BESONDERHEITEN DER TEMESWARER UMGANGSSPRACHE

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Hans Gehl 

 

BESONDERHEITEN DER TEMESWARER UMGANGSSPRACHE

 

Wer ist Temeswarer? fragt Hans Mokka in seinem 1992 erschienenen Band „Erlebtes Temeswar. Alttemeswarer Mosaik“ und antwortet darauf in seiner jovialen Art:

 

"Schauns her, da will die Stadt aan Denkmal aufstelln ... Da missat aana stehn, der mit Temeswar etwas zu tun hat ghabt, der da aufgwachsn ist und kaan Begawassa in die Adasn hat. Sehngs so wie ich, der da geborn ist wordn, der durch die Stadt sein Pingl Zeitunga schleppt und viel gsehgn und ghert hat, lachn und waana, der aach waaß, was das haaßt, aan Temeswara zu sein. Wissns ibahaupt, wer aan Temeswara ist? ... Sehgns, so vasteh ich, was aan Temeswara ist: aan bißl Zigeinamusik, aan bißl Budapest, aan bißl Wien und aan bißl vun der ganzn Welt! Mich mißt die Stadt prepariern lassn mit chemischn Mittln und da aufstelln, dann hätt sie aan echtn Temeswara, der mehr wert ist als alle tirkische Paschas und Prinz Eign zsammen. Als Monument geh ich doch schon lang durch die Stadt!"

 

Im Gedicht Die Rosengasse. In memoriam erinnert sich Mokka an seine in Temeswar verbrachte Kindheit: "Der Artesibrunnen steht,/ auch das Haus und unser Tor/ mit dem Ahornbaum davor -/ nur die Menschen hat die Zeit verweht." Ähnlich verlegt Lujo Plein sein Gespräch in der alten Stadtsprache in die Rosengasse von Esseg/Osijek, mit dem Temeswar manche historisch bedingte Gemeinsamkeiten besitzt:

 

Zwei Freunde begegnen sich nach langer Zeit in der 'Rousngosn'.

- Seabus Feaºi ... hat vu pist sou long kvesn?

- Ta vast Bogati ... in Ha're¼t [Arrest] voa ih.

- Ha varum hom's tih ainkastlt [eingesperrt]?

- Ta val ih am Fo¼ing pam "Taljan" im Viacaus [Wirtshaus] krauft hap.

- Ha mit vem ten?

- Ta mid'anaran "Benzinkuºar" [Chauffeur], val ih sainara "¬ari" [Frau] hop drolja [serbokr. ‘Dirne’]

k'sogt ... 

 

Pleins fünf Hefte (mit insgesamt 130 Seiten) entstanden in der Zeitspanne 1929-1938, als das Essegerische zwar noch als städtische Verkehrssprache bestand, aber vom Kroatischen als Amts- und Unterrichtssprache immer mehr verdrängt wurde. Die Texte waren mehr zur Unterhaltung als zur Dokumentation einer Sprachform gedacht. Darin und im Festhalten einer abklingenden Sprechweise gleichen sich die Publikationen von Mokka und Plein.

 

 

Die Entstehung einer deutschen Stadtsprachen in Temeswar war an bestimmte historische und kulturhistorische Voraussetzungen geknüpft. Bekanntlich wurde Temeswar erstmals 1212 in einer Schenkungsurkunde des Königs Andreas II. als "Castrum Temesiensis" erwähnt. Im Mittelalter spielte es eine bedeutende Rolle in Ungarn, dessen Könige zeitweise hier residierten (Karl Robert von Anjou von 1316-1323, und Mathias Corvinus von 1458-1490). Nach der Niederlage von 1552 wurde Temeswar türkische Festung. Die Türkenherrschaft dauerte im Banat 164 Jahre. Am 17.10.1717 wird Temeswar von den Österreichern und ihren Verbündeten unter dem Prinzen Eugen von Savoyen erobert und 1718, nach dem Frieden von Passarowitz, zur Hauptstadt der neuen österreichischen Provinz Temeswarer Banat.

 

Der Gouverneur, Graf Claudius Florimund Mercy, ergriff Maßnahmen zum wirtschaftlichen Aufbau der Provinz, begann 1728 mit dem Bau des Bega-Kanals zur Entwässerung der Sümpfe und Moräste und zum Holztransport für die Industrie. Aus vorwiegend merkantilistischen Erwägungen wurde die eroberte Provinz im Laufe des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts mit etwa 60 000- vorwiegend deutschen - Handwerkern und Bauern, Forst- und Hüttenarbeitern besiedelt. Die Banater deutschen Kolonisten kamen hauptsächlich aus linksrheinischen gebieten, und zwar aus der Rheinpfalz, aus Hessen, Trier, Lothringen, aber auch aus dem Elsaß, aus Franken, Baden, Württemberg, Österreich und aus anderen Wohngebieten. Die starke Mundartmischung bei den Dorfgründungen ergab verschiedene Mischmundarten. Durch eine spätere Vereinheitlichung hat sich das Rheinfränkische mit seinem Pfälzer Dialekt in den ländlichen Siedlungen zum großen Teil durchgesetzt. Dagegen spricht man in den Banater Städten, vor allem in Temeswar, bairisch-österreichisch. Die Temeswarer Stadtmundart gleicht stark dem Alt-Wienerischen, galt doch die Begastadt lange Zeit als Klein-Wien. Temeswar wird zur Festung mit geraden Straßen ausgebaut. Dieser Stadtkern ist bis heute als „Innere Stadt“, rum. als cetate ‘Festung’ bekannt. Hier ließen sich gleich nach der Eroberung aus Österreich und Bayern stammende Beamte, Offiziere, Gewerbetreibende, Kaufleute, Geistliche und Adelige nieder. Dazu kamen kamen später die Vorstädte: Fabrikstadt, Josefstadt und Elisabethstadt (Meierhöfe), in denen ein anderes Deutsch als in der Inneren Stadt gesprochen wurde. Zu den deutschen Ansiedlern in den Vorstädten gesellen sich sogar deutsche Zigeuner, die in der Festung Musik machten. Entlang der Bega ließen sich vor allem „Raizen“ (orthodoxe Rumänen und Serben) als Gerber nieder, und in der Ungarngasse wohnten Ungarn. Dem im Jahre 1718 in Temeswar errichteten deutschen Magistrat stand als erster Bürgermeister Tobias Balthasar Hold vor. Daneben gab es auch den „raizischen“ Magistrat. Bereits 1717 weist das "Bürgerbuch" der Stadt 34 deutsche Namen auf. In den folgenden Jahrzehnten vergrößern immer noch Ansiedler aus Österreich die Einwohnerzahl von Temeswar. Ähnlich sind auch viele Bewohner anderer Banater Städte wie Arad, Lugosch/Lugoj, Detta/Deta, Weißkirchen/Bela Crkva, Werschetz/Vr¼ac, bayerisch-österreichischer Herkunft. Als der Nachzug der Wiener Beamten ins Banat aufhört, vermehrt sich die deutschsprachige Bevölkerung in den Städten durch junge Leute aus den umliegenden schwäbischen Dörfern, die sich von der Stadt angezogen fühlen und zur Veränderung des Alt-Wiener Dialekts, vor allem in den Vorstädten, beitragen. Trotzdem hält sich das Temeswarer Stadtdeutsch von 1716 bis 1867, als Ungarn durch den „Ausgleich“ mit Österreich die Oberhoheit über im Banat und in Siebenbürgen erhielt. Es ist bemerkenswert, daß der lange Zeit amtierende Temeswarer Bürgermeister Johann Nepomuk Preyer (1805-1888) seine Gedichte und einige Dramen in deutscher Sprache schreibt und drucken läßt. Allerdings verdrängt die ungarische Sprache ab 1867 das Deutsche als Stadtsprache und ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Sprache des Theaters, der öffentlichen Verwaltung und Publizistik. Ungarisch wird zunehmend Unterrichtssprache, bis es nach 1918 von der rumänischen Sprache verdrängt wird. Unter den etwa 800 000 Deutschen im Königreich Rumänien lebten (neben den Siebenbürger Sachsen) etwa 300 000 im Banat mit den Hauptorten Arad und Temeswar sowie 50 000 Schwaben im Gebiet Sathmar. Durch kriegs-und deportationsbedingte Verluste sowie durch die Aussiedlung nach Deutschland (besonders nach 1989), nahm ihre Zahl stetig ab. Nach den offiziellen rumänischen Volkszählungen lebten 1977 und 1992 in Rumänien:

 


Deutsche

Stadtbevölkerung

 Landbevölkerung

insgesamt

 

 

 

 

1977

181 599

 177 510

 359 109

1992

80 987

 39 349

120 336

 

 

 

 


 

Die Bevölkerungs- und Nationalitätenentwicklung in Temeswar 1854-1992 verlief wie folgt:

 


Jahr

Gesamtbe­völkerung

Deutsche

 

Rumänen

 

Serben

 

Ungarn

 

 

100%

absolut

 in %

absolut

in %

absolut

in %

absolut

in %

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1854

20 560

8 775

42,7

 3 807

18,5

1 770

8,6

 2 346

 11,4

1880

33 694

19 071

56,6

 3 403

10,1

1 792

5,2

 7 780

 23,1

1910

72 555

31 644

43,9

7 566

9,7

3 482

4,7

 28 552

 40,5

1930

91 580

27 652

30,2

 24 217

 26,4

2 156

2,4

27 807

30,4

1948

111 912

16 126

14,4

58 457

52,2

 -

 -

 30 684

27,4

1956

142 257

24 326

17,1

75 855

53,3

3 065

2,2

29 928

21,0

1966

182 098

26 311

14,4

113 696

62,4

4 397

2,4

32 567

17,9

1977

269 353

28 429

10,6

191 742

71,

6 776

2,5

36 724

13,6

1992

334 115

13 206

4,0

274 511

82,2

7 748

2,3

31 785

9,5


 

Anmerkung.: Von 1854 bis 1910 wurde die muttersprachliche Zugehörigkeit, ab 1910 die nationale Zugehörigkeit erfaßt. Erst 1977 erscheinen 1 109 Zigeuner, 0,4% und 1992 2668 Zigeuner, 0,8% der Gesamteinwohnerzahl.

Wenn auch die Zahl der deutschen Bewohner von Temeswar 1992 noch absolut höher war als vor 140 Jahren, so war der relative Anteil zur Gesamtbevölkerung doch von 42,7 auf 4% gesunken, so daß die Lebensfähigkeit der deutschen Minderheit bereits in Frage gestellt ist.

 

 

 

Im ausgehenden 17. und zum Beginn des 18. Jahrhunderts siedelten die deutschen Einwanderer vor allem in den ungarischen Städten. Rund 50 königliche Freistädte unterstanden unmittelbar der königlichen Hofkammer, mußten eigene Steuern und einen Beitrag zur Landesverteidigung leisten. Um 1800 lebte die städtische Bevölkerung noch vielfach von der Landwirtschaft, nur ein Viertel waren echte Bürger, d. h. Handwerker, Kaufleute und bürgerliche „Honoratioren“, also Ärzte, Professoren, Schriftsteller, Journalisten und Geistliche. Trotzdem blühte im 19. Jh. unter den größtenteils deutschen Bürgern das Gewerbe und der Handel wieder auf, es entstanden Manufakturen und Druckereien, Zeitungen erschienen, Theater und höhere Schulen wurden eröffnet, viele Prachtbauten im Barock- und Rokokostil errichtet. Zur allgemeinen Orientierung wird anschließend die Einwohnerzahl der größeren ungarischen Städte mit deutscher Bürgerschaft im Jahrhundert nach der neuzeitlichen Ansiedlung dargestellt, wobei hinter den Prozentsatz der deutschen Einwohner auch der Prozentsatz der magyarisierten, ehemaligen Deutschen gestellt wird.

 

Stadt                                       1785           1828           1840           davon         Deutsche

 

Ofen/Buda                               23919         30001         40400                   72%  +    7%

Pest                                         20704         56577         86800                   29%  +    34%

Raab/Gyñr                               13421         13472         18000                   4%    +    32%

Fünfkirchen/Pécs                     8853           11322         13000                   31%  +    ?%

Sombor                                   13236         17534         19336                   22%  +    9%

Neusatz/NoviSad                     11054         20231         17332                   12%  +    24%

Arad                                                           13824         20132                   24%  +    24%

Temeswar/Timi½oara              9479           11942         15692                   26%  +    22%

Werschetz/Vr¼ac                                       15788         16221                   ?%    +    13%

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielte das deutschungarische Bürgertum - nach Senz - die führende Rolle im Lande und bestimmte das Gepräge der ungarischen Städte eindeutig. Die besondere geographische Lage von Temeswar bedingte eine von der ungarischen Metropole abweichende Entwicklung. Als Hauptort des Banats im Grenzbereich der türkischen Einflußzone erhielt Temeswar eine der stärksten Festungsanlagen der Monarchie und somit eine umfassende Garnison. Gleichzeitig war das Banat bis 1779 kaiserliches Kronland und somit unabhängig vom ungarischen Komitat. Auch wenn die Komitatsbehörde 1779 in die Stadt zog, behielt die Bürgerschaft des jetzt zur königlichen Freistadt erhobenen „Klein-Wien“ ihren ausgeprägt liberalen Geist bei, der die Stadtentwicklung aktiv mitgestaltete. Da Temeswar kein Bischofssitz war, gelangte die Kirche nie zu einem bestimmenden Einfluß. Das selbstbewußte Temeswarer Bürgertum, das ständigen Zuzug von Militärs und Beamten aus der gesamten Monarchie erhielt, leitete eine liberale Entwicklung in der Stadt ein und setzte im Theater- und Pressewesen beachtliche Akzente. Dadurch neigte sich das Bürgertum im 19. Jh. immer mehr dem Magyarentum zu. Allerdings begann ein Teil der Bürgerschaft nach 1848, sich wieder auf ihr Deutschtum zu besinnen.

 

 

 

Temeswar wurde im 18. Jh. das Kulturzentrum des neuen österreichischen Kronlandes Temeswarer Banat. Die hier versammelten Beamten, Militärs, Journalisten, Geistlichen und Adeligen wollten die kulturellen Einrichtungen wie in anderen Provinzstädten der österreichischen Monarchie nicht missen und machten bald Temeswar zu einem „Klein-Wien“. Bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren Wandertruppen nach Temeswar verpflichtet worden, doch ab 1776 hatte eine ständige Bühne im Magistratshaus ihre Heimstätte. In den folgenden Jahrzehnten hat das Temeswarer Theater vor seinem Publikum Werke einheimischer Autoren sowie Werke der deutschen Klassiker und anderer Schriftsteller aufgeführt. Auch in anderen Banater Städten fanden Theateraufführungen statt. Matthäus Joseph Heimerl erhielt 1769 das Druckerprivilegium. Er druckte Formulare und Bekanntmachungen, aber auch Bücher und Zeitungen. Die von ihm 1771 (bis um 1777) erschienene Wochenschrift „Temeswarer Nachrichten“ war die erste Zeitung in Südosteuropa. Kurze Zeit erschienen andere deutschen Publikationen, so die „Temeswarer Zeitung“ (1784), das „Temeswarer Wochenblatt“ (1805) und die „Tagesberichte“. Die ab 1828 herausgegebene „Banater Zeitschrift für Landwirtschaft, Handel, Künste und Gewerbe“ hatte eine längere Erscheinungsdauer. Der erste Schriftsteller der Banater Deutschen war der (zwischen 1751 und 1755) in Temeswar geborene Johann Friedel, der Romane, Theaterstücke und satirisch-kritische Briefe schrieb. Johann Nepomuk Preyer (1805-1888) wirkte im politischen und kulturellen Leben von Temeswar als Bürgermeister (1844-1858), Publizist, Dichter und Geschichtsforscher. Nikolaus Lenau, einer der bedeutendsten österreichischen Lyriker, wurde 1802 im Banater Csatád/Lenauheim geboren. Im Bereich der bildenden Kunst führten die Österreicher den Barock ein. Diese Stilrichtung äußert sich in der barocken Baukonzeption der schwäbischen Dorfsiedlungen, die eine regelmäßige Häuseranlage mit barockem Kirchtum in der Mitte und die Bauernarchitektur des 19. Jahrhunderts mit verziertem Rundgiebel aufwiesen. Selbst die prunkvolle schwäbische Frauentracht ist vom Barock beeinflußt. Das neuaufgebaute Temeswar erhielt Bürgerhäuser, Paläste und Verwaltungsgebäude nach Wiener Vorbild. Dazu kommt die Temeswarer Festung nach Plänen Prinz Eugens von Savoyen, die 1736-1765 errichtete barocke Bischofskirche, die auf den Wiener Hofarchitekten Josef Fischer von Erlach zurückgeht, die Dreifaltigkeitssäule u.a. Im Jahre 1778 gab es im Banat 60 und 1801 bereits 81 deutsche Schulen mit 115 Lehrern. In Temeswar eröffneten die Jesuiten 1725 eine zweiklassige, dann auf vier Klassen erweiterte Lateinschule. Neben Normalschulen gab es 1774 eine Schule für Kameralingenieure, und 1846 wurde hier eine juridische und philosophische Fakultät eröffnet.

 

Bis nach dem österreichich-ungarischen Ausgleich von 1867 waren in Temeswar zwei Formen der deutschen Sprache lebendig: erstens die zwischen der Standardsprache und der Wiener Mundart stehende Umgangssprache der Beamten und Militärs und zweitens eine südbairisch-österreichische Mundart, die von Handwerkern, Händlern, Tagelöhnern, Manufaktur- und Fabriksarbeitern gesprochen wurde. Für beide Sprachformen liegen keine schriftlichen Belege vor. Nach 1867 verlor das Deutsche seine Stellung als Schul- und Amtssprache, und der Einfluß Wiens auf das öffentliche Leben nahm zugunsten des Ungarischen ab, das seinerseits nach 1918 vom Rumänischen abgelöst wurde.

 

Auf Temeswar vor dem Ersten Weltkrieg und auf seine wienerische Stadtsprache bezieht sich Ferdinand Kuklay in einem 1979 aufgezeichneten Beitrag der Reihe „Dem Alter die Ehr“ von Walther Konschitzky. Der Temeswarer Kuklay spricht in seiner alten Stadtsprache:

 

Ich bin geboren, bitte schön, in 1887, im Februar. Ich bin ein Semikloscher - Großsanktnikolaus. Dort geborn und dort meine Lehrzeit gemacht, nämlich als Uhrmacher und Goldarbeiter, Goldschmied. Und nach meine dreijährige lehrzeit bin ich nach Temeswar gekommen, hab gearbeitet als Geselle bein alten Osser. Abe nicht lange, vielleicht e halbs Jahr nur. Dort war auch ein deitsche Arbeite, der hat gsagt: „See, junge Mann, Ferdinand, See habn da nix zu tun, da kennen’S nit weitekommen, gehn’S in die Gewerbeschule.“ Und meine Mutter hat eingewilligt, und so bin ich in die Gewerbeschule nach Dresden. ... Vun Dresden bin ich dann nach Wien, mi’n Zug. Na und ich bin mit a Einspänner vun Westbahnhof zun Stadtbahnhof gfahrn und bin unverhofft mit ein Kollegn zusammgekommen, mit den ich Lehrbursch war in Semiklosch. Und der hat gsagt: „Nein, du fahrst nicht nach Haus, du bleibst hier!“ Und ich hab mich iberredn lassn, und so bin ich pickn gebliebn. Und hab dann zwei Jahr in Wien gearbeitet. Und meine Mutter mußte kommen nach Wien mich abholn, so gut hat mir Wien gfalln! Erstens die Leite, die Freindlichkeit und die rasche Bekanntschaft in Wien. Weil in Deitschland is es schwer, Bekanntschaft zu machn: Wenn sie ein Fremder sind, die nehmen Ihnen nicht gleich auf, das dauert a Zeit lang, bis sie Ihne durch un durch kennen. Ja, des is wahr, die Deitschn sind so. Abe die Wiene nit ... Und in Wien warn zu meine Zeit sehr viele Schwobn vun da vun Banat, die habn meistns Gärtnerei gmacht, und die warn meistns vun da vun Triebswette (Tomnatic) und von Lowrin (Lovrin), von dieser Gegend da. ... Na und ich bin dann nach Haus, na und bald is de Krieg ausgebrochn, und ich war gleich mobilisiert und in ein Marschbataillon. Vor Belgrad war me dortn an de Donau vor de Teiflsinsel, war me in Dorf in Kukuruz glegn. ... Nachn Krieg hab ich dann a kurze Zeit bei mein Stiefvate in Temeswar gearbeitet, abe dann hab ich mich selbständig gemacht, in de Prinz-Eigen-Gassn da. Damals warn viele Juweliere in Temeswar, abe Werkstattn, Goldschmiedewerkstattn, warn me am Aqnfang nur zwei, späte sein dann schun mehr gekommen. Mir hat Temeswar gut gefallen, schon damals, wie ich als Geselle hergekommen bin. Na und da bin ich dann auch geblieben, bis heite. Temeswar! Ja, das war damals eine alte, schöne, gemütliche Stadt! Was soll me sagn: Die Bega is damals noch in de fabrik durch den Platz am „Tirkischn Kaise“ durchgflossn, und war die Holzbrickn dort - sehr romantisch. Die Pferdebahn kann ich mich nit mehr erinnern, ich bin ja erst 1906 nach Temeswar gekommen, abe die Tore, die Festung, is alles noch gstandn! Ich hab Wien kenneglernt, und ich hab imme gsagt späte: Temeswar, das is das zweite Wien. Aso ähnlich wie in Wien warn da die Gebäide, und auch wie me da gsprochn hat, hat einen an Wien erinnert. Ja, und ich war auch dabei, wie die Festungsmauern abgetragn sein wordn. ... Ja, das hab ich alles noch gsehn, wie ich nach Temeswar gekommen bin - das war meine Zeit.

 

 

 

Die wienerische Mundart Alt-Temeswars wurde bis in unsere Zeit nur noch von wenigen alten Leuten in den älteren Stadtteilen konsequent gesprochen, obwohl in Temeswar noch in den Jahren 1874-1899 die humoristische Zeitschrift „Die Posaune“ mit Geschichten in wienerischer Mundart erschienen ist. Dieses Wienerische herrschte ursprünglich als Umgangssprache auch in Lugosch, Detta, Werschetz, Weißkirchen, Orschowa u.a. größeren Orten. Dagegen sprach man im Süden des Banats, in den Städten Reschitz, Orawitz, Anina, Steierdorf und Franzdorf steirisch. Parallel mit der Bereicherung des Wortschatzes durch Bezeichnungen für neue Begriffe, die nicht dem bäuerlichen Wirkungskreis angehörten, wurde der Gebrauch von Wiener Mundartwörtern und Wörtern aus dem Sonderwortschatz eingedämmt und in den passiven Wortschatz verlagert. Es bahnten sich Kontakte zwischen Stadt und Land an, und die schwäbischen Bäuerinnen brachten ihre Erzeugnisse in die Stadt Im Laufe der Zeit strahlten Besonderheiten der Wiener Stadtmundart von Temeswar auf die umliegenden Dorfmundarten aus und umgekehrt gab die Stadtmundart in ihrer 150jährigen Existenz manche Wiener Besonderheit auf. So bildete sich ein Temeswarer Deutsch heraus, das auch für die Schwaben leichter verständlich war.

 

In der Annahme einer vertikalen sprachlichen Gliederung in Temeswar unterscheidet Johann Wolf: 1. Die Stadtmundart bairisch-österreichischer Prägung, 2. Die bairisch-österreichisch gefärbte städtische Verkehrssprache, die verschiedene Erscheinungsformen von der mundart­nahen bis zur gehobenen Umgangssprache annimmt. 3. Die Temeswarer Vorstadtsprache, ein Slang mit vorwiegend lexikalischen Eigentümlichkeiten. Die eigentliche Stadtmundart wird meist von jenen Stadtbewohnern gesprochen, die keine höhere Schulbildung haben Nachdem die auffallendsten Merkmale bereits abgeschliffen wurden, handelt es sich eher um eine städtische Halbmundart. Das Wienerische war wohl bestimmend für die Ausbildung der Banater Stadtmundarten von Arad, Lugosch, Orschowa, Weißkirchen, Werschetz, Detta, vor allem jener von Temeswar. Dabei gingen einige auffallenden Merkmale der Wiener Mundart verloren und damit die weiche Sprachmelodie des Altwienerischen.

 

 

 

- Man hört in Temeswar die Wortformen: kålt (nicht koit), Sålz (nicht Soiz), holn (nicht hoin), spiln (nicht spüin), Welt (nicht Wööt), Geld (nicht Göid), da ein primäres Merkmal des Bairischen, die Vokalisierung des -l-, nicht mehr durchgeführt wurde.

- Das o wird vor r nicht zu u: vor (nicht vu), Ort (nicht Uet).

- Diese Besonderheut, sowie die Senkung von a>o und die Tendenz zur Diphthongierung hat sich dagegen in Esseg gut erhalten: fafruan iza (er ist erfroren); Un vena net k¼tuam vearat - sou leibat a nouh hajt. (Und wenn er nicht gestorben wäre, so lebte er noch heute.); Kloupfns nua feist af ti ¬alukatn (Jalousien), ten ti Oldi iza pisl teari¼. (törisch ‘schwerhörig, taub, ÖWb 419). (Klopfen Sie nur fest an die Fensterläden, denn die Alte is ein wenig taub.)

- Von den kennzeichnenden bairischen Diphthongen ist weder ua noch ui anzutreffen: Bruder (nicht Bruader bzw. Bruider), Krug (nicht Kruig).

- Dagegen wurden aus dem Wienerischen in die Banater Stadtmundarten gerade „unmund­artliche“ Wörter übernommen, die auch außerhalb des bairischen Sprachraums auftreten wie: rein ‘herein’, raus ‘heraus’, rauf ‘herauf’, runter ‘herunter’.Die echte Wiener Mundart hat an deren Stelle die altmundartlichen Entsprechungen: aina, aussa, auffa (aafi), owa (ååbi).

- Vokale vor -n spricht man in Temeswar ohne Nasalierung: Staan (nicht Staan ), hin (statt hin). - Desgleichen fehlen die Diphthonge der bairischen Mundarten: mhd, ie, uo, üe wurden zu langem ð und þ, mhd. ei zu æ, z.B. aana ‘einer’, aamal ‘einmal’, allaan ‘allein’, waanan ‘weinen’, aber breit (nicht braat). In einigen Fällen wird auch mhd. ou und öu zu aa: Baam ‘Baum’, traaman ‘träumen’.

- Diese Laute aus mhd. Diphthongen sind hell, während die a-Laute aus mhd. a und â verdunkelt sind, allerdings nicht in dem Maße wie einst in bairischen Mundarten: Wåsser (nicht Wossa) ‘Wasser’, Hås ‘Hase’, Gårtn ‘Garten’.

- Zahlreiche Wörter weisen den für das Bairische kennzeichnenden verhinderten Umlaut auf: Glasl ‘Gläschen’, Wagl ‘Wäglein’, Mandl ‘Männchen’, Bruckn ‘Brücke’, Rubn ‘Rübe’, Nussn ‘Nüsse’, lugn ‘lügen’.

- Im Diphthong au wird ein helles, gedehntes a gesprochen, dem ein kurzes u folgt: a:uf, dra:ußn, scha:un, Ha:usa:ufgabe.

- Die Entrundung von ö, ü, eu, äu ist allgemein durchgeführt: hecha ‘höher’, Mebl ‘Möbel’, zwelf ‘zwölf’ (aber ölf ‘elf’), frih ‘früh’ mied ‘müde’, Leit (Leute), teier ‘teuer’ oder der Sätze: Die Efn missn mit Ehl ankfillt wärn, damit sie scheen wärmen (Die Öfen müssen mit Öl angefüllt werden, damit sie schön wärmen’); Die Heisa sind heit scheen beleichtet (‘Die Häuser sind heute schön beleuchtet’).

- Die unbetonten Endsilbe -er wird stark akzentuiert und dabei wird das r zu a vokalisiert: Dokta ‘Doktor’, Mutta ‘Mutter’, Fensta ‘Fenster’, Kleida ‘Kleider’, aba ‘aber’, unta ‘unter’.

- Dieselbe Vokalisierung zu a tritt im Suffix -ert einiger Adjektive, Partizipien und Substantive auf: dreckat ‘dreckig’, viereckat ‘viereckig’, stinkat ‘stinkend’, geändat ‘geändert’, verpollat ‘verschleudert’ großgoschat ‘großmäulig’, Hundata ‘Hunderter’.

- Vokalisiert wird das r auch in den Präfixen ver-, zer-, er-: valassn ‘verlassen’, vagessn ‘vergessen’, zaspringn ‘zerspringen’, daschlagn ‘erschlagen’.

 

 

 

Bereits in der alten Stadtsprache müssen expressive Ausdrücke und phraseologische Fügungen vorhanden gewesen sein, die auch für die Wienerische Stadtmundart bezeugt sind. Dazu zählen folgende:

- etwas anbauen ‘verlieren’, (s. anbauen landsch. salopp; z.B. sein Geldbörsel anbauen. ‘verlieren’, ÖWb, 141.)

- Buxtihudri ‘von weit her’ scherzhaft (statt Buxtehude). Vgl. dazu hudri-wudri ugs. ‘schlampig, zu hastig’ und substantiviert der Hudri-Wudri ‘aufgeregter, unkonzentrierter Mensch’, die zur Weiterbildung von Buxtehude beigetragen haben.

- Domino sein ‘zu gutem Ende kommen’, auch ungarisch bekannt. Der Sieger im Dominospiel ist der Domino.

- Druckfehler - ursprünglich: ‘entschuldigende Bemerkung zu einem Schreibfehler’, später Synonym für ‘Lapsus’.

- jmdm. die Tür einrennen ‘hartnäckig sein’

- erfunden - Er hat das Schießpulver/die rote Tinte nicht erfunden. ‘Er ist nicht so gescheit wie er sich stellt’. Im Ungarischen spricht man vom spanischen Wachs, dem ‘Siegellack’.

- Extrawurst ‘Bevorzugung, eine Ausnahme’, (s. Extrawurst ‘eine Wurstsorte’, eine E. haben ‘bevorzugt werden’, ÖWb, 210.)

- in fasché sein ‘verstritten sein’ (nach frz. être fâché ‘sich überworfen haben’)

- jmdn. firmen ‘ohrfeigen’ (nach dem symbolischen Backenstreich den der Bischof dem Firmling erteilt.)

- fertig - Bis du fertig bist, vergeht in Böhmen ein Jahr. ‘Das dauert sehr lange.’

- schnell wie ein Fitschipfeil ‘sehr schnell’ (s. Fittjefeil oder Fitschefeil, mhd. vitzer ‘Pfeil’.)

- Fratschlerin ‘Gemüseverkäuferin auf dem Marktplatz’ (s. fratschle ‘hökern, Kleinhandel treiben - meist mit Gemüse’.)

- Fressalien, derb für: ‘Lebensmittel’ (s. Fressalien Pl. ‘dasselbe’, ugs. Scherzwort, das wohl dem älteren Schmieralien ‘Bestechungsgelder’ nachgebildet ist.)

- schauen wie ein abgestochener Geißbock ‘verzweifelt schauen’

- Gretzl ‘Teil eines Wohnviertels’ (s. Grätzel, Gretzl, Krätzl, Kretzl ostösterr. ugs. ‘Teil eines Wohnviertels, einer Straße mit Wohnhäusern’

- Gritsch, Kritsch ‘kreischendes Kind’ (eigentlich Hamster)

- Laß dich heimgeigen! ‘hau ab!’ (Wer gut bezahlte, wurde von Musikanten aus dem Wirtshaus nach Hause begleitet.)

- Kaffeemühle ‘Kleinbahnlokomotive’

- wohin der Kaiser zu Fuß geht ‘auf die Toilette’

- Klapetz derb für: ‘ein frecher, großmauliger Kerl’ (s. Klapotetz der, in der Steiermark ‘Klapperwindrad als Vogelscheuche in Weingärten’ ÖWb, 271)

- Kramuri ‘unordentliche Wirtschaft’ (s. Kramuri die, ostösterr., mda. abwertend ‘Kram, Gerümpel’ ÖWb, 280)

- jmdn. beim Krawattel nehmen ‘sich jmdn. vornehmen’

- für den ist kein Kräutl gewachsen ‘dem kann nicht geholfen werden’

- über etwas das Kreuz machen können ‘etwas aufgeben’ (Gemeint ist das Kreuzzeichen, das bei der „letzten Ölung“ über den Sterbenden gemacht wird.)

- Krispindl ‘eine magere Person’ (s. Krispindl das, ostösterr. mda. abwertend ‘schwächliche, magere Person’ ÖWb, 282; auch in Banater Mundarten Krischpindl ‘ein kleiner schwacher Mensch’)

- Das kostet mich einen Lacher! ‘darüber kann ich nur lachen’ (s. Das kostet mich einen Lacher, ugs. ‘dasselbe’ ÖWb, 285)

- Ramatama das ‘Großreinemachen’. Der Wiener Mundartausdruck „rama tãma" war in Temeswar nicht mehr verständlich. Deshalb fragte man: „Was macht ihr, Ramatama?“

- Tinnef mit Lakritzen ‘wertlosen Kram’ (s. Tinnef der ostösterr. ugs. abwertend ‘wertloses Zeug’, einen Tinnef haben ‘nichts haben’; Lakritze ‘Süßholzwurzel’ ÖWb, 285, 418, sonst ‘eingedickter Süßholzsaft’)

- Lavourpappn ‘große Gosche’, ein Schimpfwort (nach dem frz. Lehnwort Lavoir ‘Waschschüssel’ und Pappen die, mda. derb ‘Mund’, vgl. Halt die Pappen! ‘Halt den Mund!’ ÖWb, 329) 

- Da liegt ein Musikant begraben!, Redewendung, die man gebraucht, wenn jemand stolpert. Fink hat eine ganze Reihe von expressiven Redewendungen aufgezeichnet, die in diesem Zusammenhang gebraucht werden, z.B.: Da steckt ein Musikant (die Schwiegermutter ihre) seine Nase heraus; Da ist der Schwiegermutter ihre Rakiflasche begraben; Da ist der Teufel begraben; Da ist ein Hund begraben (wahrscheinlich euphemistisch statt „Teufel“); Da ist ein Schatz (Geld, Gold) begraben; Da hat de Türk sei Schatz vegrabn (mit Anspielung auf historische Sagen); Da liegt mei Großvatte sei Vemegn vegrabm (Hier liegt das Vermögen meines Großvaters vergraben); Da ist dein Glück vergraben. Diese Redewendungen enthalten abergläubische Elemente und gehen von der Vorstellung aus, daß man den Boden über dem vergrabenen nicht sorgfältig geebnet oder den Ort mit einem - später unkenntlichen - Mal bezeichnet hat, über das man heute stolpert. Die Redensart Da liegt der Hund begraben, erlangte auch die Bedeutung ‘hier steckt ein Fehler; das ist der wunde Punkt’.

- freundliche Nasenlöcher machen ‘übertrieben freundlich sein und dabei gezwungen lächeln’ 

- gefüllte Nanscheln ‘Gericht, das der Köchin mißlungen ist’. Auf die Frage: „Was essen wir heute?“ erwidert die Köchin: „Gefüllte Nanschln“. Wenn die Kinder über das Essen maulen, spottet sie: „Ich werde euch gefüllte Nanschln machen.“ Laut Fink konnte ihm in Temeswar niemand die Bezeichnung erklären, die auf Leckerbissen übertragen wurde. Er erklärt die Wortbedeutung nach dem Alt-Wienerischen Wörterbuch von Schuster wie folgt: „eine Suppeneinlage aus Mehl: hohle, in Fett gebackene Kügelchen; einem wählerischen Esser verspricht man höhnend ‘gefüllte’ Naunscherl, die nicht herstellbar sind“. Ungeduldige Frager nach dem Mittagstisch werden von der Wiener Hausfrau mit den Worten abgtespeist: „Gfüllte Naunscherl und dürre Wurzerln.“

- Gleich kracht’s wie im Lepoldifeld. Gleich kracht’s in der Fechtschul/in der Reitschul/in den Melonen: ‘Es setzt gleich Prügel’. 

- Palmesel, spöttisch: ‘aufgeputzte Person’. Der in den Banater Mundarten verbreitete Vergleich: ufgeputzt wie e Palmesl geht auf einen heute vergessenen Volksbrauch zurück Statt dem aufgeputzten Palmesel hat sich am Palmsonntag nur der Brauch der Segnung der Palmbuschen erhalten.

- Putzgretl ‘putzsüchtige Frau

- Reitschule machen, über kleine Kinder oder Hunde gesagt: ‘im Kreis herumrennen’.

- jmdn. beim Salzamt verklagen ‘etwas Sinnloses tun’ (da es keine Salzämter mehr gibt); vgl. auch die als Schimpfwort angesehene Aufforderung: Geh zum Salzamt! ‘Geh in die Wüste!’

- alte Schabracke, Schimpfwort für: ‘ältere, aufgeputzte Frau’ (s. Schabracke ‘Pferdedecke, Verkleidung’ > türk ˆaprak ‘Satteldecke’, Entlehnung wohl über ung. Vermittlung ªabrakn für ‘alte Schachtel’ sagt man auch in Esseg.'

- Sautanz ‘Festessen nach dem Schweineschlachten’; ging auch in die Banater Mundarten ein. (S. Sautanz, der, ‘dasselbe’.)

- Lackel ‘grober, ungeschlachter Kerl’ (s. Lackel der, österr. ugs. ‘grober, tölpelhafter Mensch’)

- Schlawiner ‘Schlingel, Nichtsnutz’ (s. Schlawiner ostösterr. ugs. salopp ‘dass.’, ÖWb, 373)

- Es sind Schindeln locker am Dach ‘Er ist nicht recht bei Verstand’. Die Redewendung: Der hat einen Dachschaden geht von der nämlichen Vorstellung eines Gehirnschadens aus.

- Schlamastik ‘verfahrene Situation, Mißgeschick’ (s. Schlamassel, das, ugs. salopp und Schlamastik die ‘mißliche, verworrene Lage’ ÖWb, 373.) Das Wort wurde über das Rotwelsche (bezeugt seit dem 18. Jh.) entlehnt aus dem Westjiddischen. Das Grundwort des Kompositums ist wohl westjidd. massel ‘Glück, Geschick’ und das Bestiommungswort nhd. schlimm Das Wort ist auch in Banater rheinfrk. Mundarten in der Redewendung: Im Schlamassl steche ‘in unangenehmer Lage stecken’ bekannt.

- Schmonzes ‘leeres Gerede, wertloses Zeug’ (s. Schmonzes m., auch n., ugs. salopp ‘Geschwätz, jüdischer Witz’, entlehnt von westjidd. schmonze ‘alberne Geschichte’.) Vgl. das Antonym Tachles, in der Redewendung Tacheles reden ‘unverblümt seine Meinung sagen’, ugs., entlehnt von westjidd. tachles reden ‘zur Sache kommen’

-Ja Schnecken ‘abschlägiger Bescheid’ (s. Schneck der, österr. und süddt. ugs.; als Kosewort: Du bist gar kein übler Schneck; sowie der Ausdruck: [Ja] Schnecken!: „Hast du gedacht! Da wird nichts draus!“)

- jmdn. schneiden ‘jmdn. absichtlich übersehen’ (s. dasselbe, ugs. salopp, in ÖWb, 377)

- Schraz ‘Knirps, kleiner Bengel’, auch ung. srác ‘dass.’,wird von Wolf auf jidd. scherez ‘Wurm’ zurückgeführt. Es ist anzunehmen, daß das Wort auf diesem Weg in die Temeswarer Stadtsprache gelangte, wobei es aus dem Mhd. ins Jiddische entlehnt worden war. Vgl. dazu Schrat m. ‘Waldgeist’, reg. Mhd. schrat(e), ahd. scrato. Dazu als Verkleinerung Schrätel, Schretel, Schrettele, mhd. schretel(ðn) n. Als Variante auch obd. Schretz, mhd. schraz, schræwaz(e), ahd. screz m./n., screzzo, scraz.Die mundartliche Wortform Chrätz für ‘schlimmes, ungebärdiges Kind’ ist mir aus der Banater Gemeinde Sanktanna bekannt.

- närrische (verrückte, wilde, falsche, schlechte) Schwammln gegessen haben ‘nicht recht bei Verstand sein’ (s. Schwammerl n..’Pilz’ ÖWb, 381), wobei „närrische“ euphemistisch für ‘giftige’ [Pilze] steht, die Geistesstörungen hervorrufen können.

- jmdn. schwarz machen ‘anschwärzen, verleumden’.

- einen Sporn (‘Sparren’) haben ‘nicht ganz bei Verstand sein’ 

- sich etwas auf den Hut stecken können ‘etwas ist wertlos’. Im Hutband konnte z.B. ein Tombolaschein auf einer Unterhaltung aufbewahrt werden. Das geht mir über die Hutschnur ‘das führt zu weit’ (s. dasselbe ugs. salopp, in ÖWb, 254). 

- einen Stiefel zusammenreden ‘ungereimtes Zeug schwätzen’

- in Talon gehen ‘verlorengehen’. Vermutlich von Talon ‘die beim Austeilen übriggebliebene Spielkarte’ (ÖWb, 412). 

- wo die Welt mit Brettern vernagelt ist ‘in ärmlichen Verhältnissen’. (Gemeint sind Häuser, die Bretter statt Fensterscheiben haben.) 

- seine sieben Zwetschgen zusammenklauben ‘sich zusammennehmen, um etwas zu erreichen’. (Gemeint sind wohl die sieben Sinne, die man wachhalten soll.) 

- Zwickibussi ‘beim Küssen zärtlich in die Wange kneifen’ (s. Zwickerbusserl n. ugs. scherz­haft; z.B.: Einem Kind ein Zwickibussi geben. ÖWb, 500). 

 

 

 

Die vom Wienerischen abgewandelte Temeswarer Umgangssprache wanderte von der Festung in die Vorstädte Fabrik, Josefstadt und Elisabethstadt, während in der Vorstadt Mehala die rheinfränkische Mundart der umliegenden Dörfer mit den Zuwanderern einzog. Nach dem Ausgleich von 1867 kann man von einem besonderen „Josefstädtler“ und einem „Fabrukler“ Deutsch hören, während sich die „Meierhefler“ in der Elisabethstadt augenzwinkernd rühmten, das beste Temeswarer Deutsch zu sprechen. In der Weltstadt Wien hat die von der gesamten Bevölkerung gesprochene Stadtsprache einen reicheren Wortschatz als das provinzielle Temeswarer Deutsch der Vorstädte, das zu Wortneuschöpfungen und Übernahme von fremden Elementen gezwungen war. In diesem Idiom entstand keine Literatur, doch in den 1920er Jahren ließ Heinrich Büchelbauer seinen „Josefstädter Franzi“ in jeder Nummer der von Heinrich Simonis herausgegebenen Zeitschrift „Die Fackel. Deutsches Riport-Wochenblatt mit humoristisch-satirischer Beilage“ (ab der Nummer 12 vom 22. März 1924) Anekdoten in der Umgangssprache erzählen. Humoristische Versuche nach dieser Tradition hat es später häufig gegeben. Etwa in der Zwischenkriegszeit in Peter Winters „Pollerpeitsch“ oder die Mundartbeilage „Pipatsch“ der „Neuen Banater Zeitung“ ab 9.11.1969, allerdings in der Banater rheinfränkischen Verkehrssprache. Darin veröffentlichte Alexander Ternovits, alias neuer „Josefstädta Franzi“, zahlreiche Glossen in Temeswarer Umgangssprache. Der Ausdruck Josefstädta Franzi wurde sogar zur Bezeichnung für ‘jmdn., der übertrieben mundartlich spricht und Wörter des Vorstadtjargons und Argots gebraucht’. Vergleichbar mit der Beilage Büchelbauers in Temeswarer Stadtsprache sind die erwähnten Erzählungen Lujo Pleins (1929-1939) und der Band „Erlebtes Temeswar. Alttemeswarer Mosaik“ von Hans Mokka (1992). Zu beachten ist dabei allerdings, da es sich nicht um die Aufzeichnung authentischer Sprachäußerungen, sondern um konstruierte Sprachformen handelt, die von der Sprachrealität abweichen können. Sie stehen zwischen der allgemeinen städtischen Umgangssprache und dem Slang, der niederen Umgangssprache der Vorstädte, dessen lexikalische Besonderheiten vielen Sprechern der Umgangssprache nicht vertraut sind. Zusammenfassend sollen anschließend die wichtigsten phonetisch-grammatischen und lexikalischen Besonderheiten der Temeswarer bairisch-österreichischen Umgangssprache dargestellt werden, die den umliegenden Banater Dorfmundarten als Vorbild gedient und zur Herausbildung einer bairischen Komponente in etlichen Banater Mischmundarten geführt haben.

 

 

 

- Man kann zweierlai a-Laute vernehmen, ein helles und ein dunkles. Der Diphthong ei wurde zu langem offenen aa: Maadl ‘Mädchen’, Haaber ‘Freund’, Paamer ‘Bäume’, Paaner (Beine ‘Knochen’), Saafen ‘Seife’, klaan ‘klein’ oder im Satz: Er hat lauter Aanser und Zwaarer krikt, jedoch sein und fein. Im Bairischen entspricht diesem ei ein oa, Stoan ‘Stein’, kloan ‘klein’, während man in Wien auch ä hören kann, z.B. Stään, klään. Hollinger erkennt in diesem offenen a einen fremdsprachigen Einfluß. Vielleicht konnten die Sprecher mit fremder Muttersprache das oa nicht genau artikulieren und verwendeten dafür das verwandte aa. Man vgl. das in alten Urkunden vorkommende Wort „raizisch“ das heute raazisch, mit aa gesprochen wird und eine auffallende Ähnlichkeit mit dem ung. rácz aufweist.

- Meistens hört man das dunkle å, z.B.: im Satz: Åber ich håb dir jå gsåkt, dåß der Såck hålb voll is. Dieses dunkle a ist bairisch und wird dort häufig noch weiter, bis zu o gesenkt: grod ‘gerade’, Tog ‘Tag’. In der Temeswarer Mundart wird dunkles a in alten deutschen Wörtern gesprochen. Das gilt, nach Hans Fink auch für Familiennamen, die mit einem bekannten Wort in verbindung gebracht werden können wie: Hoffmann (also Hoffmånn), Alt, Bach, Kraushaar, Hochstrasser, Tannenberger. Lehnwörter dagegen werden mit hellem a gesprochen: Papier, Kalender, Tante, Fabrik, Radio, Akzent, Satellit. Das dunkle a der Grundform wird in der Diminutivform zu einem hellen a: Såck - Sackl, Flåschn - Flaschl, Gåns - Gansl, Råd - Radl, Wågn - Wagl. 

- Der e-Laut vor r wird in der Stammsilbe immer offen gesprochen, z.B.: Ter Lährer war am Määr und hat sich sähr schwär erholt. Das gilt auch für das Präfix er-: ärkennen, ärzehlen. In jeder anderen Stellung wird der Laut e, auch der Umlaut ä, als geschlosses e ausgesprochen: Mehl, Keller, Schnee, September; auch: Epfel, Wescherin, zeh, endern, Retsel, Kefer.

- Vor f, h, j, l, m, n, r, s, sch, w und vor Vokalen fällt das e aus dem Präfix ge- aus und das g- wird wie ein unbehauchtes k-gesprochen: Grorenes ‘Speiseeis’, Gschäft, gholt, grufn ‘gerufen’, gårbeit, gärget ‘geärgert’. Vor b, d, d, g, p, t, k, qu, z wird das Präfix ge- ausgesprochen, wobei das e wie im Oberdeutschen kurz geschlossen ist: gepåchn ‘gebacken’, gekråbm ‘gegraben’, gezogn ‘gezogen’.

- Anstelle des kurzen dumpfen -e der Standardsprache wird im Auslaut der Substantive und Adjektive ein kurzes geschlossenes -e gesprochen, z.B.: Aprikose, Fahne, Rabe, Tische, Wege; alle, gerade, kleine, schöne, wenige.

- Die Media b, d, g sind im Anlaut und Auslaut (wie allgemein in obd. Mundarten) zu unbehauchten Plosiven p, t, k geworden: Påt ‘Bad’, prat ‘breit’, Tåk ‘Tag’, Pärk ‘Berg’ kråt ‘gerade’, tort und torten ‘dort’, Kält ‘Geld’, Krap ‘Grab’. Nach dieser Norm unterbleibt die Behauchung des t sogar in Wörtern wie: Teater ‘Theater’, Tema ‘Thema’, Apotek ‘Apotheke’. Im Inlaut sind b, d, g stimmhaft geblieben: A krade Gassen ohne Rauba (‘eine gerade Gasse ohne Räuber’). Bedeutsam ist auch die Assimilation durch Satzphonetik: I habme’Ich habe mir’, kebm ‘geben’. Fremde Namen, die durch die Sprachen der Mitbewohner gestützt werden, behalten ihre Media unverändert: Bega, Budapest, Belgrad, Donaudelta, Bulgarien.

- Allein der Laut k- wird in allen Positionen, im Wortanlaut kräftig, behaucht (allerdings nicht, wenn er für ein g- steht: Katze, Korb, Kren ‘Meerrettich’, stricken, wecken, Leckwar ‘Marmelade’, Geschmack, Sack, Tabak.

- Unter dem Einfluß des Rumänischen und Ungarischen kann das k im Silbenanlaut (außer dem Anlaut der ersten Silbe) unbehaucht gesprochen werden, z.B. in: Deka[gramm], Kakao, Konkurs, Kosmos, Kukuruz, Lokomotive, Paket, Pokal, Rekord, Risiko, Vokal.

- Das Suffix -ig wird - wie österreichisch - als -ik gesprochen: Honik, wenig, zeitig, lebendig.

- Das anlautende s- ist immer stimmlos: So soll sie sein, tie Sonnen. Diese Aussprache wird selbst auf Lehnwörter übertragen: Salat, September, Sekunde, System.Unter standardsprach­lichem Einfluß kann anlautendes s- in Numeralien stimmhaft sein: sechzehn, sechzig usw.

- Die stimmlose Aussprache des s- im Anlaut von Lehn- und Fremdwörtern geht von der Stadtmundart aus und wird durch die stimmlose Aussprache des s in gleicher Stellung im Rumänischen, Ungarischen, Kroatischen und Serbischen unterstützt. Das gilt für Wörter wie: Sahara, Salon, Sandale, Satire, Seminar, Sensation, Serbe, Sibirien, Sirup, Sopran, sozial, Symphonie, symphatisch, System usw.

- Gleichfalls unter Anlehnung an die Aussprache im Rumänischen und Ungarischen wird der Buchstabe z in der Temeswarer Umgangssprache nicht als angeriebener Laut sondern als stimmhafter Reibelaut gesprochen: Azur, Zebra, Benzin, Ozon, Magazin, Razzia, Lazarett

- Das r tritt als Zungenspitzenlaut auf, z.B.: Ich rudere rechts pis zur Prickn (auch Pruckn ‘Brücke’). Am Wortende wird das -r meistens zu einem unbestimmten Laut abgeschwächt: Aber das Wasser is weicher im Sommer, toch kar (auch gar) hart, wenn es kfriert. Hollinger betont, daß diese Ausspracheweise nicht normiert, sondern individuell differenziert ist.

- Von der Standardsprache abweichend wird der Stammvokal einiger Wörter kurz gesprochen, z.B.: Buch - Bücher, Tuch - Tücher, Schuh, Vatter, ‘Vater’ Grossvater ‘Großvater, Arzt - Ärzte, Geflüggel ‘Geflügel’, Obst, Jagd, holen, nemmen ‘nehmen’, spillen ‘spielen’, fragt, sagt, tragt ‘trägt’, grösser ‘größer’, Ihnen, langsam, nämlich, weniger, aber, oder usw.

- Einige Fremdwörter aus dem Wortschatz der Temeswarer Umgangssprache werden wie im Österreichischen auf der zweiten Silbe betont: Ballon, Kaffee , Karton, Tabak, Tunell, Portier.

 

 

 

- In der Flexion übernimmt die Stadtsprache aus der bairisch-österreichischen Mundart die Abschleifung der Auslautsilben: Päck ‘Bäcker’, Pup ‘Bube’, Wänt ‘Wände’, Hås ‘Hase’, Fleh ‘Flöhe’, kråt ‘gerade’. Andererseits treten von der Standardsprache abweichende Augmente auf: So nehmen zahlreiche weiblichen Substantive auf -e, - wie in der Wiener Stadtmundart -, nicht nur im Pl. sondern auch in allen Fällen des Sg., die Endung -n an, z.B. Gåssn ‘Gasse’, Nåsn, ‘Nase’, Suppn ‘Suppe’, Klocken ‘Glocke’, Plumen ‘Blume’, Sonnen ‘Sonne’. Vgl. die Endung des weiblichen Bestimmungswortes in den nhd. Komposita: Frauenbild, Sonnenschein, Straßenbahn. Die Frau hat keine Flexionsendungen, da die mhd. Endung -e apokopiert wurde. Es scheint Regellosigkeit in der Frage ob mit oder ohne Endung -n zu bestehen. Johann Wolf kommt zur Schlußfolgerung, daß auch der Konsonant vor dem -n oder vor dem abgefallenen -e nicht ausschlaggebend sei, obwohl man gruppieren kann: die Red, Schand, Freid, oder Scher, Lehr, Ehr usw. Es finden sich jedoch Fälle wie: Stund - Erdn, Sprach - Wochn, Frag - Fliegn, Wäsch - Taschn, Speis - Hosn. Doch gerade diese Beispielpaare lassen eine Regel erkennen: Die zuerst genannten Feminina gehörten im Ahd. der starken Deklination an, die an zweiter Stelle wurden schwach dekliniert. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier. Das Substantiv Wiese z.B. war im Mhd. stark, dennoch sagt man in Temeswar die Wiesn, Katze war schwach und doch hört man die Katz. Wolf schlußfolgert daraus, daß sich im Beachten dieser Regel der Systemcharakter der Sprache aus, wie er in der Mundart und weniger in einer Umgangssprache wirksam wird. In der Umgangssprache könnte sich ein Sprecher erlauben zu sagen: Er ist eine ganze Stundn auf der Erd gelegn. In der Mundart erregt dies Anstoß, denn hier gilt die Regel: A ganze Stund af da Erdn. Das gilt allerdings nur für die alte, zumeist noch von österreichischen Ansiedlern gesprochene Stadtsprache mit Wiener Gepräge, während die verschiedenen Sprecher der späteren bairisch-österreichischen Umgangssprache ihre eigenen muttersprachlichen Voraussetzungen mitbringen und sich weniger an Regeln und Systeme halten, „so daß man fast sagen kann, ein jeder spricht sein eigenes ‘Temeswarerisch’“, wie das Hollinger formuliert. 

- Bemerkenswert ist die (sich seit ahd. Zeit ausbreitende) von der Standardsprache abweichende Pluralendung -er bei Substantiven wie: Paamer ‘Bäume’, Paaner (Beine ‘Knochen’), Staaner ‘Steine’, Pfärder ‘Pferde’, Better ‘Betten’.

- Durch die Reduzierung dieser Endung und die für das Bairische kennzeichnende Vokalisierung des -r zu -a entstehen Formen wie: Paana (‘Knochen’). Dasselbe gilt für die abgeleiteten Substantive auf -er, mehr noch bei Ableitungen auf -ler: Drucker ‘Fan’, Patzer ‘Stümper’, Schnauzer ‘Schnurrbart’, Meierhefla ‘Einwohner der Vorstadt Meierhöfe’, Fabrukla ‘Einwohner der Temeswarer Vorstadt Fabrik’ (mundartlich Fabruk). Das durch Vokalisierung des -r entstandene -a ist auch im Temeswarer Slang ausgeprägt: Kella ‘Keller, Ampa ‘Eimer’, Pangat ‘Bankert’.

- Eine alte, fast allgemeine mundartliche Erscheinung ist der Schwund der flektierten Genitivformen Sg. und Pl., zugunsten des possessiven Dativs, wobei in Temeswar auch die Flexionsendungen verloren gingen: mei Vater sei Haus statt ‘das Haus meines Vaters’, meine Schweste ihre Maschn bzw. die Maschn von meine Schwesteden Kindern ihr Spielzeig statt ‘das Spielzeug der Kinder’. 

- Die Umgangssprache. übernimmt von der Stadtmundart das substantivische Diminutivsuffix -l. Gestützt wird es von Neutra auf -el, das infolge der Verschleifung wie das Suffix -e ausgesprochen wird, etwa: Anhängsel, Exempel, Drittel, Kabel, Kapitel, Pendel, Siegel, Überbleibsel, Wiesel.

- Substantive, die in der Grundform auf -l auslauten und deshalb keine Verkleinerungsform mit dem Suffix -l bilden können, werden mit dem Adjektiv klein umschrieben: Vogl - klaaner Vogl, dsgl. Apfl, Stuhl, Ball. Auch andere Substantive, deren Diminutivierung mit dem Suffix -l nicht üblich ist, werden mit dem Adjektiv klein umschrieben: glaaner Baam ‘kleiner Baum’, glaaner Staan ‘kleiner Stein’, glaane Mauer, ‘kleine Mauer’, glaane Taub ‘kleine Taube’, glaanes Bett ‘kleines Bett’.

- Die noch im Gotischen vorhandene Dualpronomina got. *it, ahd. *ez ‘ihr beide’ und die Dativform got. igqis, ahd. *enk ‘euch beiden’, mit dem entsprechenden Possessivpronomen got. igqar, ahd. *enker ‘euer’ sind ein primäres Merkmal des Bairischen und erscheinen statt der Pluralformen ihr und euch. Im Wienerischen steht dafür öß (ursprünglich ‘ihr zwei’), in Temeswar ees, z.B.: Ees seids aber langsam gangn (Ihr seid aber langsam gegangen). Hier erscheint das ees verdoppelt, einmal als eigentliches Pronomen und dann zur Verdeutlichung enklitisch als -s. In Temeswar werden die beiden Fürwortpaare: ees - ihr und enk - euch und davon abgeleitet das Possessivpronomen enker - euer zum Unterschied von Wien nebeneinander als gleichwertige Formen verwendet. Hollinger sieht darin einen Ausdruck des stillen Kampfes, den das erstarkende rheinfränkische Element der in der Stadt überhandnehmenden „Schwaben“ aus den umliegenden Dorfsiedlungen gegen das aussterbende Bayrische Alt-Temeswars führt. Tatsächlich ist die Übernahme der Dualformen enk und enker (nicht aber des ees) in Banater Mischmundarten ein Indiz für ihre bairische Komponente neben ihren zumeist fränkischen Bestandteilen.

- Die Dualform ees tritt enklitisch als -s auch in Verbalformen wie: ees habts (oder ihr habts) ‘ihr habt’, ees kummts ‘ihr kommt’ auf. Hollinger vermutet in diesem Pleonasmus „Homo­nymenflucht“, nämlich eine Verstärkung des vorgestellten Pronomens ees (ihr), das lautlich mit dem sächlichen Pronomen im Sg. es zusammenfiel und sinngemäß für dieses gehalten werden konnte. Man empfand es als zu schwach und wollte ihm durch die enklitische Wiederholung Nachdruck und Klarheit verschaffen. Eine Stütze für diese Erklärung bietet die enklitische Verstärkung der Hilfsverben sein und haben in der 1. Person Plural im Präsens: mir hammer ‘wir haben’, mir sammer ‘wir sind’.Aus Reschitza/Re½i¾a ist der Spruch bekannt: Mir san ma Reschitzaer. Diese Verstärkung mit enklitischem -r kommt allerdings bei Vollverben nicht vor, während die Endung -s bei der 2. Person Pl. (wie ees kummts) diese Einschränkung nicht kennt.

- Die Formen des femininen Possessivpronomens Sg. und Pl. sind ihra und ihna, z.B.: ihra Vata, ihra Mutta, ihra Kind (ihr Vater, ihre Mutter, ihr Kind), bzw. ihna Vata, ihna Mutta, ihna Kind (ihr Vater, ihre Mutter, ihr Kind). Dementsprechend lautet auch die Höflichkeitsform des Possessivpronomens nicht Ihr sondern Ihna: Ihna Taschn liegt am Tisch (Ihre Tasche liegt auf dem Tisch). Da es im Ahd. kein Possessivpronomen für das Femininum im Sg. und für den ganzen Pl. gab, wurde es durch entsprechende Genitive des Personalpronomens ira und iro ersetzt. 

- Der D. und der Akk. der 3. Person Maskulin ist gleicherweise ihm, z.B. D.:Ich hab ihm (im) gsagt (Ich habe ihm gesagt); Akk.: Ich hab ihm (im) gsehgn (Ich habe ihn gesehen). Sie ham glacht iba ihm (Sie haben über ihn gelacht). Oderdie Bildeung des Akk. mit der Dativform und Präpositionen: Die Kinder habm sich neben mir gsetzt. Der Vati bringt auch für mir etwas. Ihr Bruder war böse auf ihr. Sie hat das Buch für ihm nit gfundn.

- Der D ersetzt den Akk. in Temeswar auch bei der Höflichkeitsform des Personalpronomens: Ich hab Ihna gsehn (gsehgn) (Ich habe Sie gesehen). Diese Form erscheint auch an Stelle des Reflexivpronomens: Setzn S’Ihna und essn S’Ihna satt! (Setzen Sie sich und essen Sie sich satt!).

- Das Reflexivpronomen sich wird (im D. und Akk.) auch mit nicht reflexiven Verben in der 1. Person Pl. verwendet: Mir spielen sich gern mit dem Fußball, aber mir machen sich nicks traus, wenn mir tropa pleibn (Wir spielen gern mit dem Fußball, aber wir machen uns nichts draus, wenn wir verlieren); Mir setzn sich (Wir setzen uns).Johann Wolf verweist auf eine ähnliche Stelle bei J. Chr. Grimmelshausen „Der abenteuerliche Simplizissimus“: „...weil wir sich in schnellster Eile tummeln mußten.“ Im Ahd. wurden die fehlenden Formen des Reflexivpronomens durch Personalpronomen ersetzt. Das Personalpronomen der 1,. Person Pl. lautete im Akk. unsih, im Mhd. ersetzte man es durch den D. uns.

- Die Namen der Zahlen und Ziffern sind maskulin: de Aanse Pl.id. (die Eins), de Dreie (die Drei), de Neine (die Neun). Allerdings heißt ugs. die Dreier ‘Straßenbahn der Linie drei’ 

- Die Konjugation des Verbs ist auf drei Zeiten reduziert: das Präsens, Perfekt und Futurum. Nur das Hilfsverb sein hat ein Präteritum: Ich war.

- In der Umgangssprache. ist - nach Fink (1965, 37) - ein bevorzugter Gebrauch des Präsens Indikativ, auch zum Ausdruck vergangener und zukünftiger Handlungen festzustellen. Man sagt: Wie ich gestern über die Straße gehe, statt: Als ich gestern über die Straße ging’. Morgen schlafe ich mich aus. oder: Ich will mich morgen ausschlafen, statt: ‘Ich werde mich morgen ausschlafen’. 

- Der Infinitiv der städtischen Umgangssprache endet auf -en bzw. -n: rechnen, singen, aber sagn, machn. Die bairische Reduzierung der Infinitivendung auf ein -a hat sich in der Temeswarer Umgangssprache nicht erhalten. Der Endung -en, (-n) steht in den Banater rheinfränkischen Mundarten ein abgeschwächtes -e gegenüber: rechne, sage.

- Die Flexionsendungen im Präsens sind stark reduziert: Ich hap (ich habe), tu hast, är hat, mir ham, ihr hapts, sie ham;

Ich pin (ich bin), tu pist, är is, mir sein (saan), ihr seits, sie sein (saan);

Ich wär(ich werde), tu wärst, är wärt, mir wärn, ihr wärts, sie wärn.

- Perfekt: Ich pin gwesen;Ich hab ghabt; Futurum: Ich wär habm (ham); Ich wär sein.

- Umlaut und Tonerhöhung bei der Konjugation starker Verben sind unbekannt, z.B.: Ich trak (ich trage), tu trakst, är trakt; ich eß, tu eßt, är eßt; ich lauf, tu laufst, är lauft, jedoch: ich kip (ich gebe), tu kipst, är kipt; ich sig (ich sehe), tu sigst, är sigt.

- Verben, deren Stammsilbe auf -d oder -t auslautet, verlieren in der 3. Person Sg. und 2. Person Pl. des Indikativ Präsens sowie in der 2. Person Pl. des Imperativs die Endung -et: Er lad ein, ihr lads ein, lads ein! (Er lädt ein, ihr ladet ein, ladet ein!) Dasselbe beim Verb reden: Er red, ihr reds, reds! oder arbeiten: Er arbeit, ihr arbeits, arbeits! Die Endung -s in der 2. Person Pl. des Präsens Indikativ und des Imperativ ist die enklitische Verdoppelung der alten Dualform ees.

- Lautausfall tritt im Präfix des Partizip Perfekts auf: ghabt, gmacht, graucht, gsagt, gsessn, gschaut gessn ‘gegessen’ (jedoch gebracht, gebundn, gedrickt, vor den Verschlußlauten b, d).

- Während in der Wiener Mundart alle auf b, d, g, p, t, k, qu, z anlautenden Verben im Partizip Perfekt das Präfix ge- nicht erhalten, sind es in der Temeswarer Stadtmundart nur einige Verben wie: geben, gehen, kommen, kriegen, auch essen, z.B.: De Frånz is aus de Stådt kommen. (‘Franz kam aus der Stadt’.) Håst du a Kårtn kriegt? (‘Hast du eine Karte gekriegt?’) In der Stadtmundart von Reschitza ist die Zahl dieser Verben größer. Ihr Abnehmen in Temeswar könnte auf den Einfluß der Standardsprache, aber auch der umliegenden rheinfränkischen Dorfmundarten zurückgehen. Lammert geht nicht vom Fehlen des Augmentes ge- sondern von einer Synkope, der Verschmelzung von g + k durch Vokalschwund des unbetonten -e aus: Er ist (g)kommen. Er hat (g)kriegt. Er hat (g)kauft.

- Vom Konjunktiv gibt es bloß Restformen: Ich hätt (ich hätte), ich wär (ich wäre), sonst wird der Ausdruck eines Wunsches, einer Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit immer umschrieben: Ich mecht (möchte) schon zu eich (enk) kommen, aber es kennt (könnte) regnen; wenn es nicht regnen mecht; ich fircht, es mecht regnen (ich fürchte, es möchte regnen). Eine Sonderform ist die Verbindung der Hilfsverben haben und mögen: Die Rosa mecht ins Kino gehn, wenn sie Zeit habm mecht. (Rosa ginge ins Kino, wenn sie Zeit haben möchte, d.h. wenn sie Zeit hätte.)

- Das Modalverb sollen hat im Konjunktiv II (für ein verlorengegangenes ich sollte) einen Umlaut (allerdings e statt ö): Ich sellt zu eich (enk) kommen (Ich sollte zu euch kommen).

- Die Hilfsverben habm und sein. haben einen Konjunktiv II mit Umlaut: Ich hät (ich hätte), du hätst, är hät, mir hätn, ihr häts, sie hätn; bzw.: Ich wär (ich wäre), tu wärst, är wär, mir wärn, ihr wärt (es wärts), sie wärn.

- Der Konjunktiv II erscheint in Esseg nicht nur bei Hilsfverben, sondern auch bei Vollverben: Unt vena net k¼tuam vearat - sou leibat a noh hajt! (Und wenn er nicht gestorben wäre, lebte er noch heute); Vons ma. an Gift keibatn, saufatigas liba aus, pefua as tas jemont vos fun mia afoarat. (Wenn sie mir ein Gift gäben, söffe ich es lieber aus, als daß jemand was von mir erführe.) Formen des Konjunktiv II notiert auch Lammert für Temeswar: So a Mensch wie er missat jemand habn, der fir ihn sorgt. Ich brauchat Geld. Ich helfat ihm.  

- Das Präteritum wird gelegentlich statt dem Perfekt (Ich pin im Mosi gwesn ‘Ich war im Kino’) durch das Plusquamperfekt ersetzt: Ich war im Mosi gwesn. 

- Fink erwähnt als eine Sonderform zur Bildung des Plusquamperfekt Indikativ die Fügung mit dem Adjektiv als Prädikatsnomen in hypothetischer Aussage. Dabei wird das Präsens Indikativ der modalen Verben müssen und sollen mit dem Adjektiv und der unveränderlichen Form waren des Hilfsverbs sein verbunden. Z.B.: Er muß krank waren. (Er muß krank gewesen sein). Das Madl soll noch jung waren. (Das Mädchen soll noch jung gewesen sein). Die Pferde müssen alt waren. (Die Pferde müssen alt gewesen sein.) Nach Hollinger könnte es sich dabei um eine Lehnübersetzung aus dem Ungarischen handeln.

 

 

 

- Beliebt ist die parataktische Ausdrucksweise (mit gleichgeordneten Hauptsätzen): Är fahrt ins Påd, tenn är will gsund wärdn (Er fährt ins Bad - in den Kurort -, denn er will gesund werden). Hypotaktische Satzgefüge enthalten häufig Temporal- oder Lokalsätze, auch Komparativsätze mit der Vergleichspartikel wie statt als bei Ungleichkeit: Är ist gresser wie ich (Er ist größer als ich).

- Häufig erscheint auch der Konditionalsatz mit den Konjunktionen wenn oder falls und der Kausalsatz mit der Konjunktion weil.

- Finalsätze können doppelte Konjunktionen haben: Är fahrt ins Påd, damit daß er gsund wärdn soll. (Er fährt in den Kurort, damit er gesund wird).

- Ein Merkmal der alten Stadtmundart und der Umgangssprache ist die doppelte Verneinung, z.B.: Der Kaktus brauch ka Wassa nit. (Der Kaktus braucht kein Wasser.) Habt ihr kane Lampn nit? (Habt ihr keine Lampe?) Das weiß niemand nicht. (Das weiß niemand.)

- Um die Zeitenfolge eindeutig ausdrücken zu können, bildet die Stadtmundart und Umgangssprache das Plusquamperfekt mit dem Partizip Perfekt des Hilfsverbs haben, das mit dem Perfekt des konjugierten Verbs verbunden wird: Er håt gessn ghåbt, wie ich kommen bin. (‘Er hat gegessen gehabt, wie ich gekommen bin.’ Statt: ‘Er hatte gegessen, als ich kam.’) Wie die Gest kommen sind, håt die Mutter den Tisch gedeckt ghåbt. (‘Als die Gäste kamen, hatte die Mutter den Tisch gedeckt.’) Ohne das zusätzliche Hilfsverb haben könnte die Handlung als gleichzeitig oder die des Hauptsatzes nach jener des Nebensatzes verstanden werden.

- Sowohl in der alten Stadtmundart als auch in der späteren Umgangssprache stehen die modalen Hilfsverben müssen, sollen, dürfen, wollen nicht als letztes Glied der Satzklammer, sondern nach dem veränderlichen Teil des zusammengesetzten Prädikats. Z.B. Ich wär mißn den Apparat repariern. (Ich werden den Apparat reparieren müssen.) Ihr hets solln nåchschaun, ob die Tihr zugmåcht is. (‘Ihr hättet nachschauen sollen, ob die Türe geschlossen ist.’) Sei Prude håd niet tärfn ins Museum kommen. (‘Sein Bruder durfte nicht ins Museum kommen.’)

 

 

Im Temeswarer Vorort Fabrikstadt lebten vormals mehrere Bevölkerungsgruppen neben- und miteinander. In der Nußblätter-, Wolfen- und Tandlergasse lebten Juden und sprachen jiddisch. Daraus hat die deutsche und die ungarische Umgangssprache zahlreiche Ausdrücke entlehnt. Entlang der Bega wohnten Rumänen und Serben in der „Vlasca Mare“ (vormutlich aus „Valahia Mare“), ein Weiler noch aus der Vortürkenzeit. Die Nachkommen dieser alteingesessenen Rumänen und Serben (meistens Gerber) sprachen bis nach dem Ersten Weltkrieg neben ihrer Muttersprache auch das Deutsch und Ungarisch ihrer Mitbewohner. Auch Ungarn könnten die Türkenzeit überlebt haben. Davon zeugen die kleinen Häuser in der Magyaruca (‘Ungarngasse’), in denen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorwiegend Schmiede und Wagner wohnten. Auch sie sprachen das Stadtdeutsch und trugen zu dessen Veränderung bei. Bemerkenswert sind die aus Böhmen stammenden und in der Grabengasse der Fabrikstadt angesiedelten Musikanten. Es waren deutsche Zigeuner, die Namen wie Bernecker, Ehardt und Stürzinger trugen, ein wienerisch gefärbtes Deutsch sprachen und nach 1945 das Los der in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit verschleppten Deutschen teilen mußten. Auch sie werden zur Ausgestaltung des Temeswarer Slangs beigetragen haben.

 

Über das Zusammenleben verschiedenster Ethnien und Berufsgruppen erfahren wir aus Mokkas „Alttemeswarer Mosaik“. Der Abschnitt „Sitten und Bräuche in Temeswar“ wird durch die Vorstellung des Untersuchungsobjektes eingeleitet: „Meine Eltern wohnten in der Rosengasse, die heute Crisantemelor heißt und im vierten Bezirk, in der Josefstadt liegt. Hier lebten Handwerker, Tagelöhner, Gelegenheitsarbeiter, Fuhrleute, Fiakerer, Fratschler, Lokalmusiker, Wäscherinnen, Büglerinnen, Blumenfrauen, ambulante Kaufleute, Hausierer, Ammen, Straßendirnen und Fabriksarbeiterinnen. Der Nationalität nach gab es hier (nach dem Ersten Weltkrieg, Anm. d. Verf.) Bulgaren, Deutsche, Juden, Serben, Ungarn und Zigeuner. Alle sprechen sie deutsch miteinander, im Familienhaus jeder in seiner Muttersprache. In Sitten und Bräuchen fand man kaum Unterschiede.“

 

 

 

Nach Johann Wolf ist die Abzweigung der eigentlichen Stadtmundart eine Vorstadtsprache ein Slang, der sich vorwiegend mit seinen lexikalischen Eigentümlichkeiten vom Konventionellen und Kultivierten entfernt, das exzentrisch Wirkende sucht und ikräftige, auch humorvoll oder ironisch wirkende Wortprägungen, triviale oder vulgäre Metaphern und zuweilen auch Schimpfwörter bevorzugt, etwa: Wie kannst iba sei Pappn Goschn sagn, wenn sei Schniß a Rissl is. Der Slang wird auch Jaß-Sprache genannt. Im Wienerischen ist Jaß ein Angeber, ein Protz, der von seinen Haberern bewundert wird. Jaß machen bedeutet in Temeswar ‘protzen, sich zur Schau stellen’. Ein Jaß kann sich auch beim Raufen hervortun, in Liebesaffären, beim Kartenspiel u.a. Die umgangssprachliche Bedeutung von Jaß m. ist ist 1. ‘Fachgröße, Kenner’ „Jaß“ nennt man den Trumpf-Buben im gleichnamigen Kartenspiel; wohl von „As“ beeinflußt. (Österr. 1950 ff.), 2. begabter Schüler (Österr. 1950 ff.). Österreichisch ist Jaß, Pl. Jasse (landsch., ugs.) ‘ein tüchtiger Bursch, ein Spitzenfachmann’ und ‘ein Kartenspiel (nur Sg.); davon abgeleitet ist das Verb jassen (ÖWb, 262). In Temeswar ist bekannt sich jassmachen ‘prahlen, aufschneiden’, eine Zusammensetzung aus ung. jasz(olni), (jaszoskodni ‘sich wie ein Bengel benehmen’) und machen. Haberer m. bedeutet in der Umgangssprache ‘Liebhaber, Geschlechtspartner’, fußt auf jiddisch chower ‘Kamerad’, gekreuzt mit habern ‘essen’ (bair. und österr. 1900 ff.).

 

 

 

Der Slang bringt gewöhnlich kein eigenes lautliches und grammatisches System hervor. So hat auch der Temeswarer Jargon die meisten phonetischen Merkmale mit der städtischen Umgangssprache gemeinsam.

- Johann Wolf hat aber festgestellt, daß die zu Fortes gewordenen Lenes noch etwas härter gesprochen werden, z.B. Puckl ‘Buckel’, Tach ‘Dach’, terfat ‘dürfte’. desgleichen tritt das durch Vokalisierung des r entstandene a noch deutlicher hervor: Pangat ‘Bankert’, Kella ‘Keller’, Ampa ‘Eimer’, vaschwundn ‘verschwunden’.

- Ungewöhnlich sind einige Pluralendungen von Substantiven: die Lehras, die Habas. Solche Formen mögen den Pl. von dem sonst gleichlautenden Sg. abheben. In der Pluralform die Bichasn fehlt jedoch dieser Anlaß, und dennoch liegen viererlei Pluralmorpheme vor: a (-er), ‑s, -n und der Umlaut. In manchen hypertrophischen Pluralbildungen erscheinen zwei-, bzw. dreierlei Pluralmorpheme: die Kuschasn ‘die Kutscher’, die Blumasn ‘die Blumen’, die Gaunasn ‘die Gauner’, die Weibasn ‘die Weiber’. Wolf verweist auf die ähnliche ugs. Form die Jungens, die hypertrophisch differenzierenden Pluralformen wie: die Mädels nachgeahmt worden ist.

- Kennzeichnend für den Slang ist die von der Standardsprache abweichende Pluralbildung mit Umlaut: Ärm ‘Arme’, Krägen ‘Kragen’, Pölster ‘Polster’, Täg ‘Tage’, Wägen ‘Wagen’.

- Hypertrophische Pluralbildungen kennzeichnen die Erzählungen Mokkas: alte Baamasn ausmachn (S. 72), die schwarze Käfas, ohna Maschinasn und andere Hilfssachn (77), ihnana Vatasn (26), ja sogar im Fremdwort drei Popasn (nach rum. popa ‘Pfarrer’) (55). Allerdings deuten Doppelformen auf mangelnden Regelzwang: die letztn Blumasn im Herbst (10) neben aan paar Bluman (20), die Weibasn (11) neben: Sehgns, so sein die Weiba!; der Angst vor die Weiba hat ghabt (16).

- Eine weitere Besonderheit des Slang sind die phraseologischen, expressiven Befehlsformen, z.B. für „geh weg“!: vakratz dich! (eine Lehnprägung aus ung. pusztulj), vaputz dich! (aus ung. pucolj), fahr ab! schau, daß du weitakummst! geh in die unterste Hölle! geh in die Donau! (euphemistisch für Teufel) geh zum Schinda! (s. Schinder, früher ‘Abdecker, Wasenmeister’ ÖWb 372), durai, Buben! ‘los!’, fugi! (rum. ‘lauf!’)

 

 

 

Zur Expressivität des Slang zählt der Gebrauch vieler Redewendungen und phraseologischen Fügungen, die häufig nicht nur im Deutschen verwendet, sondern auch ins Ungarische, Rumänische, Kroatisch-Serbische u.a. Muttersprachen der Slang-Sprecher übersetzt, bzw. auch aus diesen Sprachen ins Deutsche übernommen werden. Fink bringt viele Beispiele dafür,: von denen hier die interessantesten angeführt werden.

- abtreten - jmdm. die Heirat abtreten ‘jmdm. auf die Fersen treten’. Eine Variante aus Reschitza: jmdm. die Heirat abkehren. Also: Geh weg oder ich tret/kehr dir die Heirat ab.

- Aff - neuneckiger Aff, - Schimpfwort für ‘ungeschickter Kerl’

- alt - Auf die Beteuerung: Ich bin schon alt, wird geantwortet: Alt ist die Schager Landstraße (und die wird repariert), oder: Alt ist die Domkirche; Alt ist meine Großmutter. Die Redensart mit der Schager Straße (Schag/­ag ist eine Gemeinde bei Temeswar) bzw. allgemein Landstraße ist auch im Ungarischen bekannt: öreg az orszagút..

- Auf den Hinweis: Der andere hat’s auch so gemacht! erfolgt die höhnische Antwort: Und wenn der andere in den Brunnen springt, springst (du) nach?

- Auf die naive Frage: Was soll ich anziehen? Antwortet man: Die Gartentür.

- Arbeit - Ein Haar in der Arbeit finden für: ‘ohne Lust arbeiten’ oder ‘eine Arbeit mit fadenscheinigen Vorwänden aufschieben’ ist eine Abwandlung der Redensart: Ein Haar in der Suppe finden.

- Bauchnoten geben ‘oberflächlich prüfen’, ‘dem Schüler eine Zensur erteilen, ohne ihn zu prüfen’. Im Gegensatz zum Kopf als Stätte des logischen Denkens gilt der Bauch als Ort der Unordnung. Eine aus dem Bauch geangelte Note (s. Note ‘Zeugnisnote’ ÖWb, 321) kann nicht den wirklichen Kenntnissen entsprechen. Auch eine Anspielung auf das Bauchreden ist möglich. Vgl. aus dem ung. Schülerjargon: hasból beszelni ‘ohne Vorbereitung sprechen’. Die Redewendung ist rum. als: A da note din burtç ‘Noten aus dem Bauch geben’ bekannt.

- ein Blechgefrieß haben ‘unverfroren sein’, ung. pléhpofa. Etwa: Dem kannst ins Ziffablatt spuckn, der macht kaan Zucka (zuckt nicht), der hat a Blechgfrieß.

- bleiben - für Samen bleiben ‘ausbleiben’, übrigbleiben’

- blitzblau und donnergrün ‘in grellen Farben’ ist die höhnische Antwort auf eine naive Frage nach der Beschaffenheit eines Gegenstandes.

- brav -Wenn ihr Kind über Gebühr als brav und fleißig gelobt wird, beschwichtigt die Mutter: Er ist nur brav, wenn er schläft. Er ist fleißig , aber nur drei Tage lang und heut ist der letzte.

- Bretteln - nicht alle sieben Brettln beieinander haben ‘nicht ganz bei Verstand sein’, wohl analog zur Redewendung: seine sieben Zwetschgen nicht beisammen haben gebildet. Dabei wird wohl auch die magische Zahl sieben mitgespielt haben, denn ein Kistchen hat nämlich sechs, ein Bottich aber doppelt so viel Brettchen. Davon geht die rumänische Variante aus: Are cu o doagç mai mult/mai pu¾in în cap. ‘Er hat eine Daube zu viel/zu wenig im Kopf’. Vgl. dazu: Ein Radl zu viel/zu wenig im Kopf haben.

- Brotmühle - Laß die Brotmühle nicht so viel gehen’ ‘Halt den Mund!’

- Butter - Er hat Butter am Kopf (denn er meidet die Sonne). ‘Er hat ein böses Gewissen’, deshalb wagt er es nicht, andere zu beschuldigen. Die Redewendung kommt auch ungarisch vor. - Vermutlich wurde die gestohlene Butter früher unter der Mütze versteckt.

- da - Ungewaschene Körperstellen (Kopf, Ohren, Hals, Knie) werden so kommentiert: Da kann man Grünzeug/gelbe Rüben/, Krumbiern/Petersel anbauen. Da kann man Rübenkerne/Grünzeug säen. Da kann man Rettich setzen

- Dreck - Ich håb dem Dreck å Watschn gebm. ‘Ich habe nichts ausgerichtet’; ähnlich rum.: a da o palmç la un rahat und ungarisch: a szarnak egy pofont adni. Der Ausdruck: Dreck mit Speck/mit Quasteln bedeutet eine Abweisung und Verneinung.

- du Ein ungerechtfertigtes du kann mit mehreren Phraseologismen zurückgewiesen werden: Haben wir zusammen Kirschen gerupft/gegessen? Haben wir aus einer Schüssel gegessen/aus einem Trog gefressen? Haben wir zusammen Schafe/Kühe/Schweine gehütet? Hab ich mit dir im Sand gespielt/in den Sand gepischt?

- Dummheitssteuer ‘eine Summe Geldes, die man in der Straßenbahn, an der Kino- oder Theaterkasse usw. versehentlich zu viel entrichtet’; ‘Geldstrafe für die Veletzung der Verkehrsregeln oder anderer Vorschriften’. Auch ung. butasági adó.

- einbrennen - Ich werde dir schon das Kraut einbrennen! eine Drohung. Vgl. Einbrenn - ‘Mehlschwitze für Gemüse und Suppen’ (ÖWb, 195).

- essen - einmal mit dem großen Löffel essen ‘es ausnahmsweise sehr gut haben’, dagegen: die Suppe mit der Gabel essen ‘langsam vorwärtskommen’. Du mußt noch viel Makkaroni/Nudel/Knödel essen! sagt man einem jungen Menwschen, der sich eine zu schwere Arbeit vornimmt. essen, als ob man Läuse unter den Zähnen hätte - bedeutet ‘widerwillig essen’.

- fahren - mit dem Finger auf der Landkarte/in die Ölflasche/ins Rahmtöpfel/in die Wichsschachtel fahren - bedeutet: ‘nicht fahren bzw. verreisen. Auf die scherzhafte Frage: Fahren Sie nach Wien/nach Nizza? antwortet man: „Ja, nach Utvin/nach Mo½ni¾a.“ Beides sind Ortschaften unweit von Temeswar.

- Federrball - auf/in den Federball gehen - bedeutet: ‘ins Bett gehen’, nicht auf den Ball.

- Frühstück - Er hat zum Frühstück statt Kaffee Zuika getrunken - sagt man, wenn jemand viel Unsinn zusammenschwätzt. Zuika der/die ist eine Entlehnung des rum. ¾uica, auch kroat.-serb. dial. .cujka.

- Fuß - sich die Füße ablaufen ‘viele Gänge tun, um eine Sache zu erledigen’.

- Futtersack - Dir werd ich den Futtersack höher hängen, Gilt als ‘Drohung für ein übermütiges Kind’.

- gehen - bletti/durei/remei gehen ‘davonlaufen, sich von der Arbeit drücken’

- Geist - Der heilige Geist! ist der Ausdruck einer unbestimmte Antwort auf die rhetorische Frage: „Und wer hat das getan?“ Der „heilige Geist“ ist eben unsichtbar und wirkt im Verborgenen.

- Gescheitheit - die Gescheitheit mit der Gabel gefressen haben - bedeutet: ‘sehr dumm sein’. Das Antonym dazu ist: die Gescheitheit mit dem Schöpflöffel gefressen haben.

- geschenkt - Einem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul. - ‘Man soll ein Geschenk nicht bemängeln’.-

- Geschmack/Geschmäcker/Gusta und Ohrfeigen sind verschieden. - ‘Man kann nicht alles über einen Kamm scheren’. Österr. Gusto ‘Geschmack (ÖWb 239). Geschmacksverkalkung haben bedeutet: ‘Unfähigkeit, einen Kunstgegenstand zu bewerten.

- Geschossen hat’s in Arad/, Semiklosch (Sânnicolau Mare)/Belgrad usw. gilt als abweisende Antwort auf die Frage: ‘Was ist geschehen?’ Vermutlich handelt es sich dabei um die Erinnerung an den Brauch, ungewöhnliche Ereignisse durch Kanonenschüsse anzumelden.

- Gevatter - Wer den Teufel zum Gevatter/Gevattersmann hat, kommt leicht in die Hölle. ‘Wer gute Beziehungen hat, kann sich leicht Zugang verschaffen. Eine Variante davon lautet: Wer Heilige hat, kommt leicht in den Himmel. Auch rum.: Cine are sfin¾i, ajunge în cer. Bzw. a avea un sfînt la Ierusalim ‘einen Heiligen in Jerusalem haben’.

- Grammel (Grieben) - jemanden/etwas zu Grammel machen ‘an jemandem/etwas vernich­tende Kritik üben; etwas kaputtmachen’. Grammel werden bedeutet: ‘durch unsachge­mäße Behandlung zu einem formlosen Gegenstand zusammenschrumpfen.’ Im Slang auch: zu Paprikasch machen, d. h. ‘in Stücke reißen’. Auch ung.: paprikást csinálni valakiböl.

- bis Gromoboi ‘sehr weit’; Gromoboi heißt auch der höchste Trumpf in einem Kartenspiel.

- Grünzeug - Sie verkauft Grünzeug/Petersel. ‘Sie steht nur und wird nicht zum Tanz aufgefordert’; die Redensart ist auch ungarisch bekannt. Dieselbe Bedeutung hat: Sie geht ins Wirtshaus Kalk plicken. D.h. ‘Sie steht im Tanzsaal an der Wand und wetzt den Kalk ab.’

- gut - gut für auf den Essigkrug bedeutet: ‘kaum zu gebrauchen’. Der Essigkrug wird nämlich mit einem abgeribbelten (entkernten) Maiskolben geschlossen.

- Hase - einen Hasen fangen euphemistisch: ‘hinfallen’

- Herz - Verruckt ist mein Herz! Einwurf mit der Bedeutung: ‘Es fällt mir gar nicht ein.’

- Hund - von jedem Dorf ein (anderer) Hund und von Sándorház (Alexanderhausen/­andra) ein Pudel; ‘bunt zusammengewürfelte Gruppe’

- Hut - Wenn jemand grüßt, ohne die Kopfbedeckung abzunehmen, heißt es: Er hat junge Spatzen/Eier unter dem Hut.

- Kalb - Hat der Teufel die Kuh geholt, soll er auch das Kalb holen! Ausruf eines Menschen, den ein geringer Verlust trifft, kurz nachdem er einen größeren erlitten hat.

- Klavir - den ganzen Tag lang Klavier spielen, ironisch für: ‘den ganzen Tag über Wäsche waschen’ (so wie Reiche den ganzen Tag über Klavier spielen können).

- Die Köchin ist verliebt. ‘Die Suppe ist versalzen.’ Verliebte achten nicht auf Kleinigkeiten.

- Küchenschmutz ‘gesondert aufgezogenes kleines Tier (Huhn, Hund, Katze, Hase), das statt im Stall in derKüche herumkriecht’.

- lachen - Von einem ernsten Menschen heißt es: Er geht hinter den Rauchfang lachen. Eine Variante im Ungarischen heißt: A padlásra megy vigyorogni. ‘Er geht auf den Dachboden grinsen,’ (wo ihn niemand sieht).

- Laus - Besser eine Laus im Kraut als gar kein Fleisch. Es ist ein Synonym zu dem Sprich­wort: Besser einen Sperling in der Hand als eine Taube auf dem Dach. Der Ausdruck: Läuse suchen bedeutet: ‘einen Handel absichtlich in die Länge ziehen’

- Leber - eine trockene Leber haben; die Leber auf der Sommerseite haben bedeutet: ‘viel Getränk vertragen können’.

- Leberwurst eine gekränkte Leberwurst ist ‘jemand, der keinen Spaß versteht, ein Spielver­derber’. Dagegen ist eine aufgeblasene Leberwurst ‘ein jähzorniger, aufbrausender Mensch’.

- machen - Der/das macht das Kraut nicht fett. ‘Der/das wird nicht mehr viel helfen’.

- Maul - das Maul an den Nagel hängen ‘hungern’. Die rum. Variante lautet: a-½i pune pofta în cui. - Kiebitz halt’s Maul! bedeutet: ‘Man hat dich in dieser Sache nicht gefragt’. In den Alt-Temeswarer Schankstuben war neben jedem Spieltisch diese Aufschrift angebracht.

- Messer - Das Messer schneidet das kalte Wasser. Auf diesem Messer kann man reiten; d. h. ‘Dieses Messer ist stumpf.’

- am dicken Mittwoch ‘nie’. Die Reschitzaer Variante lautet: Am dicken Mittwoch, wenn der warme Wind blast. Synonyme für ‘nie’ sind: Wenn die Pferde Neujahr/Ostern/Pfingsten haben. Bzw. die rum. Variante: la Pa½tele cailor ‘zu Ostern der Pferde/(zu Pferdsostern)’.

- Narr - jmdn zum Narren halten, mit jmdm. seinen Boshok treiben, vgl.dazu rum. a-½i bate joc und ung. bolondot üzni.

- Ohr - nicht einmal mit den Ohren wackeln ‘Anspielungen nicht verstehen wollen; kein Interesse zeigen’. Bei verdächtigen Geräuschen zuckt der Hund mit den Ohren.

- Pfingstlümmel ‘Langschläfer’. Nach einem Pfingstbrauch wurden Langschläfer am Pfingst­montag an die Bettdecke genäht.

- mit jmdm. pitschi-patschi sein ‘mit jmdm. in guten Beziehungen stehen’. Der Ausdruck ahmt das freundschaftliche Betätscheln zur Begrüßung nach. Synonyme: Pitschi-patschi-Freund­schaft, ung. picsi-pacsi-barátság. Vgl. auch ung. Pussi bajtárs ‘guter Kamerad’, nämlich gute Freunde, die sich bei einer Begegnung küssen; bei Lammer erscheint die deutsche Variante Pussibruder: Stets fand sich ein Pussibruder, der für ihn blechte (bezahlte).

- predigen - Der Pfarrer predigt nicht zweimal, als Mahnung: ‘Ich wiederhole nichts’. Warum habt ihr nichtaufgepaßt! Dazu ung.: A pap csak egyszer predikal.

- Rausch - Dazu das Sprichwort: Besser ein Rausch als ein Fieber.

- RolloRolladen’ - Ich habe meine Rollo heruntergezogen. ‘Geschäftsschluß, ich bin nicht mehr zu sprechen, ich habe geendet.’Die ung. Entsprechung lautet: lehusztam a redöyt. Das spielt keine Rollo; ist eine scherzhafte Weiterbildung von Rolle.

- schauen - in den Krautgarten schauen ‘schielen’. Der Krautgarten war ein Stück Gartenland außerhalb des Dorfes, nach de, oft geschaut werden mußte.

- Schleppsäbel - als die Spatzen Schleppsäbel trugen ‘vor vielen Jahren’

- schmecken - Es schmeckt nach noch. Humorvolle Anerkennung: ‘Es schmeckt sehr gut’.

- Schmirkas, Schmirkas mit Ananas, eine Absage und Verneinung. Das Substantiv Schmirkas (weicher Käse), mit oder ohne Zusatz bedeutet ‘nichts’, zuweilen auch ‘gelogen’. Ähnlich wird Schmarren (mit Gurknsalat) verwendet. 

- schreiben - Das werde ich mit schwarzer Kreide in den Rauchfang schreiben. ‘Ich werde mir keine Mühe geben, das zu merken’.

- Soß - eine lange Soß ‘eine umständliche Geschichte’, wie eine zähflüssige Masse Dazu ung. hosszu szósz;, a lenyegre, hagyd a szószt! ‘Komme zum Wesentlichen, lasse das Füllsel!’

- Spatzen - mit jedm. Spatzen fangen können ‘von jmdm. sehr viel verlangen können’, wohl abgeleitet von: „mit jmdm. Pferde stehlen können“.

- suchen - den gestrigen Tag suchen ‘nicht richtig arbeiten’ auch: ‘am unrechten Ort suchen’.

- Todesschein - den Todesschein in der Tasche tragen ‘Es geht zu Ende’.

- tragen - Wenn ein Gegenstand intensiv, aber unsystematisch gesucht wird, heißt es: Zwei Männer haben’s getragen auf einer langen Stange. Oder: Da ist ein Nackter gelaufen und hat’s in der Westentasche getragen.

- Troger - auch ung. tróger, bedeutet ‘Taugenichts’. Das Wort stammt - nach Lammert - aus der Zeit der Pestepidemien des 18. Jahrhunderts, als die übelbeleumdeten Leichenträger portitores, tragerones, 1739 auch wörtlich „trogerii“ (nach trogn ‘tragen’) genannt wurden.

- träumen - Wenn jemand unerfüllbare Wünsche äußert, sagt man: Die Gans träumt vom Kukuruz. Ähnlich ist die rum. Variante: Pasçrea/vrabia mçlai viseazç. ‘Der Vogel träumt vom Maismehl’; ‘Das möchtest du wohl.’

- treffen - Ein gut gelungenes Foto wird sarkastisch kommentiert: Der Schlag hätt ihn nit besser treffen können.

- verwandt - Weitläufige Verwandtschaft wird scherzhaft auf vielfache Weise bezeichnet: Wir sind Geschwister Enkel über den Torpfosten/Geschwister Ferkel über den Schweinstrog. D.h. ‘Wir sind weitläufig verwandt, man weiß nicht mehr, wie.’ Synonyme sind: Ach, von der siebenten Suppe der Löffel. Ach, von der siebenten Suppe die Nudel/der Schnittling (Schnittlauch). Von der siebenten Sau die Jungen/das siebente Ferkel. Vom siebenten Tor der Torpfosten. Das fünfte Rad im Wagen (entstellt; eigentlich: das Rad vom siebenten Wagen). Ferner: Unser Torpfosten und eure Torpfosten sind aus Holz/sind hölzerne Brüder. Wieso? Sie sind nebeneinander im Wald gestanden. Wir sind Geschwister Torstützen. Sei Katz hat in mei Bodn gschitt. ‘Seine Katze hat auf meinem Dachboden Junge geworfen.’

- die Veilchen von unten riechen, euphem. für: ‘sterben’; ung: alulrol szagolni az ibolyát.

- Wand - taube Bohnen an die Wand werfen ‘jmdn. vergebens beraten’; ung. babot a falra.

- Wasser ziehen ‘sich zu keiner Arbeit entschließen können’. Wer die schwere Feldarbeit scheute, wurde früher zum Wasserziehen, d.h. ‘abschöpfen’ bei Überschwemmungen eingesetzt. Man sagt: „Ach, der zieht Wasser.“ So mußte 1758 von Anfang August bis Ende November bei der Festung Temeswar „beständig und durch den gantzen Sommer anhaltend ohngewöhnlichen großen Wasser geschöpft werden.“

- Weinsuppe - nach dem Tod die Weinsuppe ‘verspätet’. Mit der Weinsuppe, einem festlichen Gericht der Neujahrsnacht, soll man jemanden beehren, solange er lebt.

- Wetter - schönes Wetter machen ‘alles aufessen, was man vorgesetzt bekommt’

- Wölfe - Da heulen die Wölfe. ‘Da ist es furchtbar kalt.’

- Zahn - auf etwas lange/wässrige Zähne haben ‘auf etwas Appetit haben’; jmdm. lange/wässrige Zähne auf etwas machen ‘jmdm. auf etwas Appetit machen’.

- Zwickmühle - in der Zwickmühle sein ‘weder aus noch ein können’.

 

Lammert hat zahlreiche expressive Ausdrücken und Phraseologismen des Temeswarer Slang zusammengetragen. Hier können leider nur einige exemplarisch herausgegriffen werden.

Verschiedenes:

- Du kannst dich auf den Kopf stellen und mit dem Hintern Fliegen fangen! ‘alles ist umsonst’

- Langsam mit der Braut! ‘nichts überstürzen’,

- Was ist dir heute in den Hut gefallen? im Bettlerjargon: ‘Was hast du heute verdient?’

- Das kannst du dir hinter den Spiegel stecken. (Wie die geweihten Palmkätzchen.) Ähnlich: - - Das kannst du dir auf den Hut stecken. ‘Es ist nicht viel wert.’

- jmdm. Staubzucker in den Hintern blasen ‘jmdm schmeicheln’, ung. steht dafür: öt kilo pehelyt ‘fünf Kilo Flaumfedern’.

- Er ist ein olcsó János .‘Er ist ein billiger Jakob, ein gutmütiger Kerl.’

- Ich gib dir a Flaschn, daß dei Zänt paarweis beim Arsch rausmarschiern! eine vulgäre Drohung.

 

Mokka sammelte bildliche Umschreibungen für einzelne Wörter wie:

 

- mager: Er is dem Zahnstocha sei klana Bruda. Er muß dreimal bei der Tür reinkomman, bis ihm aana sigt, Sei Mutta muß a Zwirnsfadn gwesn sein. Sei Vata war da Nähnadl ihra Schwaga. Er is aan Andarmiga. Ewr is aan Gelsnkenig. Er hat aan Bauch wie aan Regnwurm im Winta. Sei Schattn is dicka wie er. Sei Kopf bamblt an aanem Zwirnsfadn

- groß: Sein Vata war aus Gummi. Sei Mutta hat ihm angsticklt. er putzt die Gaslampn ohne Laata. Er richt[et] die Kirchnuhr am Turm. er fangt die Wolkn mitm klanan Finga. Er schaut aus wie aan Storch im Krautgartn. Er ist aan Heigeign. Er ist aan Maibaam. Er schaut beim Dachbodn rein. Wenn er di Fiß anschaut, brauch er aane Stund.

- klein: Er is aan Zammkratz (Teigreste aus der Backmulde). Er is aan Stoppl. Er sucht sich manchmal selbst. Seine Kleida als Kind tragt er bis er sterbt. Den missn seine Eltern valorn habn. Sei Weib aaß nie, ob er zaus (zu Hause) is. Schaut er beim Fenster raus, kennt er aan Mann sein. Aach im Gras vaschwindet er. Er kennt in aana Nußschaln wohna.

- häßlich: Hätt a ka Gsicht, mecht a scheen sein. Sei Vata war a Fiakerpferd. Blitz und Donna warn sei Eltern. Sie is dem Teifl sei Schwiegamutta. Der leibhaftige Teifl is aane Madonna nebn ihm. Er gleicht einem Kohlensack. Er ist bei der Sintflut auf die Welt komman. Er sikt wie aan Abwaschweidling aus. Er sikt wie zehn Tag Regnwetta aus.

- schön: Sie ist aan Maschanzkaapfl. Sie ist wie Milich und Blut. Sie ist zum Anbeißn. Ihra Mutta war aan Engl. Ihre Mutta ist mitm liebn Gott vawandt. Sie gleicht der Mutta Gottes. Wer sie sikt, dem gfallt das Lebn. Sie ist wie die liebe Sonna. Sie ist schen wie aan Traam. Sie ist schen wie die Sind (Sünde). Der Mala (Maler) kennt sie nit schena maln.

- verschwenderisch: Er schmeißt sei Geld beim Fensta naus. Er fittat das Gras mit Geld. Er laßt aan jedn lebn. Er is splendid wie a Baron Er is nit schnaß (zu schnöde, bair. ‘karg, ärmlich’). Sei Brieftaschn kriegt aan Loch. Er muß a Geldmaschin habn. Bei ihm wachst das Geld aufn Misthaufn. Ihm werdn noch die Hund nausschleppn.

- stottern: Er stottart nur, wenn er redt. Er hat Angst, er kennt des Wort valiern. Er hat die Werta zu gern. Er vabeißt eha das Wort, dann redt er. Seine Zunga kann nit regiern. Wie er auf die Welt kumman is, war grad Erdbebn. Sei Mutta hätt ihm kaffeelefflweis redn lerna missn. Er mißt singan, dann geht’s bessa. Gut, daß er kaan Pfarra is,

- Säufer: Er mecht aach die Bega leersaufn. Außa Staansoda trinkt a alles. Nur vor seina Geburt war a nit bsoffn. Sei Magn ia a Faßl. Er will a andara Mensch sein, darum sauft er. Wenn a bsoffn is, singt sei Elend. Den werdn die Hund nausziegn.

 

Ein besonderes Kapitel des Temeswarer Argots sind die Flüche, die wohl anschaulich, aber nicht vulgär sind. Mokka hat hundert davon gesammelt und kommentiert sie so:


In unserem Kretzl in der Josefstadt wohnte ein Stangenreiter (Lohnkutscher), der so schön fluchte, daß es sich lohnte, seine Flüche aufzuzeichnen. Er benützte dabei keine Wörter wie Ungarn, Serben oder Rumänen sie verwenden. Er drechselte seine eigenen Flüche - wenn es Flüche waren. An ihm ist ein Dichter verlorengegangen, seine Flüche waren Metaphern. Er war der Meinung, Fluchen hält gesund. „Wer flucht, muß nicht zum Doktor gehen. Der Fluch gibt dem Körper frische Luft. Viel weniger Narren gäbe es, möchten die Menschen fluchen, wenn sie sich ärgern.“ Das Rezept des Stangenreiters hat ihn bis ins hohe Alter gesund erhalten, trotz siebzehn Kinder. Er starb älter als neunzig Jahre alt. Der Fuhrmann hieß Josef Schill und wohnte in der Wiesenzeile in der Josefstadt.

 

Zur Illustration folgen nun einige Blüten dieser urwüchsigen Volkspoesie:

 

3. Die Schager Landstraßn soll durch dein Magn fahrt, wenn du Kalbsbratn mit Gurknsalat eßt.

5. Am Karfreitag sollst die Schleppa (Schleppkähne) auf der Bega mit leerm Magn ziehgn.

16. Auf der Lloydzeiln (in Temeswar) sollst ohne Untahosn stehn und Jesus Christus soll dir Rózsa Sándor (Räuberhauptmann) ins Haus schickn.

21. Aane Bratkirbus sollst an der Josefstädtla Kirchweih sein, daß dich jeda al den Bischof von Tschanad anschaut.

25. Am dickn Mittwoch sollst Haarsalat frihstickn und an der erstn Pferdsknedl erstickn.

29. Der Herrgott soll dich als Fiakapferd auf die Welt bringa, mitm Hafasack auf der Goschn.

39. Ich schmeiß dich in die Bega und ziehg dich als anständiga Mensch wieda raus, wenn du kaane Ruh gibst.

40. Zigeina solln dir den Totnmarsch spieln und vierzehn nackate Hurn auf dein Grab tanzn.

49. Der Josefstädtla Kirchturm soll dich mitm Blitzablaita vaheiratn.

62. Tag und Nacht soll die Regimentsmusik den Radetzkymarsch unta dein Fensta spieln, bis aufherst zu singa.

63. Die Temeswara Bettla solln reicha sein wie du.

88. Die Radnaer (nach Radna) Prozession soll iba dich stolpern, wennst am Sonntag kaan reines Hemd anziehst.

96. Essigsaure Tonerde soll dein Milchkaffee sein, wenn du nit a anständiges Geschepf werst.

 

Häufig werden expressive Vergleiche verwendet. Fink kommentiert z.B. folgende:

 

- angesoffen wie ein Dudelsack ‘schwer betrunken’

- Augenmaß haben wie ein Wildschwein;/wie ein blindes Fiakerpferd ‘kein Augenmaß haben’

- ausschauen wie der Tod in Gala[kleidung] ‘mager, abgezehrt’

- ausschauen wie der Haderlach Franzi ‘in zerrissenen Kleidern (vgl. Haderlump ugs. ‘Taugenichts’ ÖWb 241)

- Es geht aus wie beim Matz se[ner] Hochzeit: Der Letzte hat keinen Löffel kriegt; hat keinen Teller kriegt; Die Braut hat keinen Löffel gehabt. ‘Es geht nicht aus. Das Material hat beinahe, aber nicht ganz gereicht.

- sich dranhalten wie der Narr am Käs ‘immer wieder auf eine Sache zurückkommen’

- dumm wie neun Schab Stroh (Schaub ‘Bündel’ ÖWb 370) ‘sehr dumm’

- etwas im Griff haben wie der Bettler die Laus - Umschreibung für ‘Handfertigkeit’

- husten wie ein Gerberhund ‘heftig husten’, da die Gerüche der Gerbmittel für die Lederverarbeitung die Atemwege reizen

- herumspringen wie ein Floh in der Reiter/in der Laterne ‘sich aufgeregt hin und her bewegen’. Vgl. Reuter ‘ein großes Sieb’.

- klar wie Begawasser/wie Schuhwichse/wieTinte/wie Wagenschmier ‘unklar’, auch das Begawasser ist trübe.

- lachen wie ein Hafner, wenn er umwerft - ‘ein bestürztes Gesicht machen’. Die Substantive Hafen und Hafner aus dem Süden des deutschen Sprachraums sind in Temeswar unbekannt. Man gebraucht dafür Topf und Töpfer.

- leben wie ein Vogel im Hanfsamen ‘üppig leben’; kommt auch ungarisch vor.

- leben wie ein Hund/die Katze im Brunnen: zu saufen hat er (sie), aber zu fressen wenig - ‘in dürftigen Verhältnissen leben.’

- leben wie der junge Hund im Brunnen, wenn er den Amber auf den Kopf kriegt/fehlt nur noch der Eimer auf dem Kopf - ‘Es geht zu Ende mit ihm.’

- ein Mund wie ein Lattenzaun ‘schadhaftes Gebiß’ (bei dem jeder zweite Zahn fehlt)

- einen Mund haben wie ein Scherenschleifer ‘unermüdlich und flink sprechen können’

- raffinierter wie sechs Panduren (ung. Fußsoldaten) ‘sehr raffiniert’; kommt auch als ungarische Redewendung vor.

- saufen wie ein Bürstenbinder/wie ein Glasbläser/wie ein Gritschenloch ‘sehr viel trinken’; auch ungarisch bekannt. Desgleichen die Redewendung: Es rinnt hinunter wie in ein Kritschenloch. Der Kritsch ‘Hamster’ hat einen Bau mit senkrechter Röhre, die sehr viel Wasser aufnimmt, bevor das Tier herauskommt.

- schwimmen können wie eine Holzhacke ohne Stiel ‘nicht schwimmen können’

- sitzen wie der Aff am Schleifstein (von einem Radfahrer) ‘eine ungewöhnliche, lächerliche Sitzstellung einnehmen’; kommt auch ungarisch vor.

- Er ist übrig wie der Satz im Kaffee. ‘Alter Mensch, dessen Verwandte verstorben sind.

 

 

 

Kennzeichnend für die städtische Umgangssprache und den Jargon ist das Ineinandergreifen mehrerer Sprachen, da die Sprecher mehrsprachig sind und im Laufe des Gesprächs die Sprache mühelos einmal oder öfter wechseln können. Das „Temeswarerische“ setzt sich aus fünf Sprachen zusammen, von denen eine immer die Oberhand behält. Ähnliches gilt für die Stadtsprachen von Esseg, Reschitza und anderen ehemaligen österreichischen Provinzstädten. Austriazismen und viele Fremdwörter sind in der Umgangssprache von Temeswar anzutreffen. Bereits in den Akten der Banater Landesadministration ist die Rede von:

 

- Salahoren (rum. salahor ‘Hilfsarbeiter’),

- Harambassen (kroat.-serb. haramba¼a, rum. haramba½ ‘Räuberhauptmann’, beide kommen von türk. haram-ba½i, ‘dasselbe’),

- Hambar (kroat.-serb. hambar ‘Speicher’),

- Kotarken (kroat.-serb. kotarica, rum. cotari¾ç ‘Weidenkorb’, mit ung. Suffix -ka),

- kaiserliche Salaschen (kroat.-serb. sala¼ ‘Meierhof’),

- Rakie (kroat.-serb. rakija, rum. rachiu ‘Branntwein’),

- Kukurutzfechsung (Kompositum aus kroat.-serb. kukuruz, rum. dial. cucuruz, ung. kukorica ‘Mais’ + Fechsung ‘Ernteertrag’ ÖWb, 213),

- Malaja (rum. mçlai ‘Mais/Hirse),

- Gorniken (rum. gornic ‘Wald-, Flurhüter, kroat.-serb. gornjæk ‘Bergbewohner),

- Scherbet (kroat.-serb. ¼erbet, rum. ½erbet ‘Sorbet’, beide entlehnt von türk. ½erbet ‘Sorbet, Fruchtsaft-Erfrischungsgetränk),

- Plajaschen (rum. plçie½ ‘Grenzwächter, Bergbewohner’),

- Neue-Varosch ‘die Vorstadt Mehala’ (ung. város ‘Stadt),

- Fisolen ‘frische Bohnenschoten’ (ÖWb 216),

- Kolatschen/Golatsche ‘eine Mehlspeise (ÖWb, 274, auch kroat.-serb. kolaº, rum. colac ‘Kuchen’).

Die meisten dieser Wörter sind sowohl in der Temeswarer städtischen Umgangssprache als auch in den donauschwäbischen Mundarten des Banats anzutreffen. Vgl. dazu in „Materialien Heft 4“: Gornik (S. 41), Hambar (62), Harambasch (96), Kotarka (84), Kukuruz (46), Malaj (85), Plajasch (86), Raki (88), Salasch (43) mit weiterführender Etymologie. Die Reihe lexikalischer und phraseologischer Interferenzen könnte bei anderer Gelegenheit beliebig fortgesetzt werden. Der Rahmen dieser Arbeit zwingt zur Beschränkung auf einige kennzeichnenden Beispiele..

 

- Von besonderem Interesse sind Rückentlehnungen als sichtbares Zeichen für die Polyglossie der Sprecher der städtischen Umgangssprachen. Häufig drangen deutsche Wörter in Fremdsprachen ein und wurden von diesen - oft mit Bedeutungsverschiebungen - über­nommen. Die meisten Rückentlehnungen des Temeswarer Slang entstammen der niederen ungarischen Umgangssprache, doch gibt es solche auch aus dem Rumänischen, z.B.:

- das Substantiv Freier, bedeutet in der deutschen Gaunersprache; ‘ein Dummkopf, ein zum Betrug ausersehenes Opfer’. Diese Bedeutung besitzt das Wort auch im Rumänischen und wurde als neueres Lehnwort vom deutschen Slang übernommen.

- Wachs überging in die rum. Umgangssprache als vacs, vax mit der Bedeutung 1. ‘Schuhwichse’, 2. bildlich ‘ein Dreck, nichts’. In dieser Bedeutung kehrte es in den Slang zurück, wo Schuhwichs (wie auch ung.) dieselbe pejorative Bedeutung hat.

- Ein Verb aus dem Schülerjargon blitzen ‘die Schule/die Arbeit schwänzen’ und ung. blicolni ‘dass.’, dürfte auf wienerisch blitzen ‘die Zeche prellen’ zurückgehen.

- Das Verb drucken ‘den Daumern halten, Partei ergreifen’ (rum. Variante a ¾ine pumnii ‘die Fäuste halten’ und das postverbale Substantiv Drucker sowie die ung. Varianten drukolni bzw. druker stammen aus dem Sportjargon. Nach Lammert gehen sie auf die lateinische Wendung policem premere zurück.

- Fraas; das ahd. Wort freiza bedeutete ‘Gefahr’. Beim mhd. vreise überrascht der Bedeutungsumfang: ‘Gefahr, Verderben, drangsal, Not, Schrecken, Grausamkeit, Frevel, Wut, Zorn, Angst, Furcht, Gericht über Leben und Tod’. In den obd. Mundarten heißen die Krampfanfälle der Kleinkinder fraisen, freisen. Diese Bedeutung hat das Wort auch in den Banater Mundarten, dazu kommt noch die Bedeutung ‘Schrecken, Entsetzen’. Im ung. Jargon bedeutet frász: 1. Schrecken, 2. Ohrfeige, 3. Negation. Diese Bedeutungen wurden ins Deut­sche übernommen, z.B.: Hast ihm Geld gebm? Fraas hab ich ihm gebm.

- Paatz ‘Beize’. Die Redewendung: in die Paatz kommen entspricht der ung. Wendung: pácba kerülni ‘in die Beize, d.h. ‘in eine peinliche Lage kommen’.

 

 

In Anbetracht der rapide sinkenden Zahl der deutschen Einwohnern in den Städten Südosteuropas nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Beeinflussung der deutschen städtischen Umgangssprachen durch andere Staats- bzw. Verkehrssprachen. Trotz dieser veränderten Umstände haben sich bis heute Ausläufer dieser bairisch-österreichischen Stadtmundarten erhalten und wurden in letzter Zeit auf Tonträger und schriftlich festgehalten und ansatzweise auch analysiert.

 

 

 

Auf meine Bitte notierte Miroslav Stilinovi¹ - bekannt als Feta (‘Vetter’) Gilika - 1995 in Esseg/Osijek die erweiterten Wenkersätze und eine Liste von Kennwörtern in der deutschen Mundart mehrerer Esseger Stadtteile und schickte mir seine Notate in der von Lujo Plein bekannten, lautgetreuen kroatischen Transkription durch Prof. Petrovi¹ am 15.05.1995 zu. Ich übernehme die Beispielwörter- und Sätze in dieser Schreibweise und kommentiere sie. Zur Einleitung bringe ich aber einen Kommentar von Stilinovi¹ über das Essegerische in allgemeinverständlicher, literarischen Verschriftung. 

 

Ollgemein iba da essegerischn Stodtmundoat: 

Die essegerischi Stodtmundoat hot mehareri Variantn. Hauptsechlich bestejn finf Sprechoatn, oba es kon ma sogn, wieviel Essega [Esseger], souviel Dialektn. [Auch für Temeswar gilt: Soviel Temeswara, soviel Sprachn.] Des hengt vun dem ob, im weln Viatl [Stadtviertel] da Essege gebuan is, im wos fia Umkreis ea kwocksn is, und wie ea ausgebild woa. Essegerisch hot kaani Grammatik und kaani Rechtschreibung. Die Essega vastehjn sich seha gud untaonda, vastejn olli Donauschwobn, die aus Ungarn, Rumenien; olli esterreichischi und anigi siddeitschn Dialektn, und natialich Houchdeitsch.


Von der Tonaufnahme Nr. B-322-A vom 29.10.1996 bringe ich die Ausführungen einer Temeswarerin (aus der Elisabethstadt) über den Verlauf einer städtischen Hochzeit.

 

Frage: Wie hat me denn in de Stadt Hochzeit gfeiet? Is es andescht wie afm Dorf?

Hildegard Sch.: Also in de Stadt, da is den Tag voehää, is die standesamtliche Trauung, un dann meistns am Sonntag is die kirchliche Trauung gewesn. Jetz kam-man auch an andern Tagn machn, awe meistns Sonntag vaa die kirchliche Traaung, is de Hochzeitszug in die Kirche gegangen. Nach de Traaung sin sie dann nachhaus, sins entwede ins Gasthaus, abe meistns zu de Familie, nit wahr, in die Wohnung. Un dot is gegessn won, getrunkn, getanzt un gesungn, je nachdem. Da is, nach Mittenacht hat me den Brautschleie runtegnommen. Des hat me gsacht, die Braut is abgekrenzt woon. Hat men ihr e Tuch aufgebuntn, denn jetz is sie jetz Frau, Hausfrau woodn. Non, dann is noch untehaltn woon, je nachdem. Manchmal is es lustich zugegangen, manchmal waas wie af eine Totnwacht gwesn, die Hochzeitn. ... Ich war keine weiße Braut.

Frage: Un kam-me essn, was me will ode gibts bestimmte Speisn, was me dann eßt? 

Hildegard Schm.: Naja, es sin schon Leute, welche gewisse Speisn ham. Man sagt, e jedes haus hat seine andre Küche, und ich hab in viel Häuse gesegn, überaal war andes gewesn; aber im allgemeine ...

Frage: Awe so e Suppn is doch iweraal?

Hildegard Schm.: Na, das wollt ich ebn sagn. Da is die Fleischsuppe, das is fe as Rindfleisch, aus Schweinefleisch is es gemacht, aus Hühne, nid waa. Da sin die meischtns, aso diese Fleischsuppn. Dann sin die andere, was me schun macht aus Gemüse, net waa. Nan dann is des Gemüse, dann is Ganierung dezu. Das kann Reis sein, Katofflpiree sein, je nachdem. Das kann Möhrn, aso gelbe Riebn sein für Garnierungen. Un dann is gfülltes Kraut, sin die gfülltn Kürbis, de gfillte Kelerabe, was is, net, wås die Leite kochn. Dann sein die gekochte veschiedene Melspeisn, was sein, die viele Nudln, was sein, de Grenadimaasch, die Schmaan (Schmarren), was schon so gekocht wid. Un dann die gebackene Melspeisn, net waa, was is. Aso, men sagt, was as Geämteich is, des is de Kuchn, un die Feinen, das is die Mälspeis, na. Un dann sin die Tortn noch, nit, Kleingepeck, was me schon so machn tut. Also Kleingepeck, da sind meischtns kleini Krenzchen, kleine Pussln, de wäd as Honik gmacht, as mübn Teich (mürben Teig) wid des gmacht. Aso das is die Salzstangln, die Nußstangln, des is es Kleingebäck.

Frage: Un vas fi Tortn gibt es?

Hildegard Schm.: Aso das is schon sähr veschiedene Toetn. Es gibt sähr viele Tortn. Ase die meistn Leute ham die Nußtortn gmacht, mit Kaffeekrem ode mit Buttekrem. Un dann is des Bisquittortn gmacht worn, un wir ham die Katoffltortn gmacht. Ja, die is säh gut, die Katoffltortn. Dort kommt auch in de Krem kommn Katoffl hinein, und auch im Teig kommn Katoffln hinein.


Es folgen nun auszugsweise die Ausführungen einer Temeswarerin (aus der Elisabethstadt, heute in der Inneren Stadt) vom 29.10.1996 über den Verlauf des Kirchweihfestes im Banater Städtchen Lippa und dann in den Stadtteilen Temeswars.


Frage:.Un wie veläuft die Kirchweih in Lippa?

Hildegard Schm.: Also, was kam-me sehn, genau so wie am Dorf. Vormittach is de Aufmarsch, dann gehn sie die Ehrngeste einladn. Dann gehn sie in de Kirche, na gehn sie in Pfarrhaus. Dort wärdn zwei-drei Rundn getanzt, wird Fotoaufnahme gmacht mim Pfarre. Ein jede geht dann nachhaus zum Essn. Nachmittag gehn sie dann zum Faß, nit wahr. Da stellt sich jemand hinauf am Faß, dann wid de Strauß velizitit, un dann wid in manche Dorfe Kopftuch und Hut, anri Dörfe nur Hut un die Weinflasche velizitit, je nachdem. Nit wahr, is de große Baum aufgstellt, so wies aach auf den Dorfe is, so. Und am Abnd is Tanz. Frühe is drei Tage Kärweih ghaltn woen. Ich kann mich ärinnen, wie ich als Kind am Dorf war, da war Sonntach, da war Montach, auch Nachmittag Tanz, un am drittn Tach war nur mähr am Abnd Tanz. Un näckste Wochn Sonntach waa die Nachkärweih. Jedn Tach waan andre Röcke angezogn gwesn, eine schöne wie de andre. ...

- Und hier in Temeswar, da sind auch Kärweihn ghaltn worn frühe. Aso in de Mehala sin sie aufmaschiert. Und auch in Fratelia, da Kischoda sin sie auch aufmaschit, ja, in Tracht. Awe ich mein so, die ärste Kirweih in die Innestadt, wid awe nur in de Kirche gefeiert. Die zweite is in de Elisabethstadt im Juni. Im Septembe hat die Josefstadt, un de äste Sonntag in Oktobe hat die Fabrikstadt die Kirweih. Frühe hat me so Budn aufgestellt, dann sin die Ringlspiel (Karussel) gekommen, dann hat me allehand so kaufn können draußn. Also des war die Kerchweih. Dann ham sie dort Essn angebotn in den Zeltn. Waan lange Zeltn gewesn, dort war warmes Essn gewesn un kaltes. Na un dann, die Jugnd is hin un här. Die junge Leute ham de Kochleffl in de Hand ghabt un ham de Medchen am Hinten draufgschlagn, awe ziemlich fescht, ja, des war so. Na, des war in de Stadt. Abe in de Mehala war Aufzug gewesn. Heue[r] ham sie leide keinen, sie ham kein Geld ghabt.

 

In der Erzählung „Kirchweihe“ beschreibt Hans Mokka den Verlauf dieses Stadtfestes in der Zwischenkriegszeit.

 

Am 8. September feiern mir die Kirchweih in der Josefstadt. dann tut die Kirchgemeinde die Plätz fir die Ständ vergebn. Jeda Platz kost soviel, wieviel aaner hinstelln will. Es sein solche, die alles auf Papier und Säck legn, wie Kulitschka (Schnappmesser), Spiegel, Haarnadl oder solche, die aane große Tschatra (Verkaufsbude) mit Zelt ibaziegn, die zahln viel mehr als die andere; diese da verkaufn Lebzelta und Honigkuchn ... Auf der Kirchweih ist aach das Ringlspiel (Karussel) und die Hutschn (Schaukel), sowie die Schießerei auf allerdahand schene Bilda, und wer aans mitm Gwehr trefft, ist froh und lacht seine Umgebung an, wer nit trefft, schimpft aufs Gwehr und geht mit rotm Gsicht ausm Haufn fort. „Der verpollat sein Geld“ sagn die Leit und sein aan bissl schadnfroh. ... Alles kann man auf der Kirchweih sehgn und kriegn, aach anständige Schläg mitm Kochleffl. Da gehn die jungn Leit mit Kochleffl in der Hand und schlagn denen Madl aufn Rickn und grinzn unverschämt. „Unverschämte Lakl (ungeschlachter Kerl), schämt ihr eich nit“, hat aan älteres Madl gsagt, die schon längst verheiratet hättet missn sein und Kinda habn. Die Lakl habn sie dann mit dem Kochleffl unterm Schultablatt leicht gschmeichlt und mit verstecktem Lachn gsagt: „Tut das aach weh, Fräln?“ Da hat man gut sehgn kenna, daß die Fräln sich gschmeichlt hat gfihlt und es ihr gut gfalln hat, so verehrt zu sein. Der größere von die Lakl hat sie eingehonkn (in den Arm eingehängt) und zum Bosamann gfihrt und ihr aan kaltes Bosawassa (Holunderlimonade) verehrt.

 

Zur Stadtkirchweih in der Gegenwart Frage auch auszugsweise eine Stellungnahme vom Mehalaer Jugendleiter Ignaz Fischer in der Banater Umgangssprache, in einem „Neuen Weg“-Bericht von 1990.

 

Im vergangene Johr ware 35 Phaar bei der Mehalaer Kerweih. Ich han damals die schwowischi Ansprach ghall. Nor heier werds schlimm ausschaue. Bis jetz sein die Aussichte traurich. Am Sunntach gehn wieder zwaa Mädle fort, der eine is geschter fortgang, aso, wann die annre noch alli fortgehn (nach Deutschland), no waaß ich einfach nit, wies im Herbscht sein werd. Ich han so gsaat: es werd so kumme, daß me misse Rumäner un Ungare holle, daß se mitzamm die schwowischi Kerweih mache. Mir muß praktisch aus de ganzi Stadt rufe, daß me noch Kerweih mache, daß me noch 25 Phaar zammkrien. ... Aso, mir werre schaue, daß mer heier trotzdem Kerweih mache, weil in der Mehala is die enzichi Kerweih in Temeschwar, un mir wolle des halle bis zum Allerletschte. Ich hoff, daß es gehn werd, nor es werd viel schwieriger sein als im vergangene Johr, weil, uf die, wu mer uns han velosse kenne, die velosse uns. ... Die was kumme, sin s’ meischt Kinder, die vum Dorf in die Stadt sein kumme, awer auch anri, was schon da gebor sin. Es sin aach urspringlichi Mehalaer. Awer praktisch, wann mer im Saal sin, werd nor schwowisch gered. ...

 

Aus der Gegenüberstellung der mündlich und schriftlich festgehaltenen Tonaufzeichnungen folgendes hervor:

 

- In der Sprache der Temeswarer Gewährsperson, Hildegard Schmitz, sind fast keine Einflüsse der rheinfränkischen Dorfmundarten aus dem Umfeld von Temeswar zu erkennen. Ande­rerseits sind in der Temeswarer städtischen Umgangssprache längst viele primären Merk­male des Alt-Wienerischen und auch der bairisch-österreichischen Umgangssprache zugunsten standard­sprachlicher Elemente aufgegeben worden. Bei dieser gebildeten Sprecherin aus dem Temeswarer Stadtteil Elisabethstadt, die heute in der Inneren Stadt lebt, fehlt sowohl die Überfremdung durch massive Entlehnungen aus der Lexik der übrigen Temeswarer Umgangssprachen, als auch die für den Jargon kennzeichnenden expressiven bis vulgären Ausdrücke und Phraseologismen.

- Bei Ignaz Fischer schließlich ist die Banater rheinfränkische Verkehrsmundart festzustellen, die von den Zuwanderern aus den umliegenden Dörfern mitgebracht wurde und sich in der deutschen Umgangssprache des Temeswarer Stadtteils Mehala erhalten hat, ohne einen Ausgleich zugunsten der bairischen Umgangssprache der Stadt zu erleben.

- Ein wichtiges Merkmal der städtischen Umgangssprache ist die Variantenvielfalt einiger phraseologischen Fügungen für:´verrrückt, verwandt usw. wobei sich die Wortwahl, die Lautgestalt und der syntaktische Bau der Ausdrücke unterscheidet. Fink geht in seinen Schlußfolgerungen davon aus, daß die Synonymenvielfalt auf die Herkunft der deutschen Siedler aus verschiedenen Regionen des deutschen Sprachraums zurückzuführen sei, und daß die Varianten durch die Zerstreuung der Einwanderer aus einer Gegend auf mehrere Ortschaften entstanden seien.

- Bei der aktiven Polyglossie der Stadtbewohner in den ehemaligen österreichischen Provinz­städten in Südosteuropa kam es zu sprachlichen Interferenzen von Alltagsidiomen, weniger zu standardsprachlichen Interferenzen. Das Deutsche wurde lange Zeit durch Presse, Theater und Unterricht gestützt, und selbst als die deutsche Unterrichtssprache durch die ungarische abgelöst war, blieb die Sprache des kirchlichen Lebens noch muttersprachlich.

- Zur Aufnahme intensiver Kontakte zu anderen Sprachen ist es verhältnismäßig spät gekom­men. Durch den Wechsel der Amtssprache (deutsch-ungarisch-rumänisch) und der Unter­richtssprache (deutsch, deutsch-ungarisch, deutsch-rumänisch) sind angebahnte Entwick­lungen unterbrochen worden, doch der Kontakt mit dem Kulturleben des deutschen Sprachraums blieb erhalten. Aus diesen Umständen erklärt sich die verhältnismäßig geringe Interferenz im phonetischen, morphologischen und syntaktischen Bereich (etwa die Aufnahme fremder Phoneme, vor allem in Fremdwörtern, selten die Aufnahme der ung. Pluralendung -k und der Infinitivendung -ni). Im Bereich der Lexik blieben viele Wortfelder unberührt, doch es wurden zahlreiche praseologische Fügungen aus den Kontaktsprachen übernommen, und diese nahmen Wörter und Wendungen aus der deutschen Umgangssprache auf. So konnte es im Laufe der Zeit zu einem ausgeprägten sprachlichen und kulturellen Austausch zwischen den nebeneinanderwohnenden Völkern und Nationalitäten kommen.

 

 

Deák, Ernő (1989): Das Städtewesen der Länder der ungarischen Krone (1780-1918). Bd. II, Wien.

Ebner, Jakob (1980): Wie sagt man in Österreich. Wörterbuch der österreichischen Besonderheiten. 2Auflage, Mannheim/Wien/Zürich.

Fink Hans (1965): Besonderheiten der Temesvarer deutschen Umgangssprache (Particularitç¾i ale limbii germane uzuale din Timi½oara). Diplomarbeit an der Universität Temeswar, Typoskript, 81 S.

Gehl, Hans/Purdela Sitaru Maria (Hrsg., 1994): Interferenzen in den Sprachen und Dialekten Südosteuropas. Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde [IdGL], Tübingen 1994. (= Materialien Heft 4.

Gehl, Hans (1997): Deutsche Stadtsprachen in Provinzstädten Südosteuropas (= ZDL Beiheft 95), Stuttgart.

Hollinger, Rudolf (1958): Die deutsche Umgangssprache von Alt-Temeswar. In: Omagiu lui Iorgu Iordan cu prilejul împlinirii a 70 de ani. Editura Academiei R.P.R.. Bucure½ti, S. 381-387.

Hollinger, Rudolf (1989):Temeswar und sein Deutsch. In: BANATICA: Beiträge zur deutschen Kultur. Hrsg. von der Adam Müller-Guttenbrunn-Gesellschaft, Freiburg i.Br., 4. S. 24-31

Hornung, Maria/Rottinger, Franz (1950): Unsere Mundarten. Eine dialektkundliche Wanderung durch Österreich. Wien.

Jakob, Julius (1972): Wörterbuch des Wiener Dialekts mit einer kurzgefaßten Grammatik. Wien.

Kluge, Friedrich (1989): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 22Auflage. Berlin/New York.

Küpper, Heinz (1982-1984): Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache. 8 Bde., Stuttgart.

Lammert, Erich (1980):  Der Slang von Temeswar. Perjamosch. (Typoskript, 115 S.).

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(ÖWb) Österreichisches Wörterbuch (1995): 37Auflage, Wien.

Petrović, Velimir:(1994): Die essekerische Mundart. In: Begegnungen in Pécs/Fünfkirchen. Die Sprache der deutschsprachigen Minderheiten in Europa. Janus-Pannonius-Universität Pécs. (= Studien zur Germanistik 2. Bd.), S. 19-32.

Plein, Lujo (1929-1938): Die essekerische Sprechart. Gesammelte Gespräche aus Gassen der Osijeker Peripherie. Bd. I-V Eigen-Verlag (Buchdruckerei Josip Noll), Osijek, (zusammen 130 Seiten).

Rieser, Hans Heinrich (1992): Temeswar, geographische Beschreibung der Banater Hauptstadt. Sigmaringen. (= Schriftenreihe des IdGL Tübingen, Bd. 1).

Röhrich, Lutz: (1973): Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. 4 Bde., Freiburg i.Br.

[Cronik 1976] Sächsisch-schwäbische Chronik. Beiträge zur Geschichte der Heimat. Hrsg. Eduard Eisenburger und Michael Kroner. Kriterion Verlag, Bukarest.

Schiff, Bela: (1937): Unser Alt-Temesvar. Timi½oara

Schuster, Mauriz (1951): Alt-Wienerisch. Ein Wörterbuch veralteter und veraltender Wiener Ausdrücke und Redensarten der letzten sieben Jahrzehnte. Wien.

Senz, Ingomar (1994): Die Donauschwaben. München (= Studienbuchreihe der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat, Bd. 5).

Temeschburg - Temeswar. Eine südosteuropäische Stadt im Zeitenwandel (1994). Hrsg. Heimatortsgemeinschaft Temeschburg - Temeswar, Karlsruhe.

Wolf, Johann (1987): Banater deutsche Mundartenkunde. Kriterion Verlag, Bukarest.

Wolf, Josef (1994): Deutsche Minderheiten in Südosteuropa im Umbruch. Die Volkszählungen 1990-1992. Hrsg. IdGL, Tübingen 1994 (= Materialien Heft 3).

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Anmerkung des Autors:

Der Text ist in dieser Form in Banatica. Beiträge zur deutschen Kultur“ 1/1997, S. 19-46, Hrsg. vom „Kulturverband der banater Deutschen“, München, erschienen.



MOKKA 1992, S. 72. (S. komplette Literaturliste am Ende der Arbeit.)

MOKKA 1992, S. 8.

PLEIN 1929, S. 5. Pleins Texte sind in der kroatischen Orthographie verfaßt.

Vgl. PETROVI© 1994, S. 22.

Chronik 1976, S. 81-85.

Nach HOLLINGER 1989, S. 26. Vgl. auch Rudolf Hollinger: Das Deutsch in Temeswar einst und jetzt. Vortrag beim Temeswarer Treffen in Langenau am 1.10.1989. Typoskript, 6 S.

Chronik 1976, S. 83.

Temeschburg/Temeswar 1994, S. 76.

HOLLINGER 1989, S. 26.

SENZ 1994, S. 87.

Josef WOLF 1994. S. 167, Tabelle 23.1; Quelle: Comisia Na¾ionalç pentru Statisticç (Volkszählung vom 7.Januar 1992) und S. 164, Tabelle 22 (Quelle: Rieser 1992, S. 86, Tab. 3; für 1966, 1977 und 1992 Kreisamt für Statistik Timi½oara.

SENZ 1994, S. 32. Die Zahlen aus: DEÁK, Bd. II, Wien 1989.

Chronik 1976, S. 90-93.

KONSCHITZKY, Walther: Dem Alter die Ehr’. Das war meine Zeit. Ferdinand Kuklay aus Temeswar erzählt. In: Neuer Weg vom 10.03.1979, S. 4.

HOLLINGER 1989, S. 29.

WOLF 1987, S. 126.

PLEIN, Bd. III, S. 6.

Vgl. HORNUNG/ROITINGER 1950, S. 28.

WOLF 1987, S. 122 f.; HOLLINGER 1989, S. 27.

Nach FINK 1965, S. 57 f., der sich auf die Wörterbücher von JAKOB 1972 und SCHUSTER 1951 bezieht.

EBNER 1980, S. 96.

WOLF 1987, S. 299.

Wolf 1987, S. 287.

Kluge 1989 , S. 231.

EBNER 1980, S. 83.

WOLF 1987, S. 134.

FINK 1965, S. 61.

FINK 1965, S. 67.

WOLF 1987, S. 317, bezieht sich auf RÖHRICH 1973, Bd. III, S. 702 f.

Kluge 1989 , S. 621.

PLEIN Bd. II, S. 42.

EBNER 1980, S. 157.

Kluge 1989 , S. 636.

WOLF 1987, S. 309.

Kluge 1989 , S. 644 und 718.

Fink 1965, S. 67.

Ebner 1980, S. 162.

WOLF 1987, 128.

Kluge 1989, S. 653.

Rudolf HOLLINGER: Das Deutsch um etwa 1944 gesprochen in Temeswar und im Banat. Typoskript. Langenau 1991, 16 S.; HOLLINGER 1958, S. 383.

FINK 1965, S. 65.

Die Darstellung fußt auf den Ausführungen von WOLF 1987, S. 123-125; HOLLINGER 1958, S. 385-387; HOLLINGER 1989, S. 27-29; FINK 1965, S. 28-44.

FINK 1965, S. 28.

HOLLINGER 1989, S. 28.

JAKOB 1972, S. 12.

LAMMERT 1980, S. 38.

PLEIN, Bd. III, S. 6 f.

LAMMERT 1980, S. 32.

FINK 1965, S. 39)

HOLLINGER 1991.

MOKKA 1992, S. 85.

Nach WOLF 1987, S. 126 f.

KÜPPER 1983, Bd. 4, S. 1374.

FINK 1965, S. 65.

KÜPPER 1983, Bd. 3, S. 1143.

WOLF 1987, S. 127.

LAMMERT 1980, S. 20.

MOKKA 1992.

LAMMERT 1980, S. 35, f.

FINK 1965, S. 59-72; dazu auch die rum. und ung. Varianten bei LAMMERT 1980, S. 92 f.

GEHL/PURDELA SITARU 1994, S. 89.

LAMMERT 1980, S. 94.

LAMMERT 1980, S. 82. Vgl. auch DERS.: Übelbeleumdete Wörter. In: Neue Banater Zeitung (Temeswar), vom 13.07.1969.

SCHIFF 1937, S. 142, 115.

LAMMERT 1980, S. 106 f.

MOKKA 1992, S. 93-97.

MOKKA 1992, S. 98-102.

Nach LAMMERT 1980, S. 66.

GEHL/PURDELA SITARU 1994.

Es handelt sich um den Kommentar: Olgemajn ibata esekeri¼n ¼totmundoat. (Einsendung vom 15.05.1995).

Die Aufnahme ist im Tonarchiv des Donauschwaben-Instituts in Tübingen unter Nr. B-322-B archiviert, und der Text wurde zur weiteren Bearbeitung phonetisch transkribiert. Hier wurde zur bessren Verständlichkeit die einfachere literarische Umschrift gewählt.

MOKKA 1992, S. 34.

Peter MÜLLER: Ufzuhalle is do garnix. Ignaz Fischer aus Temeschwar erzählt. In: Neuer Weg vom 28.04.1990, S. 4.

FINK 1965, 73.

LAMMERT 1980, S. 79.

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