Stöckl, Werner (* 1952)

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Zehn Jahre lang Weltklasse am Kreis

Geschichte und Geschichten rund um den Banater und Siebenbürger Handball/Werner Stöckl: Das Beste, was der Reschitzaer Handball hervorgebracht hat /Ein Weltmeistertitel und zwei Olympiamedaillen gewonnen

Von Johann Steiner


Werner Stöckl hat ein neues Zuhause gefunden - in der Nikolaus-Lenau-Straße in Karlsruhe. „Es ist reiner Zufall“, dass er dort wohnt, sagt der ehemalige Weltklassehandballer und lacht. Den besten Kreisläufer, den keiner ein Jahrzehnt lang von dieser Position in der rumänischen Nationalmannschaft verdrängen kann, und den Dichter verbindet nur, dass sie im Banat geboren wurden. Groß geworden sind beide anderwärts: Lenau in Österreich und Stöckl im Altreich.
Der am 28. Juni 1952 geborene Stöckl ist das Beste, was der Reschitzaer Handball bisher hervorgebracht hat. Werner ist kaum 13, als Reinhard Gottschling ihn am Sportgymnasium in der Hauptstadt des Banater Berglandes als Handballtalent entdeckt. „Er war ein fanatischer Sportler, der sogar im Unterricht die Sportzeitungen gelesen hat. Er war ein guter Kumpel, die Mädchen sind ihm nachgelaufen“, erinnert sich Gottschling. „Ich habe ihn mit den zwei Jahre älteren spielen lassen. Er war mein bester Halblinker.“ Von der Sportschule wechselt der 1,90 Meter große Modellathlet im Jahr 1969 zum Arbeitersportklub Reschitza in die zweite Liga. Ein halbes Jahr später vermittelt Gottschling den gebürtigen Reschitzaer nach Bukarest. 1970 ist er bereits Meister. Nach der Weltmeisterschaft 1970 in Frankreich wird Cornel Otelea sein Trainer.
Von nun an schwimmt Werner Stöckl mit Steaua auf einer Erfolgswelle. Weitere zehn Meistertitel sollen hinzukommen. Die Erfolgsserie wird nur im Jahr 1978 durch einen Titelgewinn des Bukarester Lokalrivalen Dinamo unterbrochen. Werner, der in späteren Jahren auch als Spielmacher eingesetzt wird, bestreitet sein erstes Länderspiel 1971. Den ersten internationalen Erfolg feiert er ein Jahr später bei den Olympischen Spielen in München mit dem Gewinn der Bronzemedaille. Neben ihm steht der gebürtige Denndorfer Roland Gunnesch als zweiter und der spätere Bundestrainer Simon Schobel als dritter Deutscher in der Münchner Mannschaft. 1974 werden Stöckl und Gunnesch gemeinsam in der Werner-Seelenbinder-Halle in Ostberlin den Welmeistertitel verteidigen. Stöckl ist der jüngste in der Weltmeistermannschaft. Im Finale besiegen sie zusammen mit ihren Kollegen die DDR mit 14:12. Beim Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Montreal 1976 stößt als dritter Rumäniendeutscher der gebürtige Orschowaer Alexander Fölker zu dem Duo. Das Endspiel verliert die rumänische Mannschaft 14:18 gegen die Sowjetunion.
Bei der WM in der DDR erleben die Zuschauer den Handballer Werner Stöckl, wie er leibt und lebt: stets voll konzentriert, in Lauerstellung, immer anspielbar. Und wenn er den Ball hat, gibt es kein Halten mehr, in einer fast unnachvollziehbaren Drehung wirft er sich dem Torsteher entgegen, setzt seine 90 Kilogramm ein und erzielt manch wertvolles Tor.
1978 nimmt Werner Stöckl an einer zweiten WM teil, doch diesmal bleibt ihm eine Medaille versagt. Ein Jahr vorher ist er international mit Steaua erfolgreich: Im Europapokal-Finale der Meister in Sindelfingen besiegen die Bukarester ZSKA Moskau. In einem vorhergehenden Versuch waren Stöckl und Kollegen 1970 im EC-Finale von Dortmund gegen den VfL Gummersbach gescheitert. Bis zu seinem Abschied aus der Nationalmanschaft im Jahr 1980 kurz vor den Olympischen Spielen in Moskau spielt Werner Stöckl 177mal für Rumänien. Der Abschied ist eng verbunden mit einem gegen ihn verhängten Ausreiseverbot, für das Werner keine Erklärung hat. An die Zahl der erzielten Tore kann er sich nicht mehr erinnern.
1981 wechselt er mit seinen Mannschaftskollegen Gabriel Kicsid und Stefan Birtalan zu Carpati Mirsa, wo er bis 1984 spielt. Mit dem neuen Klub steigt Werner 1982 aus der zweiten in die erste Liga auf und schafft 1984 zum Abschied einen vierten Platz in der Landesmeisterschaft.
Drei Jahre später siedelt er mit seiner Frau nach Deutschland um. Sein 1976 in Bukarest beendetes Sportstudium sichert ihm Arbeit. Heute ist Werner Stöckl Sporttherapeut im Psychiatrischen Krankenhaus Wiesloch bei Heidelberg. Ob der Abschied aus Rumänien zu früh oder zu spät gekommen ist? „Wenn es nicht so abwärts gegangen wäre, hätte man sich die Aussiedlung ersparen können“, sagt Werner.
In Deutschland aber lässt ihn der Handball noch immer nicht ganz los. Der ehemalige deutsche Nationaltrainer Simon Schobel vermittelt ihn zum TuS Hofweier, wo er in der Saison 1988/89 noch ein Jahr Bundesliga-Luft schnuppert. Danach spielt Stöckl ein halbes Jahr lang für den TV Rintheim, mit dem er in die Regionalliga absteigt, um ihn anschließend als Trainer wieder zurück in die zweite Bundesliga zu führen. 1993 steigt er als Trainer beim Regionalligisten TuS Helmlingen ein. 1996 trainiert er den TuS Pforzheim-Eutingen. Heute spielt er nur noch im Altherren-Handball-Team des TuS Malsch in Karlsruhe.

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