Als der Festsaal zu klein war

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Ein Mosaik des rumäniendeutschen Kulturlebens nach dem Zweiten Weltkrieg

(mit Banater Schlagseite)

Hintergrundinformationen und Kommentare

Von Hans Fink


Inhalt:

Stoff für eine Dissertation

Die Lokomotiven: zwei Lehrerbildungsanstalten und zwei Bühnen

Zigtausend Glanzlichter

Die Unterstützung aus der Bevölkerung

Kirchweih- und Trachtenfeste

Die deutschen Bürgermeister

Leistungen der Ingenieure, Künstler und Sportler

Bukarest

Politische und wirtschaftliche Umstände

Der Niedergang

Das Elend der Schulen

Schluss

 

Stoff für eine Dissertation

 

Wenn ich jung wäre und Geld zur Verfügung hätte, würde ich mich zwölf Monate lang in München, Temeswar, Hermannstadt und Bukarest aufhalten, um für eine Dissertation zu recherchieren. Das Thema ist überfällig, und die erforderliche Dokumentation liegt zur Zeit – wir schreiben das Jahr 2014 – noch auf der Straße.

In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts nahmen die Banater Schwaben und die Siebenbürger Sachsen an einem vielfältigen Kulturleben teil, welches bis heute nicht zusammenfassend beschrieben worden ist. Es äußerte sich vor allem in zahlreichen Veröffentlichungen, in der regen Tätigkeit der zwei deutschen Bühnen, in der Existenz von Laienformationen aller Art und in der begeisterten Pflege des Brauchtums. Die Mehrheit der Rumäniendeutschen hat jene Blüte nicht als etwas Besonderes empfunden, weil die Möglichkeit zu einem Vergleich mit der Zwischenkriegszeit fehlte. Bekanntlich war die Geschichte der deutschen Minderheit aus den Schulbüchern ausgeklammert und abgesehen davon die Zwischenkriegszeit auch in der Öffentlichkeit kein Thema. Weil nicht dokumentiert, wird jene großartige Erscheinung in der Geschichte der deutschen Minderheit allmählich vergessen, und es gibt sogar Menschen, die sie aus Unkenntnis leugnen. Im Kommunismus? Nein. Es könne sich nur um eine Scheinblüte, um ein Aufbäumen, um letzte Zuckungen gehandelt haben. Aber das ist ganz und gar falsch. Es sei denn, wir bezeichnen, beispielsweise, die Ausfahrten der Reschitzer Operettengruppe nach Siebenbürgen, 1976 mit dem „Weißen Rössl“ und 1979 mit der „Gräfin Maritza“, als Zuckungen.

Die Frage, wie es zu der unerhofften, verblüffenden kulturellen Entfaltung kommen konnte, wird hier zum ersten Mal gestellt. Das intensive Kulturleben hat sich aus der höheren Schulbildung der gesamten deutschen Bevölkerung ergeben, die einerseits mit der Unterrichtsreform nach dem Zweiten Weltkrieg, andererseits mit den Enteignungen von 1945 bis 1949 zusammenhängt. Die von der Parteiführung angestrebte Industrialisierung wäre ohne ein komplexes, differenziertes Schulwesen nicht möglich gewesen, und um die deutsche Minderheit für den geplanten sozialistischen Aufbau zu gewinnen, wurden ihr bei der Unterrichtsreform die gleichen Rechte wie allen anderen Bürgern eingeräumt. Sowohl die Kinder der Arbeiter und der ehemaligen Knechte als auch die Kinder der enteigneten Bauern und Handwerker nahmen die Gelegenheit wahr, um sich durch Schulbesuch eine Position zu schaffen. In der Folge absolvierten ungezählt viele Deutsche weiterführende Schulen, Zehntausende haben erfolgreich studiert (wie viele genau, wurde bisher leider nicht ermittelt).

Falls jemand meint, man müsse hier unbedingt die politischen und ideologischen Zwänge vermerken, hat er Recht. Die Parteibonzen und die Kulturfunktionäre kontrollierten im Verein mit der Securitate das gesamte Kulturleben; für sie waren Vorhaben der Minderheitler, ob Ungarn oder Deutsche, Serben oder Ukrainer, von vornherein suspekt, deshalb nahmen sie diese extra unter die Lupe. Zu Besuch weilende Ausländer hatten ein Problem damit, die Situation zu verstehen. Sie wunderten sich, wenn man sie mit der umfassenden schöpferischen Tätigkeit in der Muttersprache konfrontierte, von der Deutsche in anderen Ostblockländern nur träumen konnten. Sie waren aber während ihres flüchtigen Aufenthalts nicht imstande zu begreifen, wie man trotz des komplizierten Systems der Überwachung Hervorragendes leistet. Es erforderte Vorsicht, Fingerspitzengefühl, Ausdauer und Liebe zur Sache. Auch davon ist in der folgenden Dokumentation die Rede.

Man darf die Leistungen nicht mit dem Einwurf schmälern, dass die von oben erlaubte bzw. geduldete Kulturtätigkeit aus der Sicht der Funktionärskaste Alibi-Charakter hatte. Gegenüber den Beteiligten wäre das ungerecht. Haben denn die Schwaben und die Sachsen wochenlang ein Trachtenfest vorbereitet, monatelang an einer Aufführung gefeilt, jahrelang an einem Buch geschrieben, nur um den Funktionären ein Alibi zu gewähren? Da lachen doch die Hühner.

Wer sich die zahlreichen Verbote und Einschränkungen vor Augen hält, kann sich in etwa eine Vorstellung davon machen, wie ein Kulturleben ohne politische Vorgaben und ohne Zensur ausgesehen hätte.

Rumänien hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg von einem agrarisch geprägten Land zu einem Industrieland entwickelt, auch seine deutschen Bürger waren an diesem Vorgang beteiligt – zwar nicht als Planstrategen (denn wer hat sie schon gefragt), aber als Facharbeiter, Meister, Brigadiere, Techniker, Ingenieure, Buchhalter, Direktoren, Forscher und Hochschullehrer. Die Auswanderung begann um 1970, aber noch 19 Jahre später, als das kommunistische Regime zusammenbrach, lebten in Rumänien mehr als 200.000 Deutsche! Wie viele sich längst zum Auswandern entschlossen hatten und wie viele schon auf den Koffern saßen, spielt in diesem Kontext keine Rolle. Im Schuljahr 1979-1980 waren im Banat, d. h. in den drei Kreisen Temesch, Arad und Karasch-Severin, noch 13.290 Kinder in deutschen Klassen von Allgemeinschulen und Lyzeen eingeschrieben.[1] Die Wirklichkeit war komplex, mit Schwarz-Weiß-Malerei kann man sie nicht beschreiben.

 

Die Lokomotiven: zwei Lehrerbildungsanstalten und zwei Bühnen

 

Mit der höheren Schulbildung allein lässt sich die ungeahnte quantitative und qualitative Entfaltung des Kulturlebens in deutscher Sprache Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre natürlich nicht erklären. Sie stützte sich auf die Leistungen von mehreren, nach der Bildungsreform vom Jahre 1948 bestehenden Institutionen, über die zunächst der „Neue Weg“ und zwei andere deutsche Blätter berichteten, ab 1968 aber vier deutsche Publikationen und ab 1969 auch die sogenannte „Deutsche Fernsehstunde“.

Von grundlegender Bedeutung war die Arbeit der in Temeswar und in Schäßburg ausgebildeten Lehrer. Ihren Professoren ist es trotz Mangel und Enge, trotz staatlicher Diktatur und aufgezwungener Ideologie gelungen, sie für Literatur, Theater, Musik, Sport und Brauchtumspflege zu begeistern.

Die Deutsche Pädagogische Lehranstalt Temeswar hat von 1948 bis 1958 mehr als 500 Lehrerinnen, Lehrer und Kindergärtnerinnen ausgebildet. Die Absolventen der Lehrer-Klassen waren in 130 Banater Ortschaften tätig, die Absolventen der Kindergärtnerinnen-Klassen in rund 50 Banater Ortschaften.[2]

Die Schäßburger Pädagogische Schule hat in sieben aufeinanderfolgenden Jahren – von 1949 bis 1955 – rund 500 Lehrerinnen, Lehrer und Kindergärtnerinnen entlassen. Deren Wirkungsfeld erstreckte sich über ganz Siebenbürgen, laut Dr. Michael Kroner gibt es kaum ein Dorf, in das kein Absolvent aus Schäßburg gelangt ist.[3] Manche fanden einen Arbeitsplatz im Banat, wo nach dem Krieg zeitweilig Lehrermangel herrschte, manche hat es nach Oberwischau verschlagen, wo sie nach und nach die deutsche Schule für die Zipser neu einrichteten.

Die Temeswarer Germanistik-Fakultät, 1956 gegründet, hat 1961 die erste Serie von Absolventen entlassen. Zwischen 1948 und 1989 bildeten fünf Hochschulen Germanisten aus (Bukarest, Klausenburg, Jassy, Temeswar, Hermannstadt). Laut Luzian Geier, vormals Redakteur der „Neuen Banater Zeitung“, erwarben sich insgesamt knapp 6.000 Personen die Qualifikation für den Deutschunterricht (Deutsch als erstes oder zweites Studienfach). Viele unter diesen waren Deutsche, freilich längst nicht alle. So wie die Absolventen der Lehrerbildungsanstalten – nach der Schulreform der von Temeswar und Schäßburg, ab 1964 der von Hermannstadt[4] – beteiligten sich zahlreiche Deutschlehrer aktiv am Kulturleben.

Im selben Atemzug wie die Lehrerbildungsanstalten sind die deutschen Bühnen von Temeswar und Hermannstadt zu nennen, die eine bereits 1953 gegründet, die andere drei Jahre später.

Das Deutsche Staatstheater von Temeswar studierte von 1953 bis Ende 1989 laut einer Statistik von Stefan Heinz-Kehrer 265 Theaterstücke und abendfüllende Programme ein (im Durchschnitt 7 Premieren pro Jahr). Davon entfallen 125 auf die Jahre 1969-1983 (im Durchschnitt 8 Premieren pro Jahr). Hier zwei Höhepunkte im Vergleich: „Nathan der Weise“ von Lessing (Premiere am 20. Oktober 1967) erlebte 76 Vorstellungen mit 24.609 Zuschauern. „Meister Jakob und seine Kinder“, ein Bühnenspiel von Heinz-Kehrer nach dem bekannten Heimatroman von Adam Müller-Guttenbrunn (Premiere am 21. Oktober 1977), erlebte 84 Vorstellungen mit 26.560 Zuschauern. Den größten Erfolg verzeichnete das Ensemble mit dem Lustspiel in schwäbischer Mundart "Es geht um die Heirat" von Heinz-Kehrer (Premiere am 1. Juli 1966): 152 Vorstellungen mit 46.654 Zuschauern.[5]

Die nur wenig jüngere Hermannstädter deutsche Bühne, gegründet 1956, zählte in 34 Jahren rund 1,8 Millionen Zuschauer, wobei etwa 30 Prozent der Aufführungen auf das eigene Haus und 70 Prozent auf Gastspielreisen entfielen (mehr als 200 Vorführungen in Mediasch, 60 in Kleinschelken). Das am häufigsten aufgeführte Stück war Schillers „Kabale und Liebe“ (267-mal vor 88.477 Theaterbesuchern), es folgen die Märchenbearbeitung „Das kalte Herz“ und Lessings „Emilia Galotti“.[6]

Die Deutsche Operettengruppe von Reschitz, eine Vereinigung von Laien, erwischte 1956 eine Glückssträhne und brachte zwischen 1956 und 1965 zehn abendfüllende Stücke zur Aufführung.

Mehrere Verlage veröffentlichten auch Bücher in deutscher Sprache. Die Redaktion des Siebenbürgisch-sächsischen Wörterbuchs war ab 1956 in Hermannstadt tätig[7]; die „Forschungen zur Volks- und Landeskunde“, eine in deutscher Sprache redigierte Halbjahresschrift der Akademie, erschienen seit 1959.

Das brennende Bedürfnis nach kultureller Tätigkeit lässt sich an der Gründung von Kulturformationen kurz nach der Bildungsreform 1948 ablesen, als der Staat der deutschen Bevölkerung dieses Recht zuerkannte. Ein Beispiel ist Sanktandres. Gleich beim ersten Wettbewerb der Chöre und Tanzgruppen auf Landesebene im Jahre 1949 erhielt die Sanktandreser Tanzgruppe den ersten Preis. Er bestand aus einem einwöchigen Aufenthalt in Bukarest, wo sie u. a. im Athenäum auftrat.[8]

Eduard Eisenburger und Michael Kroner stellten diese Entwicklung in der „Sächsisch-schwäbischen Chronik“ (1976 bei Kriterion) ausführlich dar, mussten sich aber an die politisch-ideologischen Vorgaben halten.[9] Sie erklärten die große Zahl der Deutschen, die weiterführende Schulen besuchen, nur mit dem sozialistischen Aufbau (lies: mit der Industrialisierung) und verschwiegen, dass die Enteignung der Landwirte, Handwerker, Kaufleute und Fabrikanten deren Kinder bewogen hat, durch Schulbildung eine soziale Position zu erklimmen. Auf die Beschränkungen für das Kulturleben der Minderheiten durften sie selbstverständlich nicht eingehen. Sie erwähnten junge Banater Schriftsteller, verschwiegen jedoch die Auftritte der „Aktionsgruppe Banat“, weil diese ein Jahr vorher von der Securitate zerschlagen worden war. Man kann ihnen deswegen keinen Vorwurf machen.

In den deutschsprachigen Publikationen war die Schule ein ständiges Thema, ich kann es durch eine Veröffentlichung der Zeitschrift „Volk und Kultur“ aus dem Jahre 1972 belegen. Die Zentrale Staatsbibliothek hat laufend alle Publikationen ausgewertet, auch die deutschen. Die Texte zur Schulproblematik wurden sorgfältig in nicht weniger als zwölf thematischen Gruppen geordnet. „Volk und Kultur“ hat im November 1972 eine Übersicht abgedruckt, die vom 1. Januar 1971 bis zum 30. Oktober 1972 reicht, das sind 22 Monate. Es handelt sich um die Publikationen „Neuer Weg“, „Neue Banater Zeitung“, „Karpaten-Rundschau“, „Hermannstädter Zeitung“ (bzw. „Die Woche“), „Neue Literatur“, „Volk und Kultur“. Die Übersicht nennt mehr als 300 Texte vom Bericht aufwärts, d. h. vom Bericht bis zur Sonderseite. Es tauchen 60 Namen von deutschen Journalisten auf und mehr als 60 Namen von Mitarbeitern.[10]

 

Zigtausend Glanzlichter

 

Wer an einem korrekten Bild interessiert ist, muss zuerst die wesentlichen Fakten ins Auge fassen, die nur zusammengenommen aufschlussreich sind, und dann die Umstände betrachten.

1969 entstand der Kriterion-Verlag, ein Verlagshaus für die nationalen Minderheiten, der in seinen besten Jahren mehr als 40 deutsche Titel herausbrachte (Belletristik, Folklore, Geschichte, Kunst, Sprachwissenschaft). Dort erschien 1975 die erste und 1987 die erweiterte Fassung der „Banater Mundartenkunde“ von Dr. Johann Wolf; es sei vermerkt, dass er 177 Diplomarbeiten von Germanistik-Studenten der Temeswarer Universität ausgewertet hat. Bei Kriterion veröffentlichte Anneliese Thudt zusammen mit Gisela Richter die Märchensammlung „Der tapfere Ritter Pfefferkorn“ (1971), eine Nebenfrucht ihrer Feldforschungen zum Siebenbürgisch-sächsischen Wörterbuch.[11] Dort veröffentlichte Herta Wilk ihre Mappe mit siebenbürgisch-sächsischer Leinenstickerei aus Tartlau (1974), Roswith Capesius ihre Monografien über das siebenbürgisch-sächsische Bauernhaus (1977) und über die siebenbürgisch-sächsische Schreinermalerei (1983), Maja Philippi ihre Studie über die Bürger von Kronstadt im 14. und 15. Jahrhundert (1986). Zur gleichen Zeit brachten auch andere Verlage deutsche Bücher heraus, ich erwähne hier den Kinderbuchverlag, den Jugendverlag, den Literaturverlag, den Akademieverlag, den „Facla“-Verlag in Temeswar und den „Dacia“-Verlag in Klausenburg. Die Folklore-Sammlung „Wo in den Tälern die Schlote rauchen“ von Alexander Tietz ist 1967 im Literaturverlag erschienen; die Monografie „Rudolf Brandsch“ von Eduard Eisenburger 1983 bei „Dacia“. Mitte der siebziger Jahre wurden abgesehen von den Schulbüchern jährlich rund 100 deutsche Titel in 250.000 Exemplaren gedruckt. Heute darf man laut sagen, ein Teil davon war Schund (vulgo: Mist), und es wirft ein Licht auf die Verhältnisse, dass es Verlage gab, die bewusst Schund einplanten, um seriöse Bücher herausbringen zu können (siehe weiter unten die Ausführungen von Hedi Hauser). Gewöhnlich war die Auflage zu klein, viele Titel wurden als Bückware verkauft, „unter dem Pult“. Das gilt aber auch für zahlreiche rumänischen Veröffentlichungen und hängt z. T. mit der Kulturpolitik der Parteiführung, z. T. mit der prekären wirtschaftlichen Lage zusammen.

Laut einer Veröffentlichung des Böhlau-Verlags vom Jahre 2004 sind von 1944 bis 1989 in deutscher Sprache 1.290-mal Kinder- und Jugendbücher gedruckt worden (Erstausgaben und Neuauflagen), darunter 250 Titel aus der Feder von damals lebenden einheimischen deutschen Autoren.[12]

Im Februar 1969 gründete der Temescher Kreisrat der Werktätigen deutscher Nationalität im Festsaal der Lenau-Schule den Schubert-Chor, dem bald 80 Sänger angehörten. Im Laufe der folgenden zehn Jahre trat der Chor 125-mal vor 55.000 Zuschauern auf; 65 Konzerte fanden in Temeswar, 28 in Banater Ortschaften und 10 in Siebenbürgen statt.[13] Zur selben Zeit wie der Schubert-Chor machte auch eine kleine Musikformation, genannt Heide-Quintett, von sich reden, die formell zum Temeswarer Kulturhaus der Eisenbahner gehörte, aber auch von der Temeswarer Philharmonie unterstützt wurde; von 1969 bis 1971 hat sie mehr als 200 Ausfahrten in Banater Ortschaften unternommen.[14] 1977 entstand auf Anregung des Schubert-Chor-Dirigenten Matthias Schork in der Lenau-Schule ein Schubert-Kinderchor mit 90 Sängern und Bläsern, der vom Grundschullehrer Josef Gilde geleitet wurde.[15]

Im Jahre 1969 etablierte sich die von Schuldirektor Erich Pfaff betreute deutsche Vortragsreihe im Rahmen der Temeswarer Volkshochschule. Im selben Jahr nahm das Bukarester Schiller-Kulturhaus nach mehrjähriger Zwangspause seine Tätigkeit wieder auf. Anfang der siebziger Jahre kam eine deutsche Vortragsreihe innerhalb der örtlichen Volkshochschule auch in Hermannstadt, Kronstadt, Schäßburg und Mediasch zustande. Im Kulturhaus von Zeiden waren ihre Lektoren gern gesehene Gäste.

Am 29. November 1969 strahlte das Rumänische Fernsehen die erste „Deutsche Fernsehstunde“ aus. (Diese Sendung lebte bis 1984, als das gesamte Programm auf zweieinhalb Stunden pro Tag gekürzt wurde, damit das Diktatoren-Ehepaar es besser kontrollieren könne.)

Ab 1970 (und bis 1990) brachte die Redaktion „Neuer Weg“ parallel zum Almanach jährlich das Wanderbuch „Komm mit“ heraus, dessen Beiträge von Lesern der Zeitung stammten; als Herausgeber zeichnete zunächst Georg Hromadka, später Michael Roth.[16] Die Zeitung „Neuer Weg“ erschien zeitweilig mit 38 Seiten pro Woche.[17]

In den Jahren 1971-1972 erreichten die Kreisräte der Werktätigen deutscher Nationalität[18], dass vier große Schulen mit entsprechender Tradition als selbstständige Lehranstalten mit deutscher Unterrichtssprache eingerichtet werden: die Lenau-Schule in Temeswar (Klassen I-XII); die Neuarader Schule (Klassen I-XII); die Brukenthal-Schule in Hermannstadt (offiziell „Lyzeum für Mathematik-Physik Nr. 2“, Klassen IX-XII) und die Honterus-Schule in Kronstadt (Klassen I-XII). Sie hatten seit dem Herbst 1959 als gemischtsprachige Lehranstalten mit deutschen und rumänischen Klassenzügen funktioniert. Nun entwickelten sich alle vier Einheiten in kürzester Zeit wieder zu Zentren des Kulturlebens in deutscher Sprache. Die Schäßburger „Bergschule“, seit 1959 ein Lyzeum mit rumänischer und deutscher Abteilung, erhielt 1972, anlässlich der Feier ihres 450-jährigen Bestehens, den Namen des ehemaligen Rektors Josef Haltrich.[19]

Von 1972 bis 1976 entfaltete sich die vom „Neuen Weg“ organisierte große Sammelaktion „Banater Volksgut“. An ihr nahmen Hunderte Leser teil, sie schickten mehr als 10.000 Texte ein. Die Ergebnisse fasste Walther Konschitzky später in zwei Bänden zusammen: „Märchen, Sagen, Schwänke“ und „Reime, Rätsel, Kinderspiele“ (1979 bzw. 1989 bei Kriterion).[20]

Im „Facla“-Verlag betreute Lektorin Wilma Michels von 1971 bis zu ihrer Ausreise 1984 mehr als fünfzig deutsche Titel. Hier sind von 1973 bis 1984 fünf Sammelbände mit Aufsätzen zum Banater Brauchtum erschienen, insgesamt mehr als 1.200 Seiten; sie wurden von Hans Gehl herausgegeben.[21]

Beginnend mit dem April 1972 wandte sich eine Gruppe junger Dichter und Schriftsteller an die Öffentlichkeit, die unter dem Namen „Aktionsgruppe Banat“ bekannt geworden ist. Richard Wagner war ein Mitglied der Gruppe; sein Debüt, der Gedichtband „Klartext“, fällt ins Jahr 1973 (bei Kriterion). Herta Müller stand der Gruppe nahe; ihr aufsehenerregender Prosaband „Niederungen“ erschien 1982 (bei Kriterion).[22]

Am 14. Juli 1973 fand im Temewarer Rosenpark vor 3.000 Zuschauern die Premiere der „Banater Schwabenshow“ statt, mit einem Programm aus Volksweisen, Volksliedern und Volkstänzen, die zumeist von Berufskünstlern interpretiert wurden. Auch der Schubert-Chor mit seinem Dirigenten Herbert Weiss wirkte mit. Die vom international erfolgreichen Tenor Hans Jung geleitete Show wurde dann in verschiedenen Banater Ortschaften insgesamt 36-mal aufgeführt.[23] (Jung wollte sie auch in der Bundesrepublik zeigen, doch konnte er das Komitee für Kultur und Kunst nicht überzeugen.[24])

1974 promovierte Thomas Nägler, Historiker beim Brukenthal-Museum (geboren 1939), an der Universität Klausenburg mit einer Dissertation über die Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen. Diese ist 1979 in deutscher und 1981 in rumänischer Sprache im Druck erschienen.[25]

Ab 1975 betreute der Historiker Gernot Nussbächer die NW-Rubrik „Kleine Heimatkunde“, soweit es sich um Artikel über siebenbürgische Ortschaften handelte. Er selbst hat im Laufe von etwa zwei Jahrzehnten mehr als 200 Texte für sie verfasst. „Ich versuchte damit zu zeigen“, schrieb er später, „dass auch die kleinste Gemeinde ihre interessante Ortsgeschichte hat, und ich wollte damit die Heimatverbundenheit unserer Landsleute stärken.“ 1981 veröffentlichte der Kriterion-Verlag die erste Zusammenfassung: „Aus Urkunden und Chroniken. Beiträge zur siebenbürgischen Heimatkunde“.[26] (Sie eröffnete eine Reihe, die bis zum Jahre 2013 auf elf Bände gediehen ist.)

Von 1972 bis 1976 veröffentlichte eine Gruppe von 13 Germanisten und Journalisten unter der Leitung des Klausenburger Dozenten Michael Markel eine Serie von Lehrbüchern und Textsammlungen für das Fach „Deutsche Literatur“ im Lyzeum [in den Klassen IX bis XII]. Ihnen liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Zugehörigkeit zum deutschen Kulturkreis nur über den Literaturunterricht vermittelt werden kann, außerdem sollte ein undogmatisches Literaturkonzept begründet werden. Die Veröffentlichung unterlief die herrschende Ideologie. Laut Dr. Johann Wolf waren diese Bücher besser als alles, was in Rumänien vorher an einschlägiger Fachliteratur verfasst worden war. Wenig später wurde die Lyzeumsstufe in zwei Stufen unterteilt, deshalb mussten die Autoren den Lehrstoff neu aufbereiten; die zweite Serie gelangte 1978-1983 in die Schulen.[27] Zu den 13 Autoren der Bücher gehörten auch die Banater Walter Engel, Dorothea Götz, Heinrich Lauer, Peter Kottler und Hans Müller, zu den Referenten Dorothea Götz, Franz Storch und Dr. Johann Wolf.

1976 erschien im Kriterion-Verlag die „Sächsisch-schwäbische Chronik“, das erste Buch zur Geschichte der deutschen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg, das bedeutet nach dreißig Jahren. Weil dieses Thema aus den Schulbüchern ausgeklammert war, sollte die „Chronik“ als Handbuch für Lehrer und Mitarbeiter der Volkshochschulen dienen. Ihre Auflage belief sich auf 5.750 Exemplare. Als Herausgeber des Kompendiums zeichneten Eduard Eisenburger und Michael Kroner, zur Gruppe der Autoren gehörten auch die Banater Otto Greffner, Heinrich Lay und Johann Wolf.

1979 brachte der Kriterion-Verlag den von Dr. Carl Göllner redigierten ersten Band der „Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rumäniens“ heraus, eine 459 Seiten starke Gemeinschaftsarbeit. Der zweite Band, dessen Veröffentlichung für 1982 vorgesehen war, ebenfalls eine Gemeinschaftsarbeit, durfte nicht gedruckt werden. Er hätte nämlich ein Argument für die Veröffentlichung eines entsprechenden Werks über die ungarische Minderheit geboten, und das war für die Parteiführung unerwünscht.

Bis 1978 gab es in den Banater Dörfern mehr als 30 deutsche Theatergruppen [und im Rahmen des Temeswarer Studenten-Kulturhauses eine Theatergruppe der Germanistik-Studenten]. Die Trachten-Tanzgruppen von Blumenthal, Darowa, Deutschbentschek, Glogowatz, Lowrin, Marienfeld, Neupetsch, Uiwar und Wetschehausen machten von sich reden. Außerdem bestanden in manchen Ortschaften mehrere Musikkapellen, so in Deutschbentschek, Glogowatz, Grabatz, Jahrmarkt und Warjasch. Die Theatergruppen, Tanzgruppen und Musikkapellen bereiteten gemeinsam abendfüllende Programme in deutscher Sprache vor, die dann nicht nur im eigenen Dorf, sondern auch in Nachbarortschaften dargeboten wurden. So war in Neupetsch 1968 das „Schwäbische Volkskunstensemble“ entstanden.[28] In diesem Kontext verdient die Zusammenarbeit der Berufsschauspieler mit den Laiengruppen unsere Aufmerksamkeit: Rudolf Schati, Hans Kehrer, Peter Schuch, Josef Jochum, Hadamut Becker, Franz Csiky und andere Ensemble-Mitglieder des Temeswarer Deutschen Staatstheaters halfen den Laienspielern mit ihrer Erfahrung. In Siebenbürgen waren es Hanns Schuschnig, Christian Maurer, Hans Pomarius, Luise Pelger, Kurt Conrad und Franz Keller.

Zu diesen und anderen kollektiven Leistungen traten die persönlichen Erfolge von Schriftstellern, Komponisten, Musikern, Regisseuren, Übersetzern, Schauspielern, Sängern, Malern, Grafikern, Bildhauern, Kunstfotografen, Architekten, Historikern, Sammlern und Lokalforschern. Um alle zu würdigen, wäre eine Monografie erforderlich. Denken wir beispielsweise an die Bukarester Musik-Formation „Karpaten-Show“, die 15 Berufsmusiker umfasste, mehrheitlich Rumänen, und Sommer für Sommer im Ausland auftrat, ausnahmsweise auch im Banat und in Siebenbürgen. Sie war 1968 von dem aus Johannisfeld stammenden Banater Schwaben Emil Franz (1931-2013) gegründet worden. Als dieser 1974 von einer Auslandsreise nicht zurückkehrte, übernahm der aus Meschen stammende Siebenbürger Sachse Stefan Bretz (geb. 1930) die Leitung. Beide halfen 1973 bei der Vorbereitung der schon genannten „Banater Schwabenshow“ in Temeswar mit.[29] 

Die kulturelle Blüte schließt die Eröffnung von mehreren Gedenkstätten mit ein: für Stefan Jäger in Hatzfeld (1969), für Stephan Ludwig Roth in Mediasch (1970), für Adam Müller-Guttenbrunn in Guttenbrunn (1975). Das seit 1932 bestehende, aber nach dem Krieg vernachlässigte Lenau-Museum in Lenauheim wurde renoviert und 1967 um eine Ethnografie-Abteilung erweitert. 1974 entstand in Jahrmarkt unter Anleitung des Geschichts- und Geografielehrers Johann Speck ein Heimatmuseum als Abteilung des Banater Museums in Temeswar. (Nach der Wende wurde es aufgelöst.)

Von der Verwaltungsreform des Jahres 1968 (39 Kreise statt 16 Regionen) wurde der kulturelle Aufschwung begünstigt, denn anschließend erneuerte sich das Pressewesen, und in diesem Kontext erhielt Hermannstadt eine deutsche Wochenzeitung (die „Hermannstädter Zeitung“[30]), während die Temeswarer deutsche Lokalzeitung zur Tageszeitung aufstieg („Neue Banater Zeitung“[31]) und die Kronstädter deutsche Lokalzeitung zur überregionalen Wochenzeitung („Karpaten-Rundschau“[32]). Die Presse war gleichgeschaltet, aber im Innenteil brachten die Zeitungen zahlreiche für das Kulturleben relevante Informationen. Das Redaktionskollektiv der „Hermannstädter Zeitung“, die mit aktiver Hilfe des „Neuen Wegs“ aus der Taufe gehoben wurde, war sich von aller Anfang an stillschweigend einig, dass das Blatt wie der „Neue Weg“ aus zwei „Hälften“ bestehen werde.

 

Mit Lenau gegen Ceauşescu

In einer Nische im Torgewölbe der Lenau-Schule befand sich eine Büste des Dichters, daneben war sein Gedicht „Trutz euch!“ zu lesen:

 

Ihr kriegt mich nicht nieder,

Ohnmächtige Tröpfe!

Ich komme wieder und wieder,

Und meine steigenden Lieder

Wachsen begrabend euch über die Köpfe!

 

Die deutschen Besucher lasen diese Zeilen mit Vergnügen. Die feindseligen Funktionäre konnten nichts dagegen tun, weil der Name Lenau der Schule durch ein Dekret des Staatsrates verliehen worden war (bzw. bestätigt worden war[33]). Den Funktionären aber fiel im Laufe der Jahre wiederholt etwas anderes ein: Man soll die Büste Lenaus durch die des größten Staatsmanns ersetzen. Dann gab Direktor Erich Pfaff jedes Mal diskret Folgendes zu bedenken: Durch das Torgewölbe bewegt sich täglich ein Pferdewagen, mit dem die Abfälle der Kantine fortgeschafft werden, und dieser Wagen kommt im Torgewölbe zum Halten, wobei der Gaul hin und wieder Äpfel fallen lässt (rumänisch: mîrţoaga se balegă). Mehr war nicht nötig. (Der Besitzer jenes Wagens hieß übrigens Ochsenknecht.)[34]

 

Die Unterstützung aus der Bevölkerung

 

Überall dort, wo durch die Arbeit der deutschen Bürger Erfolge in der Wirtschaft verzeichnet wurden, herrschte eine für die Kulturtätigkeit der Deutschen günstige Atmosphäre.

Ein gutes Beispiel ist die Aufführung der „Mutter Courage“ am 12. August 1956 im Garten des ehemaligen Ursulinenklosters in Hermannstadt, die erste Vorstellung der offiziell noch gar nicht existierenden Hermannstädter deutschen Bühne. Die Vorbereitungen für diese Aufführung waren möglich, weil einerseits die politische Führung, andererseits die Bevölkerung die Leistungen der deutschen Arbeiter, Techniker und Ingenieure anerkannte. Damals lieferte die Hermannstädter Druckerei kostenlos die Plakate, die Einsatzgruppe des Elektrizitätswerks (rumänisch: „Echipa fulger“) sorgte für die Beleuchtung, die Handwerkergenossenschaft „Igiena“ fertigte die Dekoration an, und der Stadtarchitekt Otto Czekelius nahm die Vermessungen für die Bühne vor.[35]

Unter ähnlichen Umständen der Anerkennung konnte 1969 in Agnetheln der uralte sächsische Handwerkerbrauch des Urzelnlaufens wiederbelebt werden. Der Direktor des Agnethler Kulturhauses, der sich gegen die Wiedereinführung des Brauchs stemmte, ein Rumäne, erhielt von den rumänischen Einwohnern den Spitznamen Anti-lolă, d. h. „Anti-Urzel“.[36] (Lolă ist die rumänische Bezeichnung für diese Art Maske.) Mit der Zeit gewann das Fest an Popularität, und im Januar 1975 zählte man 33 Gruppen von Urzeln bzw. Parten.[37]

Der Generaldirektor der Reschitzer Maschinenbaufabrik, Mircea Popa, unterstützte den Manager der Deutschen Operettengruppe, das war Ingenieur Oskar Ferch, weil dieser die Stahlhärterei der Fabrik leitete und zusätzlich am Institut für Betriebsingenieure[38] Vorlesungen hielt. Dass der Generaldirektor mit einer Deutschen verheiratet war, spielte wahrscheinlich auch eine Rolle, aber eine eher geringe. In den siebziger Jahren ging es der Operettengruppe wieder gut, sie unternahm 1976 und 1979 sogar je eine Tournee durch Siebenbürgen, zuerst mit dem „Weißen Rössl“, dann mit der „Gräfin Maritza“.[39]

Nur weil die Korbflechterei von Schöndorf bei Arad ein Devisenbringer war, konnte Direktor Josef Prohaska den zuletzt 500 Angestellten außergewöhnliche soziale Leistungen bieten und das deutsche Kulturleben unterstützen. Nur weil sich die Gemeinde Marienfeld mit zahlreichen Initiativen landesweit einen Namen gemacht hatte (siehe weiter unten), konnte der langjährige deutsche Bürgermeister Willi Heinz seine Hand schützend über die deutschen Trachtenfeste halten und 1986 (!) eine Lesung mit deutschen Autoren veranstalten.

Die Erfolge fielen niemandem in den Schoß – sie mussten erstritten werden: mit politischen Argumenten oder mit Kompromissen oder mit Lügen und Bestechungen. Das gilt für Schulfeiern und Elternabende, für die Aufführungen der Laienspieler, für die Trachtenfeste, für die Berufsbühnen, für die Redaktionen, für die Verlage. Franz Kahles aus Tschanad schreibt im Rückblick: „Weil die Schulleiter der deutschen Abteilungen gewöhnlich auch die Ehre hatten, Kulturheimdirektor zu sein, konnten wir uns gewisse Zugeständnisse erarbeiten. Die Kirchweih- und die Trachtenfeste sowie die deutschsprachigen Kulturprogramme waren immer sehr gut besucht, sie brachten beachtliche Einkünfte, das versetzte uns in die Lage, so manche Rechte zu erkaufen.“[40] Ähnlich in der Stadt Zeiden. Dort erzielten die deutschen Kulturformationen, die alles in Eigenregie erledigten, mit jedem „Bunten Abend“ und anderen Darbietungen beträchtliche Einnahmen, dadurch war das Kulturhaus imstande, rumänische Kulturformationen zu finanzieren; im Gegenzug gewährte man den deutschen Formationen Bewegungsfreiheit, sie durften in Zeiden, in anderen Burzenländer Ortschaften, in Siebenbürgen, im Banat und in Bukarest auftreten.[41]

Unter dem Druck der Verhältnisse haben in ganz Rumänien Zehntausende Lehrer mit mehr oder weniger Erfolg getrickst. Die folgenden Beispiele stammen aus dem Absolventenbuch „Unser Werden und Wirken“ des Schäßburger Absolventenjahrgangs 1954. Johanna Kraus hat, als sie in Trappold arbeitete, viele Theaterstücke und Tänze aufgeführt, auch solche, die nicht genehmigt waren. Für die deutschen Kulturveranstaltungen in Kirtsch holte sich Johann Bretz vorschriftsmäßig beim Mediascher Kunst- und Kulturausschuss eine Genehmigung, aber das dargebotene Programm stimmte in Zusammensetzung und politischem Inhalt niemals mit dem genehmigten überein. Iris Lingner, ab 1962 in Zeiden als Biologielehrerin tätig, gab den Volksliedern und Tänzen, die sie mit den Schülern einüben wollte, neue Namen – solche, die den Anforderungen entsprachen. Weil man in der Schule keine Weihnachtslieder singen durfte, in Großschenk so wenig wie anderswo, hieß das Thema der Musikstunden von Lilli Pelger vor Weihnachten „Hirten- und Wiegenlieder“.[42] Den beliebten Militärmarsch „Alte Kameraden“ (der aus dem Jahr 1889 stammt) tarnten die deutschen Kulturfunktionäre von Zeiden als einen „Marsch des Sieges“ („Marşul victoriei“).[43]

Bei der Bestechung ist nicht an Geld zu denken, sondern an die Vermittlung von Mangelwaren und gesuchten Dienstleistungen, an Gastmähler mit Fleisch und Wein. Die Methode der Gastmähler praktizierte auch Nikolaus Berwanger (1935-1989), Chefredakteur der „Neuen Banater Zeitung“ und Mitglied in der Parteiführung des Kreises Temesch, geachtet als einfallsreicher Organisator des deutschen Kulturlebens. Er lotste die Gäste aus Bukarest nach der Inspektionsfahrt in einen Landwirtschaftsbetrieb, wo man sie großzügig beköstigte, eine mit seinen heimlichen Helfern abgekartete Sache.[44] Wie viele Helfer Berwanger hatte, ob es fünfzig waren oder hundert, könnte nur er selbst sagen. Als das Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen im Südosten Europas im Dezember 2006 in München ein Symposion über Berwanger veranstaltete, ergriff auch dessen ehemaliger Vertrauter Nikolaus Schmelzer (geb. 1937) das Wort, der in Großsanktnikolaus der Finanzfachmann des Handels- und Dienstleistungsunternehmens war. Jahresumsatz 1,5 Milliarden, Unkosten 1,4 Milliarden, Reingewinn 100 Millionen Lei. Bei diesem Betrag, gestand Schmelzer, konnte man etwas abzweigen, und das hat er wiederholt getan. Er half bei der Renovierung des Lenau-Museums in Lenauheim und schenkte der NBZ Papier für Werbezwecke. Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass im kommunistisch regierten Rumänien, in dem die Geschichte der deutschen Minderheit unterschlagen wurde, Funktionäre aus verschiedenen Ortschaften aus dem öffentlichen Besitz Geld und Material abgezweigt haben, um das Kulturleben in deutscher Sprache zu fördern.

Wie die Kompromisse des Kriterion-Verlags aussahen, hat die ehemalige Chefredakteurin Hedi Hauser nach der Wende in einem Vortrag veranschaulicht:

„Aber die schwerste Aufgabe war, die Verlagspläne so ausgewogen auszuarbeiten, dass es danach keinen Grund gab, sie völlig auf den Kopf zu stellen. Wir hatten unsere Vorschriften für den Umfang und die prozentuelle Aufteilung zwischen den Sparten, Themen, Genres. Niemand weiß, welche Anstrengung es kostete, die Titel, die wir herausbringen wollten, in gewisse Themenkreise einzuordnen, und was da alles zum Beispiel in der Sparte Erziehung zur Vaterlandsliebe figurierte. Oder um junge, eigenwillige Autoren herausbringen zu können, mussten auch ein Breitenhofer oder eine Lotte Berg im Plan stehen, um ein Gleichgewicht zu halten. Um Heimatgeschichte zu drucken, brachten wir auch eine ganze Reihe von Titeln aus der rumänischen Kulturgeschichte heraus, und dennoch gab es den ständigen Vorwurf, der Kriterion-Verlag drucke zu viel eigene Geschichte und Heimatkunde. Der Kalvarienweg begann schon bei den Verlagsplänen, die zur Festlegung der Auflagen gedruckt und an den Buchhandel verteilt wurden. Es gab zu jedem Titel eine kurze Beschreibung, die einerseits interessant sein sollte, um den Buchhändler zu veranlassen, eine höhere Auflage zu bestellen, andererseits aber so formuliert sein musste, dass der Titel bei unseren übergeordneten Stellen – Verlagszentrale, Rat für Kultur und Sozialistische Erziehung, Ideologische Abteilung des ZK der Partei – genehmigt wurde. Uns rauchten die Köpfe, bis wir alles – oft gemeinsam mit den Autoren – so formuliert hatten, dass wir damit anstandslos durchkamen. Dabei bestand immer noch die Gefahr, dass man beim Zensieren der Manuskripte im Kulturrat feststellte, dass das Manuskript nicht mit dem im Verlagsplan angekündigten Thema übereinstimmte. Dann begann ein endloses Sich-Durchwinden, Feilschen und Argumentieren. Es gab Titel, die monatelang liegen blieben, entweder als Manuskript oder bereits als fertiges Buch – denn es gab auch noch eine Nachzensur –, und nicht gedruckt oder ausgeliefert werden konnten. Manchmal mussten wir nachträglich bei einem Buch Seiten ausreißen, neu drucken und wieder einkleben, oder im besten Fall ein nachträglich gefordertes, erläuterndes Nachwort hinzufügen. Manche Titel wurden jedoch ganz zurückgezogen und eingestampft. Dafür wurde dann der Verlag haftbar gemacht. Das geschah meist mit ungarischen Büchern, auf die waren Zensur und Kulturrat besonders scharf.“[45]

Der Direktor des Hermannstädter Kreisbetriebs für Buchhandel, Alfred Reimar Ungar (1936-2006), konnte es sich nur deshalb leisten, heimlich die Erhöhung der Auflage deutscher Buchtitel zu unterstützen, weil sein Betrieb mustergültig funktionierte und sowohl beim Absatz rumänischer Buchtitel wie auch allgemein zufriedenstellende Erfolge verzeichnete. Durch vertrauliche Absprachen mit dem Kriterion-Verlag wurde erreicht, dass die zur Veröffentlichung vorgesehenen deutschen Titel die Hürde der Mindestauflage nehmen. Wenn die Zentrale des Buchhandels durch die üblichen Umfragen zu ermitteln versuchte, ob ein genügend großes Interesse an einem geplanten Buch besteht, sodass der Druck gerechtfertigt ist, zögerten die rumänischen Buchhändler, weil sie den Inhalt nicht kannten, und bestellten gar nichts oder symbolisch ein Exemplar. Ungar aber verpflichtete sich, eine große Anzahl von Exemplaren zu übernehmen – mehr als der Kreis Hermannstadt verkraften konnte –, wodurch die erforderliche Mindestauflage zustande kam. Nach der Veröffentlichung trat er Teile seines Vorrats an andere Kreise ab, wo dank der Medien mittlerweile das Interesse der Leser erwacht war. Ungar leitete den Betrieb ab 1970. Von Herta Müllers Debütband „Niederungen“ (1982) bestellte er 2.000 Exemplare (und außer ihm bestellte niemand).[46]

Die Schwierigkeiten mit der Zensur werden deutlich, wenn man das siebenbürgisch-sächsische Volkslied „Ich bin ein klein-wild Vögelchen“ mit dem Bühnenstück „Die Braut von Urwegen“[47] vergleicht. Das Volkslied war in einer deutschen Mundart verfasst, konnte aber innerhalb von zwei Minuten ins Rumänische übersetzt werden. Die Aussage war leicht als „fortschrittlich“ zu erkennen. Im Falle der „Braut von Urwegen“ aber sah sich der Zensor – und mit ihm der Kulturfunktionär – mit drei Schwierigkeiten konfrontiert: A) Das Stück war in einer deutschen Mundart verfasst. B) Es war lang. C) Es gab keine verbindliche Interpretation, und der Hintergrund war dem Zensor nicht vertraut. Also lehnte der Zensor das Stück ab. Ein Absolvent der Schäßburger Lehrerbildungsanstalt, Hans Moyrer (geb. 1936), der in Pretai mit der von ihm gegründeten Gruppe Theater spielte, taufte das Stück um. Er änderte den Namen, weil er nur so (und auch dann nur „versuchsweise“) die Genehmigung zur Aufführung erhielt. Unter dem Titel „Begegnung zweier Welten“ wurde das Stück in Dörfern des Kokeltals, des Harbachtals und des Burzenlandes wie auch in Schäßburg, Mediasch und Agnetheln 145-mal aufgeführt, natürlich nur „versuchsweise“. Die Kollegen aus anderen Ortschaften wunderten sich und ärgerten sich, denn sie bekamen immer Absagen.[48]

Nach Ceauşescus Besuch in China und Nord-Korea Anfang 1971 verschärften sich die Auflagen für die Kulturtätigkeit. Von den Theatern forderten die Funktionäre, dass mehr als die Hälfte des Repertoires aus zeitgenössischen Stücken besteht. Die Leitung des Temeswarer Deutschen Staatstheaters musste zu Tricks greifen, um der Forderung zu genügen. Als 1972 der „Tell“ aufgeführt werden sollte, hängte sich der Zensor an den Rütli-Schwur – diese Zeilen seien zu streichen. Dramaturg Franz Liebhard zeigte Regisseur Hanns Schuschnig den Brief, der kurz vor der Premiere eingetroffen war, und sie waren sich einig. „Ich lege den Brief hier in die Lade“, sagte Liebhard damals, „und wenn man nachfragt, ist er nicht angekommen.“ So wurde das Stück (Regie Hanns Schuschnig, Ausstattung Gábor Kazinczy, Premiere am 14. April) 51-mal in Stadt und Land mit dem Rütli-Schwur aufgeführt:

 

„Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,

in keiner Not uns trennen und Gefahr.“

„Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,

eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.“

„Wir wollen trauen auf den höchsten Gott

und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.“[49]

 

Nachdem die alte Garde der Reschitzer Operettengruppe Mitte der achtziger Jahre abgetreten war, wehte ein anderer politischer Wind. Als die Reschitzer Deutschen sich 1987 aufrafften, eine deutsche Vortragsreihe innerhalb der Volkshochschule einzurichten, verweigerte das Kreisparteikomitee Karasch-Severin zunächst seine Zustimmung. Daraufhin verbrachte der Korrespondent des „Neuen Wegs“, Werner Kremm, mehrere Tage damit, alle Nachrichten der letzten Jahre über solche Vorträge in Temeswar, Kronstadt, Hermannstadt, Mediasch und Schäßburg aus dem „Neuen Weg“, aus der „Neuen Banater Zeitung“, aus der „Woche“ und aus der „Karpaten-Rundschau“ herauszuschneiden und ins Rumänische zu übersetzen; diese Aufstellung legte man der Sekretärin für Ideologie und Propaganda des Kreisparteikomitees vor – und erhielt dann die Bewilligung.[50]

 

Kirchweih- und Trachtenfeste

 

1956 war es der Leitung des „Neuen Wegs“ gelungen, die Erlaubnis zum Abhalten der Kronenfeste in Siebenbürgen sowie der Kirchweihfeste im Banat durchzusetzen, die seit Kriegsende vor allem in der Banater Heide mit wenigen Ausnahmen verboten waren.[51] Die Erlaubnis galt für eine weltliche, von der Kirche getrennte Form. Trotzdem haben die Menschen sich gefreut, und die Zahl der ihren Festtag feiernden Dörfer nahm schnell zu. In der Folge wurde die Erlaubnis auch für andere Volksfeste in Anspruch genommen bzw. auf sie übertragen.

Das Kronenfest um den 24. oder 29. Juni (in Zeiden „Waldfest“ genannt) haben die Sachsen in mehr als hundert Ortschaften begangen. Abgesehen von Agnetheln liefen die als „Urzeln“ bekannten Masken auch in Marpod, in Hundertbücheln und in Großschenk, dort in Verbindung mit dem alljährlichen „Narrengericht“. Zu den traditionellen Veranstaltungen gehörten das Blumenkronenfest in Frauendorf, der „Rösseltanz“ in Keisd, das „Gansabreiten“ in Törnen und Weingartskirchen, das „Eierlaufen“ in Neppendorf, das Rinnenfest in Schönau, das von den 19 Großpolder Nachbarschaften gemeinsam vorbereitete „Waldfest“ sowie das „Aufnähen“ der „Gepäschken“ (Blumensträußchen) für die Rekruten in Großau.[52]

Die Banater Deutschen feierten laut einer Statistik der „Neuen Banater Zeitung“ vom 15. April 1978 bis zum 20. Mai 1979 in ihren Ortschaften 124 Volksfeste, 84 Kirchweihfeste und 40 Trachtenfeste.[53] Was die Bälle betrifft: Man veranstaltete Feuerwehrbälle, Trauben-, Kathreinen-, Große-Buben-, Binkel-, Abendschüler-, Verheirateten-, Faschings-, Eck- und Silvesterbälle.

Hier sei das von der Leitung des Neuarader Lyzeums veranstaltete Trachtenfest der Grundschulklassen vom Jahre 1979 vermerkt. An ihm nahmen 107 Paare aus 20 Ortschaften teil.

Unter den Banater Veranstaltungen ragen die Trachtenfeste hervor, bei denen auch längst abgelegte Kostüme aus früheren Zeiten vorgeführt wurden, weil sie auf originelle Art und Weise über die Geschichte der deutschen Minderheit informierten, die aus den Schulbüchern ausgeklammert war. Den Anfang machte Warjasch 1969 und 1970, es folgten Jahrmarkt 1971, Deutschbentschek 1972, Neuarad sowie Semlak 1973, Tschanad 1974 und andere Ortschaften.

Die zwei großen Warjascher Trachtenfeste konnten nur stattfinden, weil Nikolaus Berwanger vor dem ersten nach Bukarest gefahren war, um die Erlaubnis zu erwirken; er hat sie mit der Bedingung erhalten, dass die Trachtenschau mit einem „Kulturprogramm“ verknüpft wird, das „im Zeichen der Heimatliebe“ zu gestalten sei. Am ersten Fest nahmen 106 Paare aus 18 Ortschaften teil, am zweiten 110 Paare aus 30 Ortschaften.[54] Bei der Parade wurden Trachten aus der Einwanderungszeit sowie Fest- und Arbeitstrachten gezeigt. Die Organisatoren hatten aus den Truhen genommen, was noch an Originalstücken aus dem vorigen Jahrhundert vorhanden war; für das noch Ältere dienten die Bilder Stefan Jägers als Vorlage, ergänzt durch Hinweise des Malers Franz Ferch.

In Jahrmarkt zogen 200 Personen mit alten Trachten durch die Gemeinde und stellten an mehreren Plätzen Szenen aus dem Einwanderungs-Triptychon von Stefan Jäger nach, die sie anschließend im Kulturheim wiederholten.[55] In Deutschbentschek nahmen mehr als 80 Paare an der Veranstaltung teil.[56] In Neuarad, wo sich das neugegründete deutschsprachige Lyzeum engagierte, waren es 96 Paare[57], in Semlak 35 Paare[58], in Tschanad 44 Paare. Dort eröffnete eine Gruppe von „Einwanderern“ den Festzug; am vorbestimmten Ort ließen sie sich an einer Quelle zum Rasten nieder und entfachten ein Feuer.[59] Was Semlak betrifft: Angeregt durch das gewaltige Echo der gelungenen Aufzüge in anderen Ortschaften, organisierte die deutsche Lehrerschaft 1973 das erste Trachtenfest nach dem Krieg.

In Hatzfeld legten die Organisatoren der Trachtenbälle Wert darauf, verschiedene Kleidungen für Alltag, Arbeit und Feiertag vorzustellen und auf Besonderheiten hinzuweisen, außerdem stellte man Szenen aus dem alten bäuerlichen Leben wie Spinnstube, Maisribbeln und Kartenpartie dar. Dort fand das größte Trachtenfest 1977 statt, als man den 100. Geburtstag von Stefan Jäger beging. Es wurde im Freien abgehalten, und zwar auf dem im Stadtpark angelegten Handballstadion; an ihm nahmen rund 300 Trachtenpaare aus 18 Ortschaften teil.[60]

In der Lenau-Schule in Temeswar wurden ab 1975 alljährlich Trachtenbälle veranstaltet, und bei jedem waren Kostüme aus zahlreichen Ortschaften des Banats zu bewundern. Damit setzte die Schulleitung eine durch den Krieg unterbrochene Tradition der „Banatia“ fort. Die Bälle organisierte die aus Orzidorf gebürtige Sprachlehrerin Anna Jost, verheiratete Pavel, die in jenen Jahren als Parteisekretärin der Schule fungierte (wobei ihr der rumänische Name zugute kam). 

Hier sei vermerkt, dass im Neupetscher Kulturheim bereits 1967 eine Spinnstube vorgeführt worden ist, bei der 30 Frauen mitmachten, ein Teil des berühmten, früher von Mathias Schork dirigierten Chors. Jene Spinnstube hatten der Grundschullehrer und Kulturheimdirektor Hans Neumann, der Musiklehrer Herbert Weiss, der Deutschlehrer Heinrich Schubkegel und der Baumeister Ludwig Schwarz vorbereitet.[61]

Noch größere Wirkung als die historischen Kostüme erzielten verständlicherweise die Feiern zum Gedenken an die Einwanderung ins Banat, so die 200-Jahr-Feiern 1966 in Sackelhausen, 1970 in Marienfeld, 1980 in Engelsbrunn, 1985 in Gertianosch, 1986 in Bakowa, Darowa, Josefsdorf, Giseladorf und Wetschehausen. Die Deutsch-Böhmen von Wolfsberg und Weidental erinnerten 1978 durch ein Straßenfest an die Einwanderung ihrer Ahnen vor 150 Jahren.[62]

 

Die deutschen Bürgermeister

 

Von den deutschen Bürgermeistern und Vizebürgermeistern der kommunistischen Zeit, wahrscheinlich mehr als 100 im Laufe von 40 Jahren, waren etliche „Quotenmänner“ und verdienen deshalb keine weitere Aufmerksamkeit. Andere legten, einmal im Amt, den deutschen Hut ab. In Hatzfeld spöttelten die Nachbarn über einen Funktionsträger dieser Kategorie: „Er liest den ‚Neuen Weg‘ und grüßt ‚Bună ziua!‘“[63] Doch es bleiben noch etliche lokale Würdenträger, die sich nicht nur als tüchtig erwiesen, sondern auch für ihre Landsleute einsetzten, das bedeutet deutsche Kindergärten, deutsche Schulklassen, deutsche Kulturformationen, traditionelle Feste der deutschen Bevölkerung. Dieser Hintergrund des deutschen Kulturlebens wurde bisher nicht erforscht. Einzig im NBZ-Kalender für das Jahr 1978 werden die Banater Ortschaften genannt, wo damals deutsche Bürgermeister amtierten (Billed, Blumenthal, Darowa, Ebendorf, Marienfeld, Orzidorf, Paulisch, Sekesek, Semlak, Weidental).

Unter der Leitung eines deutschen Bürgermeisters, der 25 Jahre lang im Amt war (1965-1990), erwarb sich die Gemeinde Marienfeld unter den Verhältnissen des real existierenden Sozialismus landesweit einen vorzüglichen Ruf: Betongehsteige – Asphaltierung der Straßen – 43 km Wasserleitungsnetz – ein Turnsaal für die Schule – ein Thermalbad mit eigenem Arzt – lokales Telefonnetz – Fernheizung – Wasserturm – Hotel – Reitstall – ständige Kleintierausstellung – eine Kleinindustrie mit Arbeitern aus 22 Berufen, deren Werkstätten zuletzt mit elektrischem Strom aus eigener Produktion versorgt wurden. 1985 brüstete sich Marienfeld mit neun Museen und ständigen Ausstellungen. 1986 beherbergte die Gemeinde die Landestagung der Soziologen sowie ein Landessymposion zum Thema „Vielseitige Entwicklung der ländlichen Ortschaften“. Im selben Jahr fand dort eine Dichterlesung mit deutschen Schriftstellern aus dem Banat und aus Siebenbürgen statt.[64]

 

Leistungen der Ingenieure, Künstler und Sportler

 

Kollektiven Auftritten in deutscher Sprache legte die Obrigkeit gern Zügel an, aber für Einzelpersonen, deren Tätigkeit nicht an die deutsche Sprache gebunden war, galten keine Einschränkungen; auch dem deutschen Ingenieur, Architekten, Forscher, Künstler und Sportler wurde öffentliche Anerkennung zuteil (falls lokale Intrigen dies nicht verhinderten). Zum Beispiel:

Der Mathematik- und Physiklehrer Peter Lamoth (1908-1995) promovierte 1965 zum Doktor der Physik und wurde 1967 zum Professor am Physik-Lehrstuhl der Elektrotechnik-Fakultät des Temeswarer Polytechnischen Instituts berufen.

Der Maler und Grafiker Harald Meschendörfer (1909-1984) hat zwischen 1955 und 1968 insgesamt 152 Briefmarken entworfen, die von der rumänischen Post herausgegeben wurden.[65]

Dem Diplom-Agraringenieur Paul Abraham (geboren 1921) wurde 1956 für seine Verdienste um den Hopfenbau der Arbeitsorden der Volksrepublik Rumänien verliehen.[66]

Die Karriere des Musiklehrers Josef Ackermann (geb. 1927) gipfelte in seiner Tätigkeit als Dozent am Bukarester Konservatorium „Ciprian Porumbescu“.

Der Volkskundler Horst Klusch (geboren 1927) veranstaltete im März 1966 in Hermannstadt die erste große Ausstellung siebenbürgischer Keramik und ab 1967 jährlich den Töpfermarkt. (Im Jahre 2013 hielt man den Töpfermarkt zum 47. Mal ab.)[67]

Der Komponist und Musikschriftsteller Wilhelm Georg Berger (1929-1993) wurde 1968 zum Sekretär des Komponistenverbands gewählt.

Der Komponist Walter Michael Klepper (1929-2008) stieg zum Intendanten des Symphonischen Filmorchesters, zum Leiter des Musikstudios am Bukarester Konservatorium und zum stellvertretenden Intendanten der Bukarester Staatsoper auf.

Der Schriftsteller Paul Schuster (1930-2004) machte sich mit dem Roman „Fünf Liter Zuika“ (1961-1963, später umgearbeitet) einen Namen. 1968 wurde dieser Roman auf der Frankfurter Buchmesse als erstes Werk eines deutschen Schriftstellers aus Rumänien im Westen vorgestellt.

Der Architekt Hans Fackelmann (1933-1979) schuf 1960-1961 die Pläne für den Gebäudekomplex der Universität Temeswar und realisierte 1969 die Entwürfe für das neue Temeswarer Musiklyzeum sowie für den Verwaltungssitz des Wasserkraftwerks „Eisernes Tor“ bei Turnu-Severin. Er war von 1970 bis 1979 stellvertretender Vorsitzender des Architektenverbands.

Der Zahnarzt und Kieferchirurg Michael Hary (geb. 1933) gehörte als Berater der ersten Fachdelegation an, die nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland diese im Februar 1972 offiziell besuchte (sie wurde vom Gesundheitsminister, Prof. Dr. Dan Enăchescu, und vom Rektor der Bukarester Medizinischen Hochschule, Prof. Dr. Theodor Burghele, geleitet).[68]

Dem Kunstfotografen Edmund Höfer (geboren 1933) verlieh die Internationale Föderation der Kunstfotografie in Bern 1961 den Titel „Artist FIAP“ und 1965 den Titel „Excellence FIAP“. Nachdem er sich einen Namen gemacht hatte, berief ihn der Rumänische Verband der Kunstfotografen regelmäßig in die Jury der Foto-Salons.

Der Diplom-Forstwirt Rudolf Rösler (geboren 1934) war von 1970 bis 1975 Mitglied der Landeskommission für die Auslese von Jagdtrophäen für internationale Ausstellungen.[69]

Die Schachspielerin Gertrude Baumstark (geboren 1941) gewann 1967 und 1981 die rumänische Einzelmeisterschaft der Frauen und nahm mit der rumänischen Frauen-Nationalmannschaft an fünf Schacholympiaden teil (1969, 1972, 1974, 1978 und 1980).

Der Ingenieur Anton Schulz (geboren 1945), stellvertretender Leiter des Konstruktionsbüros im Maschinenbauwerk Reschitz, war ab 1980 Vorsitzender der Kommission des Kreises Karasch-Severin für Auto- und Motorsport, in dieser Eigenschaft organisierte er die internationalen Rennen für die sozialistischen Länder.

Der Fußballspieler Helmuth Duckadam aus Semlak in der Arader Gegend (geboren 1959) wurde im Mai 1986 von der Bevölkerung wie ein Volksheld gefeiert, als er mit seiner Mannschaft „Steaua Bukarest“ aus Sevilla zurückkehrte, wo er beim Elfmeterschießen vier Bälle gehalten hatte.

Aufschlussreich ist auch der Fall des musikalischen Genies Richard Oschanitzky (1939-1979). Man schrieb das Jahr 1959, als er vom Konservatorium durch ein Enescu-Stipendium ausgezeichnet, aber wenige Monate später als reaktionäres Element ausgeschlossen wurde, weil er in Restaurants Jazz gespielt und sogar – unerhört – auf Einladung der Botschaft Ägyptens ein Jazz-Konzert gegeben hatte. Damals galt diese Art Musik noch als spezifisch für den westlichen Kapitalismus und folglich als dekadent. Trotzdem wurde Oschanitzky zwei Jahre später von der Bukarester Schallplattenfirma „Electrecord“ als Mitarbeiter akzeptiert, er arbeitete dann auch für den Rundfunk und für das Fernsehen und komponierte die Begleitmusik für 24 rumänische Spielfilme. Es kam vor, dass er innerhalb derselben Woche zweimal in Musik-Angelegenheiten nach Ostberlin flog.[70]

 

 

Bukarest

 

In der Hauptstadt lebten rund 5.000 Deutsche, ein Tropfen im Ozean von 2,3 Millionen Einwohnern insgesamt. 5.000 war nicht viel im Vergleich mit Temeswar, Hermannstadt und anderen Städten, aber mehr als in jedem Dorf (mit Ausnahme von Sanktanna). Trotzdem besaßen die Bukarester Deutschen keinen eigenen Verein, keinen offiziellen Treffpunkt. Manche sahen sich bei den Gottesdiensten und im Gemeindesaal der Evangelischen Kirche, manche bei den Elternversammlungen der sogenannten „Deutschen Schule“, manche im Schiller-Kulturhaus.

Unter den 5.000 befanden sich relativ viele Intellektuelle – Wissenschaftler, Ärzte, Lehrer, Schriftsteller, Musiker, Schauspieler, bildende Künstler, Journalisten. In Bukarest hatten die Redaktionen „Neuer Weg“, „Neue Literatur“, „Volk und Kultur“ ihren Sitz, ab 1969 auch der Kriterion-Verlag. Gleichwohl konnten sich die Bukarester Deutschen über die Probleme ihrer Minderheit wie die Landsleute in der Provinz nur unter vier Augen aussprechen.

Die erste offene Versammlung zu spezifischen Fragen der deutschen Minderheit, von der ich weiß, fand unmittelbar nach der sogenannten Revolution statt, die in Wirklichkeit ein Staatsstreich war, und zwar am 30. Dezember 1989 im Gemeindesaal der Evangelischen Kirche. Damals wurde die Bukarester Vertretung der später „Demokratisches Forum“ genannten Organisation der Deutschen gegründet. Ich war dabei.

Als der aus Reschitz stammende Künstler Hans Stendl (geboren 1939) im Jahre 2008 zum Ehrenbürger des Banater Berglands ernannt wurde, erklärte er seine Entscheidung, nach der Hochschule in Bukarest zu bleiben, in einem Interview; er sagte: „Dieses Land ist nun mal so aufgebaut, dass Bukarest sein Zentrum ist. Deshalb ist es ‚notwendig‘, in Bukarest zu leben. Dort wird alles, im Guten wie im Schlechten, ‚gedreht‘, dort werden alle Fäden gezogen, von dort kamen die großen Aufträge – vergessen Sie nicht: Ich habe Wandmalerei studiert und praktiziert –, dort saß der inzwischen in die Bedeutungslosigkeit versunkene Künstlerverband (dessen Mitglied ich 1965 wurde). Dieser Verband war, wie alle Künstlerverbände, eine Art Staat im Staat, der sogar Renten aus eigenem Budget zahlte und tatkräftig die Künstler unterstützte. Seit dem Sommer 2008 hat er nicht mal mehr einen Sitz ...“[71]

 

Politische und wirtschaftliche Umstände

 

Wie komplex die politische Lage in Rumänien war, davon konnte sich ein Außenstehender kaum einen Begriff machen. Einerseits postulierte die Parteiführung Rechte der Minderheiten, andererseits betrieb sie zielstrebig deren Assimilierung. Einerseits forderte sie Patriotismus, verunglimpfte und bestrafte sie ausreisewillige Bürger, andererseits führten hochrangige Geheimdienstler Verhandlungen mit dem Bevollmächtigten der Bundesrepublik, um für jeden Deutschen, der ausreisen darf, eine möglichst hohe Ablöseprämie zu erhalten, mit anderen Worten: die Mitglieder der deutschen Minderheit zu verkaufen. Einerseits versuchte die Securitate, Kontakte der Bürger zu Ausländern zu verhindern, andererseits implizierte die angestrebte Modernisierung der Wirtschaft derartige Kontakte.

Als die Parteiführung, seit Beginn der sechziger Jahre bemüht um eine gewisse wirtschaftliche Unabhängigkeit von Moskau, im Westen Maschinen und Ausrüstungen kaufen ließ, kamen mit diesen auch Ingenieure und Monteure aus Großbritannien, Frankreich, Italien, Westdeutschland und anderen Ländern nach Rumänien. Umgekehrt ließen die neuen Fabriken Teile ihrer Belegschaft im Westen schulen und fortbilden. Ein Kronstädter Betrieb etwa, in dem Dieselmotoren nach westdeutschen Lizenzen montiert wurden, schickte beginnend mit den frühen siebziger Jahren jährlich 800 bis 1.000 Arbeiter zur Weiterbildung nach München.[72] Diverse Spezialisten, unter ihnen auch Deutsche, nahmen im Ausland an Konferenzen, Erfahrungsaustauschen und Praktika teil. Dazu zwei Beispiele: Der Diplom-Agraringenieur Klaus Millim (geb. 1935), als Mitarbeiter des Bukarester Forschungs- und Entwurfinstituts für Gemüse- und Obstverwertung zuständig für die Lagerung und Frischhaltung von Obst, absolvierte 1968 ein zweimonatiges Praktikum in der Großmarkthalle von München.[73] Der Temeswarer Zahnarzt und Kieferchirurg Michael Hary (geb. 1933) war als Humboldt-Stipendiat ein Jahr lang (1971-1972) Dozent an der Universität Erlangen; das Stipendium bot ihm die Möglichkeit, jeweils einige Wochen an den Universitätskliniken von Hamburg, Düsseldorf, Westberlin, Stuttgart, Zürich und Basel zu lernen und zu wirken.[74]

Busreisen von West-Deutschland nach Rumänien waren ab 1958 gestattet. Nachdem Rumänien im Januar 1967 diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland aufgenommen hatte, besuchten immer mehr Bundesbürger ihre Verwandten; ihre Zahl wuchs mit den Jahren im Wechselspiel mit der um 1970 beginnenden Auswanderung. Mit den Gästen gelangten Informationen über das Leben im Westen, auch Zeitschriften, Zeitungen, Warenkataloge, Bücher und Musikkassetten nach Rumänien. Allerdings wurden die Begegnungen rumänischer Bürger mit Ausländern von der Securitate streng kontrolliert. Für Privatpersonen aus dem Westen galten zahlreiche schikanöse Bestimmungen: Sie durften nicht bei ihren Verwandten wohnen, sondern mussten sich in einem Hotel einquartieren. Sie mussten für jeden Tag ihres Aufenthalts eine vorbestimmte Summe Geld in rumänische Währung umtauschen. Für die rumänischen Staatsbürger war nach jedem dienstlichen Kontakt mit Ausländern ein Bericht fällig. Die Journalisten durften ohne ausdrückliche Erlaubnis ihres Vorgesetzten mit keinem Ausländer verkehren.

Die Zahl der Haushalte mit Fernseher übersprang 1968 die Million-Grenze.[75] In den westlichen Landesteilen war es möglich, die in Budapest ausgestrahlten Programme zu empfangen, in den südwestlichen – die von Belgrad, in den südlichen – die von Sofia, in den östlichen – die von Kischinjow/Chişinău. Auf diese Weise gelangten laufend von der politischen Leitung unerwünschte Informationen nach Rumänien. Trotz der Zensur fand ein reger Informationsaustausch statt, ermöglicht zum einen durch die landesweite Kooperation der Betriebe, zum anderen durch zentrale kulturelle und sportliche Veranstaltungen.

Ceauşescus Regierungszeit hatte mit ideologischem Tauwetter begonnen, ein paar Jahre lang machten die Menschen sich Hoffnungen, bis der Diktator im Juni 1971 neue Töne anschlug und allmählich sein wahres Gesicht zeigte – eine Fratze. Er befand sich damals auf dem Höhepunkt seiner Popularität, nicht nur in Rumänien, sondern auch im Westen. Im August 1969 hatte US-Präsident Richard Nixon Rumänien besucht, im Dezember 1970 weilte Ceauşescu zu einem Staatsbesuch in den USA. Es folgten die Aufnahme Rumäniens in den Internationalen Währungsfonds und in die Weltbank. Und im Mai 1971 hatte Ceauşescu die höchste von der Bundesrepublik Deutschland zu vergebende Auszeichnung erhalten – die Sonderstufe des Großkreuzes. Die Rücknahme der Liberalisierung brachte u. a. das Aus für die „Aktionsgruppe Banat“. Nachdem ihre Mitglieder schon ab 1970 beschattet, schikaniert und bedroht worden waren, setzte die Securitate ihren öffentlichen Auftritten im Mai 1975 ein Ende.

Alsbald verglühte die Popularität des Diktators und verkehrte sich innerhalb eines Jahrzehnts in ihr Gegenteil. Dafür ist der Generalstreik der Schieltaler Bergarbeiter im August 1977 ein Symptom. Er war der umfangreichste „von unten“ organisierte Protest im kommunistisch regierten Rumänien. Weil die Arbeiterschaft keine eigene Führung besaß, blieb der Streik eine regional begrenzte Aktion; die Securitate schlug ihn nach einigen Wochen geschickt nieder.

Nach dem Einmarsch der Ostblockstaaten in die Tschechoslowakei im August 1968 (an dem Rumänien nicht teilgenommen hatte) rief Ceauşescu die „Front der sozialistischen Einheit“ (später „Front der sozialistischen Demokratie und Einheit“) ins Leben, die alle vorhandenen Organisationen und mehrere neue zusammenfasste. Zu den neuen, man glaubt es kaum, gehörte auch eine für Bürger, die zwar keine Parteimitglieder sind, aber  ... „unter Anleitung der Partei tätig sein möchten“ ... Die Abteilungen der „Front“ waren dazu bestimmt, die Bürger umfassender zu kontrollieren, zeitraubend zu beschäftigen und eine Entwicklung wie in der Tschechoslowakei zu verhindern. Im Oktober und November 1968 entstanden als neue Organisationen die „Räte“ der Minderheiten, unter diesen auch die Kreisräte und der (Landes)-Rat der Werktätigen deutscher Nationalität. Viele ihrer Mitglieder versuchten, den gegebenen Rahmen zu nutzen, um den Unterricht in der Muttersprache und das deutsche Kulturleben zu unterstützen. Ihr größter Erfolg war die Einrichtung von je einer selbstständigen Schule mit deutscher Unterrichtssprache in Temeswar, Arad, Hermannstadt und Kronstadt.

Anfang 1973 veröffentlichte der Historiker Aurel Ţintă in Temeswar ein Buch über die Besiedlung des Banats.[76] Zu diesem hatte Akademiemitglied Ştefan Pascu ein Vorwort verfasst, in dem er die Ansicht vertrat, die deutschen Ansiedler seien Stützen der habsburgischen Herrschaft gewesen und von dieser zum Nachteil der einheimischen Bevölkerung begünstigt worden. Damit sorgte er für Empörung, und der Vorsitzende des Kreisrates der Werktätigen deutscher Nationalität, Nikolaus Berwanger, bat Dr. Johann Wolf um eine kritische Stellungnahme. Schon im April 1973 konnte Dr. Wolf eine 20 Seiten umfassende sachlich sehr ausgewogene Dokumentation vorlegen. Er entlarvte die Vorwürfe von Pascu und lehnte alle tendenziösen Behauptungen, ob von ungarischen, rumänischen oder deutschen Historikern formuliert, als schädlich für das Zusammenleben der Bürger in Rumänien ab. Wegen der Zensur konnte sein Aufsatz nicht veröffentlicht werden.[77]

1978 stoppte die Zensur Stefan Heinz-Kehrers Entwurf „Viehwaggon 21“, der vom Auftakt der Russland-Deportation handelt, um den Kreml nicht zu verärgern.[78] Doch im Februar 1980 erhielt der Autor grünes Licht für die banatschwäbische Passion „Zwei Schwestern“, in der die tragischen Ereignisse der Nachkriegszeit – Russland-Deportation und Bărăgan-Verschleppung – aus der Distanz der Erinnerung dargestellt werden. Allerdings war die Genehmigung mit der Auflage verbunden, jeden konkreten Hinweis auf das „Bruderland“, beginnend mit Russland, Ukraine, Sowjetunion, zu vermeiden. Für den Verfasser ein Eiertanz, der nach der Premiere von den Rezensenten (Emmerich Reichrath vom „Neuen Weg“ und Eduard Schneider von der „Neuen Banater Zeitung“) notgedrungen fortgesetzt wurde. Mit dem Segen des Kulturministeriums fand die Premiere schon im April 1980 beim Festival der nationalen Minderheiten in Sfântu-Gheorghe statt. Dort erhielt die Aufführung erstaunlicherweise den Großen Preis für das Stück, die Inszenierung und die bestgespielten Frauenrollen. Die „Schwestern“ erlebten 43 Vorstellungen mit 9.826 Zuschauern. Gleich nach den ersten Vorstellungen rieten manche Landsleute ihren Bekannten, sich das Stück so bald wie möglich anzusehen, weil man damit rechnen müsse, dass es bald verboten werde. Doch das Stück wurde erst vom Spielplan abgesetzt, als der Verfasser im September 1980 von einer Deutschland-Reise nicht mehr zurückkehrte.[79] Ausgereiste Schriftsteller durfte man weder drucken noch spielen.

 

Der Niedergang

 

Zwar stieg im Laufe der Jahre die Zahl der veröffentlichten Buchtitel insgesamt (was die Propaganda betonte), doch musste die Auflage wegen der Papierkrise immer mehr gesenkt werden. Auf Anweisung von oben verschwand die Auflageziffer 1980 aus dem Impressum. Viele Titel gelangten gar nicht mehr ins Schaufenster der Buchhandlungen. Damit die Leser des „Neuen Wegs“ über hervorragende Neuerscheinungen – beginnend mit Lexika – Bescheid wissen und sich ein für sie interessantes Buch notfalls aus der Bibliothek besorgen können, regte ich die Rubrik „Neue Bücher in rumänischer Sprache“ an, die ich vom Februar 1974 bis zur politischen Wende selbst redigierte. (Deutsche Neuerscheinungen wurden in der Kulturbeilage vorgestellt.)

Die Industrialisierung nebst der von ihr ausgelösten Landflucht bewirkten unvermeidlich den Zerfall der dörflichen Gemeinschaften. Eine der Folgen war die Überfremdung der deutschen Sprache durch die rumänische.

Für das Bildungswesen und Kulturleben in deutscher Sprache bedeutete die Auswanderung einen ständigen Aderlass. Er äußerte sich am deutlichsten in der Fluktuation der Lehrkräfte, aber auch die deutschen Redaktionen und die zwei deutschen Bühnen waren betroffen.[80] Die großen Chöre schmolzen zusammen; der Rest des 1969 gegründeten Schubert-Chors von Temeswar löste sich 1987 auf.[81] Immer öfter wurden die durch Auswanderung vakant gewordenen Stellen mit Rumänen besetzt, die des Deutschen nicht mächtig oder nicht kundig waren.

Bis ins Jahr 1982 war der für den deutschsprachigen Unterricht zuständige Inspektor des Ministeriums von Amts wegen zugegen, sooft vakante Posten an deutschen Abteilungen mit Hochschulabsolventen besetzt wurden, und konnte einschreiten, wenn der Bewerber die deutsche Sprache nicht beherrschte, aber nachher nicht mehr.[82]

1982 forderte der Schriftstellerverband zum ersten Mal von der Redaktion „Neue Literatur“, bis zum Jahresende Rentabilität nachzuweisen, sonst werde sie aufgelöst. Die Forderung war unrealistisch, schon weil die Zahl der Abonnements aus Gründen der Papiereinsparung nicht erhöht werden durfte.

Nach 1983 gerieten die zwei deutschen Theater wegen der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in eine tiefe Krise: Verlust von Publikum und Personal durch die Auswanderung – unrealistische Vorgaben des Kreisparteikomitees – Eingriffe ins Repertoire – Lohnkürzungen wegen Nichterfüllung des Plansolls – Mangel an Treibstoff, sodass keine Ausfahrten mit dem Bus mehr möglich waren.[83]

1984 richteten sieben banatdeutsche Schriftsteller ein gleichlautendes Schreiben an das Kreisparteikomitee Temesch und an die Temeswarer Filiale des Schriftstellerverbands: sie protestierten gegen die Praktiken des Sicherheitsdienstes, der einen von ihnen, nämlich Helmuth Frauendorfer, zusammengeschlagen hatte, und gegen die Einschränkung des Literaturbetriebs in deutscher Sprache. Daraufhin wurden sie zu einer Audienz beim Propagandasekretär des Kreisparteikomitees bestellt, an der auch der stellvertretende Geheimdienstchef teilnahm, diese fand im Oktober statt. Dort kritisierte Horst Samson die zunehmende Einschränkung der Kulturtätigkeit in deutscher Sprache und stellte eine Reihe von Forderungen; es kam zu einem Streit, der mit dem Rauswurf der Schriftsteller endete.[84]

In dieser Atmosphäre löste sich der Temeswarer Literaturzirkel „Adam Müller-Guttenbrunn“ Ende 1984 selbst auf. Dadurch verloren die Kulturfunktionäre ein Aushängeschild und bemühten sich nach einiger Zeit, den Zirkel wieder zu beleben.

Der vierte Band des banatschwäbischen Familien-Romans „Kaule-Baschtl“ von Ludwig Schwarz (1925-1981) wurde von der Zensur wiederholt und definitiv abgelehnt, weil der Verfasser sich auf die Problematik der Aussiedlung einließ. Der erste Band war 1977, der zweite 1978, der dritte 1981 beim „Facla“-Verlag in Temeswar erschienen. Als die Lektorin für Veröffentlichungen in deutscher Sprache, Wilma Michels, 1984 von einem Besuch in der Bundesrepublik nicht mehr zurückkehrte, überließ der Verlag das Manuskript der Witwe des Verfassers.[85]

 

Das Elend der Schulen

 

Beginnend mit den endfünfziger Jahren nahm die Zahl der Schüler in deutschen Klassen im Vergleich zur Nachkriegszeit ab, was in erster Linie mit dem starken Geburtenrückgang in der deutschen Bevölkerung ab 1943 zusammenhängt. Die von der Industrialisierung ausgelöste Landflucht und die Auswanderung verstärkten den Trend. Mitte der siebziger Jahre wuchs sich das Problem zu einer Existenzkrise aus und beschäftigte die Menschen außerordentlich. In immer mehr Dörfern wurde die gesetzliche Mindestzahl der Schüler pro Jahrgang nicht mehr erreicht (im Falle der Grundschule 20 Schüler, im Falle der Klassen V-VIII 15 Schüler, wobei 15 eine Begünstigung für die Minderheiten war, denn für rumänische Klassen galt die Mindestzahl 25). Deshalb gingen immer mehr Schulen zum Simultanunterricht über, bei dem zwei, drei oder sogar alle vier Jahrgänge der Grundschule zusammengelegt wurden. Die Schüler der höheren Klassen pendelten unter günstigen Umständen in eine benachbarte Ortschaft, wo noch eine deutsche Abteilung bestand. Nicht wenige schrieben sich in die vorhandene rumänische Klasse ein.

Im Schuljahr 1976-1977 gab es im Kreis Temesch abgesehen von Temeswar in 70 Ortschaften Klassenzüge mit deutscher Unterrichtssprache, aber nur in 14 davon wirkten an der Grundschule vier Lehrer (oder mehr als vier Lehrer). Ab dem Schuljahr 1980-1981 unterrichtete landesweit von den 720 Grundschullehrern der deutschen Abteilungen jeder zweite simultan. Im Schuljahr 1977-1978 gab es landesweit 170 V. Klassen mit deutscher Unterrichtssprache, davon 67 mit weniger als 25 Schülern. Im Laufe des Schuljahrs 1979-1980 haben allein im Kreis Temesch 400 Schüler aus deutschen Klassen der Allgemeinschule mit ihrer Familie das Land verlassen.[86]

Weder waren die Grundschullehrer für den Simultanunterricht ausgebildet noch verfügten sie über spezifische Arbeitshefte für die Schüler. Deshalb veröffentlichte die Redaktion „Neuer Weg“ im April 1981 detaillierte Vorschläge zur Veranstaltung eines überregionalen Erfahrungsaustausches in Hermannstadt[87], doch das Ministerium reagierte nicht – es hat gar nicht geantwortet. Solche Vorschläge hatten von der Parteiführung auszugehen.

Angesichts der oben beschriebenen Phase des intensiven deutschen Kulturlebens in den siebziger Jahren, das sich auf die Schulbildung einer sehr großen Anzahl von deutschen Bürgern gründete, erscheint die Existenzkrise der deutschen Schulklassen paradox.

Das Zusammenschrumpfen der deutschen Schulklassen in Verbindung mit der Auswanderung deutscher Lehrer machte es für die Schulinspektorate[88] immer schwieriger und zuletzt praktisch unmöglich, für alle Schüler die passenden Lehrbücher zu besorgen und den Schulen kompetente, der deutschen Sprache mächtige Lehrkräfte zuzuteilen. Dadurch entstand viel Ärger.

Gewöhnlich bildeten die deutschen Klassen eine Abteilung innerhalb einer Schule mit zwei oder drei Unterrichtssprachen. Wegen ihrer Abhängigkeit hätten die Lehrer auch ohne die um sich greifende materielle Verelendung in den achtziger Jahren nur wenig für die Kulturarbeit leisten können. Diesbezüglich war die Zeidener Allgemeinschule Nr. 1 eine Ausnahme. Abgesehen von Bukarest gab es (wie oben vermerkt) nur vier selbstständige große Schulen mit deutscher Unterrichtssprache, nämlich in Temeswar, Arad, Hermannstadt und Kronstadt, und nur diese vier hielten sich als Zentren der Kulturtätigkeit in deutscher Sprache, ungeachtet der wachsenden Zahl von Schülern aus rumänischen Familien, im Falle der Lenau-Schule auch ungeachtet der rumänischen Klassen, die in den achtziger Jahren angeschlossen wurden. Auch die zentrale Ausbildung von deutschen Kindergärtnerinnen und Grundschullehrern in Hermannstadt erfolgte im Rahmen einer gemischtsprachigen Anstalt.

Die Zeidner Lehrkräfte konnten sich auf eine bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende vielfältige Kulturarbeit stützen, die bereits im Schuljahr 1882-1883 in dem Sinne geregelt worden war, dass die Vorstände und Leiter aller Kulturformationen ein demokratisches Gremium bildeten, wobei der Rektor der deutschen Schule den Vorsitz führte. In Zeiden bestanden bis in die achtziger Jahre zwei Blaskapellen, fünf Chöre, ein Orchester für Unterhaltungsmusik, eine Theatergruppe sowie mehrere Arbeitskreise: für Literatur, Heimatkunde, Tourismus, Naturkunde und Fotografie.[89]

 

Schluss

 

Alle genannten Umstände wären zu präzisieren und ihre Folgen gegeneinander abzuwägen. Zusammenfassend könnte man sagen, dass die Rolle des deutschsprachigen Unterrichts, der deutschen Zeitungen sowie der „Deutschen Fernsehstunde“[90] als Kristallisationskerne der ethnischen Identität teils von den Folgen der Industrialisierung, teils von den Folgen der Auswanderung untergraben worden ist. Selbstverständlich fiel auch der Rückgang der Geburtenzahlen ins Gewicht.

In den achtziger Jahren äußerte sich die Misswirtschaft der Ceauşescu-Clique durch immer größere Versorgungsschwierigkeiten. Wegen der hohen Auslandsschulden sah sich die Regierung Anfang der achtziger Jahre zu einem Sparprogramm genötigt, welches die breiten Massen der Verelendung preisgab. Gleichzeitig war die Überwachung der Bürger durch die Securitate perfekt. Die Selbstmordrate erreichte die höchsten Werte innerhalb des Ostblocks.[91] Wie erbärmlich die Bürger in den achtziger Jahren lebten, schildert Herta Müller im Roman „Der Fuchs war damals schon der Jäger“ (erschienen 1994 in Hamburg). Was sie mitteilt, ist die traurige, schreckliche, entsetzliche Wahrheit.

 



[1] Siehe: NBZ-Volkskalender 1980. S. 107-109.

[2] Katharina Schmidt (Gesamtredaktion): Deutsche Pädagogische Lehranstalt Temeswar 1948-1958. München: Landsmannschaft der Banater Schwaben, 2012. S. 20-21 (Absolventen) bzw. S. 236-239 und 250-251 (Wirkungsorte).

[3] Michael Kroner: Die politischen und schulischen Verhältnisse unseres Werdens und Wirkens in Siebenbürgen. In: Michael Fabi und Hans Orendi (Hg.): Unser Werden und Wirken. Erinnerungen des Abiturjahrgangs 1954 der Pädagogischen Schule Schäßburg zum fünfzigsten Maturajubiläum. (Mülheim: Eigenverlag, 2004.) S. 19-25, hier S. 21.

[4] Die deutsche Abteilung des Hermanstädter Pädagogischen Lyzeums ist 1960 entstanden.

[5] Stefan Heinz-Kehrer: Premierenschau 1953-1990 (Typoskript). Über die Entwicklung des DSTT liegt eine 592 Seiten starke Monografie von Horst Fassel vor: „Das Deutsche Staatstheater Temeswar (1953-2003). Vom überregionalen Identitätsträger zum Experimentellen Theater“. Berlin, Münster, Wien, Zürich, London: LIT-Verlag, 2011.

[6] Gerhard M. Bonfert: Muttersprache als vornehmstes Werkzeug der Theaterarbeit. [Bericht über einen Vortrag von Christian Maurer zur Geschichte der deutschen Bühne in Hermannstadt in den Jahren des rumänischen Sozialismus.] Siehe die Internet-Ausgabe der SIEBENBÜRGISCHEN ZEITUNG vom 18. Juni 2002.

[7]  Bd. 1 (A-B) war 1908 erschienen, Bd. 2 (C-F) 1926. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten: Bd. 3 (G) 1971, Bd. 4 (H-J) 1972, Bd. 5 (K) 1975, Bd. 6 (L) 1993, Bd. 7 (M) 1998, Bd. 8 (N-P) 2002, Bd. 9 (Q-R) 2006.

[8]  In einem Brief von Juliane Becker, vormals Lehrerin in Sanktandres, datiert 23. März 2010 in Ingolstadt.

[9] Eduard Eisenburger und Michael Kroner (Hg.): Sächsisch-schwäbische Chronik. Beiträge zur Geschichte der Heimat. (Bukarest: Kriterion, 1976.) S. 193-197 (Bildungsmöglichkeiten in der Muttersprache), S. 197-206 (Kulturpolitik).

[10] Emanuel Bretter: Schule, Unterricht und Erziehung in der einheimischen deutschen Presse. Nebst Hinweisen auf einige rumänische Artikel und Aufsätze. Bibliographische Zusammenstellung 1. Jan. 1971 – 30. Okt. 1972. In: VOLK UND KULTUR. Nr. 11/1972. S. 51-58.

[11] Von 1971 bis 1987 wurden mehr als 200.000 Exemplare gedruckt. 23.800 Exemplare fanden ihre Leser in Rumänien, der größte Teil gelangte in die DDR, ein Teil in die BRD.

[12] Annemarie Weber, Petra Josting, Norbert Hopster: Rumäniendeutsche Kinder- und Jugendliteratur 1944-1989. Eine Bibliografie. (Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2004.)

[13] Hans Gehl: Neue Qualität Banater Chortätigkeit – der Schubert-Chor. In: Temeschburg – Temeswar. Eine südosteuropäische Stadt im Zeitenwandel. (Hrsg. von der HOG Temeschburg-Temeswar. Karlsruhe, 1994.) S. 517-520, hier S. 518-519.

[14] Mündlich von Hans Sieber, Mitglied des Quintetts, am 16. Juni 2009 und am 5. Dezember 2013. Quintett-Leiter Hans Rieder war Tuba-Spieler bei der Philharmonie. Kulturhaus und Philharmonie stellten abwechselnd einen Kleinbus zur Verfügung, dafür musste die Formation einen Teil ihrer Einnahmen abgeben.

[15] Aus einem Brief von Josef Gilde, datiert 19. 6. 2009 in Nagold. Siehe auch das Foto im NEUEN WEG, in der Ausgabe vom 7. Dezember 1978.

[16] Ein Teil der Auflage, anfangs 45.000 Exemplare, ging in die DDR.

[17] Den Vorschlag hatte Chefredakteur Anton Breitenhofer bei der vertraulichen Aussprache mit Partei- und Staatschef Nicolae Ceauşescu im Juli 1968 vorgebracht.

[18] Räte der Werktätigen – ein Element der Scheindemokratie im kommunistisch regierten Rumänien. Man muss den Hut ziehen vor den Mitgliedern, die sich im gegebenen Rahmen für die deutsche Minderheit einsetzten.

[19] Josef Haltrich – Pfarrer, Pädagoge, verdienstvoller Märchensammler (1822-1886).

[20] Die zweite Anthologie musste mit dem Pseudonym Horst Wichland erscheinen, weil Konschitzky ausgesiedelt war.

[21] Siehe das von Wilma Michels verfasste Referat „Deutsche Bücher im Temeswarer Facla-Verlag“. In: Kulturtagung 2011 Sindelfingen. Stuttgart 2012. S. 109-127.

[22] Nikolaus Berwanger hat Herta Müller der exklusivistischen „Aktionsgruppe“ aufgezwungen, gestand Werner Kremm in einem Kommentar zur Verleihung des Nobelpreises an die Schriftstellerin. Siehe: Heimat in der Heimatlosigkeit der Sprache. In: ALLGEMEINE DEUTSCHE ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN. Ausgabe vom 10. Oktober 2009.

[23] Theresia Feil: Sanktandres feiert seinen Ehrenbürger. In: SANKTANDRESER HEIMATBLATT. Nr. 9 (2009). S. 1-4, hier S. 2.

[24] Mündlich von Hans Jung am 16. Juni 2009.

[25] Hannelore Baier: Im Dienst von Geschichte und Politik. Prof. Dr. Thomas Nägler feiert heute seinen 70. Geburtstag. In: ALLGEMEINE DEUTSCHE ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN. Ausgabe vom 30. Januar 2009.

[26] Gernot Nussbächer: Erinnerungen an die Frühzeit der Zeitung „Neuer Weg“. In: ALLGEMEINE DEUTSCHE ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN. Ausgabe vom 6. März 2009.

[27] Siehe dazu die Artikelfolge „Aus Kompromissen geboren und gegen die Staatsideologie durchgesetzt“ von Michael Markel. In: SIEBENBÜRGISCHE ZEITUNG. Ausgaben vom 16. März, 30. März und 15. April 1995. Siehe auch: Barbara Gaug: Möglichkeiten und Grenzen des muttersprachlichen Deutschunterrichts im Spiegel der Lehrbücher in Rumänien nach dem Zweiten Weltkrieg. In: BANATICA. Nr. 2/1996,.S. 33-42.

[28] Heinrich Schubkegel: Schule und andere kulturelle Einrichtungen in Rumänien 1944 bis zur Gegenwart. In: Kaspar Hügel u. a.: Schule und andere Kultureinrichtungen. Bd. 4 der Reihe „Das Banat und die Banater Schwaben“. (Hrsg. von der Landsmannschaft der Banater Schwaben: München, 1991.) S. 47-51, hier S. 48.

[29] Mündlich von Emil Franz im Juli 2009. Franz war Klarinettist im Orchester des Bukarester Filmstudios, Bretz Hornist bei der Bukarester Philharmonie.

[30] Die HERMANNSTÄDTER ZEITUNG erschien ab dem 25. Februar 1968. Wegen des Verbots, die deutschen Ortsnamen zu verwenden, musste man sie Ende Oktober 1971 über Nacht umtaufen, fortan hieß sie DIE WOCHE.

[31] Das Vorläuferblatt hieß DIE WAHRHEIT. Das neue Presseorgan erschien ab dem 21. Februar 1968 unter dem Namen NEUE BANATER ZEITUNG.

[32] Das Vorläuferblatt hieß VOLKSZEITUNG. Unter dem Namen KARPATEN-RUNDSCHAU erschien die nunmehr überregionale Wochenzeitung ab dem 1. März 1968.

[33] Das Unterrichtsministerium hatte der Schule bereits 1956 den Namen „Nikolaus Lenau“ verliehen.

[34] Mündlich von Erich Pfaff.

[35] Gerhard M. Bonfert: Muttersprache als vornehmstes Werkzeug der Theaterarbeit (siehe Fn. 6).

[36] Kurt Breckner: Geschichten aus Agnetheln und über Agnethler. (Waiblingen: Eigenverlag, 2006.) S. 243.

[37] Walter Myß (Hg.): Lexikon der Siebenbürger Sachsen. (Thaur bei Innsbruck: Wort und Welt Verlag, 1993.) S. 546. Zu einer Parte gehören 10-15 Mann.

[38] Betriebsingenieur – Absolvent einer Fachhochschule.

[39] Mündlich von Oskar Ferch am 7. November 2008.

[40] Franz Kahles in einem Brief, datiert 13. 4. 2009 in Baden-Baden.

[41] Johann Unberath, vormals Schulleiter in Zeiden, in einem Brief, datiert 21. 11. 2003 in Fürth. (Aus der Sicht der Einheimischen gehörte das Burzenland nicht zu Siebenbürgen.)

[42] Michael Fabi und Hans Orendi (Hg.): Unser Werden und Wirken. S. 98, 205, 262, 318.

[43] Johann Unberath, vormals Schulleiter in Zeiden, in einem Brief, datiert 21. 11. 2003 in Fürth.

[44] Nikolaus Berwanger war 1969-1984 Chefredakteur der „Neuen Banater Zeitung“. Er bekleidete außerdem folgende Ämter: Vorsitzender des Temescher Kreisrats der Werktätigen deutscher Nationalität und, damit gekoppelt, stellvertretender Vorsitzender des Landesrats der Werktätigen deutscher Nationalität; Abgeordneter des Kreisvolksrats; Mitglied im Büro des Temescher Kreiskomitees der RKP; stellvertretender Vorsitzender des Rumänischen Journalistenrats; Mitglied im Leitungskomitee der Temeswarer Schriftstellervereinigung, ab 1981 Sekretär des Rumänischen Schriftstellerverbands. 1984 kehrte er von einer Reise in die BRD nicht mehr zurück. Auf Anregung des Rumänischen Schriftstellerverbands wurde 2009 eine Straße im Zentrum von Temeswar nach Berwanger benannt. Siehe: Balthasar Waitz: Berwanger-Straße im Stadtzentrum. In: ALLGEMEINE DEUTSCHE ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN. Ausgabe vom 10. Juni 2009.

[45] Hedi Hauser: Die Nischen der Nischengesellschaft. In: Stefan Teppert (Hg.): Die Erinnerung bleibt. Donauschwäbische Literatur seit 1945. Eine Anthologie. Bd. 3. (Sersheim: Hartmann, 2004). S. 118-124, hier S. 122.

[46] Tobias Rüther: Herta Müller ist eine deutsche Schriftstellerin. Ein Gespräch mit der Journalistin Beatrice Ungar. In: FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG. Ausgabe vom 10. Oktober 2009. S. 35.

[47] Ein Familiendrama aufgrund einer Sage. Die von Richard Szegedi verfasste Urfassung in Urweger Mundart wurde 1933 erstaufgeführt.

[48] Michael Fabi und Hans Orendi (Hg.): Unser Werden und Wirken. Erinnerungen des Abiturjahrgangs 1954 der Pädagogischen Schule Schäßburg zum fünfzigsten Maturajubiläum. S. 104.

[49]             Mitteilung von Hanns Schuschnig während eines Seminars zur Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Bad Kissingen (4.-9. November 2007). Siehe auch: Hans Fink: So schrecklich wie absurd. In: BANATER POST. Ausgabe vom 10. Dezember 2007.

[50] Erwin Josef Ţigla: Im Banater Bergland. 10 Jahre Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“. Eine Dokumentation. (Reschitza und Bukarest: ADZ, 1997.) S. 9-11.

[51] Zu den Ausnahmen gehörte Marienfeld, wo man ab 1946 Jahr für Jahr ein Kirchweihfest mit dem Aufmarsch der Paare durch die Ortschaft abhielt, allerdings ohne Tracht; die erste Kirchweih in schwäbischer Tracht, mit mehr als 40 Paaren, fällt ins Jahr 1970. Ein von der Feuerwehr organisiertes Trachtenfest fand ab 1957 jeweils im Januar statt. Aus der Dokumentation des Bürgermeisters W. H. In Sanktandres organisierten die Lehrerinnen Juliane Becker und Eleonore Haller das erste Kirchweihfest nach dem Krieg im Jahre 1948, wobei die Trachtenpaare im Wirtshaus tanzten. Mitgeteilt von Juliane Becker in einem Brief, datiert 23. März 2010 in Ingolstadt.

[52] In einem Brief von Ewalt Zweyer, datiert 26. Juli 2009 in Zorneding. Zweyer ist gebürtiger Hermannstädter, er war Redakteur des NEUEN WEGS und ab 1968 Chefredakteur der HERMANNSTÄDTER ZEITUNG.

[53] Siehe: NBZ-Volkskalender. S. 73-79.

[54] Mündlich von Johann Tittenhofer im Januar 2009. Er war als Lehrer einer der Organisatoren.

[55] Mündlich von Fritz Stumpf im März 2009. Er war vormals Lehrer in Jahrmarkt.

[56] Mündlich von Jakob Lehmann im März 2009. Als Direktor des Kulturheims war er der Hauptorganisator.

[57] Mündlich von Franz und Heidi Straub im März 2009. Er war Schuldirektor, sie Lehrerin, beide beteiligten sich wesentlich an der Vorbereitung.

[58] Katharina Kaiser: 25 Jahre seit dem ersten deutschen Trachtenfest in Semlak. In: SEMLAKER HEIMATBRIEF. 17. Folge. April 1998.

[59] Franz Kahles: Größte Trachtenschau 1974. In: Ders. (Hg.): TSCHANAD. Ausgabe 2005. S. 87-88.

[60] Mündlich von Josef Koch im März 2009. Er beteiligte sich als Lehrer bis zu seiner Ausreise 1983 an den Vorbereitungen der Trachtenfeste.

[61] Mündlich von Peter Rieser, Vorsitzender der HOG Neupetsch, im April 2009. Herbert Weiss wurde 1968 Kulturinspektor des Kreises Temesch und 1969 Dirigent des Schubert-Chors. Heinrich Schubkegel (1938-1991) wurde 1973 Generalschulinspektor im Ministerium für Erziehung und Unterricht. Ludwig Schwarz (1925-1981) machte sich nach 1969 als Journalist und Schriftsteller einen Namen.

[62] Mündlich von Walther Konschitzky, vormals Korrespondent des NEUEN WEGS, im Mai 2009.

[63] Mündlich von Nikolaus Horn, vormals Deutschlehrer und Schulleiter in Hatzfeld.

[64] Aus einer Dokumentation des ehemaligen Bürgermeisters W. H.

[65] Uwe Konst: „Einer der besten Markengrafiker Rumäniens“. In: ALLGEMEINE DEUTSCHE ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN. Ausgabe vom 5. März 2009.

[66] Der Lebenslauf von Paul Abraham in: Landwirtschaft im Banat und Siebenbürgen von deutschen Bauern und Fachkräften geprägt. Retrospektive zum 25-jährigen Bestehen des Vereins Deutscher Diplomagraringenieure aus dem Banat und Siebenbürgen. (Hrsg. vom Verein im Eigenverlag, 2008.) S. 241-243, hier S. 242.

[67] Ein Sammler und Wissenschaftler. Der Volkskundler Horst Klusch wurde Ehrenbürger von Hermannstadt. In: ALLGEMEINE DEUTSCHE ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN. Ausgabe vom 7. September 2013, S. 4.

[68] Mündlich von Luzian Geier im Juni 2009.

[69] Der Lebenslauf von Rudolf Rösler in: Landwirtschaft im Banat und Siebenbürgen. S. 480-482, hier S. 481.

[70] Franz Metz: Die Legende lebt. In: Walther Konschitzky (Hg.): BANATER KALENDER 2009. (Erding: Banat-Verlag, 2008.) S.175-178.

[71] Werner Kremm: Im Atelier zu Hause, in Reschitza daheim. Hans (Ion) Stendl wurde Ehrenbürger des Banater Berglands. In: ALLGEMEINE DEUTSCHE ZEITUNG FÜR RUMÄNIEN. Ausgabe vom 1. Dezember 2008. Beilage BZ, S. VII.

[72] Wolf Oschlies: Rumäniendeutsches Schicksal 1918-1988. Wo Deutsch zur Sprache der Grabsteine wird (Köln und Wien: Böhlau, 1988.) S. 153.

[73] Der Lebenslauf von Dr. Klaus Millim in: Landwirtschaft im Banat und Siebenbürgen. S. 448-451, hier S. 450.

[74] Mündlich von Luzian Geier, vormals Redakteur der NEUEN BANATER ZEITUNG, im Juni 2009.

[75] 1967 – 0,916 Mio Abonnenten, 1968 – 1,115 Mio, 1969 1, 288 Mio. In: Breviarul statistic. S. 396-397.

[76] Aurel Ţintă: Colonizările habsburgice în Banat 1716-1740. Temeswar: Facla, 1972.

[77] Johann Wolf: Zu einigen Fragen der Geschichte des Banats im 18. Jahrhundert. In: BANATICA. Nr. 4/1995. S. 51-64.

[78] Stefan Heinz-Kehrer: Im Zangengriff der Zeiten. Ein langes Leben – in kurzen Geschichten. (Bukarest: ADZ, 2003.) S. 393-395.

[79] Ebd., S. 400-402. Die Securitate hatte dem Verfasser geraten, im Ausland zu bleiben – das ist mit der etwas rätselhaften Bemerkung „nach meiner Ausweisung“ gemeint. (Mündlich am 13. Januar 2009.)

[80] 1981 musste das Deutsche Staatstheater Temeswar neun Schauspieler wegen ihres Ausreiseantrags entlassen. 1983 kehrte sein Intendant Hans Linder von einer Studienreise nicht mehr zurück.

[81] In Deutschland fanden die ehemaligen Mitglieder 1985 unter ihrem früheren Dirigenten Adrian Nucă-Bartzer wieder zusammen. In: Hans Gehl: Neue Qualität Banater Chortätigkeit – der Schubert-Chor. In: Temeschburg – Temeswar. S. 517-520, hier S. 519.

[82] Mündlich von Nikolaus Kleininger, vormals Generalschulinspektor im Unterrichtsministerium.

[83] Johann Lippet, von 1978 bis 1987 Dramaturg am Deutschen Staatstheater von Temeswar, hat das ganze Ausmaß des Elends beschrieben: Wer begreifen will, wie das war, muss wissen, wie es funktionierte. In: BANATICA. Nr. 1-2/2003, S. 5-12.

[84] Walter Tonţa: Schriftsteller im Visier der Securitate. Lesung und Podiumsdiskussion in Ulm. In: BANATER POST. Ausgaben vom 5. und 20. November 2009. (Die Lesung fand am 7. Oktober statt.)

[85] Mündlich von Wilma Michels, vormals Lektorin im „Facla“-Verlag, im Juli 2009.

[86] Die Angaben stammen aus meinen Unterlagen beim NEUEN WEG.

[87] Hans Fink: Ein Erfahrungsaustausch über den Simultanunterricht. In: NEUER WEG. Ausgabe vom 14. April 1981.

[88]  Schulinspektorat – die in Rumänien übliche Bezeichnung für das Schulamt.

[89] Johann Unberath, vormals Schulleiter in Zeiden, in einem Brief, datiert 21. 11. 2003 in Fürth.

[90] Die „Deutsche Fernsehstunde“ wurde vom 29. November 1969 bis Mitte 1984 ausgestrahlt, als das ganze Programm auf zweieinhalb Stunden pro Tag gekürzt wurde, damit das Diktatoren-Ehepaar es besser kontrollieren könne.

[91] Die Selbstmordrate war schon Mitte der siebziger Jahre auf 66 von 100.000 angewachsen. Siehe: Ion Mihai Pacepa: Orizonturi roşii. Amintirile unui general de securitate. (Bukarest: Venus, 1992.) S. 277.

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