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Katharinenkirche (Innenstadt)

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Von Elisabeth Packi

Die Katharinenkirche, umgangssprachlich Innerstädter Pfarrkirche, wurde im 14. Jahrhundert während der Regentschaft von König Karl Robert von Anjou errichtet. In der Kirche wurde 1317 seine Gemahlin, Maria Katharina von Beuren und Teschen, bestattet. Als 1724 der Bau der Festungsmauern begann, musste die Kirche abgetragen werden. Zwischen 1753 und 1756 entstand  die neue Katharinenkirche an der heutigen Strada Bolyai.

Katharinenkirche-Temeswar-Innenstadt

Geschichte

Die Innerstädter Pfarrkirche, die der Heiligen Katharina geweiht ist, stand bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts ungefähr an der Stelle, an der heute das Lyzeum Eftimie Murgu steht. In dieser Kirche soll 1317 Maria Katharina von Beuthen und Techen, die erste Gemahlin von König Karl Robert von Anjou bestattet worden sein. Dazu schreibt Franz Binder in seiner Monographie Alt-Temeswar: "Am 15. Dezember 1317 verschied in Temeswar die Gemahlin des Königs, Maria Katharina, welche angeblich in der ehemaligen Katharinenkirche zur ewigen Ruhe bestattet wurde."

Die Katharinenkirche war eine der ältesten mittelalterlichen Gotteshäuser der Stadt zusammen mit der  Sankt Georgskirche am Georgsplatz, die 1322 erstmals in einer Urkunde erwähnt wird. Die Katharinenkirche hatte einen achteckigen Turm, wie es auf alten Ansichtskarten zu erkennen ist und befand sich mit dem dazugehörenden Kloster am äußersten Südostzipfel der Großen Palanka. Das Stadtviertel nannte sich nach der Kirche Katharinenstadt.

Während der Türkenzeit wurde die Kirche in eine Moschee umgewandelt und stand für 164 Jahre im Zeichen des Halbmonds. Nach der Befreiung Temeswars durch Prinz Eugen von Savoyen (1716) wurde das Gebäude anfangs als Salzlager und danach als Pulverturm benutzt. 1722 kam die Kirche in den Besitz der reformierten Franziskaner der Salvatorianer Ordensprovinz (Patres Ordinis Minores Reformatorum S. P. Francisci Provinciae Hungariae S.S. Salvatoris), die in der Nähe ein Kloster unterhielten, und konnte so wieder seiner ursprünglichen Bestimmung als Kirche dienen. Die Franziskanerkirche ad Sanctam Catharinam bot hier Asylsuchenden einen Zufluchtsort. Dokumente belegen, dass der uralte Rechtsanspruch auf Asyl im Banat in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch recht lebendig war. Besonders bemerkenswert ist die Anerkennung der Jesuitenkirche als Asylort durch die höchste Wiener Stelle. In der Praxis hatte sich die Franziskanerkirche ad Sanctam Catharinam als Zufluchtsort in Temeswar durchgesetzt.

Als 1724 der Bau der Festungsmauern begann, stand die Kirche diesem militärischen Neubau im Wege und musste 1757 abgetragen werden. Aus diesem Grund kamen die Franziskaner, samt Kloster und Innenausstattung der Kirche in der Festung, in die heutige Innenstädtischen Pfarrkirche, die ebenfalls der Heiligen Katharina geweiht wurde.

An der Stelle, an der die alte Kirche stand, errichtete man 1763 einen dreieckigen Obelisk mit einem eisernen Kreuz an der Spitze. Der Obelisk, der zum Gedenken an die hier bestatteten Persönlichkeiten dienen sollte, wurde aus Sandstein errichtet. Auf seinen drei Seiten standen folgende lateinischen Texte:

  1. Trophaeum solo aequatae sacrae aedis Chatarinensis, in qua sacrificare Deo florente Eugenio, Carolo sexto dominante Signo Reformatos Fratres coepisse Minores (Ein Denkmal für die Sankt-Katharinen-Kirche, die dem Erdboden gleichgemacht worden war, in welcher, wie ich kenntlich mache, die wenigen Brüder nach ihrer Wandlung angefangen haben, Gott zu opfern in der Blütezeit des Eugen und unter der Herrschaft Karls VI.).
  2. Sed Maria Theresia apostolica Regni coronata Regina, hos in praesidio locat et patrocinio ambit (Aber Maria Theresia, die gekrönte Königin des apostolischen Reiches, stellt diese als Schutz auf und bittet um ihren Beistand).
  3. Defunctis, quorum hic Cineres ac ossa recondo, Aeternam requiem ore et corde precare viator (Wanderer, bete mit Mund und Herz um die ewige Ruhe für die Verstorbenen, deren Asche und Gebeine ich hier berge).

Während der Belagerung von 1849 hatten die ungarischen Revolutionäre den Obelisk stark beschädigt. Eine Restaurierung wurde erst 1851 durchgeführt. Nach 1903, als die „Höhere Töchternschule“ (später: „Carmen Sylva“-Mädchenlyzeum; heute: „Eftimie Murgu“-Lyzeum) erbaut wurde, stand der Obelisk unmittelbar vor diesem Schulgebäude. In den 1930er Jahren, bei der Errichtung des C. D. Loga-Boulevards, stand das Denkmal den Straßenbauern im Wege und wurde einige Meter vom ursprünglichen Ort in Richtung des Stadtparks "verschoben". Nachdem das Denkmal einige Jahre dem Verfall überlassen worden war, wurde es in den 1960er Jahren endgültig auf den Innenstädtischen Friedhof, an der Lippaer Straße verlegt. Dort befindet er sich auch heute noch.

Zwischen 1753 bis 1756 wurde die neue Katharinenkirche auf dem Gelände einer ehemaligen Mühle durch Johann Lechner an der heutigen Strada Bolyai errichtet. 1882 wurde das Gotteshaus infolge eines Erdbebens stark beschädigt und musste abgetragen werden. An gleicher Stelle begann 1887 der Neubau der Kirche, und am 25. November 1889 wurde sie von Pfarrer Josef Brand eingeweiht.

Die Kirche ist in neubarockem Stil mit Renaissanceelementen gehalten. Der Hochaltar wurde 1761 von dem Maler Ferdinand Schiessl aus Wien geschaffen. Er stellt die Heilige Märtyrerin Katharina von Alexandrien dar.

Aus der Zeit der Franziskaner stammen auch die im Barockstil gehaltene Kanzel sowie der mächtige geschnitzte Schrank aus der Sakristei.  Es ist anzunehmen, dass aus jener Zeit auch die Schwarze Madonna stammt, eine aus schwarzem Holz geschnitzte Marienfigur mit dem Jesu-Kind und mit reichem Goldbrokat verziert. Die Schwarze Madonna ist eine Kopie der Muttergottesstatue aus Loretto und befindet sich seit 2010 im Diözesanmuseum. Hier wird auch das Madonnenbild in einem Glasgehäuse mit Kronen und Herz aus Erz bewahrt. Das Bild ist in einem sehr schlechten Zustand. Beide Mariendarstellungen wurden von Pfarrer Josef Hajdu dem Diözesanmuseum übergeben und können von den Besuchern besichtigt werden. Ein weiteres Muttergottesbild, fast identisch mit dem Original im Museum befindet sich in der Katharinenkirche auf der linken Seite, gegenüber der Kanzel. Diese Kopie ist in sehr gutem Zustand. 

Die Orgel stammt von Carl Leopold Wegenstein und ist bis heute sowohl vom musikalisch-technischen Stand als auch im Hinblick auf die reichen Holzverzierungen ein äußerst wertvolles Musikinstrument. Die Orgel wurde im Stil Louis XIV. gehalten, dabei in Tonfarbe gestrichen und reich vergoldet, sowie zusätzlich mit religiösen und musikalischen Emblemen, Statuetten und Gruppen versehen. Im Februar 1896 wurde die Orgel im Kirchenschiff aufgestellt und erhielt in einem Wettbewerb im gleichen Jahr anlässlich der Budapester Millenniumsausstellung 1896 zur Feier des 1000-jährigen Bestehens des Königreichs Ungarn den Ersten Preis. Die Kosten der Orgel betrugen 10.000 Gulden. Die Stadt Temeswar steuerte mit 7000 Gulden bei, weshalb an dem Orgelgehäuse das Wappen der königlichen Freistadt angebracht wurde.

Gottesdienste werden heute in rumänischer, deutscher, slowakischer und ungarischer Sprache abgehalten.

Literatur

  • Franz Binder: Alt-Temeswar. Geschichtliche Entwicklung. Historische Bauwerke, Gebäude und Denkmäler. Das Volksschulwesen, Verlag der Deutschen Buchhandlung, Timisoara-Temeswar 1934
  • Petru Iliesu: Temeswar. Geschichte einer europäischen Hauptstadt, Planetarium Verlag, Temeswar 2005, ISBN 973-97327-6-3
  • Alexandru Cuțara: Timișoara - Temeswar, Bild-Kunst-Monographie. Editura Amarcord, Timișoara 1998, ISBN 973-9244-35-1, S. 120, in rumänischer und deutscher Sprache.
  • Martin Eichler, Dan Leopold Ciobotaru, Martin Rill: Temeswar - Timișoara. Eine Perle des Banats. Wort+Welt+Bild Verlag, München 2010, ISBN 978-39810825-6-2, S. 207.
  • Else von Schuster: Temeswar – Timișoara. Ein Rundgang durch Temeswar. O plimbare prin Timișoara.ADZ, București 1996, ISBN 973-97541-3-9, S. 216, in rumänischer und deutscher Sprache.
  • Claudiu Calin: Biserici Romano-Catolice existente azi pe teritoriul orasului Timisoara 
  • Anton Zollner: Die Sankt-Katharinen-Kirche (http://www.banater-aktualitaet.de/tms32.htm)
  • Franz Metz: Temeswarer Millenniumsorgel wird Hundert (http://www.edition-musik-suedost.de/html/millenniumsorgel.html)


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