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Das Reschitz der 1918-1934 Jahre, in der Erinnerung eines Stadtsohnes

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Reschitz


Mit Interesse habe ich die Erinnerungen des aus Reschitz stammenden Adalbert Przibram gelesen, Erinnerung die in uns längst vergessene Zeiten wieder aufwachen lassen.*

Obwohl er bereits in einem zarten Alter die Heimatstadt verließ, und im Laufe seines Lebens fast alle Winkel der Erde bereiste, konnte uns Adalbert Przibram dennoch eine sehr nützliche Beschreibung des alten Reschitz und seiner Bewohner hinterlassen, die uns alle interessieren sollte.
Aus diesem Grund werden wir uns mit den ersten Seiten seiner Erinnerungen beschäftigen, gerade weil sie uns das Leben im Reschitz der Zeitspanne 1918-1934 darstellen, eine Zeit die sich immer stärker der Heutigen entfernt.

Geboren am 19. Mai 1922, wohnte Adalbert Przibram ab 1934 in  Temeschburg. 1940 absolvierte er das “Constantin Diaconovici Loga” Gymnasium, und studierte Chemie. Er arbeitete nach Abschluss in seinem Studium ab 1945 als Chemie-Ingenieur am Polytechnischen Institut “Gheorghe Asachi” aus Iaşi. Im selben Jahr hat er auch die Britische Bibliothek aus Temeschburg gegründet, die unter der Ägide der Britischen Gesandtschaft aus Bukarest agierte. Er führte diese Bibliothek bis 1949, als sie durch das kommunistische Regime geschlossen wurde. 1950 wurde er selber auch inhaftiert, und verbrachte einige Jahre in den kommunistischen Lagern und Gefängnissen. 1969 wanderte Adalbert Przibram nach Deutschland aus, und hatte ab nun die Möglichkeit, viele Länder auf allen Kontinenten zu bereisen. Seine Impressionen sind in den Hunderten Blättern seines Buches festgehalten. Im Gedanken und mit dem Herzen, blieb er aber seinem Reschitz und Banat treu. (S. 5)

Adalberts Vater war der Leiter der Instandhaltung Abteilung der örtlichen Eisenbahnstrecken. Er starb aber verfrüht, als sein kleiner Sohn gerade mal zwei Jahre jung war. Von der Mutter bekam er eine sorgfältige Erziehung. Wenn Przibram über das Banat seiner Zeiten schreibt, hat er nur lobende Worte dafür: „Das Banat, die Provinz in der ich geboren wurde, zeichnete sich durch seine Toleranz gegenüber all den Mitbürgern aus. Die Region war im Laufe der Zeit von verschiedenen Völkern besetzt, die auch ihre Spuren hinterlassen haben. Es lebten die Daken hier, die Römer, Türken, Österreicher, Ungarn, Serben, ab 1919 wurde das Banat Rumänien zugesprochen. Während meiner Kindheit lebten hier Rumänen, Deutsche, Ungarn, Serben, Juden, Tschechen, Bulgaren, Kroaten und Slowaken. Sicherlich dürfen aus dieser Aufzählung auch die arme Zigeuner, heute Sinti und Roma, nicht fehlen. Diese waren die Einzigen, die einigermaßen abgeschirmt in einem Ghetto außerhalb der Stadt (das heutige Stadtviertel „Länd“) wohnten. Aber nicht einmal ihre gesellschaftliche Integration bereitete Probleme. Da sie als Arbeiter in den Fabriken tätig waren, wurden sie als gleichberechtigte Partner akzeptiert.“ (S. 13)

Bis zum Alter von 4 Jahre lebte Przibram mit seiner Mutter im „Eisenbahnen-Palast“ auf der heutigen „Independentei“ Straße. Danach sind sie in einem Apartment in die Altstadt umgezogen, in einem Haus direkt neben der orthodoxen Kirche, da wo heute die orthodoxe Kathedrale steht. Dort hat er sich auch Freunde unter den rumänischen Kindern gemacht. (S. 13)
Sein erster Lehrer war Vasile Lugojan. Der Direktor des Gymnasiums dass er ab 1932 besuchte war ausgerechnet sein Taufpate, Gheorghe Molin. Zwei Jahre später ist er dann nach Temeschburg umgezogen. Dadurch hat er auch seinen  Freundeskreis erweitert, einige davon wird er später in Deutschland wieder entdecken.

Zu seiner Zeit in Reschitz schreibt Adalbert Przibram: „ich erinnere mich an die Stadt, an den schönen Sommerabenden, im Garten im lauen Wind sitzend, an den „Allerheiligen“ am 1. November, wenn auf dem gegenüberliegenden Berg Tausende Kerzen im Friedhof brannten. Reschitz hatte auch eine Eishalle, wo ich jeden Abend zum Eislauf ging. Im Februar, während der Faschingszeit, mochte ich es den Maskierten, die über die Straße spazierten, zusehen. Ich war jedes Mal glücklich wenn einer von ihnen mir die Hand ausstreckte.“ (S. 14-15)

Hinter ihrem Haus, vom Ufer der Bersau, fuhr im Sommer jeden Tag um 16 Uhr eine kleiner Zug los. Er brachte die Arbeiter, die eine Stunde zuvor die Frühschicht beendeten, zu einem der beiden Freibäder in der „Länd“: der UDR-Strand (neben der „Grebla“-Zentrale) und der Arbeiterstrand (aktuell als „Alter Strand“ bekannt). Der UDR-Strand hatte ein Schwimmbad, der Arbeiterstrand dagegen wurde direkt an der Bersau angelegt, wo man dazu an einer breiteren Stelle den Fluss anstaute. In der Mitte des Sees thronte eine kleine Insel. Der Zug, der beide Freibäder ansteuerte, fuhr abends um 20 Uhr wieder zurück in die Stadt. (S. 15)

„Die gesamte Stadt lebte de fakto von der der Fabrik. Zehntausende Arbeiter aus Reschitz und aus der Umgebung arbeiteten dort, viele pendelten täglich mit der Bahn nach Reschitz. Aus jüngster Kindheit erinnere ich mich bereits an die 1. Mai Feierlichkeiten, an denen die Arbeiterkolonen mit Fahnen, vorbei zogen. Die mit roten Papier geschmückten Fahrräder beeindruckten uns Kinder besonders“. (S. 15)

Es ist die Zeit, in der der junge Adalbert die malerischen Plätze rund um die Stadt zu erkunden begann. Er machte Ausflüge zur Prolas, dort wo man den Duft des blühenden Flieders bis in die Weite verspürte, zur Komarnik Grotte, mit ihren imposanten, damals noch gut erhaltenen Stalaktiten und Stalagmiten, zu den Franzdorfer Stausee, nach Doman oder Sekul. Im Frühling blinkten Tausende Leuchtkäfer auf den Bergen der Stadt. (S. 15)

Viele Einwohner beschäftigten sich damals mit dem Fischfang und Jagen, gerne auch mit dem Einsammeln der Frösche. Man jagte Hasen und Rehe, fang Fische und Krebse.
„Man fand alles in Reschitz’ unmittelbarer Nähe. Das gesamte Banat trumpfte übrigens mit diesem Naturschatz. Vom Berg bis zum Fluss, selbst erzeugte Nahrungsmittel, Bodenschätze, Wild und Fisch, alles gab es hier. Das Banat war eine sehr reiche Region, die aus eigenen Ressourcen leben konnte.“ (S. 16)

Zusätzlich bestach die Region, Reschitz insbesondere, durch ihre Multikulturalität. Die Leute sprachen aus jüngster Kindheit (wie auch Przibram, zum Beispiel) deutsch, rumänisch und ungarisch. (S. 16)
Es wurden diverse Publikationen herausgegeben, unter anderem eine monatliche Theaterzeitschrift, mit einer Rubrik für Jugendliche, „Was Kinder erzählen“, in der auch eine Erzählung des Adalbert Przibram erschienen ist.

Als 1918 die serbische Armee Reschitz besetzte, hauste deren Kommandeur, General Carlo Silvi, im „Eisenbahnen-Palast“, Gelegenheit bei derer er sich mit Familie Przibram befreundete. Später traten auch französische Truppen in die Stadt. In der Beschreibung der „Propeller“ Grabstätte macht der Autor einen unbeabsichtigten Fehler, in dem er das Grab als letzte Ruhestätte zweier, in Reschitz gefallener, französischer Flugzeugpiloten beschreibt. (S. 18) In Wirklichkeit handelt es sich dabei um deutsche, im Ersten Weltkrieg gefallene Piloten, wie wir bereits an anderer Stelle geschrieben haben.
Beim Einmarschieren der rumänischen Truppen in Reschitz, unter Leitung des jungen Offiziers Burileanu, wurde dieser ebenfalls bei den Przibrams im „Eisenbahnen-Palast“ einquartiert. (S. 20)

Der Schriftsteller erinnert sich auch an den Winter- und Osterferien in Orawitz, bei Familie der Familie eines Chef-Ingenieurs, Mészáros, ein Freund des Vaters. (S. 21)
Er beschreibt auch den Delikatessen- und Kolonialwaren Laden “Deutsch” aus Reschitz, von dem er Ananas und Bananen einkaufte.
Der Palast Scheuchenstein wird ebenfalls erwähnt. Zu seiner Zeit war die Immobilie von Frau Scheuchenstein und ihre Söhne bewohnt. Diese waren begeisterte Jäger, hatten das ganze Haus mit Trophäen geschmückt. Frau Scheuchenstein war eine wahre Spezialistin in der Zubereitung von Hasen, Rehe und Hirsche.
Nahe gelegen war auch der  “Göböliös” Laden, mit Kinderspielzeuge. Von dort kaufte Przibram sein erstes Fahrrad, ein grünes Rad mit dem er durch die ganze Stadt spazierte. (S. 22)

Im Sommer des Jahres 1934 verließen die Przibram’s endgültig Reschitz, damit Adalbert in Temeschburg seine Ausbildung fortsetzen konnte. Und dennoch blieb die Heimatstadt lebendig in seiner Erinnerung. Dank dieser Kindheitserinnerungen haben auch wir einen Eindruck zum Alltagsleben dieser vergangenen Zeiten. Es waren Jahre des Wohlstands und Entwicklung, in denen man der Name der Stadt und seiner Werke überall kannte. Bücher wie das oben beschriebene helfen uns dabei, die Menschen der damaligen Zeiten besser kennen zu lernen und verstehen.



* Adalbert Przibram, Die Britische Bibliothek aus Temeschbung und mein Leben, Hestia-Verlag, 2003, 436 Seiten

Verfasser des Artikels: Rusnac, Mircea

Übersetzung: Robert Babiak

 



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