"Reschitzarerisch", der montanbanater Dialekt

DruckversionSend by emailPDF-Version

 

So vielfältig die ethnische Zusammensetzung der montanbanater Bevölkerung war, dementsprechend komplex und „farbig“ ist auch der gesprochene Dialekt der deutschen Siedler.
Diese blieben lange Zeit im Kontakt mit der österreichischen Verwaltungssprache, aber auch mit dem deutschen Kulturraum. Der Schulunterricht, die Kirche, die Bräuche und Feste, aber auch die alltägliche Umgangssprache bei der Arbeit und im Zusammenleben sorgten dafür, dass in allen deutschen oder deutsch geprägten Orten die deutsche Sprache weiterhin lebendig blieb und eine eigene Dynamik entwickelte.
In den montanbanater Städten kamen noch zusätzliche günstige Faktoren dazu, wie zum Beispiel die deutsche Presse oder Theater, die sogar während des kommunistischen Regimes erhalten blieben.

Mehr als neunzig Prozent der Berglanddeutschen sprechen eine bairisch-österreichische Mundart, schreibt Georg Hromadka. Reine Mundart wurde eigentlich nur noch in den "Böhmerdörfern" Sadowa, Weidenthal, Wolfsberg und Lindenfeld gesprochen. In den anderen Orten hat sich ein Gemisch von steirischen, böhmischen und anderen österreichischen Sprachelementen durchgesetzt, mit leichtem rumänischen, slawischen und ungarischen Einfluss. Zu diesem sprachlichen und dialektalen Puzzle kommt in Reschitz noch zusätlich das Oberösterreichische und das Wienerische verstärkt zum tragen. Die Summe dieser Elemente macht das „Reschitzarerische“ zu  einer sehr weichen, melodischen und fließenden Sprache.

Ein Lied, das auf keiner Feier rund um Reschitz fehlte, war das leicht verruchte und ironische weiter unten (phonetisch) abgeschriebene:



In Doman, Reschitz und Sekul

Und a Drats'lbahn wolln sie a noch ham,
in Doman, Reschitz und Sekul!
Nauff foan sie mit ti Zejdl -
runta kuman's ohni Schädl,
in Doman, Reschitz und Sekul!

Und an Autobus wolln sie a noch ham,
in Doman, Reschitz und Sekul!
Kaum foan sie um ti Eck -
haun si sich ti Nasn weck,
in Doman, Reschitz und Sekul!

Und an Luftballon wolln sie a noch ham,
in Doman, Reschitz und Sekul!
Kaum fliegn sie in die Heh -
speim sie Buchtln und Kaffee,
in Doman, Reschitz und Sekul!

Und a Fotballmannschaft wolln sie a noch ham,
in Doman, Reschitz und Sekul!
Kaum gwinnan sie amol traus
Holln sie aach schon Votzn zaus
in Doman, Reschitz und Sekul!

Und an Skifoara wolln sie a noch ham
in Doman, Reschitz und Sekul!
Kaum macht'a a Cristiana
Precht a sich ti ganzn Paana
in Doman, Reschitz und Sekul!

An Gemeindestier wolln sie a noch ham,
in Doman, Reschitz und Sekul!
Hean ti Weiba kaum vum Stier -
schrein si alli treimal: "Hier!",
in Doman, Reschitz und Sekul!

Und a Klosta tes wolln sie a noch ham,
in Doman, Reschitz und Sekul!
Toch sie kennan kan's nit grindn -
wal sie kani Jungfraun findn,
in Doman, Reschitz und Sekul!

Und a Scheißheisl wolln sie a noch ham
in Doman, Reschitz und Sekul!
Alli Tian sein verschlossn
Und tan scheißt sie af ti Gassn
in Doman, Reschitz und Sekul!


Die Musik dazu, sowie weitere Lieder im reschitzarer Dialekt kann man unter folgenden Link finden:


http://www.montanbanat.de/musik_mirceahohoiu/


Erzählungen, lustige Geschichten, vorgelesen in derselben Mundart hört man hier:

http://www.montanbanat.de/hoerbuch_windberger/
http://www.montanbanat.de/hoerbuch_adalovasi/

Heimatlieder mit Bezug auf das Städtchen Orawitz aus dem Banater Bergland von Dr. Franz Klima:

http://www.montanbanat.de/musik_franzklima/


Ein Wörterbuch „Reschitzarerisch-Deutsch“ mit vielen im täglichen Gebrauch benutzten Wörter und Redewendungen:

http://www.reschitz.de/woerterbuch.htm



Bibliographie:

HANS GEHL: Deutsche Stadtsprachen in Provinzstädten Südosteuropas, Franz Steiner Verlag Stuttgart, 1997

GEORG HROMADKA: Reschitzaer Redensarten, Neuer Weg (Bukarest) vom 27.5.1967


HANS LIEBHARDT: Alexander Tietz und seine Landschaft , ADZ-Verlag Bukarest, 1998

HANS DAMA: Lexikalische Besonderheiten in der Banater Mundartliteratur
http://www.banaterra.eu/german/content/lexikalische-besonderheiten-der-banater-mundartliteratur

GABOR LAVINIA EMELINE: Medieneinsatz im Deutschunterricht in Rumänien unter Berücksichtigung deutscher Bilingualismusreste, München 2007

Zufälliges Bild

Temesvár - Wappen

Benutzeranmeldung

Wer ist online

Zur Zeit sind 0 Benutzer und 2 Gäste online.

Display Pagerank