Dom zu Temeswar

DruckversionSend by emailPDF-Version

Von Elisabeth Packi

 

Der Domplatz (Piata Unirii) wird vom römisch-katholischen Dom zu Temeswar, dem größten barocken Sakralbau Südosteuropas, dominiert. Den Bau des Doms veranlasste 1732 der Bischof der Tschanader Diözese, Adalbert Freiherr von Falkenstein. Der Dom sollte die in der Türkenzeit untergegangene Sankt-Georgs-Kathedrale aus Tschanad ersetzen. 1733 verlegte Kaiser Karl VI. den inzwischen in Szegedin befindlichen Bischofssitz nach Temeswar. Der Bau des Doms wurde 1736 begonnen und 1774 beendet. Die Bauarbeiten zogen sich über fast 40 Jahre hin und können in zwei Hauptabschnitte eingeteilt werden.


Erster Bauabschnitt (1736 – 1754)

Den Grundstein zum Dom legte Bischof von Falkenstein am 6. August 1736. 1739 verstarb der Initiator des Bauwerks, und sein Nachfolger wurde Nikolaus Stanislavich. Die Bauarbeiten erreichten ihren Höhepunkt in den Jahren 1746 – 47.

Der Nachfolger Stanislavichs, Bischof Anton Graf Engel von Wagrain, trieb die Bautätigkeit am Dom 1751 – 52 energisch voran. Am 8. September 1754, am Tage Mariae Geburt, zelebrierte der Bischof die erste Heilige Messe.

Zweiter Bauabschnitt (1755 – 1774)

Der Bauherr des barocken Monumentalbaus war der Kaiser. Die Baupläne des Sakralbaus lieferte der Hofarchitekt Joseph Emanuel Fischer von Erlach. Die Holzarbeiten hatten die Tischlermeister Christian Kaltwasser, Georg Michael Deller und Heinrich Müller verrichtet. Die Schlosserarbeiten wurden dem Meister Georg Weiß anvertraut, und der Bildhauer Johannes Michael Humbach führte die Stuck- und Verzierarbeiten durch.

Der zweite Bauabschnitt begann 1755 und dauerte bis 1774, als die Bauarbeiten des Domes beendet wurden.

Die Bauleitung wurde von den Ingenieuren Carl Alexander Steinlein (geb. 1733 in Temeswar; gest. 1810 in Graz) und Johann Theodor Kostka Edler von Liebinsfeld (Kameralingenieur und Hydrauliker – geb. 1734; gest. 1807 in Temeswar) übernommen.

Der Bau und die Ausstattung des Doms kann Ende 1774 als abgeschlossen betrachtet werden, also 38 Jahre nach der Grundsteinlegung. Die Domkirche wurde am 24 April 1803 vom Bischof Köszeghy feierlich konsekriert.

Grundriss

Der Grundriss des Doms hat die Form eines Doppelkreuzes. Er ist 55 Meter lang, 22 Meter breit und hat innen die Höhe von 16,90 Metern. Die Türme sind aus Verteidigungsgründen der Festung nur 35,50 Meter hoch. Der Baustil ist Wiener Barock.

Türme

Eine besondere Aufmerksamkeit schenkten sie der Turmfassade und der Eingangshalle, die für die Domkirche charakteristisch sind. 1761 waren die Türme vollendet und provisorisch mit Schindel bedeckt.

Glocken

Es wurden vier von der Hofkammer besorgte Glocken aus dem provisorischen Glockenstuhl von 1754 und zwei neue größere, die Bischof Engel auf seine Kosten anfertigen ließ eingebaut. 1762 wurde die kleinere und 1763 auch die 150 kg schwere Bischofsglocke in den Turm gehoben, die als einzige die Zeiten überdauerte. Alle anderen Glocken fielen dem 1. Weltkrieg zum Opfer.

Turmuhr

1764 wurden die vom Temeswarer Uhrmacher Joseph Martin Kidt erbauten Turmuhren eingesetzt, die 1893 erneuert werden mussten. Aber schon 1763 konnte die Vollendung des Baus verzeichnet werden.

Innenausstattung

Der Innenraum wurde 1754 mit dem Hauptaltar und zwei Nebenaltären eingerichtet. 1766 fertigte der Temeswarer Tischlermeister Johann Georg Wittmann (geb. 1728; gest. 1776 in Temeswar) die Kanzel aus Eichen- und Lindenholz und später auch die Kirchenstühle an. 1768 ließ man die sechs Seitenaltäre errichten. Einige der Altarbilder dieser Altäre hatten Johann Nepomuk Schöpf (der auch die Altarbilder der Kirche von Fürstenfeldbruck bei München anfertigte) 1722 gemalt, und zwei sind wahrscheinlich die anfänglichen Nebenaltäre.

Hochaltar

Das Gemälde des Hochaltars mit dem Hl. Georg hatte 1754 der Wiener Michael Angelo Unterberger gemalt. Dieses stellt den Heiligen Georg in Brüstung auf einem Ross dar, während er einen Drachen bekämpft. 1920 wurde das Altarbild vom Temeswarer Maler Josef Ferenczy restauriert.

Seitenaltäre

1. Der Privilegaltar mit dem Altarbild „Die Kreuzigung“ und die Statuen der Heiligen Johannes und Magdalena.
2. Das Altarbild „ Das letzte Abendmahl“ mit den zwei Statuen, die die Hoffnung und die Religion darstellen.
3. Das Altarbild „Der Hl. Josef von seligen Tode“ mit zwei Statuen, die die Verkündigung darstellen und einem Bild der Seligen Jungfrau als Schutzpatronin mit dem Jesuskind.
4. Das Altarbild „Der Besuch Mariae bei Elisabeth“ mit den Statuen der Heiligen Zacharias und Elisabeth und einem Bild der Hl. Anna.
5. Das Altarbild „Hl. Johannes von Nepomuk“ mit den Statuen zweier Genien und einem Bild des „Leidenden Erlösers“.
6. Das Altarbild „Die Seligste Jungfrau Maria und die Heiligen Sebastian, Rosalia und Rochus“ mit den Statuen der Hl. Jungfrau und der Märtyrer und dem Bildnis des Hl. Antonius mit dem Jesuskind.

Ornamente

Johann Georg Wittmann und der Maler und Vergolder Franz Wagner (geb. 1741; gest. 1794 in Temeswar) fertigten in den Jahren 1770-74 die Altäre und die sechs Oratorienfenster an.

Die zwei Nebenaltäre im gotischen Stil sind viel später in der Amtszeit des Bischofs Alexander Csajághy vom Bildhauer Johannes Müller angefertigt worden. Sie sind zu Ehren der Hl. Jungfrau Maria, die Schutzpatronin des Königreichs Ungarn und dem Hl. Gerhard, dem ersten Bischof der Tschanader Diözese, geweiht.

Der Wiener Bildhauer Johann Josef Rößler schuf die zwei überlebensgroßen Standbilder des Hl. Karl Borromäus und der Hl. Theresia, die den Hochaltar säumen, wie auch weitere plastische Altarfiguren (Cherubim). Diese wurden vom Vergolder Anton Bössinger vergoldet.

Die silberne Lampe zum Hochaltar, die vergoldete große Monstranz, der Hirtenstab, mehrere Kelche u. a. wurden vom Wiener Goldschmied Josef Moser angefertigt worden.

Orgel

Anfangs wurden im Dom die Gottesdienste musikalisch durch Instrumentalmusik gestaltet. Sogar die Uraufführung der „Missa S.S. Trinitatis“ (8. September 1754) wurde von einem Chor und einem Orchester, ohne Orgel interpretiert, da der damalige teilweise fertiggestellte Dom nur über eine kleine Orgel mit einem Manual verfügte.

Die erste nennenswerte Orgel erbaute 1767 der Wiener Paul Hanke im Barockstil, sie kostete damals 300 fl. Diese Orgel war bis 1908 in Betrieb, als sie der Temeswarer Orgelbauer Carl Leopold Wegenstein für 30.000 Kronen mit einer neuen, komplexeren ersetzte.

Das neue Musikinstrument, das auch heute noch in Betrieb ist, verfügt über 3 Manuale, 48 Register und wird elektrisch betrieben. Die Akustik des Doms hat sich als ausgezeichnet bewährt. Demzufolge fanden hier unzählige Orgelkonzerte statt. 1936 wurde die Orgel von Richard Wegenstein, dem Sohn Leopolds, restauriert.

Domkrypta

Die Domkrypta ist in Form eines Kreuzes angelegt. Das erste Grab wurde bereits 1741 vor der Fertigstellung des Doms zum Tode des italienischen Kanonikers Carlo Tazolli direkt im Fußboden der Krypta errichtet.

Das jüngste Grab ist die Ruhestätte von Bischof Sebastian Kräuter (1922-2008), welches sich neben den Grabstätten von Bischof Augustin Pacha (1870-1954) und Erzbischof Adalbert Boros (1908-2003) befindet.

In der Domkrypta befinden sich die Grabstätten mehrerer Bischöfe der Diözese Csánad: Nikola Stanislavich, Franz Anton Engl zu Wagrain, Emerich Christovich, Alexander Csajaghy, Alexander Bonnaz, Alexander Dessewffy.

Ferner ruhen hier die Gebeine des Kanonikers, Historikers und Mitglieds der ungarischen Akademie der Wissenschaften Szentkláray Jenő sowie einiger hochrangigen Offiziere der Festung, wie Georg Rukawina zu Widowgrad, wie auch die Adligen Johann Freiherr von Festenberg (gest. 1808), Johann Freiherr von Hager (gest. 1822), Georg Freiherr von Rukovina (gest. 1849) und Karl Freiherr von Braun (gest. 1864).

Bischof Emericus Christovich wurde1798 ebenfalls hier bestattet, doch ist seine Grabstätte nicht mehr auszumachen. Zu Kriegszeiten und während der Belagerung der Festung war die Krypta ein Zufluchtsort für die Einwohner der Stadt, diente aber auch zur Unterbringung von Kulturgütern und Kunstwerken.

Anlässlich von Wallfahrten oder großen liturgischen Feierlichkeiten, aber auch an Allerheiligen und an Allerseelen (1. und 2. November) werden Gebete für die Toten in der Krypta gelesen.

Zweckentfremdung

Das Gotteshaus diente 1788-90 während des Krieges gegen die Türken als Militärdepot. Auch während der Belagerung Temeswars 1849 wurde die Kirche schwer beschädigt. Die Bürger der Stadt suchten damals Schutz in diesem Sakralbau. Als eine Bombe das Dach einriss, flüchteten die Bürger in die Krypta des Domes.

Denkmalschutz

1980-82 wurde der Dom unter der Leitung des Temeswarer Architekten Franz Braun restauriert, das Interieur restaurierten die Arader Brüder Milthalter.  Das Gotteshaus befindet sich zurzeit unter Denkmalschutz.


Bildnachweis:

* Elisabeth Packi: Dom

* Claudiu Calin: Hauptaltar, Seitenaltar

Zufälliges Bild

Fahne der Musikliebhaber - Temeswar

Benutzeranmeldung

Wer ist online

Zur Zeit sind 0 Benutzer und 0 Gäste online.

Visitors

  • Total Visitors: 1227068
  • Unique Visitors: 66944
  • Since: Sa, 11/28/2015 - 00:56

Display Pagerank