Fabrikstadt (II. Bezirk von Temeswar)

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Namen

Rumänisch: Fabric

Deutsch: Fabrikstadt

Ungarisch: Gyárkülváros

 

Geschichte          

Die Fabrikstadt wurde 1718-1720 als ein selbstständiger Vorort von Temeswar gegründet. Den offiziellen Namen Fabrique erhielt sie 1744. Bis 1782, als sie der königlichen Freistadt Temeswar angeschlossen wurde, hatte die Fabrikstadt ihren eigenen Magistraten. In dem Vorort Fabrique entwickelten sich das Gewerbe, der Handel, die Manufakturen und die Zünfte.

Die Fabrikstadt bestand aus mehreren Teilen. In der Vlasca Mare lebten vor allem Rumänen, in der Alten Fabrikstadt Serben und in der Gegend um die Bierfabrik Deutsche. Die Neuen Banater (Zigeuner) ließen sich in der „Neuen Welt“ nieder.  In der Fabrikstadt waren auch Griechen, Armenier, Juden, Italiener, Franzosen, Spanier, Ungarn und Tschechen ansässig.

Der Marktplatz, der heutige Trajansplatz, wurde 1740 von österreichischen Ingenieuren entworfen und war eine kleinere Nachbildung des Domplatzes.

Fabrikstadt - Trajansplatz, 2010

Serbisch-orthodoxe Kirche Hl. Georg

Foto: Elisabeth Packi 

 

Wirtschaft

Die wichtigsten Zünfte im 18. Und 19. Jahrhundert waren in der Fabrikstadt die der Schuster, Sattler, Kürschner, Böttcher, Kesselschmiede und Fischer.  Ebenso waren die Bäcker, Metzger, Schlosser, Uhrmacher, Müller, Perückenmacher und Schneider stark vertreten. Die einzelnen Gewerbe schlossen sich zu Gesellschaften mit eigenen Festtagen, Schutzpatronen und Fahnen zusammen.

Fahne der Fleischerinnung 


Im 18. Jahrhundert gab es in der Fabrikstadt acht Mühlen, eine Tuchfabrik (1725), eine Seidenfabrik, eine Tabakfabrik, eine Bierfabrik (1718) sowie ein Wasserwerk.

Das Wasserwerk war 1781 auf dem Wappen der Stadt abgebildet und wurde 1726 von dem Ingenieur Karl Schindler auf Anordnung von Graf Mercy gebaut. Dieses Wasserwerk versorgte durch Holz- und Keramikrohre die öffentlichen und privaten Brunnen der Festung mit Wasser.

1850 gab es in der Fabrikstadt eine Ölfabrik, die Raps- und Sonnenblumenöl herstellte. Es wurden landwirtschaftliche und Handwerksgeräte sowie Glocken, Orgeln, Essig, Spiritus, Seife, Tücher, Seide, Schießpulver, Ziegelsteine, Bleistifte und Teigwaren im 18. Jahrhundert in der Fabrikstadt hergestellt.

Fabrikstadt - Bierfabrik, 2010

Foto: Elisabeth Packi


Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden neue Fabriken. Die Bierfabrik wurde umgebaut. Es entstanden die erste Eisen- und Stahlgießerei (1880), die Sodafabrik (1890), der Bahnhof für elektrische Straßenbahnen (1899), die Schuhfabrik Turul (1901), die Handschuhfabrik (1922), die Strumpffabrik, die Milchfabrik, Textilfabriken und Fabriken zum Herstellen von Spirituosen.

1876 wurde der Fabrikstädter Bahnhof gebaut, bis 1912 erhielt der Begakanal einen neuen Lauf und 1909 wurde das Wasserkraftwerk, das erste auf rumänischem Boden, gebaut.

Die alten Brücken aus Holz oder Eisen des 19. Jahrhunderts wurden Anfang des 20. Jahrhunderts durch Stahlbeton-Brücken ersetzt. So entstanden die Decebal-Brücke (1908-1909), die Dacilor-Brücke (1908), die Mihai-Viteazu-Brücke (1909) und die Fußgänger-Brücke (1926).

 

Sakralbauten

Die erste Kirche der Fabrikstadt war eine griechisch-orthodoxe Kirche, die sich an der Stelle befand, wo 1753 der rosafarbene Obelisk mit gemalten Ikonen auf seinen Facetten (heute verwischt) aufgestellt wurde. Die Kirche wurde durch die St.-Georgs-Kirche an der Ostseite des Trajansplatzes ersetzt. Bis zu der kirchlichen Spaltung 1863 wurde die Georgskirche von den serbischen und von den rumänischen Orthodoxen gemeinsam genutzt, danach nur noch von den serbischen Gläubigen.

Fabrikstadt - Trajansplatz - Obelisk, 2010

Foto: Elisabeth Packi


Die Rumänen erhielten in Richtung des heutigen Sarmisegetuza-Platzes (ehemals Mühlenplatz) 1825-1826 eine neue Kirche, die dem Schutzpatron des Heiligen Ilie geweiht ist. 1909 wurde sie abgetragen. Ein bescheidenes Kreuz neben der Mihai-Viteazu-Brücke steht an der Stelle, an der sich einst der Altar befand. 1912-1913 wurde die heutige Sf.-Ilie-Kirche auf der Andrei-Saguna-Str. errichtet. 

Fabrikstadt - Rumänisch-orthodoxe Kirche Sf. Ilie, 2010

Foto: Elisabeth Packi


Seit 1717 haben die kaiserlichen Obrigkeiten die Ansiedlung der griechisch-katholischen Gläubigen in der Fabrikstadt gefördert. Ihre Kirche war die erste Kirche im Viertel. Nachdem diese Kirche Anfang des 20. Jahrhunderts eingestürzt ist, erhielten die griechisch-katholischen Gläubigen die alte römisch-katholische Kirche, die 1765 in der Nähe der Bierfabrik für die deutsche Bevölkerung der Fabrikstadt gebaut wurde.

Fabrikstadt, Griechisch-orthodoxe Kirche, 2010

Foto: Elisabeth Packi


1899-1903 wurde anlässlich des tausendjährigen Bestehens des Königreichs Ungarn die römisch-katholische Millenniumskirche nach den Plänen des Budapester Architekten Ludwig von Ybl (oder Eibl) und des Temeswarer Josef Krämer gebaut. 1896 fand die Grundsteinlegung statt. Die Millenniumskirche erreicht an den Türmen eine Höhe von 67 Meter und hat eine Baufläche von 2000 Quadratmeter.

Fabrikstadt - Römerplatz, römisch-katholische Millenniumskirche, 2010

Foto: Elisabeth Packi

 

Die jüdische Gemeinde war durch mehrere Gruppen vertreten. Der spanische Ritus verschwand um 1900 und die kleine Synagoge wurde verlassen. 1899 wurde die neue Synagoge gebaut. Es ist auch heute noch die größte Synagoge von Temeswar.

Fabrikstadt - Synagoge, 2010

Foto: Elisabeth Packi

 

Bildung und Freizeit

Bereits im 18. Jahrhundert gab es die konfessionellen Schulen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die in der Fabrikstadt lebten: die illyrische (1784), die deutsche (1789) und die ungarische (1837). 1821 trennten sich die Rumänen von den Serben.

Im 19. Jahrhundert erschienen die rumänische Mädchenschule (1884), das pädagogische Jungeninstitut (1895), das Forstlyzeum (1875) sowie das Waisenhaus Gizela. Anfang des 20. Jahrhunderts kam das Staatsgymnasium (heute Shakespeare-Lyzeum) hinzu.

1902 wurde die öffentliche Bibliothek gegründet. Es entstanden vier Lesevereine (ein deutscher, ein rumänischer, ein serbischer und ein ungarischer). Desgleichen entstanden ein Gesangs- und Musikverein, der philanthropische Verein jüdischer Frauen, die freiwillige Feuerwehr, ein Altenheim, der Notarzt, der Rudersportverein.

Fabrikstadt - Neptunbad und Neptunbrücke, 2010

Foto: Elisabeth Packi

 

Neben der Decebal-Brücke wurde 1912 das Neptun-Bad gebaut. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Volkspark, in dem sich das Apollo-Kino mit Sommergarten befindet. Im Jagdwald wurde 1971 das Banater Dorfmuseum errichtet. Hier befindet sich auch das Freibad Tineretului sowie der Zoologische Garten. Ebenso beherbergt die Fabrikstadt das UMT- und das Progresul-Schwimmbad. Die Fabrikstadt war schon immer auch ein Freizeit- und Erholungsort für die Temeswarer.


Elisabeth Packi

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