DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIÖZESE TEMESWAR

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– Historischer Überblick –  
   

1030 Die Pressburger Annalen (Bratislava/Pozson) verzeichnen 1030 die Bischofsweihe  des Heiligen Gerhard. Es ist der eigentliche Geburtsakt der Diözese Tschanad. Gründer der Diözese war der Heilige Stefan, der erste christliche König Ungarns, der den Heiligen Gerhard im Jahre 1030 zum Bischof der neu errichteten Diözese ernannte. Es ist bekannt, dass der aus Venedig-Murano stammende Gerhard Priester und Benediktinermönch war. Bevor er zum Bischof ernannt wurde, war er – dank seiner in den Klöstern und Klosterschulen des Benediktinerordens erworbenen Gelehrtheit – Erzieher des Heiligen Emmerich, des Sohnes und Nachfolgers Stefans.  
Die Vita Sancti Gerardi, eine für uns sehr wichtige Geschichtsquelle, stellt nicht nur die Bemühungen des Heiligen Gerhard um die Verbreitung des Christentums in der Diözese dar, sondern auch seine organisatorischen Maßnahmen. Es wird so das Tschanader Domkapitel ins Leben gerufen. Die ersten Domherren waren gleichzeitig Lehrer an der neu gegründeten Theologischen Schule, die erste dieser Art auf dem Gebiet des heutigen Rumänien. In Tschanad – in jener Zeit Bischofssitz und Sitz des Domkapitels – gab es außer der Theologischen Schule zwei Klöster die dem Heiligen Gerhard unterstellt waren.  
Der Heilige Gerhard gründete im Gebiet zwischen Marosch, Theiß, Donau und den Karpaten mehrere Pfarreien, errichtete Kirchen und taufte zahlreiche Heiden. Außer seiner pastoralen und organisatorischen Tätigkeit in der neuen Diözese, hat der Heilige Gerhard mehrere theologische Schriften verfasst, von denen eine einzige erhalten ist: Deliberatio Gerardi Morisenae Aecclesiae Episcopi Supra Hymnum Trium Puerorum ad Isingrimum Liberalem. Diese Schrift befindet sich heute in der Staatsbibliothek  
München (Signatur CLM 6211).  
1046 Das Leben des Heiligen Gerhard nimmt ein tragisches Ende, das die Lage des mittelalterlichen ungarischen Königreiches in seiner frühen Entwicklung widerspiegelt. So konnte es geschehen, dass 1046, in einer politisch bewegten Zeit, die Bischöfe des Landes sich in Buda versammelten um den neuen König zu empfangen. Am 24. September 1046 wird der Heilige Gerhard, nachdem er die Heilige Messe zusammen mit den anderen Bischöfen zelebriert hat und sich unterwegs befand , von Rebellen gefangen  
genommen und von einem Felsen in die Tiefe gestürzt. Dieser Fels trägt heute seinen Namen: Sankt Gerhardsberg (Gellérthegy).  
Der Leichnam des Heiligen Gerhard, der für seine Glaubensüberzeugung den Märtyrertod erlitt, wurde 1053 in den Tschanader Dom überführt und in einen einfachen, aus Stein gemeißelten und bis heute erhaltenen Sarkophag gelegt. Die Gebeine des Heiligen werden von seinen geistigen Erben als Reliquien verehrt. Im Jahre 1083 wird Gerhard heiliggesprochen.  
1241 Die Zeitumstände erwiesen sich als unbarmherzig für das Erbe des Heiligen Gerhard. Eine erste große Vernichtung der Diözese durch die Tataren wird 1241 verzeichnet. Die Bischofsstadt Tschanad fiel dem Feuer zum Opfer, unzählige Christen wurden getötet, das Kloster und die bischöfliche Bibliothek wurden niedergebrannt.  
Es ist ein Verdienst des Bischofs Blasius, der den Tschanader Bischofsstuhl 1243 bestieg, die Diözese wieder aufgebaut zu haben. Aus Ruinen, Hungersnot und Vernichtung gelang es ihm den Dom, die Kirchen, die Klöster und den Bischofssitz in Tschanad neu zu errichten. So konnten die päpstlichen Gesandten, die sich zwischen 1333-1337 auf dem Gebiet unserer Diözese aufhielten, neben dem sehr wichtigen und einflußreichen Domkapitel eine Zahl von 250 Pfarreien, die auf sieben Erzdechanate aufgeteilt waren,  
feststellen.  
1514 Das 16. Jahrhundert bringt erneut Vernichtung und Leid über die Christen und somit auch über die Tschanader Diözese. Während des von Georg Dozsa angeführten Bauernaufstands, ermorden Aufständische den damaligen Bischof Nikolaus von Csák.  
1526 Nur zwölf Jahre nach diesem unseligen Ereignis, am 29. August 1526, fallen der Bischof von Tschanad, Franz von Csáhol, zusammen mit dem König und den Magnaten des Landes auf dem Schlachtfeld von Mohács.  
1552 Die türkische Herrschaft im Banat, die Ende Juli 1552 durch die Eroberung Temeswars einsetzte, bewirkte die Vernichtung aller Einrichtungen der Diözese und vieler Kirchen. Die Gläubigen wurden getötet oder gerieten in Gefangenschaft. Nur wenige Kirchen haben die 164 Jahre osmanischer Herrschaft überdauert. Die Tschanader Bischöfe setzten während der türkischen Herrschaft ihre Tätigkeit in den Domkapiteln aus Nord-und Westungarn fort. Die einzigen im 17. Jahrhundert von den Türken auf dem  
Gebiet der Diözese geduldeten Kleriker waren die Franziskaner und Jesuiten, die sich in Zentren wie Szeged, Temeswar, Lipova (Lippa), Caransebes (Karansebesch) oder Carasova (Karaschowa) niedergelassen hatten.  
1716 Im 18. Jahrhundert verzeichnet man die Wiederbelebung der Tschanader Diözese.  
Die Befreiung der Stadt Temeswar 1716 und des gesamten Gebietes unserer Diözese aus  
der Gewalt der Türken durch die Truppen Prinz Eugens von Savoyen schuf die  
Voraussetzungen für den Wiederaufbau der Diözese. Szeged ist nun der neue Sitz des  
Tschanader Bischofs Ladislaus von Nádasd. Hier wird auch das Domkapitel wieder  
eingesetzt. Alte, untergegangene Pfarreien weden wiedererrichtet, neue werden  
gegründet. Die Jesuiten eröffnen in Temeswar eine Schule und beteiligen sich aktiv  
zusammen mit den Franziskanern an der geistigen Entwicklung der Stadt.  
1732 Bischof Adalbert von Falkenstein verlegt den Bischofssitz von Szeged nach  
Temeswar. Im Jahre 1740, siedelt auch das Domkapitel in die Stadt an der Bega um.  
1736 Am 5. August 1736 legt Bischof Adalbert von Falkenstein den Grundstein für den  
Bau eines neuen Doms in der Diözese Tschanad. Der Bau des Doms erfreut sich der  
hohen Schirmherrschaft des Kaisers Karl VI. und der Kaiserin Maria Theresia. Erbaut in  
einem wunderschönen Barockstil, bliebt die Kathedrale, die den Temeswarern auch unter  
den Namen „Die Domkirche“ bekannt ist, bis zur Gegenwart die erste Kirche unserer  
Diözese, des Römisch-Katholischen Bistums Temeswar.  
1739 Nach den ersten Kolonisationsaktionen, die vor allem mit katholischen Gläubigen  
deutscher Herkunft realisiert wurden, kommen auch die katholischen Bulgaren in das  
Banat. Als eine sehr interessante Erscheinung im Rahmen der multiethnischen banater  
Landschaft, verließen die katholischen Bulgaren ihre Heimat wegen den Verfolgungen  
denen sie ausgesetzt waren. Sie liessen sich in Ortschaften wie: Vinga (Winga), Kikinda  
Mica (Klein Kikinda bei Lovrin / Lowrin) und Dudestii Vechi (Altbeschenowa) nieder,  
wo sie starke Pfarrgemeinden bildeten. Mit ihnen kam auch der bulgarische Bischof und  
Franziskanepater Nicolaus Stanislavich. Er wird den vakanten Bischofsstuhl der  
Tschanader Diözese zwischen 1739-1750 als Diözesanbischof besetzen.  
1754 Bischof Franz Anton von Engl zu Wagrain zelebriert die erste Heilige Messe in der  
noch nicht fertig gebauten Domkirche. Bischof Engl wird auch den Grundstein einer  
neuen Kirche für den Wallfahrtsort Maria Radna im Jahre 1756 legen. Nur elf Jahre  
danach segnete er diese neue Wallfahrtskirche und überführte persönlich und auf  
feierlicher Weise die wundertätige Ikone der Gottesmutter in die neue Kirche.  
1807 Bischof Ladislaus Köszeghy eröffnet das erste neuzeitliche Theologische Seminar  
der Diözese Tschanad. Derselbe Bischof wird 1804 die nun fertig gebaute Domkirche,  
die Kathedrale der Tschanader Diözese, feierlich konsekrieren.  
1841 Der gelehrte Bischof Joseph Lonovics, der die Eröffnung einer Universität anstrebt,  
gründet 1841 die erste Temeswarer Hochschule: die Juristische Fakultät und die  
Philosophische Fakultät.  
1857 Von diesem Jahre an sind auch die Armen Schulschwestern (Notre Dame  
Schwestern) in Temeswar anwesend. Diese berühmten Schwestern werden drei große  
Generationen von katholischen und nicht nur katholischen Mädchen aus dem Banat und  
der ganzen Diözese erziehen.  
1919 Das Ende des Ersten Weltkriegs bringt eine Dreiteilung der Tschanader Diözese mit  
sich. Eine Zahl von 33 Pfarreien und die Stadt Szeged bleiben unter ungarischer  
Herrschaft. In Szeged residiert ab 1923 auch der Tschanader Bischof. Dieses Gebiet wird  
1982 in eine neue Diözese umgestaltet: die Diözese Szeged-Csanád. Ein zweiter Teil des  
Diözesangebietes, und zwar 64 Pfarreien mit dem Zentrum in Großbetschkerek  
(Zrenjanin), wird dem Serbisch-Kroatisch-Slowenischen Königreich einverleibt. Im Jahre  
1988 entsteht aus diesem Gebiet die Diözese Zrenjanin. Das größte Gebiet der  
ehemaligen Tschanader Diözese wird dem Rumänischen Königreich zugeteilt: 163  
Pfarreien mit dem Zentrum in Temeswar.  
1923 Das rumänische Gebiet der ehemaligen Tschanader Diözese wird am 17. Februar  
1923 in eine Apostolische Administratur mit dem Sitz in Temeswar umgestaltet. Der  
Domherr Augustin Pacha wird zum Apostolischen Administrator ernannt. Im selben  
Jahre verlässt der letzte Bischof von Tschanad, Dr. Julius Glattfelder, definitiv die Stadt  
Temeswar.  
1930 Am 5. Juni 1930 wird die Apostolische Administratur Temeswar zum Rang einer  
Diözese erhoben. Dr. h. c. Augustin Pacha, der bisherige Titularbischof von Lebedo, wird  
zum ersten Diözesanbischof von Temeswar ernannt.  
1948 Die Diözese Temeswar wird zum Rang eines Dekanats (Protopopiat) degradiert.  
Den religiösen Orden und den katholischen Vereinen wird jede Tätigkeit untersagt. Das  
Theologische Seminar, sowie alle katholischen Konfessionsschulen werden samt ihrer  
ganzen Ausstattung beschlagnahmt.  
1950 Diözesanbischof Dr. h. c. Augustin Pacha und 44 Priester werden verhaftet.  
Weihbischof Dr. Adalbert Boros, der in Bukarest am 12. Dezember 1948 durch den  
Apostolischen Nuntius Gerald O´Hara konsekriert wurde, leidet dreizehn Jahre in Haft.  
1954 Nach drei Jahren Haft und einem langen Leiden, stirbt in Temeswar am 4.  
November 1954 der Diözesanbischof Dr. h. c. Augustin Pacha im Alter von 84 Jahren.  
Seine Nachfolger: Joseph Pless, Iván Frigyér, Konrad Kernweisz und Ferdinand  
Hauptmann tragen den Titel Ordinarius substitutus. Nur Msgr. Sebastian Kräuter wird  
zwischen 1983-1990 den Titel eines Ordinarius Substitutus ad Nutum Sancti Sedis  
tragen.  
1990 Die Diözese Temeswar wird wiederbelebt und Monsignore Sebastian Kräuter wird  
zum neuen Diözesanbischof geweiht.  
1999 An die Spitze der Diözese Temeswar tritt Seine Exzellenz Diözesanbischof Martin  
Roos, der 90. Nachfolger des Heiligen Gerhard.  
   

Drd. Claudiu CALIN 
Archivar im Römisch-Katholischen Diözesanarchiv Temeswar  

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