Maria Radna - Klosterkirche

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Maria Radna

Katholischer Wallfahhrtsort und Päpstliche Basilika

rum.: Maria Radna

ung.: Maria Radna

Der aus der Urheimat mitgebrachte Marienkult führte im Banat zu einer sich rasch ausbreitenden und aufblühenden Marienverehrung. Sie fand sichtbaren Ausdruck in der religiösen Volkskunde, vor allem aber im Wallfahrtswesen und im Entstehen neuer Wallfahrtsorte. Der bedeutendste Wallfahrtsort der Banater Schwaben ist das Kloster Maria Radna. Der Ort Radna liegt gegenüber von Lippa, am rechten Maroschufer. Hier befinden sich auch die Wallfahrtskirche und das ehemalige Franziskanerkloster. Rechts unten vor dem Eingang der Gnadenkirche befindet sich die Marien-Kapelle. Ein Kreuzweg führt zu dem Kalvarienberg mit 14 Stationen und einer Kanzel.


Direkt am Ort Lipova (rumänisch)/Lippa (deutsch), im Kreis Arad, im westlichen Rumänien, am rechten Maroschufer, liegt der Wallfahrtsort Maria Radna. Maria Radna ist der bedeutendste Wallfahrtsort der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar.

1440 wurde Radna erstmals urkundlich erwähnt. Der Wallfahrtsort entstand während der Türkenzeit. Als die Türken Lippa eroberten, zog sich die Bevölkerung über die Marosch nach Radna zurück.

Seit 1520 stand hier eine bescheidene Kapelle, die eine fromme Witwe erbauen ließ. Nachdem das Banat von den Türken erobert wurde, diente die Kapelle den Gläubigen und den Franziskanerbrüdern, die vor den Eindringlichen am Nordufer der Marosch geflüchtet sind, als Zufluchtsort.

Der Legende nach besaßen diese Franziskanerbrüder große Schätze. Als Folge überfielen die türkischen Janitscharen in einer Nacht- und Nebelaktion die Kapelle und zerstörten den Altar, die Bilder und beschlagnahmten den vergoldeten Kelch.

1668 schenkte der Kaufmann Georg Vriconossa der Kapelle ein auf Papier gedrucktes Marienbild aus dem Atelier des Buchdruckers Remondini aus Italien.

1695 als die Kirche von den Türken niedergebrannt wurde, blieb das Gnadenbild unversehrt. Seitdem werden dieser Ikone Wunderkräfte zugeschrieben.

1709 wurde die erste Wallfahrt von der Arader Bevölkerung infolge der Pestepidemie nach Maria Radna organisiert. In Folge der Pest machten die Bewohner der Stadt Arad ein Versprechen, zum Zeichen des Dankes für die Beendigung und Rettung vor dieser furchtbaren Plage, eine Wallfahrt nach Maria-Radna zu gestalten.

Nach gründlicher Erforschung wurde der Wallfahrtsort Maria Radna 1750 von Seiten der Kirche offiziell anerkannt.
Das Kloster wurde 1750 in barockem Stil erbaut und in einem feierlichen Gottesdienst zu Maria Geburt als Wallfahrtsort freigegeben. Hierhin pilgerten Jahr für Jahr an bestimmten Wallfahrtstagen große Menschenmassen. Die Wallfahrten in Form von Prozessionen, zu Fuß oder mit dem Wagen, waren mit überliefertem Brauchtum verbunden. Dies begann mit der Verabschiedung, der Prozessionsordnung, dem Verhalten bei Wegkreuzen und bei der Durchfahrt durch die Dörfer, setzte sich mit der Begrüßung und dem Einzug in die Wallfahrtskirche fort und schloss mit einer religiösen Andacht auf dem Kalvarienberg neben der Gnadenkirche.

1757-1767 wurde anstelle der alten Kapelle eine neue Kirche erbaut. Diese Kirche steht bis heute.

1770 erhielt das Marienbild einen neuen Silberrahmen aus Wien.

1820 widmete der Erzbischof Ungarns, Alexander Rudnay von Estergom dem Gnadenbild zwei goldene Kronen als Weihgeschenk. Er hinterließ testamentarisch, dass sein Herz nach seinem Ableben in der Marienkapelle bestattet werden soll. Dieses wird heute noch im Seiten-Altar der hl. Mutter Anna aufbewahrt.

1895 sind der prunkvolle Altar aus Carrara-Marmor und die beiden Marienstatuen anlässlich der 200-Jahr-Feier entstanden.

1905 wurde die neue Orgel, die Wegenstein-Orgel, der Basilika zu Maria-Radna erbaut.

1911 wurden die beiden Türme um 30 Meter auf 67 Meter erhöht.

Nach 1918, als Maria Radna infolge des Friedensvertrags von Trianon an Rumänien fiel, verlor Maria Radna die großen Pilgerzüge aus Ungarn und Jugoslawien. Aber schon bald danach machte sich Bischof Glattfelder selbst zum Sprecher für Maria Radna. Im Jahre 1921 rief er zum Fest Maria Himmelfahrt zur Wallfahrt auf und hielt selbst die Predigt. Schon 1925 erreichte der Pilgerzustrom 15000-18000 Personen. Die Pilgerzüge aus den größeren Pfarreien wurden auf alle Sonntage der warmen Jahreszeit verteilt, um den Massenzustrom zu steuern. So war der Wallfahrtstag der Temeswarer z.B. am St.-Anna-Fest. Der Größte Wallfahrtstag jedoch war zum Fest Maria Geburt, an welchem bis zu 20000 Menschen nach Maria Radna pilgerten. Zu dieser Zeit halfen die Franziskaner aus Deutschland aus.

Im Jahre 1928 wurde der Ölberg ausgebaut. 1935 zurzeit von Bischof Dr. Augustin Pacha hat die Gesamtzahl der Pilger 73000 erreicht, eine Zahl die an das vorige Jahrhundert mit seinen Pilgerzügen aus allen Richtungen der Länder der Stefanskrone erinnerte. In den dreißiger Jahren wurde der Gnadenort Exerzitienstätte für Priester und Lehrer.

1948-49 wurden die Orden und Kongregationen der Katholischen Kirche aufgelöst. Durch ein Versehen war der Franziskanerorden nicht erwähnt. Nach dem Verbot der Orden durch die kommunistische Herrschaft (1949) hat man alle Franziskaner Rumäniens in Maria-Radna unter besonders schweren Bedingungen konzentriert. Wallfahrten wurden verboten, Klöster verstaatlicht. In Radna verblieb ein einziger Pater mit zwei Brüdern, im Kloster wurde ein staatliches Altenheim errichtet.

Nach 1989 bekam die Wallfahrt eine neue Bedeutung und nahm als Zeichen der neu gewonnenen Freiheit erneut zu.

1992 verlieh der Heilige Vater, Papst Johannes Paul der II., der Wallfahrtskirche von Maria-Radna den Titel „Basilica Minor“. Zu diesem Anlass schenkte  Titularerzbischof Dr. Adalbert Boros, Weihbischof der Temeswarer Diözese, der Basilika von Maria-Radna einen neuen Altar als Zeichen des Dankes an die Muttergottes von Radna für ihren der Kirche und der Diözese in den schweren Zeiten der kommunistischen Herrschaft gewährten Schutzes.

2003 verließen die Franziskaner nach einer reichen, mehrere jahrhundertealten Präsenz das Kloster Maria-Radna wegen Mangel an Brüdern. Ab dieser Zeit ist das gesamte kirchliche Leben dieses Wallfahrtsortes dem Diözesanklerus anvertraut. Als erster Pfarrer aus der Reihe des Diözesanklerus wurde H.H. Andreas Reinholz, Canonicus Junior des Domkapitels der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar ernannt.

© Elisabeth Packi www.kulturraum-banat.de


Kurze Orgelgeschichte

Ein hohes Alter für eine historisch wichtige Orgel ist es nicht, stehen doch in Banater Kirchen auch solche, die vom Ende des 18. Jahrhunderts stammen. Doch ihre Geschichte ist äußerst spannend und interessant, verbindet sie doch Elemente des französischen Orgelbaus des 19. Jahrhunderts mit jenem des damaligen Ungarns. Welcher Wallfahrer, der die Basilika zu Maria-Radna betreten hat, wurde von dem in Weiß und Gold gefassten Gehäuse der Orgel nicht ins Staunen versetzt? Dabei handelt es sich um ein wahres Meisterwerk des Temeswarer Orgelbauers Carl Leopold Wegenstein (1858 Wien – 1937 Temeswar), das er vor mehr als 100 Jahren (1905) errichtet hat.

Obzwar die Wallfahrtskirche der Franziskaner in Maria-Radna nie ein eigenes Kirchenmusikensemble hatte, wurden gelegentlich höherer Besuche und zu wichtigeren Festtagen Kirchenmusiker, Instrumentalisten und Chöre aus Arad, Lippa und Temeswar eingeladen. Bei Wallfahrten wurden die Kirchenlieder auf der Orgel begleitet und wie die Zahl der Pilger nach 1900 immer mehr zunahm brauchte man auch ein größeres Instrument dafür. Aus der Historia Domus des Radnaer Franziskanerklosters erfahren wir, dass 1797-98 der Temeswarer Orgelbauer Franz Anton Wälter eine neue Orgel mit 20 Registern erbaut hat. In den nachfolgenden Jahren werden sich auch zwei Mitglieder des Franziskanerordens um die gute Funktionsfähigkeit dieser Orgel bemühen: Frater Simon Sangl und Fr. Ignatius Lehner. Sangl erbaute 1818 selbst eine kleine Orgel (Positiv) für die Wallfahrtskirche, später war er in den Klöstern von Arad und Wukowa tätig. Im Jahre 1854 wurde Orgelbauer Stephan Hechinger aus Wien beauftragt, die Orgel für 240 fl. CM zu reparieren und zu stimmen. 1893 wurde zum ersten Mal Wegenstein mit dieser Aufgabe betraut, der in den nächsten Jahren kleinere Reparaturen durchführen wird. Vermutlich war dies auch der Grund, weshalb man sich 1905 für einen Neubau entschieden hat.

Am 5. März 1905 traf sich, laut der Chronik des Franziskanerklosters zu Maria-Radna, die Kommission zum Bau der neuen Orgel. Es stellte sich die Frage ob Otto Rieger aus Budapest oder Leopold Wegenstein aus Temeswar dieser so wichtige Auftrag anvertraut werden soll. Beide Kostenvoranschläge waren mit 12.000 Kronen berechnet. Die alte Orgel der Wallfahrtskirche, erbaut von Franz Anton Wälter 1798, übernahm letztendlich Wegenstein für 1.000 Kronen der auch den Auftrag erhielt.

Noch im selben Jahr, am 25. November 1905, traf sich eine Gruppe von Experten, um die neue Orgel zu übernehmen. Die neue Orgel wurde in nur 14 Tagen in der Kirche aufgebaut. Laut dem Protokoll wurde diese Aufgabe ausgeführt durch Leopold Wegenstein als Beauftragter und dessen Sohn Richard Wegenstein.


© Franz Metz: Edition Musik Südost http://www.edition-musik-suedost.de/html/radna.html


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