Orawitza

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Das alte Orawitza und die Orawitzaer “Koari“                                                                           

“Unser Landschaftsgebiet hat tausend Namen“, schreibt Alexander Tietz über das Banater Bergland. “Im Gegensatz zu den fast leeren Blättern der ebenen Landstriche, wimmelt die Spezialkarte des Berglandes von topographischen Namen... nur wenige davon sind deutsch, andere sind rumänisch, aber dann gibt es eine Menge fremdartig klingender Namen‘ die meist slawischen Ursprungs sind. Das trifft auch auf Orawitza zu. Laut Univ. Prof. Dr. Gustav Kisch kommt der Name der Ortschaft (rumänisch: Oravita, ungarisch: Oravicza) aus dem Slawischen. In der Slowakei gibt es einen Ort “Oravice“ und den Fluss “Orava“. “Orav“ bedeutet Haselnuss, die Endung -itza ist eine slawische Diminutivendung, demnach würde Orawitza eigentlich “Haselnüsschen“ bedeuten. Den Ort gab es bereits vor der Besiedelung durch Deutsche. Die Deutschen haben den von den Rumänen gebrauchten Ortsnamen übernommen, sagten aber meistens “Orawitz“.   
Orawitza liegt in einem engen Tal auf einer mittleren Höhe von 253 Meter. Die Berge um Orawitza sind zwischen 300 und 900 Meter hoch. Sie heißen: Dealul Mare, Prater, Vodara, Colelia, Simeon, Lup, Große und Kleine Tilva, Koschowitz und Prisaca Berge. Die fünf Kilometer lange Hauptstraße zieht sich in südwestlicher Richtung durch das Tal. Die in das Haupttal mündenden Nebentäler und die dazwischen liegenden Berge sind bebaut und bilden besondere Stadtteile, so der “Kies“ mit den verlassenen Eisenkiesgruben an der nördlichen Seite des Kleinen Teiches, weiter unten der “Große“ und der “Kleine Rosenberg" sowie der “Kochlöffelberg“, dann die Häuserreihen am “Pulverturm“ und die Häusergruppe der “Kreuzwiese“. Hinter der römisch-katholischen Kirche befindet sich der “Kirchenberg‘, auch er ist bebaut. An der südlichen Seite ist die steile Gasse des “Kalvarienberges“ und der römisch-katholische Friedhof. Die vielen schönen Marmordenkmäler auf den Gräbern erinnern an den einstigen Wohlstand mancher Orawitzaer Bürger. Hinter dem Gasthaus “Zur Krone“ in der Hauptstraße liegen “Goldschurf“ und “Gabel“ mit verlassenen Goldgruben sowie der “Pischlberg“ und schließlich südlich der Hauptgasse das Tal “Ogasul Mare“. Hier endet Montan-Orawitz und beginnt Roman-Orawitz, welches sich fast nur in der Hauptgasse erstreckt.   
Orawitza wurde erst Ende des 17. Jahrhunderts zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Ein italienischer Reisender, der Offizier Luiggi Fernando Marsigli, nennt den Ort in seinem Briefwechsel mit Constantin Cantacuzino. Im ‘Wegweiser für Südungarn‘, erschienen Ende des 19. Jahrhunderts, ist zu lesen, dass die Eisenerz- und Edelmetallvorkommen des Ortes und der Umgebung schon von den Römern ausgebeutet und bearbeitet wurden.   
Nach der Vertreibung der Türken durch die Habsburger gehörte Orawitza zu den ersten Ortschaften im Banat, die von Deutschen besiedelt wurden. Bereits im Dezember 1717 wurde in Temeswar die “Banater Bergwerks-Einrichtungs-Commission“ gegründet. Von den zwei Inspektoren der im September 1718 gegründeten „Banater Landesadministration“ war einer als “Berginspektor“ zuständig für die Instandsetzung der Bergwerke und das Suchen nach Bodenschätzen. Im Dezember 1718 wurde Johann Schubert als erster “Bergmeister“ in Orawitza eingesetzt. 1719 wurde hier das “Oberbergamt“ eingerichtet, später auch das Berggericht.   
Sim.Sam. Moldovan, ein bekannter Orawitzer Publizist, schreibt, dass die Kolonialisierung in Orawitza am 17. Dezember 1717 begonnen hat, nachdem Kaiser Karl IV. ein Dekret verabschiedet hatte, welches Sondervergütungen und Privilegien denen versprach, die im Bergbau in und um Orawitza arbeiteten. Sie bekamen auch die besten Hausplätze. Ein anderes Dekret des Kaisers aus dem Jahre 1720 versprach die Kostenübernahme für den Hausbau der in Orawitza angesiedelten Tiroler, Steirer, Kramer und Kärntner.   
Orawitza und das nahe gelegene Tschiklowa entwickelten sich zu einem Zentrum der Kupferproduktion. Auch Silber, Blei und Gold wurden gefördert. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die größten Vorkommen abgebaut, und Orawitza verlor seine Bedeutung als Bergort. Es entstanden jetzt einige Fabriken. Kalk und Zement wurde hergestellt. 1859 wurde die erste Mineralölfabrik im damaligen Ungarn in Betrieb genommen. Mineralöle, Paraffin und Schmierstoffe wurden hier aus dem Aninaer Schiefer erzeugt und ab 1882 aus dem aus Rumänien importierten Erdöl gewonnen. Die Fabrik war bis 1912 in Betrieb. 1877 errichtete die StEG ein Sägewerk in einem Gebäude des Hüttenwerks in Tschiklowa. Es lieferte in den folgenden Jahren das Bauholz für alle StEG-Bauten, verkaufte seine Produkte aber auch nach Werschetz und sogar nach Budapest. Erwähnt werden müssen auch die Mühlen von Orawitza. Sie waren weltbekannt. Das Mehl wurde auf der Mehlbörse in London gehandelt und sogar in Japan als “Banat-Mehl“ verkauft. Seit 1922 besitzt die Stadt ein Elektrizitätswerk.   
Die Eisenbahnlinie Orawitza-Basiasch war die erste in Südungarn und ist die älteste Rumäniens. Sie wurde gebaut, um die Kohle aus Steierdorf-Anina zum Basiascher Donauhafen zu befördern. 1854 wurde sie für den Güterverkehr freigegeben, 1856 auch für den Personenverkehr. Eine touristische Sehenswürdigkeit ist die Eisenbahnstrecke Orawitza-Steierdorf-Anina. Sie wurde 1863 in Betrieb genommen. In Serpentinen windet sie sich die Berge hoch, führt durch 14 Tunnels und über 10 Viadukte, bewältigt auf einer Länge von 33,4 Kilometern einen Höhenunterschied von 338 Metern. Wegen der engen Kurven ist sie nur mit Speziallokomotiven und -waggons zu befahren. Die Alten nannten sie voller Stolz auch “kleine“ oder “Banater Semmeringbahn“. Was die technische Leistung angeht, ist der Vergleich mit der im Jahre 1854 fertiggestellten Semmeringbahn in den österreichischen Alpen, der ersten Gebirgsbahn Europas, durchaus berechtigt.   
Als Sitz des Oberbergamtes und des Berggerichtes wurde Orawitza im 18. Jahrhundert zum Verwaltungszentrum des Bergwesens im Banater Bergland und zu einer Beamtenstadt. Als es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Bedeutung als Bergort verloren hatte, blieb es Sitz der StEG-Domänen und der Oberverwaltung des Forstwesens im Banater Montangebiet. Ab 1919 war es Verwaltungssitz des Komitats Karasch. (Heute gehört es zum Kreis Karasch-Severin.) Es bekam ein Bezirksgericht und ein Gefängnis, wurde Sitz einer Finanzdirektion und der Präfektur, für die um 1930 ein neues Gebäude errichtet wurde. Es ist heute das Rathaus der Stadt.   
Orawitza hat auch ein Krankenhaus und eine der ältesten Apotheken des Banats. Bereits um die Mitte des 18. Jh. hatte die Bergwerksgesellschaft für die Bewohner des Montanortes eine Apotheke eingerichtet. 1796 eröffnete der Apotheker Lederer die Apotheke “Zum Schwarzen Adler“ und übernahm damit auch die alte Berg-Apotheke. Anfang des 19. Jh. übernahm die Familie Knoblauch die Apotheke und führte sie über mehrere Generationen bis zur Enteignung durch den rumänischen Staat 1949. Heute ist dort ein Apothekenmuseum. Die Familie Knoblauch hat seine Einrichtung unterstützt.   
Der Apotheker Karl Knoblauch spielte eine gewisse Rolle bei der Herausgabe der Sammlung “Walachische Märchen“ durch die Brüder Schott. Das Buch erschien 1854 in Stuttgart und war die erste Sammlung rumänischer Märchen. Arthur Schott aus Stuttgart, der von 1836- 1841 aus beruflichen Gründen im Banat war, schrieb später: “Kurz nach meiner Ankunft in Orawitza führte mich ein Landsmann, Herr Karl Knoblauch, in seine Gärten spazieren, um mir in der schönsten Abendbeleuchtung die romantische Umgebung jenes Bergortes zu zeigen. Wir trafen hier eine alte Walachin, Florika, die mit ihrem grauen Eheherrn die Stelle von Weingartenhütern versah. Herr Knoblauch machte mich unter anderem sogleich auf den Schatz von Märchen und Erzählungen aufmerksam, mit dem das Gedächtnis der Alten ausgestattet sei, und veranlasste sie sogleich, mir einige zu erzählen. Da ich damals der walachischen Sprache ganz unkundig war, so dolmetschte mir mein gefälliger Führer die Worte der Alten“. Knoblauch war nicht der einzige, aber doch der erste Orawitzaer, durch den Schott den Märchenschatz der Rumänen kennengelernt hat.   
Die kleine Geschichte verrät das Interesse der Orawitzaer Bürger an der Kultur. Bereits 1806 gründeten Theaterliebhaber den “Dilettanten-Verein“, die erste Vereinigung dieser Art im Banater Bergland. 1817 wurde mit einer Festaufführung das Orawitzaer Theater eröffnet. Es ist das älteste Theatergebäude Rumäniens. Der Bau wurde aus Spendengeldern Orawitzaer Bürger finanziert, unter ihnen viele Beamte der Bergdirektion und selbstverständlich auch der Dilettanten-Verein.                                                                          Es wurde nach dem Vorbild des alten Josephinischen Burgtheaters in Wien gebaut. Die Ausstattung war stilechtes spätes Rokoko in Rot und Gold. An der Festaufführung anlässlich der Eröffnung nahmen Kaiser Franz I. und seine Gemahlin teil, die damals das Banat besuchten. Nicht nur Aufführungen des Dilettanten-Vereins waren in den folgenden Jahrzehnten auf der Bühne des Theaters zu sehen, auch Theatertruppen aus Osterreich und Deutschland gaben Gastspiele in Orawitza. Im Jahre 1863 wurde der “Musik- und Gesangverein“ gegründet, der bis zum Zweiten Weltkrieg mit seinen Vorstellungen im Orawitzaer Theater -  meist waren es Operetten, die beim Publikum viel Erfolg hatten. 1866 wurde im Gebäude des Theaters ein Kasino eröffnet. Dort gab es Zeitungen in mehreren Sprachen, Billardtische und später die technische Neuheit Radio.  
Dass der junge Eminescu als Souffleur einer Theater-truppe in Orawitza war, dürften viele im Rumänischunterricht gehört haben. Im Gästebuch des Kasino-Vereins findet sich auch die Unterschrift des weltberühmten Musikers George Enescu, der in den dreißiger Jahren im Orawitzaer Theater konzertiert hat. In den Wirren der Nachkriegszeit ging das bedeutsame Theaterarchiv verloren. Die Innenausstattung verkam. Der Bau wurde zweckentfremdet. Zeitweilig war das Stadtmuseum hier untergebracht. Nach 1944 gab es in Orawitza keinen deutschen Verein mehr. Nur der deutsche Kindergarten und die Schüler der deutschen Grundschulklassen zeigten bei Schulfeiern Aufführungen in deutscher Sprache. Hin und wieder gab das Temeswarer Deutsche Staatstheater oder die Reschitzaer Operettengruppe auf der Bühne des alten Theaters ein Gastspiel. Kürzlich wurde der Saal renoviert. Er ist heute wieder ein Schmuckstück. Leider wird er nur selten genutzt. Dr. Horst Fassel vom Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen hat sich eingehend mit dem Orawitzaer Theater beschäftigt. In seinem Beitrag “Das Deutsche Theater im Banat im vielsprachigen Umfeld“, der in der Zeitschrift “Banatica“, Heft 111/1996 erschienen ist, stellt er dessen Geschichte ausführlich dar.   
1868 erscheint in Orawitza die erste Ausgabe der Lokalzeitung “Berggeist“. Im gleichen Jahr gründet Karl Wunder hier die erste Druckerei. Ab 1872 erscheint die Zeitung ununterbrochen bis 1940 unter dem Namen “Orawitzaer Wochenblatt“. Sie wird zuletzt von der ortsansässigen Druckerei Kaden herausgegeben.   
Ein besonderes Ereignis war die Ausstellung vom 10. August -15. September 1869. Gezeigt wurden Erzeugnisse der Montanindustrie, des Handwerks, des Forstes, des Ackerbaus und der Volkskunst. Es war die erste Ausstellung dieser Art in Süd-Osteuropa. Der “Ruf des Erfolges“ gelangte bis Wien. 1873 lud man 26 Aussteller (15 Deutsche und 11 Rumänen) aus Orawitza ein, ihre Erzeugnisse in Wien zu präsentieren. Auf Vorschlag von Herrn Julius Schnabel sollte das Ausstellungsgebäude in rumänischer Bauart errichtet werden. Das “Orawitzaer Wochenblatt“ schrieb im März 1873 dazu: “Die ethnographische Abteilung wird daher um ein interessantes Objekt bereichert und der Gewerbefleiß unserer Gegend und besonders der rumänischen Nation bei der epochalen Wiener Ausstellung würdig vertreten sein.“ Nach einem Besuch der Herren Dr. Scheda und Sittner in Wörishofen bei Pfarrer Sebastian Kneipp wurde 1888 in Orawitza der “Kneippweg“ und das “Kneippbad“ am südlichen Ufer des kleinen Teiches angelegt. Es gab Holzwannen und Sitzbänke. “Wie die jungen Mädchen vor den Augen und inmitten jener Männer ihre Kleider gelassen hochheben, die ihre Hosen ebenfalls aufstülpen, um ihre vorschriftsmäßigen abend- und morgendlichen Wassertretübungen zu verrichten“, das erregte um 1900 Aufsehen. “Ja sie lassen sich in diesem Zustand, also nackt bis zum Knie, Gruppenaufnahmen anfertigen!“ Doch das war erst der Anfang einer neuen Zeit. Der Große und der Kleine Teich waren um die Mitte des 18. Jahrhunderts als Talsperren angelegt worden und dienten zunächst als Wasserspeicher. Die Kneipp-Anhänger machten aus dem Kleinen Teich eine Erholungsstätte. Im 20. Jahrhundert wurde der Große Teich ein beliebtes Freibad. Die zwanzig Umkleidekabinen, auf Pfählen gebaut, bildeten ein Karree, in dessen Mitte ein Badeplatz für Kinder und Nichtschwimmer war. Es gab Boote und in der Mitte des Teiches eine künstliche Insel zum Anlegen. Der Kleine Teich war im Winter ein beliebter Tummelplatz für Schlittschuhläufer.   
Schon Ende des 19. Jahrhunderts war Orawitza auch als Luftkurort bekannt. Sogar von Budapest und Wien kamen die Sommergäste in die “Marilla“, eine kleine Villenanlage mitten im Wald abseits der Landstraße nach Steierdorf. Bis 1918 gab es im Sommer einen direkten Schlafwagen “Budapest-Orawitza-Marilla“. Genau genommen kam man damit nur bis zum Orawitzaer Bahnhof. Von hier brachten Pferdekutschen die Reisenden in die etwa 12 Kilometer entfernte Marilla. Besitzer jener Waldhotels war ein Herr Hoffenreich. Als in der Zwischenkriegszeit unweit davon auf dem Lup-Berg das große Lungensanatorium “Marilla“ errichtet wurde, änderte man den Namen der alten Marilla. Man nannte sie nun “Brädisor“.   
Die römisch-katholische Kirche von Orawitza wurde 1718 -1721 erbaut und ist damit eine der ältesten im Banat. Bis zu ihrer Einweihung diente die kleine Kreuzwiesenkapelle als Gebetsstätte. Zum Patrozinium “Kreuzerhöhung“ am 14. September wird bis in unsere Tage hier alljährlich ein Gottesdienst gehalten. Am 4. Mai, dem Sankt-Florians-Tag, zog die Florianskapelle Spaziergänger und Pilger zur Andacht an. Zum Markuskreuz pilgerte man am 24. April zur “Fruchtweihe“. Zur Wallfahrtskirche im nahe gelegenen Tschiklowa kamen Pilger aus dem ganzen Banater Bergland.   
Das Kloster der Armen Schulschwestern zu Unserer Lieben Frauen, Notre Dame, wurde 1864 gegründet. Die Kinder vieler “Koaris“ lernten hier lesen und schreiben. Es gab hier neben der Volksschule auch ein Mädchengymnasium mit Internat und einen Kindergarten. Im Sommer 1945 waren im Klosterinternat junge Frauen aus Reschitz untergebracht, die sich durch Verstecken der Deportation entzogen hatten. Sie wurden dafür mit Arbeitsdienst und Zwangsaufenthalt in Orawitza bestraft.  
Nach dem Krieg waren bis zur Auflösung des Klosters 1948 nur noch zwei Klosterfrauen als Lehrerinnen tätig. Die Klassen 1-4 wurden von Sr. Hildegard (Therese Mittermeier aus Passau) unterrichtet. Sie war auch die Oberin des Klosters. In den Klassen 5-7 unterrichtete 1946-1947 Sr. Theodolinde und 147-1948 Sr. Rosamunde. Sr. Kiliana, die Schwester der Oberin, erteilte Klavierunterricht. Sr. Ewalda war als Kindergärtnerin tätig. Das Kloster wurde in einer Nacht- und Nebelaktion aufgelöst, die Schwestern mussten ab sofort Zivilkleidung anlegen und nur mit dem, was sie tragen konnten, untertauchen.   
Ab 1948 gab es nur noch eine deutsche Abteilung mit den Klassen 1-4. Sie war immer im Klostergebäude untergebracht. Lehrer war bis 1958 Josef Nejedly, danach bis 1963 Karl Singer, der später Professor an der Universität Temeswar wurde und als Vorsitzender des Demokratischen Forums der Banater Deutschen bekannt ist. Von 1963 bis zu meiner Aussiedlung 1978 war ich, Edeltrud Bauer, Lehrerin an der deutschen Abteilung in Orawitz. Laut einer Statistik, die in der Monatsschrift “Echo“ veröffentlicht wurde, gab es 1998 in Orawitza keine deutsche Schule mehr. Es gibt aber eine deutschsprachige Kindergartengruppe, die von 30 Kindern besucht wird, davon zwei mit deutschen Eltern, die anderen teils aus Mischehen, teils aus rumänischen Familien.   
“Koari“ ist der Spitzname der Orawitzaer Deutschen. Dieser Spitzname hat etwas mit der Anssiedlungsgeschichte zu tun. Anton Sittner, Lehrer und Bankbeamter in Orawitza, hat 1957 dem bekannte Volkskundler Alexander Tietz folgende Geschichte erzählt. Die Saskaer, Steierdorfer und Moldowaer sind unter Maria Theresia angesiedelt worden. Wenn sie im “Erbschank zum Bergmann“ mit den Orawitzaern beisammen-saßen, wurden sie streitig. Die Orawitzaer schlugen sich in die Brust und sagten: “Ös seids unter Maria Theresia eingwandert, aber mir sein schun untern Koari kummen.“ Sie nannten den Kaiser Karl IV. einfach Koari. Und weil sie das zu oft gesagt haben, sind sie die “Koari“ geblieben. Koari war nicht der einzige Spitzname in Orawitza. Da es mehrere Familien gleichen Namens gab, musste man sie irgendwie unterscheiden. Also hängte man dem Namen noch eine Spitznamen an. Eine der Familien Spreitzer, die kleinwüchsig waren, nannte man die “Prominzerl-Spreitzer“ nach einem kleinen, damals beliebten Pfefferminzbonbon. Einer hieß “Achi“ nach seiner Mutter Agi (Agathe), ein anderer Wampi, weil er einen dicken Bauch hatte, ein Bartl wurde zum Bonapartl. Der Riedl war der “Schwarzkünstler“, der Hillebrand der “Sulzentapper“, weil er mal in ein Kalkloch hineingefallen war. Der Waldhüter Lackstätter war der “Pottanickl“. Und das kam so: Einmal kam ein englischer Naturforscher nach Orawitza. Das Forstamt gab ihm als Begleiter den Waldhüter Lackstätter. Er leistete dem Engländer Führerdienste und trug auch dessen Botanisiertrommel. Die Leute sahen ihn damit und fragten, was das sei, was er da umgehängt habe. “Was waaß i“, sagte er, “der varuckti Engländer tut da Schmetterling und Pflanzen nein, er sagt, des i a Pottanickl.“ Die Spitznamen waren allgemein bekannt. Anton Sittner, der Alexander Tietz die Geschichte vom “Pottanickl“ erzählt hat, fügte hinzu: “Es hat mir einer einen Brief adressiert: Dem Achi-Toni in Orawitza - und ich habe ihn erhalten.“   
Die deutschen Einwohner von Orawitza waren zum größten Teil Grubenarbeiter, Handwerker, Fuhrleute, Kalkbrenner. Auch gab es relativ viele Beamte unter ihnen, jedenfalls bis Kriegsende. Da zu den meisten Häusern der Berggassen und Nebentäler ein größerer Garten und Wiesen gehörten, waren viele Familien weitgehend Selbstversorger. Die meisten hielten ein bis zwei Kühe. So war auch die Milchversorgung eine Lokalangelegenheit, man musste keine Milch von auswärts kaufen.   
1910 hatte Orawitza insgesamt 4051 Einwohner. 2084 von ihnen waren Deutsche, 1333 Rumänen, der Rest gehörte verschiedenen anderen ethnischen Gruppen an. 1930 war die Zahl der Einwohner auf 9585 gestiegen, die Zahl der Deutschen aber war mit 2155 in etwa konstant geblieben. Im Herbst 1944 flüchteten viele Deutsche mit Hilfe der Wehrmacht vor den herannahenden russischen Truppen. Die meisten Flüchtlinge wurden in Osterreich oder in Deutschland ansässig. Nur ein kleiner Teil der Geflüchteten kehrte nach Kriegsende nach Orawitza zurück. Auch Orawitzaer Deutsche wurden wie andere Deutsche Rumäniens im Januar 1945 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Da Orawitza nahe der Grenze zu Jugoslawien liegt, waren einige deutsche und einige rumänische Familien auch von der Baragan-Verschleppung betroffen. 1992 lebten noch 281 Deutsche in Orawitza, die meisten von ihnen alte Leute.   

 

Edeltraud Bauer   

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