Temeswar (Timișoara)

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 Geschichte Temeswars


Temeswarer Wappen

Die Hauptstadt des Banats

 

Temeswar, die Hauptstadt des historischen Banats, hatte im Laufe der Zeit viele Namen: Temeschburg, Temeswar bzw. Temesvar oder aber Timisoara. Im Sprachgebrauch ihrer deutschen Bewohner wird die Stadt geläufig als Temeswar bezeichnet. Selbst schon in "Wallensteins Lager" im 5. Auftritt von Friedrich Schiller hieß es die Marketenderin sei bis "... hinauf nach Temeswar" gekommen.
Den Namen verdankt Temeswar dem Fluß Temesch, dessen Flußbett aber fast 10 km abseits der Stadt liegt. Durch die Stadt fließt vielmehr der Begakanal. Durch die Kanalisierung wurde die Bega schiffbar gemacht, was für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt eine große Bedeutung hatte.
Urkundlich wird die "Temesch-Festung" erstmals im Jahre 1171 erwähnt. Im 14. Jahrhundert war sie Residenz der ungarischen Könige. Karl I. von Anjou machte dieTemesch-Burg zu seiner Residenz und regierte zwischen 1316 und 1323 von hier aus das Ungarische Reich . Im 16. Jahrhundert wurde Temeswar von den Osmanen besetzt, 1716 wurde die Stadt zurückerobert und mit dem Vertrag von Passarowitz (1718) fiel sie an Österreich, bis sie 1920 nach dem Friedensvertrag von Trianon an Rumänien fiel.
Die Stadt setzt sich aus der ehemals befestigten Innenstadt und vier durch Parkanlagen voneinander getrennten Vorstädten (Josefstadt, Elisabethstadt, Fabrikstadt und Mehala) zusammen. Das Stadtbild ist von der Wiener Architektur des 18. und 19. Jahrhunderts geprägt. Dies führte dazu, daß man Temeswar des öfteren und sicherlich nicht zu unrecht als "Klein-Wien" bezeichnete. Selbst die Namen der Stadtteile erinnern an das große Vorbild.
Dank der zahlreichen und gepflegten Parkanlagen, die sich innerhalb des Stadtgebiets befinden, ist Temeswar auch als Stadt der Blumen und Parkanlagen bekannt.
Temeswar ist ein bedeutendes Wirtschaftszentrum: Textilien, Maschinen, Elektrogeräte und Chemikalien werden hier hergestellt.
Die Stadt ist Sitz der Westuniversität (mit der Sternwarte), der Technischen Universität und der Universität für Medizin und Pharmazie.
Temeswar hat mehrere Theater: die Staatsoper, das Rumänische Nationaltheater, das Deutsche Staatstheater sowie das Ungarische Staatstheater und eine Philharmonie.
Und nicht zuletzt sind die zahlreichen Kirchen verschiedener Konfessionen wie der Römisch-Katholische Dom, die Orthodoxe Kathedrale der Metropolie des Banats und das Römisch-Katholische Bischofspalais erwähnenswert.

Erste deutsche Siedler in Temeswar

Reste der Festungsmauer
Nachdem Prinz Eugen von Savoyen am 17. Oktober 1716 die Festung Temeschburg von der türkischen Besatzung befreit hatte, wurde das Banater Land als eigenes kaiserliches Staatsgut, als selbständige Domäne der Verwaltung der Wiener Hofkanzlei unterstellt und Graf Mercy zum Gouverneur des Banats ernannt.
Prinz Eugen verfügte, daß nur deutsch-katholische Bürger in die Stadt aufgenommen werden dürfen.
Die Ansiedlung Temeswars hatte wenig mit den drei Schwabenzügen zu tun. Österreich hatte gleich nach der Befreiung des Banats dessen administrative und politische Verwaltung nach Temeswar verlegt. Nach Abzug der Türken waren insgesamt 645 Personen (466 Raizen, 144 Juden und 35 Armenier) zurückgeblieben. In den folgenden Jahren strömten scharenweise deutschsprachige Einwanderer aus Österreich und Deutschland in die Stadt: Beamte aus Wien und aus der Umgebung Wiens, Militärs und Geistliche, Handwerker und Kaufleute aus Österreich und Deutschland, und allmählich wurde die Stadt aus Schutt und Asche planmäßig nach Wiener Vorbild aufgebaut.
Der Bau der Temeschburger Festung von 1723-1765 war das größte Banater Bauvorhaben des 18. Jahrhunderts. Modernste Erkenntnisse der Festungsbaukunst, zu deren Entwicklung auch Albrecht Dürer und Leonardo da Vinci beigetragen haben, sind hier verwirklicht worden. Die Festung hatte drei Tore, das Wiener, das Peterwardeiner und das Siebenbürger Tor (die aber im Laufe der Zeit auch andere Namen trugen) und neun befestigte Basteien. Die Basteien wurden 1730 fertiggestellt.
Im Jahr 1781 wurde Temeswar zur königlichen Freistadt erhoben.
Für alle Arbeiten und Bauten auf dem Gebiet Temeswars, wie auf dem Gebiet des gesamten Banats, kamen die Pläne noch viele Jahrzehnte von den Fachleuten aus Wien: die Nivellierung der Stadtfläche, das Anlegen von Wasserleitungen, die Erweiterung der Festungsmauern sowie die Pläne für die Neubauten. Viele dieser prachtvollen Altbauten sind heute noch erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Lediglich die Siebenbürger Kaserne, welche in der Zeitspanne von 1719 bis 1723 erbaut wurde und mit ihren 483 m Länge das längste Gebäude Europas war, wurde 1964 während der kommunistischen Diktatur abgerissen.
Noch im 18. Jahrhundert wurden die beiden Innenstädter Plätze mit den künstlerisch wertvollen Denkmälern, der Domplatz mit der Dreifaltigkeitsstatue und der Prinz-Eugen-Platz mit der Pestsäule, ausgestattet. Beide wurden von dem Wiener Bildhauer des Barock Raphael Donner entworfen.
Die Deutschen stellten in der Zeitspanne von 1716 bis 1944 (von der Ansiedlung bis zur Flucht im Herbst 1944) stets die Mehrheit der Stadtbevölkerung. Nach der Übernahme des Banats durch die Rumänen 1920 lag der Anteil der rumänischen Bevölkerung bei 10%. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam es durch staatlich gelenkten Zuzug von rumänischen Zuwanderern und durch die Auswanderung der Deutschen zu einer Mehrheit der Rumänen.

Kulturelle Einrichtungen in Temeswar

Sakraleinrichtungen

Der Dom
Als eine der ersten kirchenpolitischen Maßnahmen der österreichischen Herrschaft erfolgte die Wiedereröffnung der altehrwürdigen Tschanader Diözese, die im Jahre 1030 gegründet wurde und bei der ersten Christianisierung dieses Gebietes eine bedeutende Rolle spielte. Unmittelbar nach der Vertreibung der Türken 1716 tauchte der Plan auf, ein gesondertes Temeschburger Bistum zu errichten. Nachdem die Zahl der deutschen Ansiedler, die von heimatlichen Priestern begleitet wurden, sich vermehrt hatte, war die Entstehung eines deutschsprachigen Bistums zu erwarten. Im Einklang mit dem Streben nach einem gesonderten "Banater Bistum" beabsichtigte man, den Bischofssitz in die Metropole des Banats, nach Temeschburg, zu verlegen. So wurde 1730 Temeschburg neuer Bischofssitz.
Nach dem Zusammenbruch der Österreich-Ungarischen Monarchie wurde das Tschanader Bistum im Jahre 1920 zerschnitten. Dies hat der Wiedereinführung der deutschen Sprache in den kirchlichen Anstalten wieder Raum geschaffen und der erdrückenden Madjarisierung ein Ende gesetzt. Das bei Ungarn verbliebene Reststück behielt den historischen Namen Tschanad. Temeswar blieb bis 1930 Bischofssitz, und wurde dann Sitz des neu errichteten selbständigen Temeschburger Bistums, als Dr. Augustin Pacha das Amt des Bischofs feierlich übernahm. Mit diesem Bischof hatten die Banater Schwaben erstmals einen Vertreter aus ihren eigenen Reihen in einem der höchsten kirchlichen Ämter.
Der Einfluß des süddeutschen Barock hatte seinerzeit auch das Banat mit aller Macht ergriffen. Die Pläne für den Aufbau aller katholischen Kirchen im Banat zur damaligen Zeit stammten vom Wiener Hofbauamt. Der Dom in Temeswar, dessen Grundsteinlegung 1736 im Auftrag des Kaisers Karl VI. stattfand, ist das größte und bedeutendste Banater Werk barocker Sakralarchitektur. Der oberste Leiter des Hofbauamtes war Joseph Emanuel Fischer von Erlach. Im Jahre 1754 wurde der halbfertige Dom für den Gottesdienst bereitgestellt. Die endgültige Fertigstellung des Doms erfolgte erst 20 Jahre später, 1774 während der Theresianischen Herrschaft.
Der Dom hat einen kreuzförmigen Grundriß mit einem Zentralschiff. Das Hochaltarbild stammt aus der Hand des Malers Michael Unterberger, damaliger Direktor der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Weitere acht Altäre vervollständigen die Innenansicht der Kirche. Die erst vier und dann sechs Glocken, die der Dom bekommen sollte, wurden von Josef Steinbeck zu Ofen gegossen. Die beiden Uhrwerke der Seitentürme stammen von dem bekannten Temeswarer Uhrmacher Josef Martin Kidl. Die Orgel, die mit einem elektrischen Motor versehen ist, stammt aus Temeswar. Die außergewöhnliche Akustik des Doms wird häufig für Orgelkonzerte und Konzertaufnahmen genutzt.

Theaterwesen

Das Franz-Josef-Theater
In Temeswar war von Anfang an der Boden für das Theater günstig. Die große Zahl von Beamten und deren Angestellte aus Wien sowie die Offiziere der Garnison aus Österreich und Deutschland brachten ein großes Kulturbedürfnis mit sich. Wurden anfangs Wiener Wandertruppen und Stegreifkomödianten nach Temeswar verpflichtet, so wurde schon 1757 die Absicht über das Errichten eines eigenen Gebäudes für das deutsche Theater, ein "Komödienhaus" am Domplatz, geäußert.
Das Theater fand 1776 in dem 1761 erbauten Rathaus an der Stelle der heutigen Lenau-Schule sein erstes Heim. Die Innenräume des Hauses wurden gänzlich für Theaterzwecke hergerichtet und fortan fanden "regelmäßige" Aufführungen statt. Zum größten Teil wurden Stücke von deutschen Klassikern in den Spielplan aufgenommen.
Bemerkenswert ist, daß in Temeswar seit 1772 regelmäßig wöchentliche Veranstaltungen stattfanden. Es ist bekannt, daß der Walzerkönig Johann Strauß Sohn des öfteren in Temeswar gastierte und 1796 die Erstaufführung der "Zauberflöte" von W. A. Mozart in Temeswar stattfand. So manche berühmte Schauspielerkarriere nahm hier ihren Anfang.
Im September 1871 wurde der Grundstein für ein neues Theater gelegt. Am 22. September 1875 wurde das neue Temeswarer "Franz-Josef-Theater" eröffnet. Ein strahlendes Bauwerk im italienischen Renaissancestil, welches das Stadtzentrum beherrschte, war entstanden (von dem Wiener Atelier Fellner und Helmer entworfen). Im Gebäude des Theaters befand sich das "Grand Hotel", ein großer Festsaal bekannt als "Redouta", ein luxuriöses Restaurant, ein Kaffeehaus und ab 1902 ein Sommergarten. Das Theater mußte aber 1880 nach einem Brand völlig neu saniert werden. Infolge der massiven Madjarisierung wurde das früher hochangesehene Deutsche Theater in Temeschburg 1899 geschlossen.
Nach über 50 Jahren am 27. Juli 1953 wurde die festliche Wiedereröffnung des Deutschen Staatstheaters (DSTT) mit dem Stück "Die Karlsschüler" von Heinrich Laube, einst Direktor des Wiener Burgtheaters, er selbst in der männlichen Hauptrolle, gefeiert. Und als in dem Stück der Satz zu hören war "Wer berufen ist, einem großen Volke Dichter und Prophet zu sein, muß auch Schweres auf sich nehmen!", herrschte betroffenes Schweigen im Saal. Da hörten die jahrelang Geschundenen, wohin sie wirklich gehörten! Zu einem großen Volke! Dieser Satz war ein Trost, wie es damals kaum einen besseren gab, ein Hoffnungsschimmer. Und da dämmerte allen Beteiligten, welch kostbares Gut ihnen mit diesem Theater anvertraut wurde.
Das Deutsche Staatstheater befindet sich heute nicht mehr im Hauptgebäude, sondern in der gewesenen Redouta, mit dem Eingang in der Alba-Iulia-Straße. Es teilt sich diesen Raum mit dem Ungarischen Staatstheater.

Schulwesen

Das Nikolaus-Lenau-Lyzeum
Spätestens im Frühjahr 1717 haben die Franziskaner in ihren Klöstern mit dem deutschen Elementarunterricht begonnen. Als Temeswar 1778 Komitatshauptort wurde, war die Umgangs- und Schriftsprache in den Ämtern die deutsche, im Theater wurden deutsche Schauspiele aufgeführt, die Zeitungen erschienen durchwegs in deutscher Sprache.
Der Sankt-Georg-Platz war der Mittelpunkt der kirchlichen Macht. Hier richteten die Jesuiten im Jahr 1725 das erste Gymnasium der Stadt ein und 1733 begann der Bau des Seminargebäudes, wo dann das Theologische Seminar eingerichtet wurde. In dem Seminargebäude wurde 1845 die erste laizistische Hochschule Temeswars eingrichtet: die Fakultät für Philosophie und Recht. Sie wurde aber 1848 wegen des Anti-Metternichschen Geistes, der sich hier entwickelt hatte, wieder eingestellt.
Im Jahr 1838 gründete Franz Stiber in Temeswar die Deutsche Handelsschule. Die anfangs private Schule wurde 1899 von der Stadt übernommen und erhielt 1919 ihr neues Gebäude gegenüber dem Capitol-Kino, heute Sitz des Stadtrats.
Nach den Ereignissen von 1848 meldete das selbstbewußte Temeswarer Bürgertum den Anspruch auf eine voll ausgebaute höhere Lehranstalt an. Die Grundsteinlegung des Realgymnasiums fand 1871 an der Stelle, wo sich heute die Lenau-Schule befindet, statt; die Hausweihe und der Einzug erfolgten 1878. Nach der Dreiteilung des Banats wurde die Schule 1919 in "Deutsches Staatsgymnasium" umbenannt. Im Jahr 1942 bekam die Realschule den Namen "Nikolaus Lenau" und trägt mit einer vorübergehenden Unterbrechung auch heute noch diesen Namen.
Bischof Bonnaz gründete zwischen 1880 und 1889 auf dem Gebiet eines ganzen Wohnviertels in der Josefstadt einen monumentalen Gebäudekomplex bestehend aus: dem Mutterhaus des Instituts der Armen Schulschwestern, der Notre-Dame Klosterkirche und mehreren Schulgebäuden. Die Notre-Dame Klosterschule bestand aus: dem Kindergarten, der Volksschule, dem Mädchengymnasium, der Fortbildungsschule, der Lehrerinnenbildungsanstalt und der Übungsschule für die Lehrerinnenbildungsanstalt.
Durch den Zusammenbruch der Donaumonarchie und den Friedensvertrag von Trianon (1920) erhielten die Deutschen im Banat viele durch die Madjarisierung verlorene Rechte zurück. Die Wiedereinführung der deutschen Unterrichtssprache in den Volksschulen aller deutschen Gemeinden war die wichtigste Errungenschaft.
Im Jahre 1920 gründete Pfarrer Josef Nischbach in der Fabrikstädter Tigerstraße die Deutsche Katholische Lehrerbildungsanstalt, welche 1926 in das Gebäude der Banatia-Schule einzog.
Am 15. August 1925 wurde der Grundstein der Banatia-Schule gelegt. Ein Jahr später am 29. August 1926 wurde die Schule feierlich eröffnet. Ein gewaltiger dreistöckiger sehr representativer Großbau in neuhellenistischem Stil war entstanden. Es galt, die bitteren Folgen einer jahrzehntelangen Zwangsmadjarisierung zum Besseren zu wenden. Ihr erster Lehrer war Hans Wolf. Gerade vom Studium aus Deutschland zurückgekehrt wurde er zum Wegbereiter einer äußerst erfolgreichen Reform des Unterrichtswesens. Es gab eine enge Zusammenarbeit mit der Lehrerinnenbildungsanstalt in der Notre-Dame Klosterschule. Die Banatia-Schule war in der Zwischenkriegszeit die größte deutsche Bildungs- und Erziehungsstätte im Südosten Europas. Sie bekam große finanzielle Unterstützung aus Berlin bis Frühjahr 1942 und wurde 1944 nach der Machtübernahme der Kommunisten geschlossen.
Die Banatia-Schule umfaßte: die Volksschule, das Knabenlyzeum, die Gewerbeschule, das Handelsgymnsium, die Lehrerbildungsanstalt und die Übungsschule für die Lehrerbildungsanstalt. Die Schule hatte mehrere Büchereien und Laboratorien und 1935 war auch der Turnsaal fertig. Auch ein Internat für die Unterbringung von 300 Schülern war vorhanden. In dem Gebäude rechts neben der Banatia-Schule war das Priesterseminar. Heute befinden sich in den Gebäuden der ehemaligen Banatia-Schule die Universität für Medizin und Pharmazie.
Im Jahre 1948 wurden das "Deutsche Lyzeum" und die "Deutsche Lehrerbildungsanstalt" wiedereröffnet. Diese beiden deutschen Mittelschulen vermittelten den Banater Schwaben das Zusammengehörigkeitsgefühl, das zum Überleben als deutsche Minderheit unerläßlich war.
Heute ist die Nikolaus-Lenau-Schule die bedeutendste deutsche Mittelschule des Banats.
Im Herbst des Jahres 1968 gründete der damalige Direktor der Nikolaus-Lenau-Schule, Erich Pfaff, die deutsche Volkshochschule in Temeswar. Als Gründer war er auch Leiter und Hauptreferent dieser Institution der Erwachsenenbildung. Die Vorträge fanden anfangs monatlich, dann vierzehntägig und später wöchentlich im Festsaal der Lenauschule statt. Die Lenauschule und die Volkshochschule waren der wichtigste Treffpunkt der deutschen Bevölkerung von Temeswar. Es war eine Schule der ständig offenen Tür für alle Generationen.

Pressewesen

Die erste Buchdruckerei in Temeswar wurde 1769 in Betrieb genommen auf Anweisung der Kaiserin Maria Theresia, "einen anständigen Offerenden ausfindig zu machen [...], der eine Druckerey in der theutschen Sprache in Temeswar ehebaldigst herzustellen imstand sein möge". Der aus Preußisch-Schlesien stammende Matthäus Joseph Heimerl bekam den Zuschlag und setzte seine Druckerei in der Fabrikstadt in Betrieb.
Drei Jahre später (1771) kam die Zeitung "Temeswarer Nachrichten" heraus und erschien fortan jeden Donnerstag. Es war die erste Zeitung des Banats. Sie erschien mindestens 6 Jahre lang.
Der Buchdrucker Josef Klapka brachte 1809 einen eigenen Kalender heraus und eröffnete 1815 die erste Leihbibliothek Temeswars mit einem Bücherbestand von 4000 Bänden und einem Lesesaal. Ein besonderes Verdienst Klapkas war die Herausgabe der "Banater Zeitschrift für Landwirtschaft, Handel, Künste und Gewerbe". Von 1841 bis 1849 leitete er noch die Herausgabe des Blattes "Temeswarer Wochenblatt".
Der von Klapka gegründete "Volks- und Hauskalender" wurde auch nach der Übernahme der Druckerei von Josef Bendel weiter herausgebracht.
Ende des 19. Jahrhunderts nahm der Tourismus im Banat stark zu und so wurde der Karpatenverein gegründet. In diesem Zusammenhang erschien 1895 ein in Temeswar gedruckter "Wegweiser", 1896 die erste "Touristenzeitung" und 1897 die erste "Sportzeitung".
In der Zwischenkriegszeit war die Schwäbische-Verlags-AG Mittelpunkt der deutschen Kultur im Banat. Sie umfaßte eine Druckerei, eine Buchbinderei und eine Deutsche Buchhandlung. Hier wurden Zeitungen, Zeitschriften, Kalender und Schulbücher in deutscher Sprache gedruckt.
Ab 1919 erschien die Tageszeitung "Schwäbische Volkspresse". Sie wurde später in "Banater Deutsche Zeitung" umbenannt. Dieses Blatt war das Sprachrohr der Schwäbischen Volksgemeinschaft im Banat jener Zeit.
Ihr erster Chefredakteur war kein geringerer als Franz Xaver Kappus, bis er von Ullstein ein Angebot zum Schreiben von Romanen erhielt. Später gelang es Robert Reiter als Chefredakteur die Tageszeitung umzugestalten. Professionalität, die bis ins Schriftbild der Zeitung reichte, setzte er durch. Im Jahr 1941 wurde das Blatt in die "Südostdeutsche Tageszeitung" integriert.
Ab 1920 erschien der "Schwäbische Volkskalender" regelmäßig . Er wurde in den Sommermonaten hergestellt und erschien zwei Wochen vor Weihnachten auf dem Markt. Weitere Kalender, die hier gedruckt wurden, sind: "Jahrbuch" und "Schwäbischer Hausfreund".
Im Jahr 1934 kam noch ein Boulevardblatt "Neueste Nachrichten" hinzu, das täglich einen Fortsetzungsroman enthielt.
In dem Schwäbischen Verlagshaus wurden auch folgende Zeitschriften gedruckt: "Banater Schulbote", "Banater Deutsche Kulturhefte", "Banater Landwirt" u.a.
Außerdem erschien wöchentlich das "Sonntagsblatt" unter der Leitung des Pfarrers Msg. Georg Wetzel, welches in der Druckerei unter dem Josefstädter Katholischen Pfarrhaus gedruckt wurde. Es war ein konfessionelles Blatt, behandelte aber auch aktuelle Tagesthemen. Die Druckerei wurde nach 1944 von den Kommunisten erst enteignet und danach völlig zerstört.
Die "Pollerpeitsch" erschien unter der Leitung von Peter Winkler in schwäbischer Mundart mit Schwänken und satirischen sowie humoristischen Themen. Sie war vor allem bei den Dorfbewohnern sehr beliebt und aus keinem Haushalt wegzudenken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie nicht mehr toleriert.
Nach 1944 wurde die journalistische Vertretung aller Deutschen dem neugegründeten "Neuen Weg" in Bukarest anvertraut. Im Jahre 1957 kam in Temeswar die Erstausgabe der deutschen Zeitung "Die Wahrheit" heraus. Sie wurde 1968 in "Neue Banater Zeitung" umbenannt.
Die Lenauschule hatte ihre eigene Zeitung, welche unter dem Namen "Die Lenauschule" einmal im Trimester erschien und von der "Neuen Banater Zeitung" herausgegeben wurde.
Nach der politischen Wende von 1989 wurden der "Neue Weg", die "Neue Banater Zeitung" und die "Karpatenrundschau" (Tageszeitung der Siebenbürger Sachsen) zusammengelegt. Sie erscheinen fortan unter dem Namen "Allgemeine Deutsche Zeitung" (ADZ). Die "Banater Zeitung" erscheint als wöchentliche Beilage der ADZ.

Banater Zeitung

Gesundheitswesen

Schon zu Beginn des zweiten Schwabenzugs hatte Kaiserin Maria Theresia Richtlinien erlassen, die die ärztliche Versorgung der Siedler sicherstellen sollten. Demzufolge mußte jede Gemeinde von einem zuständigen Arzt versorgt werden und eine Apotheke haben.
In Temeswar wurde 1735 in der Johannesgasse gegenüber dem heutigen Marktplatz "Timisoara 700" der Grundstein für das erste Krankenhaus gelegt, das sogenannte "Barmherzigenspital". Das Krankenhaus wurde von dem Orden des Hl. Nepomuk gestiftet und dem Orden der Barmherzigen Brüder anvertraut. So kamen 1737 aus Deutschland sechs Ordensbrüder, welche die Betreuung und Pflege der Kranken übernahmen. Während der Pestepidemie von 1738-1739 verloren vier von ihnen selbst ihr Leben und es wurden neun weitere Ordensbrüder aus Deutschland beordert. Das Krankenhaus hatte auch eine Apotheke "Zum Granatapfel". Bis 1765 war dies die einzige Apotheke der Stadt und des gesamten Banats. 1748 wurde der Grundstein für die dazugehörende Kirche gelegt. Die Kirche ist heute ein griechisch-katholisches Gotteshaus, in dem Krankenhaus ist heute die Augenklinik untergebracht.
Schon Stadtrichter Peter Solderer, von 1722-1742 im Amt, trat für die Errichtung eines städtischen Krankenhauses, eines "Bürgerspitals", ein. Der Grundstein dafür wurde 1745 gelegt. In dem Krankenhaus, in dem sich heute die Klinik für Dermatologie und Onkologie befindet, wurden die Ärmsten kostenlos behandelt und 1789 befanden sich auch 10 Waisenkinder in dem Krankenhaus.
In unmittelbarer Nähe liegt das Militärspital, welches 1766 errichtet wurde. Neben dem Botanischen Garten befindet sich die Neue Klinik.
Auf der anderen Seite des Botanischen Gartens in Richtung des Marktplatzes "Timisoara 700" wurde 1991 das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus errichtet. Das Haus ist ein Geschenk der Bundesrepublik Deutschland und der Landsmannschaft der Banater Schwaben an die Landsleute, die in der alten Heimat verblieben sind. In dem Gebäude sind ein Alten- und ein Pflegeheim untergebracht.
In der Innenstadt müssen noch die Poliklinik für Zahnmedizin sowie das Physiotherapeutische Behandlungszentrum und die Herzklinik erwähnt werden.
Auf dem Horaziu-Platz gegenüber dem Zentralpark befinden sich das Kinderasyl und die Kinderklinik des Weißen-Kreuz-Vereins. Beide Institutionen wurden 1904 eingeweiht. Den Bau ermöglichte der Präses des Vereins Anton Sailer (1820-1904). Eine Bronzebüste wurde zu seinem Gedenken vor der Anstalt aufgestellt (links oben im Bild).
Anton Sailer war auch der Gründer des Blindenasyls in der Elisabethstadt. Hier befinden sich auch das Taubstummeninstitut, das Institut für Präventivmedizin, die Klinik für Orthopädie sowie das sogenannte Begaspital (die heutige Frauenklinik) und in unmittelbarer Nähe das Entbindungsheim.
In der Josefstadt auf der Vacarescu-Straße ist die Nervenklinik anzutreffen, während in der Fabrikstadt gleich am Jagdwald das Epidemie-Krankenhaus liegt.
Das neueste und gleichzeitig das größte Krankenhaus der Stadt ist das Kreisspital. Es wurde 1970-1974 errichtet. Einer seiner Mitbegründer und späterer Direktor war Prof. Dr. Dr. Ferdinand Nistor-Gallo, einer der größten Förderer des Banater Gesundheitswesens. Er wurde 1931 in Temeswar geboren. Nach seinem Medizinstudium war er erst als Landarzt im Banat (Bakowa, Busiasch) tätig, wurde aber bald als Lehrkraft an die Medizinische Hochschule in Temeswar berufen. Ab 1974 war er Direktor des Kreisspitals, wo er die erste Dialysestation in Temeswar einrichtete und die erste Nierentransplantation vorbereitete. Nach der politischen Wende 1989 brachte er das "Medizinische Mitteilungsblatt" heraus und richtete die erste Armenküche in Temeswar ein. Seine guten Beziehungen zu Institutionen in Westeuropa ermöglichten viele Ausstattungsmaßnahmen in Temeswarer Krankenhäusern. 1994 übersiedelte er nach Nürnberg zu seinen Kindern, wo er am 7. August 1996 verstarb. Die Banater Landsleute verloren in ihm viel zu früh einen banatverbundenen Mediziner und Wissenschaftler.

Vorreiterrolle in Sachen Technik

Temeswar hatte schon immer eine Vorreiterrolle in Sachen Technik inne. So wurde 1854 der erste Telegrafendienst, 1881 das erste Telefonnetz eingerichtet und 1897 fanden die ersten Filmaufführungen statt. Ab 1899 wurde der Personennahverkehr mit elektrischen Straßenbahnen eingeführt. Bis dahin waren die Straßenbahnen von Pferden gezogen worden. Temeswar war die fünfte Stadt der Welt mit einer Straßenbahn (nach Städten wie New York und Paris), lange bevor es in den großen deutschen Städten wie München oder Frankfurt überhaupt eine Straßenbahn gab.
Temeswar war die erste Stadt Europas mit elektrischer Straßenbeleuchtung. Im Frühjahr des Jahres 1882 war es zu einem Eklat zwischen den Stadtvorstehern und den Vertretern der österreichischen Gasgesellschaft gekommen, die seit 1857 die Stadt mit Licht versorgt hatte. Die Gesellschaft wollte sich auf uneingeschränkte Zeit das Alleinrecht der Stadtbeleuchtung sichern, womit die Stadtväter nicht einverstanden waren. Inmitten dieser Ratlosigkeit traf ein Angebot aus Wien ein, die Stadt mit elektrischem Licht zu versorgen. Auf dem europäischen Festland war noch nirgends die elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt und es war auch nicht ohne Risiko, diesen Versuch zu wagen. Doch notgedrungen nahm die Stadtverwaltung den Antrag an. Am 12. November 1884 flammten zum ersten Mal die elektrischen Lampen in den Straßen der Stadt auf. Der Versuch war geglückt und auf dem europäischen Festland war Temeswar die erste Stadt mit elektrischer Straßenbeleuchtung.

Literaturnachweis:
  • "Das Banat", von Helmut Schneider, Konrad-Theiss-Verlag, 1986 Stuttgart
  • "Temeswar / Bild-Kunst-Monographie", von Alexandru Cutara, Amarcord Verlag, 1998 Temeswar
  • "Nikolaus Engelmann / Die Verteidigung des Bescheidenen / Kirche, Schule und Schrifttum der Banater Scwaben", von Horst Fassel, Herausgeber: Bundesvorstand der Landsmannschaft der Banater Schwaben, 1998 München
  • "Das Banat / Die unvergessene Heimat der Banater Schwaben", von Peter Mildenberger, Druckhaus Horch GmbH, 2001 Neckarsulm
  • "Temeswar - Timisoara", v. Else von Schuster, ADZ-Verlag, 1999 Bukarest
  • "Allgemeine Deutsche Zeitung" v. 17.08.1996 Bukarest
  • "Banater Post" 1996 München
  • "Temeschburg / Temeswar", Herausgeber: HOG Temeswar, 1994 Karlsruhe
    • "Erste deutsche Ansiedler der Stadt Temeschburg", von Friedrich Lotz
    • "Die Domkirche in Temeswar", von Hans Diplich
    • "Das deutsche Schulwesen in der Festung Temeschwar", von Anton Peter Petri
    • "Erste Gegensätze in Klein-Wien", von Anton Peter Petri
    • "Temeswarer Nachrichten / Die Zeitung des Banats", von Franz Liebhard
    • "Im Hauskalender 1846 geblättert", von Luzian Geier
    • "Die Anfänge der deutschen Schauspielkunst", von Dr. Stefan Hasenfratz
    • "Die erste Stadt in Europa mit elektrischer Straßenbeleuchtung", von Richard Weber
    • "Die Banatia - bedeutendste soziale Institution des Banater Deutschtums während der Zwischenkriegszeit", von Dr. Hans Weresch,
    • "Zur Geschichte der Diözese Tschanad-Temeschburg", von Richard Weber, 1994 Karlsruhe
    • "Die Macht der Muttersprache - Rückschau auf 40 Jahre Deutsches Staatstheater Temeswar", von Stefan Heinz-Kehrer
    • "Die Schwäbische Verlags AG", von Hans Mokka

     

Bildnachweis:
  • Die Festungsmauer, Foto v. Al. Comanescu, Postkarte
  • Der Dom, Foto v. Al. Bialis, Postkarte
  • Das Franz-Josef-Theater, alte Postkarte
  • Das Lenau-Lyzeum, Foto v. Richard Weber aus "Temeschburg / Temeswar", der HOG Temeswar, 1994 Karlsruhe
  • Die Anton-Sailer-Büste, Foto v. Richard Weber aus "Temeschburg / Temeswar", der HOG Temeswar, 1994 Karlsruhe
 

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