seit anderthalb Jahrhunderten friedlich zusammen lebte. Es schien so, als ob sich niemand daran erinnern könne, dass selbst in den Tagen großdeutscher Verblendung und Volksgruppenherrlichkeit keinem Serben irgendein Unrecht von deutscher Seite geschah. Sie sahen auch nicht oder wollten auch nicht sehen, dass der Krieg ungleich mehr Opfer auf deutscher Seite gefordert hatte als auf serbischer. Die Zahl der Toten durch Krieg und Verschleppung war auf deutscher Seite fast doppelt so hoch wie im ersten Weltkrieg (137:78 ). Die Jahrgänge, die vom Sommer 1941 an in der rumänsichen Armee im Fronteinsatz waren und zum Teil auch noch im Frühjahr 1943 dort standen und so oft gar nicht erst vor die Entscheidung gestellt wurden, in die deutsche Armee überzutreten, ebenso wie die wenigen Unteroffiziere und Reserveoffiziere, hatten eigentlich die größten Verluste.  Von knapp zwei Dutzend fielen vierzehn. Nur fünf kehrten zurück. Drei von ihnen mit lebenslanger Invalidät. Sie alle hätten bei der Enteignung im Frühjahr 1945 zu den Ausnahmen gehören müssen. Doch in Warjasch gingen die Uhren anders. Zur Volksgruppe gehörten alle, folglich wurden alle enteignet. Da in den seltensten Fällen der Bodenbesitz bereits urkundlich auf den Namen des Sohnes eingetragen war, enteignete man den Vater vollständig, um dann dem Sohn, für treue Dienste in der rumänischen Armee, die für landlose Bauern vorgesehenen fünf Hektar zuzuteilen. Man nahm also erst einmal allen alles und gab den den wenigen wenig. Das war dann auch eine gute Voraussetzung für die beabsichtigte Kollektivisierung: schwache Einzelwirtschaften, der Viehstand der Deutschen zu etwa 80% vernichtet, das Genossenschaftswesen tot. Man hat den Warjaschern manchmal Steitlust nachgesagt. Beispielle dafür gibt es reichlich. Wie sie aber in schweren Zeiten allen Streit begruben und zusammenstanden, daran sollte auch erinnert werden. So zum Beispiel, wie sie während der Kämpfe im September 1944 von Haus zu Haus weitersagten, die Gartenzäune zu öffnen, um den gefährdeten Mädchen und Frauen einen Wechsel der Verstecke zu ermöglichen, und wie das klappte. Wie sie nach dem Tod zweier Bewohner durch betrunkene Soldaten einmütig allen Schnaps vergruben oder einfach in den Hof rinnen ließen. Und auch wie die für die Verschleppung noch zu jungen oder zu alten Dorfbewohner im Frühjahr 1945 die ganze über Winter auf dem Feld verbliebene Maisernte einbrachten und alles bestellten, so dass die Ernte dieses Jahres noch für eine Zeit, als sie ihrer Lebensgrundlagen beraubt waren, über das Schlimmste hinweghelfen konnte. Es soll auch daran erinnert werden, wie im "Baragan-Sommer" 1951 Siebzigjährige noch mähten, um für 150 - 200 kg Weizen pro Joch den Neubauern und manchen Serben die Ernte einbrachten, weil der Dauerregen keinen Einsatz von Maschinen zuließ. Und auch wie die Drescher dafür sorgten, dass die Mäher nicht um ihren Lohn gebracht wurden. Wie man im Baragan zusammenstand beim Hausbau und in der Trinkwassernot, haben viele davon Betroffenen nicht vergessen. Und auch nicht, wie die Zurückgebliebenen auf allen Wegen versuchten, Kontakte aufzunehmen und zu helfen.  
Als im Sommer 1990 manche rumänische Zeitungen nicht aufhören wollten zu Lamentieren, weil für die Ernteeinbringung Arbeitskräfte fehlten, die Technik alt und reparaturbedürftig und keine Kredite zu bekommen waren, wagte es ein altgedienter Temeswarer Journalist im "Neuen Weg", daran zu erinnern, dass man im Frühjahr 1945 nicht nur den Mais vom Vorjahr geerntet hat, obwohl tausende der besten Arbeitskräfte fehlten udn ein Großteil der Zugkräfte verschwunden war, sondern auch noch den ganzen verfügbaren Boden bestellte. Man hatte damals allerdings nicht gejammert , sondern angepackt. Angepackt und nicht gejammert hatten alle, die bis zur Baragan-Verschleppung als Taglöhner beim Staatsgut, als Streckenarbeiter bei der Eisenbahn, als Drescher und Pächter gearbeitet hatten. Sie waren sich einig, ohne viel Gerede, die über 200 Drescher, als sie im Sommer 1947 tagelang die Arbeit verweigerten, bis man ihnen wieder den Naturallohn zusagte statt Inflationsgeldes. Sie waren sich auch einig, die Brigadeleiter und Taglöhner der Staatsfarm, als amn in den sechziger Jahren Verträge abschloss, die gute Arbeit besser vergüten sollten. Sie arbeiteten zuverlässig, die Traktorfahrer und Tomatengärtner, als gute Arbeit sich wieder zu lohnen schien. Wenn man aber nach einigen Jahren bescheidener Gewinne vom Vertragspartner Staat plötzlich die versprochene Fünfzig-Prozent- Exportprämie nicht mehr bekam, da war man sich auch schnell einig. Man baute lieber Mais an im nächsten Jahr. Die Parteioberen, die die Streichung der Prämie verfügt hatten, weil sie womöglich dachten, dass die Leute zuviel verdienten und Zeit hätten, über manches nachzudenken, brachten so selbst das Land um eine wichtige Deviseneinnahme. Den Planwirtschaftlern, die allen alles zumuteten, wurde so eine Lektion in Rentatbilitätsrechnen erteilt. Sie warren sich auch einig, als es Ende der sechziger Jahre darum ging, ein neues Schulgebäude zu errichten. Einer der Bauarbeiter von damals erinnerte sich noch unlängst in einem Gespräch daran, wie Ingenieur Peter Ficker, längst im Rentenalter, Tag für Tag an der Baustelle stand, um durch seinen Rat zu helfen, wenn irgend etwas nicht so ging wie es sollte. Er hat weder Lob noch Dank für seine Hilfe erwartet. Aber er dachte wohl wie alle Bauleute, die Lehrer und alle Eltern: es ist für unsere Kinder.   
 

Der Umbruch  
 

Eltern und Lehrer standen in schweren Jahren immer zusammen, wenn es um die Ausstattung der Schule ging. Als den Schülern in kleinen Schulwerkstätten Grundkenntnisse in Holz- und Metallverarbeitung vermittelt werden sollte, blieb das vielerorts auf dem Papier. Nicht so in Warjasch. Die von der Schule angestellten Handwerker waren nicht nur entscheidend bei der Selbstausstattung der Schule dabei, sie vermittelten wirklich praktisches Wissen und handwerkliches Können mit derselben Überzeugung wie die Lehrer der naturwissenschaftlichen Fächerin ihren Labors und im schuleigenen Gewächshaus und Garten. Sie alle wahrten eine Tradition, die weit ins vorige Jahrhundert zkurückweicht: die kleine Gemeinschaft hate nicht nur immer für guten Nachwuchs in der Landwirtschaft und im Gewerbe gesorgt. Ihre Volksschule hatte ständig auch eine Vorbereitung für höhere Schulen gesichter. Beamte und Offiziere, ein bekannter Komponist, Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte, Ingenieure und Naturwissenschaftler, Pfarrer und Ordensschwestern, Lehrer aller Stufen, vom Kindergarten bis zur Hochschule, hatten hier ihr erstes Wissen erhalten. Wenn auch in den letzten zehn Jahren der Diktatur der Anteil an deutschen Schülern und Lehrern immer kleiner wurde, sie trugen nicht selten dazu bei, dass die Schule irhen guten Ruf erhalten konnte bis zum Schluss, bis zur Selbstaufgabe der deutschen Abteilung 1990.  "Banatul e fruncea" sagten und sagen die alteingessesen Rumäne des Banats voller Stolz. Als während der siebziger Jahre der Diktator noch die Veröffentlichung der Zahlen des Staatshaushalts erlaubte und immer wieder von einer Angleichung der zurückgebliebenen Regionen als wirtschaftlichem und sozialem Ziel redete, konnte man eine bestimmte Absicht leicht herauslesen: einige Kreise in Siebenbürgen und im Banat hatte ein auffelend ausgeglichenes Einnahme-Ausgabe-Verhältnis.Bahnhof Aus der Staatskasse bekamen sie nichts. Die Angleichung sollte wohl dadurch schneller vorankommen, indem man die besser entwickelten Kreise bremste. Doch das gelang nur zum Teil. Es gehörte auch zum Selbstverständnis der Deutschen aus Warjasch, dass man sich immer möglichst weit vorne fand: in der Wirtschaft, im Gesnossenschaftswesen, in der Schulbildung, im kulturellen Bereich und selbst im Sport. Die wenigen Deutschen, die nach dem Dezember 1989 noch bleiben wollten oder mussten, sind für einen Neuanfang im Ort nicht entscheidend. "Omul sfinteste locul" ( Der Mensch heiligt den Ort ), sagt man im Rumänischen oft bewundernd, wenn z.B. jemand etwas unter denkbar ungünstigten Umständen durchsetzt. Die vielen neuen Bewohner von Warjasch, die asu allen Teilen des Lnades koimmen, müssen sich keine Häuser bauen und keien Brunnen bohren wie viele der alten Bewohner von Warjasch im Baragan. Es ist alles vorhanden. Wenn der Ort wieder ein blühender Marktflecken weden soll, vorbildlich in wirtschaftlicher Leistung, dann müssen sie slebst zupacken. Jetzt fehlen noch viele zuverlässige Traktorfahrer und Mechaniker, Handwerker, Landarbeiter und Tierzüchter, Brigadeleiter und Ingenieure, Ärzte und Tierärzte, Buchhalter und Verwaltungsangestellte, die alle dazu beigetragen hatten, dass das vormalige Staatsgut trotz dümmster Gängelei von oben und nur zu oft dilettantischer Leitung mit seinen Leistungen zur Landesspitze gehörte.  
Wenn auch heute, fünf Jahre nach dem Sturz der Diktatur, das glänzende Elend, das sie hinterließ, von den Nachfolgern eher verwaltet als überwunden wurde und vieles noch recht trostlos aussieht, sollten die alten und die neuen Bewohner von Warjasch sich an die Devise erinnern lassen, die dort immer galt: "Anpacke un net hinne finne losse." Sie gilt noch, so wie sie für die gewesenen Warjascher in Deutschland, der alten neuen Heimat, wieder galt.   
Sie, die heutigen Bewohner von Warjasch, haben hoffentlich nicht vergesen, dass dieser boden, trotz ungünstiger gesetzlicher Voraussetzungen und allgemeinem Verwaltungswirrwarr weit mehr zu bieten hat als nur Erdöl und Thermalwasser. Landwirtschaft und Viehzucht, die Weiterverarbeitung und Vermarktung ihrer Produkte, örtliches Gewerbe und Transport, alles muss wieder in Schwung gebracht werden. Dann wird es sich zeigen, ob, umgekehrt zum rumänischen Sprichwort, der Ort, ( selbstverständlich erst wenn alle Speckjäger udn Glücksritter abgezogen sind, weil nichts mehr zu holen ist ), seine Bewohner zu dem veranlasst, was vor Jahrzehnten den Wohlstand der Gemeinde begründet hatte: gemeinsames überlegtes Handeln, Arbeit und Fleiß.  

( Artikel " Warjasch" in der Banater Post" Nr. 13/14 v. 10.Juli 1995, von Dr. Hans Müller, gest. 28.07.1999 in Deutschland )  
 

II. Warjasch – eine Gemeinde in der Banater Heide  
 

Die Gemeinde Warjasch wurde bereits in der Serie „Banater Ortschaften stellen sich vor“, erschienen in der Banater Post, von Prof. Dr. Hans Müller, im Allgemeinen vorgestellt.  
Aus verschiedenen historischen Quellen ist zu entnehmen, dass der Ort Warjasch kein Ansiedlungs-, sondern ein Zusiedlungsdorf ist. Die Gemeinde Warjasch  hat wahrscheinlich eine über 2000 Jahre alte Geschichte. Hier lebten mit grosser Wahrscheinlichkeit schon die Vorfahren der Rumänen, die Thraker, die Daker und die Geten. Hier lebten auch seit Anfang des 2. Jahrhunderts die Römer. Auch die fast 1000-jährige Völkerwanderung der Nomadenritter verschiedener Volksstämme hat Warjasch überstanden. Die letzten waren mit Sicherheit die Kumanen und die Ungaren. Wie aus der modernen Fassung „Die Geschichte Rumäniens“ hervorgeht, erreichten die Mongolen und Tataren im 11. und 12. Jahrhundert nur die natürliche Ostgrenze der Walachei und sind somit nicht bis Warjasch vorgedrungen. Es sind heute noch Reste der Römerschanz, der Awarenringe und der Kumanenhügel zu sehen.  
Mit den Ungarn, allerdings erst nachdem man ihnen die Grenze ihrer kriegerischen Eroberungs- und  
Plünderungslust aufgezeigt hatte, begann auch für Warjasch eine neue Geschichte. Im Jahre 1335, ca. 200  
Jahre nach dem Übergang der Ungaren zum Christentum, wurde Varijas zum erstenmal urkundlich genannt. Späterschrieb man Varjas und am Anfang des 18. Jahrhunderts stand auf der Mercy-Karte Varias dann Wariasch, Wariosch und dann wieder Varias. Heute ist die rumänische Fassung Varias und die deutsche Warjasch.  
Etymologisch konnte man die Herkunft des Ortsnamens nie dokumentieren. Bereits in dieser Zeit lebten in Warjasch 3350 Einwohner. Eine Aufteilung nach den hier lebenden Nationen ist nicht möglich. Die meisten waren Jäger, Fischer, Hirten und wenige beschäftigten sich mit dem Ackerbau. Die härteste Zeit in der Geschichte des Banats und auch der Gemeinde Warjasch war die 160-jährige Türkenherrschaft. Im Jahr 1717 nach der Rückeroberung durch Prinz Eugen von  Savoyen standen in Warjasch noch 40 Häuser mit einer unbestimmten Zahl von Einwohnern. In den Jahren 1737 bis 1747 fand eine grosse Zuwanderung von Rumänen und noch mehr von Serben statt. Im Jahre 1781, nach einer Notiz vom gewesenen Schuldirektor Johann Heim, zählte man 3346 Serben und Rumänen. Warjasch war bereits vor den ersten deutschen Siedlern der Kameral-Verwaltung unterstellt. Die Nationalisten (Rumänen und Serben) haben sich in dieser Ordnung nicht wohl gefühlt – viele flüchteten. Das Dorf war eine Haufensiedlung (Schwarmsiedlung) ohne jedwelches Konzept und befand sich im nordwestlichen Teil der heutigen Gemeinde.  
Man hat beschlossen die neugewonnenen Gebiete ohne Rücksicht auf die Nationalisten mit Deutschen zu besiedeln. So kamen im Jahre 1786 die ersten 50 deutschen Familien, meist aus der Pfalz, Saarland und Lothringen. Lehrer Johann Heim schrieb damals: „So feierte Warjasch seinen zweiten Geburtstag.“ Auch die ersten 50 deutschen Familien wurden in die Haufensiedlung integriert. Die Haufensiedlung befand sich auf sumpfigem Gebiet. Weil einer weiteren Ausdehnung somit Grenzen gesetzt waren, verfügte die Kameral-Verwaltung im Jahre 1794 die Dorflage und die Hausstellen neu auszumessen. Dies geschah im Jahre 1997. Durch diese Maßnahme wurde auch die Trennung der Deutschen von den Nationalisten vollzogen. Es entsteht das deutsche und das illyrische Dorf. Das Dorf hatte zu dieser Zeit sechs etwa 1 km lange Gassen die von Ost nach West verliefen. In der Mitte wurden sie von der ca. 30 m breiten „Hauptgasse“ durchgetrennt. Die Hauptgasse ist heute etwa 1,5 km lang. Das deutsche Dorf bestand aus der Kirchen- und der Altengasse. Das illyrische Dorf bestand aus der Wallaschgasse sowie aus der zweiten, dritten und vierten Serbische Gasse. In der Zeit von 1790 bis 1792 kam Warjasch als Tauschobjekt unter die Fittiche des Bistums Agram. Danach wurde es wieder der Kameralverwaltung unterstellt.  
Im Jahre 1792 kamen weitere 26 Familien aus den gleichen Gebieten wie bereits 1786. Es folgten weitere Zusiedlungen aus verschiedenen Dörfern der Banater Heide wie Perjamosch, Biled, Lenauheim, Großjetscha, Bogarosch u.a.. So entstand im Jahre 1830 die Neue Gasse. Im Jahre 1890 standen in Warjasch 727 Häuser.   
Das deutsche Dorf entwickelte sich viel schneller. Die Häuser der Rumänen aus der Wallaschgasse mit ihrem ganzen Anwesen wurden mehr und mehr von den Deutschen aufgekauft, bis die Gasse zu 95% deutsch war. Der Rest der Rumänen zog aus oder wurde von den Serben integriert. An den Giebeln der serbischen Häusern stand in kyrillischen Buchstaben die rumänischen Namen wie: Muntean, Ardelean, Crisan oder Carpinisan (lange Jahre Direktor der serbischen Schule). Im Jahre 1840 hatte Warjasch 4172 Einwohner. Davon waren 2260 Deutsche, 1912 Serben und keine Rumänen. Im Jahre 1892 zählte Warjasch 5179 Einwohner: 2992 Deutsche und 2117 Serben. Im Jahre 1937 war es 4367 Einwohner und davon noch 1738 Deutsche. Im Jahre 1977 lebten noch 1135 Deutsche in Warjasch.  
In Warjasch wurde keine spezifische Mundart gesprochen. Wie vieles Andere war auch die Sprache eigenartig. Die ersten 76 Familien sprachen einen Mosel-Fränkischen-Dialekt. Durch die vielen Zuwanderer aus fast allen Heidegemeinden bis im Jahre 1830 wurde dieser Dialekt ergänzt und bereichert.   
 

Schule, Kirchen und andere Gebäude  
 

Bereits 1790 bestand im nordwestlichen Teil der Alten Gasse ein Gebetshaus. Das Warjascher Kaplanat war drei Jahre eine Filiale der Perjamoscher Pfarrei und dann selbständig. Im Jahre 1817 wurde das Pfarrhaus und im Jahre 1821 die Kirche erbaut. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kapelle mit den Kreuzstationen von der Familie Zillich erbaut, später dann der Kalvarienberg. Es folgten mehrere Pfarrer. Namentlich erwähnen möchte ich Pfarrer Lichtenberg, der leider nur ein Jahr (1936) in Warjasch war. Sein Nachfolger war Pfarrer Karl Hampel aus Deutsch-Perek, der von 1937-1961, ganze 24 Jahre, in Warjasch war. Ebenfalls seit 1790 befand sich im südwestlichenTeil der Alten Gasse ein Lehrraum. Die deutsche Volksschule wurde im Jahre 1823 errichtet. Das Gemeimdehaus wurde 1858 und das Postamt 1867 erbaut. Die erste Bahnlinie zwischen Warjasch und Perjamosch wurde 1888 eröffnet und im Jahre 1907 die Linie Warjasch-Temesvar. Im Jahre 1929 wurde der Kindergarten, im Jahre 1930 das Kriegerdenkmal und im Jahre 1938 das Deutsche Haus erbaut. In dieser Zeit wurden noch andere bedeutende Gebäuden in der Hauptgasse errichtet. Der Park neben dem deutschen Dorf mit seinen 30 m hohen Pappelbäumen war lange Zeit neben den beiden Kirchtürmen das Wahrzeichen von Warjasch, ehe die Kommunisten ihn vernichteten.  
  

Die Wirtschaft  
 

Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunders entwickelte sich die Landwirtschaft explosiv. Die Gesamtfläche auf dem Gemark Warjasch betrug ca. 12.000 Joch. Davon waren ca. 10.000 Joch Ackerland. Auf mehr als 50% der Fläche wurde Mais angebaut. Die jährliche Produktion von über 5.000 Tonnen wurde in Warjasch zu 100% in der Schweinemast verwendet. Das Laub wurde in der Rinderzucht und die Stengel und Kolben als Brennmaterial genutzt. An zweiter Stelle folgte der Winterweizen mit einer Produktion von 3.500-4.000 kg/ha. Es folgte die Wintergerste mit ca. 4.000 kg/ha. Weitere Feldkulturen waren Hafer, Roggen, Zuckerrüben, Futterrüben und Klee. Der Wein-(176 Joch) und Obstanbau hatten ein untergeordnete Bedeutung. Ein Großteil der Ernte wurde als Futter in der Viehzucht verwendet. Später wurde Hanf für die Bileder Hanffabrik gebaut. Auch der Kartoffelbau entwickelte sich während den Kriegsjahren. So lieferte man im Jahre 1943 260 Wagon Kartoffel an die deutsche Wehrmacht und eine große Menge wurde zusätzlich als Futter genutzt. Warjasch exportierte jährlich bis zu 20.000 Mastschweine mit einem Durchschnittsgewicht von 150 kg. Täglich  wurden bis zu 3.000 l Milch an die Milchgenossenschaft geliefert. Neben der Rinderzucht und der Schweinemast wurden auch Pferde gezüchtet. Der Fortschritt in der Landwirtschaft kam mit der Mechanisierung. Es wurden Mehrscharenpflüge, Sähmaschinen, Erntemaschinen, Dreschmaschinen und Traktoren vorwiegend aus Deutschland angeschafft. Der erste Traktor kam nach dem  1. Weltkrieg. In den Jahren vor der Enteignung waren in Warjasch 60 Traktoren. Die rasche Entwicklung der Landwirtschaft und der Viehzucht zog die Entwicklung eines starken Dienstleistungsektors mit allen nötigen Handwerkern nach sich. So waren im deutschen Dorf zwischen 1920 und 1940 5 Gasthäuser, 5 Fleischbänke, 3 Würstler, 3 Bäcker, 2 Zuckerbäcker, 5 Schmiede, 4 Wagner, 13 Maurer, Zimmerleute und Spengler, 4 Schneider, 5 Schuhmacher, 6 Tischler, 1 Faßbinder, 1 Sattler, 3 Seiler,2 Rasierstuben und 3 Zimmermaler. Im Jahre 1797 standen in Warjasch 2 Rossmühlen. Im Jahre 1880 waren es bereits 8. Diese wurden so langsam von Dampfmühlen abgelößt. Im Jahre 1883 wurde die große Windmühle gebaut und im Jahre 1950 wurde sie abgetragen. Es folgen die Motormühlen. Warjasch hatte 2 Weizen- Motormühlen und mehrere Motor-lohnschröter. Im Jahre 1890 kam es zur Errichtung einer Ziegelei. Neben dem Großhandel mit Getreide, Schweinen, Milch und Milchprodukten, gab es in Warjasch bis im Jahre 1945 ca. 10 bis 12 Läden mit Kurz- und Schnittwaren, Eisenwaren, Süssigkeiten sowie Leder- und Schuhwaren. Ende des 19. Jahrhunderts lebten in Warjasch 36 Juden. Diese waren hauptsächlich im Großhandel tätig. In Warjasch gab es sechs Geldinstitute. Im Jahre 1876 wurde der „ Spar- und Selbsthilfeverein “ gegründet. Im Jahre 1891 wurde die „Warjascher Landwirtschaftliche Bank AG “ gegründet. 1895 folgte die „ Volksbank AG “ und 1896 die „ Erste Warjascher Sparkassa AG “. An dieser Stelle muß noch von zwei weiteren Banken gesprochen werden, nämlich dem „ Bankgeschäft Peter Steinhard “ und der „ Serbischen Kreditgenossenschaft “.  
  

Genossenschaften und Vereine  
 

Der Gedanke der Selbsthilfe wurde von den Warjaschern ganz früh aufgegriffen. In den Jahren 1897 bis 1899 wurde die Milchgenossenschaft ins Leben gerufen. Nach der Weltwirtschaftskrise wurde diese Genossenschaft in Warjasch im Jahre 1930 neu gegründet. Ihr erster Vorsitzender war Hans Anton. Das Warjascher Beispiel erweckte auch in anderen Gemeinden Interesse. So kam es 1931 zur Gründung der “ Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft  “. Erster Vorsteher Hans Anton. Während der Aufbauarbeit kam es zu Streitigkeiten. Deshalb wurde in Warjasch im Jahre 1933 unter dem Vorsitz von Peter Anton und Johann Beitz die “ Erzeuger  Landwirtschafts Genossenschaft “ gegründet. Ebenfalls wegen diesem Streit kam es 1936 zur Gründung der  “ Banater Agraria “. Vorsteher war Peter Anton. Ganz im Gegensatz  zu den Genossenschaften, die ausschließlich einen wirtschaftlichen Charakter hatten, waren es die Vereine, die das politische und kulturelle Leben voran brachten. Der älteste Verein ist der “Schützenverein”. Im Jahre 1880 wurde der Männergesangsverein “Harmonie” gegründet. Dieser stand unter der Leitung der Lehrerfamilie Huber. Der Chor schloss sich 1922 dem Bund Banater Sänger an. Eine große Bedeutung hatte die Gründung des “Südungarischen Landwirtschaftlichen Vereins”. Der Ortsverband wurde in Warjasch im Jahre 1894 gegründet. Ihr letzter Obmann war Peter Anton. Unter seiner Leitung fand im Jahre 1937 der grosse “Bauern-und Jugendtag” in Warjasch statt. Im Jahre 1899 kamen der “Meisterverein” und der “Bürger-Leserverein” hinzu. Im Jahre 1920 bestanden in Warjasch zwei “Leichenbestattungsvereine”. Im Jahre 1922 wurde der erste Jungendverein gegründet. Dieser hatte sich die politische, berufliche und nationale Gesinnungsbildung als Ziel gesetzt. Im Jahre 1924 kam es zur Gründung des Sportvereins und des Gesellenvereins. Im Jahre 1927 wurde der Ortsverband des Vereins der “Banater Deutschen Frauen” ins Leben gerufen. Im Jahre 1928 war die Geburtsstunde des “Sozialdemokratischen Vereins”. Und 1934 kam als letzter Verein der “Mädchenkranz” hinzu. Ein gemeinnütziger Verein im Dienste der Dorfgemeinschaft war die “Freiwillige Feuerwehr”. Sie bestand seit 1876. Neben den kulturellen und wirtschaflichen Tätigkeiten, war auch das politische Leben in Warjasch sehr ausgeprägt. Schließlich war es kein Anderer als der Warjascher Anton Anton, der als Vertreter des Banater Landes im Jahre 1918 in Hermannstadt, in Anwesenheit des Finanzministers Vlad, als Vertreter der rümänischen Regierung, die Beitrittserklärung des freien nationalen Volkes zu Grossrumänien verlas. Nach dem 1. Weltkrieg, in dem 78 junge Warjascher Männer sterben mussten, kam der Anschluss an Rumänien. In den nächsten drei Jahrzehnten erlebte Warjasch seine größte Blütezeit.  
Es kam der zweite Weltkrieg. 276 Soldaten zogen ins Feld, 76 kamen nicht wieder.  
Es folgte die Deportation nach Russland im Jahre 1945. 369 junge Menschen (166 Frauen und 203 Männer) wurden nach Russland gebracht. 41 von ihnen starben den Hunger- und Kältetod. Im Sommer 1951 folgte die Zwangsumsiedlung in die Baragansteppe. Die Warjascher (ca. 100 Familien) wurden unter polizeilichem Gewahr in Perieti - Fundata, Fetesti - Valea Viilor und Marculesti - Viisoara angesiedelt. Dank politischem Druck von Außen wurde 1955 der Zwangsaufenthalt aufgehoben. Bereits im Jahre 1945 wurde das ganze Feld (ca. 3460 ha waren in deutschem Besitz) und der ganze Maschinenpark enteignet und im Jahre 1950 die Landwirtschaftliche Genossenschaft (“Kollektiv”) gegründet. Dem Fleiss und der gewissenhaften Arbeit der Warjascher ist es zu verdanken, dass das Staatsgut im kommunistischen Rumänien als fährend ausgezeichnet wurde.  
Über die Tätigkeit der Generationen, vom Zeitpunkt der vollständigen Enteignung bis zur totalen Aussiedlung, in den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Sport wurde bisher sehr wenig geschrieben und berichtet. Gerade in dieser Epoche findet unter der Leitung von Oberstudienrat Hans Tittenhofer das grösste Trachtenfest des Banats in Warjasch statt.  
Wie schon in der Vergangenheit, schlugen auch diesmal die Uhren in Warjasch anders. Nach dem Verlust des gesamten Vermögens drohte der Verlust der Freiheit, der Selbstbestimmung und der Identität als Volksstamm. Die immer stärker werdende Kolonisierung  - im Jahre 1948 waren es bereits 891 Rumänen - und die vielen Schikanen haben die Warjascher früher als in anderen Gemeinden zur Aussiedlung getrieben. Bereits im Jahre 1957, im Wege der Familienzusammenführung, zogen die ersten Familien in die DDR. In den nächsten Jahren intensivierte sich die Aussiedlung. Einige wenige Familien verschlug es nach Österreich und die USA. Den Großteil aber zog es in die BRD. Der erste große Ballungsort der Warjascher wurde Waldkraiburg. Es folgten Landshut und Augsburg. In Augsburg leben heute die meisten Warjascher. Die Mehrheit der Warjascher zog es nach Bayern. Neben den drei Ballungsorten sind sie von Aschaffenburg, Würzburg, Schweinfurt und Bamberg über Regensburg, Passau und Traunreut im ganzen Land verstreut. Auch in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin sind Warjascher zu finden. Die letzte große Übersiedlungswelle fand bereits Anfang der 80er Jahre statt. Als die Ära Ceausescu zu Ende ging, waren nur noch ca. 1000 Deutsche in Warjasch. Heute leben nur noch ca. 10 einzelne Personen in der alten Heimat. In die BRD zogen etwa 1800 Warjascher um. Alle sind voll in der neuen Heimat integriert. Fast alle sind Haus- oder Wohnungsbesitzer.  
Die HOG Warjasch wurde im September 1972 in Waldkraiburg gegründet. Anwesend waren 340 Warjascher. Als erster Vorsteher wurde Jakob Burger gewählt. Im Jahre 1975 fand das erste große Heimatstreffen in Waldkraiburg statt. Als Nachfolger von Jakob Burger wurde Michael Kampf aus Landshut gewählt. Die HOG-Treffen finden nach dem Rotationsprinzip jährlich statt. Man gedenkt den Toten und spricht über die vergangene Zeit in der alten Heimat. Ein Gedenkstein an Warjasch steht am Donauufer in Ulm, in der Nähe der Donauhalle in Messepark.  
Über Warjasch wurde schon einiges geschrieben. Ein detailliertes Werk wurde von Dr. Eugen Karl Reb verfasst. Dieses wurde aber leider nur stückweise publiziert. Es diente als Dokumentation für viele andere Werke. “Warjasch, ein Heimatbuch” von Prof. Nikolaus Engelmann erschien im Jahre 1980. Zwei Festschriften in Buchformat anlässlich der zweiten Geburt von Warjasch im Jahre 1986 wurde von OstR. Hans Tittenhofer und von Prof. Nikolaus Engelmann geschrieben. Ein zweites Buch mit dem Titel “Der Michel”, eine Doftgeschichte die sich in Warjasch abspielte, von Prof. Dr. Hans Müller ist in Deutschland käuflich. Unser Heimatbuch von 1980 ist unvollständig. Es endet mit der vollständigen Enteignung und der Zwangsübersiedlung in den Baragan. Es fehlen 45 - 50 Jahre: Warjasch unter der Kommunisten-Herrschaft bis zur totalen Aussiedlung.  
 

                                                                                                       Hans Müller, Würzburg 

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